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uns "ordentlich"^ WM Gesicht zu haben; er beschämt Etatat LAS--,« ich-- f„ SÄ;
Wilhelm Raabe,
Sic Leute «ms dem Walde, ihre Sterne, Wege und Schicksale. 4. Auflage, Preis geh. Mk. 4,—, geb. JJci. 5, . Verlag von Otto Janke, Berlin. 1902.
Des Autors 71. Geburtstag hat die erfreuliche Erschei- nung im Gefolge gehabt, daß das deutsche Volk die Raabe sche Muse wenigstens annähernd nach Gebühr zu schätzen gelernt hat, das beweisen die in ununterbrochener Folge erscheinenden Neuauflagen seiner Schriften. Alle
Nicht zu groß, von kräftiger Gestalt, elegant gewachsen I AÄ-Werten, schon fallenden Schultern, die einen schlanken I Jret Netzen, der auf einem mächtigen, stolzen Nacken * etnen stolzen Kopf mit hoher Stirn, dessen gescheitelte Haare von tiefem Schwarz glatt anlagen- seine I äeIaöe Nase verriet Stolz und Energie, und ein seidenweicher Schnurrbart, so schwarz wie sein Haar, ließ einen schön geschwungenen Mund mit roten Lippen und blendenden I zahnen erkennen. Was aber diesem Gesicht eine eigene 9^rnalität unb ganz besonderen Reiz verlieh, waren ftiüe I langgeschlitzten, m langen Wimpern halbverlorenen Augen I von graublauer Farbe, deren Sanftheit mit der ausqe- !?vochenen Farbe seines Haares, des Schnurrbarts und I der Augenbrauen, mit der Männlichkeit seiner Lüge und i kräftigen Körperbau in eigentümlichem Kontrast | stand. Der Fuß war klein und geschweift, seine Hand lana schmal, sem Anzug einfach, von dunkler Farbe" weder I _ jt. c... verzichtend, das alles
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lÄÄ’if'Ä »’Sä’Sä Jur das Schone hatten, — nicht seine Erfolge, man wußte von keanem einzigen, vielleicht wußte er selbst von keinem bei den Frauen; denn Wnstlerische Er- I Efc mJFÄ ihm Mcht mb W b°.
..ÄÄÄU' Ä ntitnen! JJon Geburt ein Deutsch-Amerikaner, schon mit 'v\a)rcn .Wasie, kam er auf den Rat eines Marine- i zeitweilig auch Maler war und des jungen
' ä ^ste Zeichnungen und mit Chic entworfene Studien I Zusehen hatte, von Newyork nach Berlin, um hier sein Saer, um auf das Glück und die erhofften Gelder warten zu können, mußte er leben, — mußte [ ™ bme Schwester von zwölf Jahren, die ihm seine sterbende erzielten laßGn"'^9^ ®r6teiI hinterlassen, ernähren und
Sange, lange währte der Kampf ums Dasein Den ganzen Tag arbeitete er rastlos im Atelier des Malers Prost ferner, ber den talentvollen jungen Künstler ausgenommen Des abends ließ er die große Kunst beiseite und betrieb sie als Handwerk, indem er das am Tage Erlernte zu vergessen suchte und malte, bloß um seine persönlichen Auslagen und, die ferner Schwester zu decken, kleine Bicher von absolut keiner lünstlerischen Bedeutung, ohne sich darauf "s^s^nem Namen,zu unterzeichnen, die er dann, ob gut, ob schlecht, an die Trödler des Viertels und kleinen Laden- *” b,e 3 um einer
9rrrwU<1Cl-SßerIaF von drei Jahren hatte ihn diese doppelte ?.te ^vvße und die kleine, die bei Tag und die Bei Nacht, die geliebte Kunst und das auferlegte Handwerk, dieser fortwährende Kampf um das materielle Leben, die Entmutigung, all die Zweifel, die ihn manchmal über- tamen, vollständig Niedergeschlagen nnd aufgerieben. Seine Kameraden jedoch und feine Meister prophezeiten ihm eine schone große Zukunft, wenn er eine Studien noch ein ge
^st e.r unschuldig. Ein Mensch, der im Glücke schwebt, der mordet nicht." ue
< "Sie wollen immer alle, daß er gemordet hat", rief der Graf von 1. ganz erregt aus- „Ich setze das aber gar Nicht voraus — Für ihn würde es nichts Leichteres geben als zu beweisen, daß er gestern nicht bei Frau von Sanden gewesen, da er sich eben bei einer anderen befand. Nun verweigert er, es zu beweisen."
< "3n■ j>em Falle, meine Herren, wo ist aber der Mörder, der Totschläger, — wenn Sie lieber wollen--? Dann
uiuß es doch ein anderer sein!"
„Die Gerichte werden ihn wohl finden!"
... ."Da^ ist nicht immer gesagt, besonders wenn die Be- horden von Anfang an auf falscher Fährte sind und sich einbckden, den Mörder bereits gefunden zu haben", schloß der Mann des Rechts, der sich darin auskannte.
ptmS" sieben Uhr geschlagen. Der Klubdirektor
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Das Gespräch war unterbrochen.
12. Kapitel.
h w "Pas finde ich gar nicht", unterbrach sie der Graf VE ^' omes der einflußreichsten Mitglieder des Klubs^ viu sogar für mem Teil versucht, an die aeheimuis-
vocko Dame zu glauben, mit der Sempach etwa zarte B-e- i ziehungen unterhielt. Er war seit einiger Zeit nicht mehr I t derselbe Mensch. Ich war ihm unlängst begegnet; ein Ausweichen seinerseits war nicht möglich; aber kaum, daß er auf meine Fragen antwortete. Er schien nicht mehr auf ÄSÄÄ - '“-b“" '««mL Ä
ho„r«stritt eilig nach den Linden zu, ganz in Gedanken versunken, ohne umzublicken. Eben, als er über den Operu- ei\an ^em Wagen einer der bekanntesten . ^ sh^s^chneil - der Stadt, die damals gerade in Mode ^'vorüber. Sie konnte sich nicht enthalten, sich aus dem Fenster herauszubeugen, um ihn besser zu sehen und zu ihrer sie begleitenden Freundin zu bemerken: „Gott s der klinge hübsch! Es sollte wirklich einem Manne ver-
„Ganz gewiß täuscht man sich auch!"
»Dann soll er doch einfach ein Alibi nachweisen", fuhr Baron x. fort, „er soll einfach sagen, wo er war und was er zu der Zeit, als der Mord begangen wurde, gethan hat. ~~ Wenn mich einer beschuldigen würde, ich hätte jemand zwischen 10 und 12 Uhr nachts umgebracht, da würde ich einfach beweisen, daß es-unmöglich war; denn ich brachte ..... "Bei ihr zu; ja, wir wissen schon. Fortsetzung über- flussig. Aber wenn Du z. B. mit einer Frau aus der großen Welt zusammen gewesen wärst, mit einer verheirateten Frau, die durch Deine Geständnisse verraten und geopfert, für immer kompromittiert würde, — möchtest Du sie etwa nennen?"
^eber Freund, wenn mir kein anderes Mittel bliebe, dem Zuchthaus zu entrinnen--denk Dir nur-
arbeiten zu müssen tote ein Schuster ober Handwerker ii^5?v^^drot zu essen, nichts als Kommißbrot zu essen! — Unb bann keine Weiber, gar keine- Weiber! — Gräßlich'" e..."™- trotz alledem, trotz biefer Aussicht, ich für mein
?icht neunen. Ich würbe warten, bis sie von selbst spricht, — bis sie selbst eine Erklärung ab gießt, die meine Unschuld erweist." '
"Wenn sie aber nicht spricht unb sich nicht rührt?" „Dann wäre sie ein ganz elenbes Weib."
. . "Sandes Weib? — Gott, man weiß nicht, — — es ! gtebt Umftanbe---" 1 ' i
• „-Otoine Herren, meine Herren, wir verirren uns ba Ü*. Ä - - -»,o6rliier™ ba efa“
»et Ankündigung des Diners waren einige Mitglieder tn t>en zwei peppen hoch gelegenen Speisesaal gegangen UnJr^en^efeteren befanb1 etner^haw verlassen' i öwumt, wenn er letne Studien noch ein
dem Bonn» k^ren sich einer, der noch lange unter Zeit fortsetzen wollte, ©eine Studien! Dadurch daß er batL^MnerM^JeK6 s^1Satt9eI)abten Gespräches blieb. Er re ewig verlängerte, erschöpften sie ihn zu Tobe" Eine damit ^bloß^?bÄen firn™ Ü"b begnügte sich schone Zukunft! Wann? Nach seinem Tode?
Jetzt versuchte er, sich alles wieder in Erinnerung L bringen und nach dem Anhören so vieler verschiedener Meinungen fern eigenes Urteil zu bilden. ^cmungen


