einer halben Stunde waren sie wieder zurück. Besste hatte alle Ursache, mit dem Resultat ihrer Reise sehr unzufrieden zu sein. Fred war natürlich sehr musterhaft, sehr zuvorkommend, seht artig gewesen — aber mehr auch nicht. Hart und kalt wie Stein war er geblieben.
(Fortsetzung folgt.)
Australische Buschräuber.
Man schreibt der „Köln. Ztg." aus Brisbane von Anfang Mai: „Tausend Pfund demjenigen, der die Brüder James und Patrick Kenniff ergreift!" steht dieser Tage in allen hiesigen Blättern, nach einiger Zett wird sich die Summe verdoppeln und vervierfachen, wenn der Zweck nicht sofort erreicht wird. Kostete docb die Festnahme der schwarzen Mörder Jimmy und Joe Governor im Juli 1900 dem Staate Neusüdwales weit über 100 000 Mk. Ein Land, in dem durchschnittlich nur „ein halber" Mensch auf den Quadratkilometer kommt — in Queensland sogar nur ein Drittel —, mutz man mit äußerster Strenge auf Sicherheit des Lechens und.Eigentums halten, sonst fehlen die Grundbedingungen der Existenz, und niemand würde sich dort mehr niederlassen. Die Zahl der schweren Verbrechen ist aus naheliegenden Gründen in Australien weit größer als in Europa, aber das Auftreten von Räuberbanden ist eigentlich recht selten. Häufig dagegen ist der Vagabund, der mit seinem Bündel durch das Land zieht, ungern arbeitet und nirgends ein gern gesehener Gast ist. Gr ist ein verwegener und verwilderter Bursche, dem der einsam wohnende Farmer wohl oder übel Quartier und Käst gewährt, sonst setzt er ihm den roten Hahn aufs Dach Meist zieht er allein seines Weges, denn einer traut dem andern nicht. Nur Blutsverwandte thuen sich bisweilen zusammen, wie auch hier. Seitdem die unter den: Namen „Kellh-Gang" bekannt« Bande berüchtigten Andenkens Ende der siebziger Jahre die Regierung Victorias in Atem erhielt, hat kein Ereignis ähnlicher Art soviel Erregung in Australien hervorgerufen, wie die Blutthaten der Familie Kenniff, Buschklepper der schlimmsten Sorte. Als Ende 1893 Tyson, „der reichste Mann Australiens", gestorben war — die Erbschaftssteuer von seinen Queensländer Besitzungen allein betrug 3,75 Mill. Mark —, wurden die ungeheuren Liegenschaften geteilt, und nun kam manches ans Tageslicht, was bisher so mit untergelaufen und wenig beachtet worden war. Zwischen den beiden Hauptbahnlinien, die sich bis tief hinein in den Westen Queenslands erstrecken, zieht sich, viele tausend Quadratkilometer bedeckend, auf welligem Gelände der tropische Scrub, Busch, hin, unterbrochen von weiten Grassteppen. Hier hatte sich die Familie Kenniff, der Vater und vier erwachsene Söhne, eingenistet und mit einer Familie Stapleton zu einer würdigen Genossenschaft zusammengeschlossen. Mit kleinen Viehdiebstählen wurde begonnen, bald aber wurden die „Geschäfte" in großem Maßstabe getrieben und förmliche Treibjagden veranstaltet. Der ganze Distrikt kam unter die Botmäßigkeit der Räuber; manche Bewohner hatten Nutzen von ihnen und kauften billiges Vieh, andere fürchteten die verwegenen Gesellen und wagten nichts zu sagen. Endlich erreichte Stapleton sein Schicksal; er starb im Zuchthause auf St. Helena. Immer verwegener wurden nun die Raubzüge der fünf Kenniffs. Sie richteten ein äußerst sinnreiches, den Eingeborenen abgelauschtes Zeichensystem ein und spotteten aller Nachstellungen der Polizei; der dünne Brigalow-Seurb ließ die Verfolger aus großer Ferne erkennen und das dichte Unterholz von Callistemom und Malaleuca bot undurchdringliche Verstecke. Endlich nahte das Verhängnis: ein junger Deutscher war die Ursache, leider büßte er dabet aus grauenvolle Weise fein Leben ein. Albert Dahlke war, wenn ich nicht irre, ein Neffe von Eduard Dahlke aus Gayndah, eines der tüchtigsten Mitarbeiter des nun auch leider schon Heimgegangenen Professors Semon aus Jena. Letzterer lueltte 1891 und 1892 hier in Queensland und hätte sich! das Studium der wunderbaren australischen Fauna, insbesondere der eierlegenden Säugetiere, der Beuteltiere uitb des nur im Bur- nettslusse vorkommenden Luntzenfisches zur Aufgabe gemacht. Von Albert Dahlke schirieb damals Semon: Der Alte hat seinen sechzehnjährigen Neffen mitgebracht, einen kräftigen, äußerst gescheckten und intelligenten jungen Mann, der trotz seiner Jugend ein vorzüglicher Reiter war und ganz vortrefflich mit der Büchse umzugehen wußte. Bon den Gebrüdern Collins, die einen großen Teil des Besitztums
Tyson übernommen hätten, wurde Albert Dahlke aus ersehen/ Ordnung zu schassen und dem Unwesen der Familie Kenniff endlich ein Ende zu machen. Dazu erschien er völlig geeignet: ein Hüne von Gestalt, furchtlos, ein ausgezeichneter Reiter und Schütze, wohlbekannt mit dem Leben im Busche- mit allen Listen und Tücken seiner Gegner. Die Station Carnarvon wurde ihm zur Leitung überwiesen. Bald darauf ertappte er den jungen James Kenniff bei einem Diebstahl und ließ ihm eine gründliche Tracht Prügel zuteil werden. Nun schworen die Buschklepper blutige Rache. Eine Reihe von Ueberfällen folgte, um den Verwalter zu reizen; am Ostersonntage machte sich Dahlke mit dem Polizisten Doyle und dem schwarzen Spurfinder Sam auf, um den Kenniffs zu folgen. Was nun weiter geschah, entnehmen wir den Schilderungen des Blacktrackers. Bei Mount Moffart wurden die Räuber anfgespürt, und ein wildes Jagen begann. Dahlke ritt einen vorzüglichen Renner, und bald hatte er James Kenniff eingeholt, die anderen waren nach verschiedenen Seiten hin geflohen. Sam wurde ausgeschickt, um von dem zurückgebliebenen Packpferde die Handfesseln zu holen. Kaum war er hundert Schritte entfernt, so hörte er hintereinander fünf Schüsse fallen. Gr kehrte rasch um und konnte eben noch sehen, wie Dahlke vornüber vom Pferde sank; Doyle lag am Boden, die übrigen Kenniffs hatten im Hinterhalte gelegen und beide erschossen oder verwundet. Sam riß rasch sein Pferd herum und jagte dem Busche zu, der ihn bald den Blicken seiner Verfolger entzog. Und nun leistete der Schwarze ein Bravourstück! er ritt zwei Nächte und einen Tag, fast ohne Unterbrechung nach dem 240 Kilometer entfernten Mitchell,, dabei immer die Straße vermeidend, um den Kenniffs nicht in die Hände zu fallen. In Mitchell gab man ihm zwei Polizisten mit und versprach, weitere Hrlfe nachznsenden. Nach einem Ritt von zwei Tagen wurde der Thatort erreicht und die Nachforschungen begannen. Die Räuber hatten alle nur denkbaren Kniffe gebraucht, um ihre Spur zu verwischen, waren nach verschiedenen Richtungen auseinander geritten, um sich dann wieder zu treffen, hatten die Pferde streckenweise rückwärts gehen lassen rc. Mer Sam ließ sich nicht irre machen; erst fand man ein erschöpftes Pferd, das die Verfolgten zurückgelassen hatten, und daun stieß man aus das. Lager. Wie die Katzen schlichen die Polizisten mit vorgehaltenem Revolveä heran. „Hände hoch!" erscholl plötzlich das Kommando, und augenblicklich leisteten die Ueber- sallenen, der Vater und die beiden jüngsten Söhne, Folge, denn sie wußten wohl, daß ihnen sonst die Kugel sicher war. Patrick,und James fehlten, und alle Fragen nach ihrem Verbleib, wie nach Dahlke und Doyle, blieben unbeantwortet. Die Gefangenen wurden gefesselt, und Sam entfernte sorg- sältig alle Signale: scheinbar achtlos weggeworfene Zeugoder Papierfetzen, abgebrochene Zweige u. dergl. Als bte drei Räuber hinter Schloß und Riegel waren, schickte die Regierung mehrere starke Expeditionen aus, um die beiden anderen Brüder zu sängen und nach Dahlke und Doyle zu sorfchen. Noch gab man sich der Hoffnung hin, daß letztere nur verwundet seien und irgendwo verborgen gehalten würden. Diese Hoffnung schwand, als man die Spuren der Verschwundenen fand und nicht weit davon große Blutlachen. Noch schlimmere Vermutungen wurden laut, als man auf das Pferd Doyles stieß, das zwei gefüllte Pack- fäcke trug und offenbar den Räubern entlaufen war. Die Säcke zeigten einen grauenvollen Inhalt: verkohlte Knochenüberreste, Zähne, Uniformknöpfe von Doyles Kleidung — kein Zweifel, daß sie von den Verschwundenen herrührten. Bald darauf stießen die Spurfinder auf eine bis dahin unbekannte Höhle mit einer Menge von Lebensmitteln, offenbar einer der zahlreichen Schlupfwinkel der Kenniffs/ Etwa drei Kilometer entfernt von dem Orte, wo Dahlke und Doyle zuletzt gesehen worden waren, fand man im Bett eines Baches auf der abgeplatteten Kuppe eines vorspringenden Felsens die Reste eines großen Feuers. Ein unausstehlicher Geruch zeigte an, daß dort etwas Besonderes geschehen fei. Bei genauer Untersuchung wurden überall Blutspuren, geschmolzene Bletstücke, Zeug und Fetzen eines Filzhutes gefunden, in einem Loch unter dem Stein lagen 0 Mengen geronnenen Blutes und verkühlte Eingeweide.
jl Verbrennen der Leichen hatten die Unholde die Spüren ihres Verbrechens verwischen wollen; die letzten Ueberreste waren in Säcke gepackt worden und sollten wohl irgendwo vergraben werden, das Pferd wär aber damit dürchgegangen. Jetzt beginnt die Hetzjagd auf die Mörder; nicht weniger


