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nichts von einer Entscheidung. Grund ihrer Trennung war, d

Seit einigen Tagen war in Newport und in der Ge­sellschaft, welche Bell umgab, ein deutscher Herr aufgetaucht. M war ein Herr Westheim aus Berlin. Ein Kabelunter- hehmen, an dem ferne Firma beteiligt war, hatte ihn -nach Newyork geführt. Es war das erste Mal, daß er nach Amerika kam, und die gesellschaftlichen Sitten und Zu­stände, in die er hier hineingeriet, amüsierten ihn als Berliner nicht wenig. Natürlich hätte er damals gleich als einer der Ersten in Erfahrung gebracht, welche Bewandtnis es mit dieser schlichten amerikanischen Miß gehabt hatte, Und noch lauge nachher machte er sich die bittersten Vor­würfe, daß auch er sich von der unscheinbaren Außenseite dieser Dame hatte düvieven lassen Und seine Chancen ihr

äerMMkgen. gestickten Divans, Korin schwarze Musikanten, den Banch in der Hand, stets warteten; auf dem Deck mit seinen Schaukelstühlen und Palmen gab es eine Voliere mit exotischen Vögeln; gekühlt in Wassereimern stand immer herber Champagner bereit alles von einem bis auf die Spitze getriebenen Raffinement. Am späten Nachmittage ging es nach dem Lande zurück, um hier jetzt einem Polo- Match zuzuschauen, den oie Herren unter sich auf ihren Pferden, mit einem Schlegel nach einem weißen Ball schlagend, ausfochteri, daun wurde abermals Toilette ge­macht, nach der Stadt gefahren und diniert und zum Schluß der Ball im Kasino besucht; frühzeitig, schon vor elf, zog man sich darauf zurück, um am anderen Tage wieder frisch und kräftig zu sein.

Das Leben der vornehmen Lady, der Löwin, das jetzt Bell führte, bekam ihr ausgezeichnet. Der ununterbrochene Genuß der Seeluft, der fortwährende körperliche Sport, den sie als echte Amerikanerin schon früher gern betrieben hätte, färbte ihre Wangen mit der Röte der Gesundheit. Die ganze Männerwelt lag zu ihren Füßen nicht bloß vor ihrem Reichtum, nein, jetzt auch vor ihrer Schönheit, vor ihren Launen, vor ihrem Uebermut, denn auch darin hätte'sie sich seltsam verändert. Sie war sehr lustig ge­worden, gesprächig, sie liebte den Lärm, jede neue Sensa­tion und vor allem prächtige Toiletten, die sie natürlich aus Europa bezog, aus Paris von Worth, von dem sie sich, wie bekannt war, extra einen Zuschneider hatte herüber­kommen lassen. Wie die anderen großen Damen in New­port und in dem ganzen fashionablen Amerika, trug sie nicht nur abends, sondern auch am lichten Tage und bei jeder Gelegenheit großen Schmuck, nächst Perlen hauptsächlich Smaragden und Rubinen, die jetzt teurer als Diamanten waren. Mit einem Worte aus ihrer ehemaligen Sonder­lingsnatur, aus der früher schlichten Raupe hatte sie sich Nun endlich zu einem glänzenden Falter entwickelt, der chön und stolz und heiter von Triumphen zu Triumphen tatterte. Unter den in Newport versammelten Damen nahm ie jetzt unbedingt die erste Stelle ein.

In der zahlreichen Gesellschaft, die täglich ihr Haus Md ihre Dacht fußte und sie begleitete, genoß Einer eine hevorzügte Stellung. Das war ihr Vetter Fred Bennet. Er war Der Einzige von allen, mit dem sie manchmal allein war und er wich nicht von ihrer Seite. Allgemein erblickte Man in ihm ihren künftigen Gatten, nur mußte erst ihr Scheidungsprozeß erledigt sein. Es war merkwürdig, wie lange er sich hinzog. Wäre ein amerikanisches Gericht dafür zuständig gewesen, so wäre die Angelegenheit natürlich schon längst aufs beste bergelegt worden. So aber war die Trauung in Deutschland vollzogen worden, und zuständig war des­halb das preußische Gericht. In Europa dauerte eben alles noch ein paarmal so lange als im eigenen Vaterland. Seit ihrer Trennung von ihrem Mann und ihrer Rückkehr waren Nun schon Monate vergangen und noch immer hörte man Nichts von einer Entscheidung. Was aber eigentlich der Grund ihrer Trennung war, darüber wußte man auch in Newport nichts Gewisses. Bell selber erzählte nichts davon. Nur Bessie Wellingford, eine ihrer besten Freundinnen, wollte gelegentlich einmal von ihr erfahren haben, daß sie an ihrem Hochzeitstage einen sehr heftigen Streit mit ihrem eben angetrauten Gatten gehabt habe, und das habe für sie den Ausschlag gegeben. Am Ende war der ganze Grund auch gletchgiltig. Erstens hatte man zum Klatsch in Newport keine Zeit, denn man war viel zu sehr mit der angenehmen Gegenwart und seinem Amüsement beschäftigt pnd zweitens Bell war ihre eigene Herrin, sie konnte also thun und lassen, was sie wollte, wie jede andere freie Amerikanerin. Dafür war man Gott sei Dank! ein Bürger der Vereinigten Staaten.

ihr gegenüber damals nicht besser wahrgenommen. Sträf­lich' vernachlässigt hätte er sie statt ihr gebührend den Hof zu machen. Wer weiß, wie dann die Sache abgelaufen wäre. Unfehlbar hätte sich Miß Cookson statt in diesen Freiherrn in ihn selbst verliebt. Dann wäre sie jetzt seine Frau'und von ihm das stand sür Richard Westheim absolut fest hätte sie sich! nicht scheiden lassen. Aber war er ehr nicht Gott sei Dank! vorgestellt? Er sah es! deshalb als sein gutes Recht an, nachdem er nun einmal in Newyork war, Miß Cookson seine Visite zu machen. Natürlich erkannte sie ihn zuerst nicht, dann aber doch und er war von der guten Laune, mit der sie ihn aufnahm, geradezu entzückt. In Wahrheit, er amüsierte sich in diesem Lande großartig, !nnd unter den Damen in Newport machte er direkt, wie das jedermann bezeugen konnte, Furore. Wenn Miß Cookson, jetzige Freifrau von Schöneck, erst ge­schieden war, dann konnte er seine Chancen wieder auf­nehmen, dann trat er in die Arena. Uebrigens war er ernstlich in sie verliebt in sie selbst, nicht bloß in ihre Millionen. An das Gerücht, daß ihr Vetter, Herr Bennet, der Nächste dazu war, daran glaubte er schlechterdings nicht. Denn warum? Es war in ganz Newport offenkundiges Geheimnis, oder genauer gesagt, Geheimnis war es über­haupt nicht, denn man sprach ohne jede Verlegenheit davon, daß Herr Bennet seit ein paar Tagen verreist war, in Ge­sellschaft einer Dame, einer unverheirateten jungen Dame,- in Gesellschaft von Fräulein Bessie Wellingford. Daß näm­lich ein junger Mann mit einem jungen Mädchen, beide aus bester Klasse, tagelange einsame Landpartien machte, auch das war in diesem amüsanten Lande ganz unbefangene Sitte. Offenbar also hatte Herr Bennet mit Fräulein Wellingford einen Flirt, woraus wieder hervorging, daß ihm, Richard Westheim, dieser junge Mann in Bezug auf die Frau Baronin ganz ungefährlich war.

In der That, was hatte diese Reise von Fred Bennet und Bessie Wellingford zu bedeuten? Alles, was in New­port seine Liebe zu seiner Cousine kannte, wunderte sich darüber. Bessie Wellingford war allerdings ein sehr hübsches Mädchen. Sie war jetzt einundzwanzig Jahre alt, hatte wie Bell in Boston studiert und lebte, gänzlich von ihrer Familie getrennt, in Bells Hause seit dem Beginn des Sommers als ihr Gast. Sie gehörte zu denjenigen ameri­kanischen Mädchen, die nicht sentimental und die ans diesem Grunde auch für kein Familienleben eingenommen sind, auch nicht für das im elterlichen Hanse. Ihre Eltern dachten allerdings ganz ebenso. So kam es, daß Bessie, selbst wenn sie znm Beginn des Winters nach Newyork zurückkehrte, ihre Mutter, die durch allerhand gesellschaftliche Pflichten aufs Aeußerste in Anspruch genommen wurde, nur alle paar Wochen einmal sah, dagegen ihren Vater, der Winter und! Sommer von früh bis abends in Wallstreet in seinem Comp­toir saß, um das nötige Geld zu verdienen, überhaupt niemals. Dem entsprachen auch ihre Vorstellungen von ihrer eigenen künftigen Ehe. Wozu mußte überhaupt ge­heiratet fein? Sah man das nicht an dem Beispiel Bells? In Europa allenfalls mochte die Ehe für ein Mädchen noch ein erstrebenswertes Ziel sein, denn in Europa, so hieß es, genießt ein junges Mädchen keine gesellschaftliche Freiheit, keine Selbständigkeit die erlangt es erst als verheiratete Frau. Mer hier im lieben Vaterlande? Wenn Bessie, die übrigens dabei schon einige Male verlobt gewesen war, in früheren Jahren an ihren künftigen Mann dachte, der natürlich sehr reich sein mußte, so geschah dies mit dem liebenswürdigen Wunsche, daß er so gut sein möge, sie gleich nach der Trauung zu seiner Witwe zu machen. Um so mehr als für eine gefühlvolle Häuslichkeit interessierte sich hingegen Fräulein Bessie für andere Dinge, zum Beispiel für Politik oder die unter der New Yorker Damenwelt so zahlreich anftreienden Modeliebhabereien. Im übrigen war mit Bessie seit den letzten Wochen eine große Veränderung vorgegangen. Zum. ersten Mal in ihrem Leben war sie verliebt. Und in wen? Eben in Fred Bennet- Sie hätte es Bell anvertrant, und die Folge davon war, daß Bell ihren Vetter veranlaßt hatte, diese Reise mit ihr zu unternehmen. Was Bell für Gründe dazu hätte? Allerdings, das wußten nur die ganz Eingeweihten. Sie erwiderte nämlich die Liebe ihres Vetters so wenig wie früher, und sie wünschte, daß er sein Herz endlich einer Anderen schenken möchte. Dazu war eine derartige mehrtägige Landpartie die beste Gelegenheit. Was Bell ihm befahl, das that er. Die Reife Kar nach irgend einem Badeorte gegangen. Seit heute, seit