dieser Berge geht meistens eine ErderschLtterung oder ein dumpfes unterirdisches Rollen vorauf. Anzeichen für eine nahende Katastrophe gießt es keine sicheren. Beim Vesuv achtet mein genau auf die Farbe und die Menge des auf-- steigenden Rauches. Besonders ein Versiegen des letzteren gilt als ein ungünstiges Vorzeichen, weil man daraus eine Verstopfung des Schlundes befürchtet. Ebenso ungewiß wie die Vorzeichen einer Katastrophe sind die Perioden, nach denen eine solche eintritt, und der Verlauf, wie die Begleiterscheinungen derselben.
Der Ascheregen, den der Schlund ausschleudert, ist meist ungefährlich. Die Asche ist abgekühlt durch den langen Weg durch die Luft. Sie fällt allerdings oft mehrere Zoll hoch je nach dem Winde, und schadet dann den Pflanzungen. Bei diesem Aschenregen, der 1860 auf Reunion 300 Millionen Kilo betragen haben soll, und der vom Vesuv aus schon bis nach Konstantinopel getragen wurde, bleibt es aber nicht immer. Oft folgen Gesteinstrümmer aus Trachht und Granit, es regnet Bimsteinstücke, Schlacken und Lavabomben bis zu 10 Zentimeter Dicke. 1832 fand man am Vesuv solche Stücke von 2y3 Zentnern. Die Wurfhöhe erreichte oft 2000 Meter-, und man fand solche Trümmer schon 10 Kilometer weit. Während der Eruption schwankt der Boden oft auf ungeheure Entfernungen, der naheliegende zerklüftet sich, Gebäude und ganze Orte stürzen ein. Dio Quellen ver- fiegen und neue thun sich auf.
Durch die Erdverschiebungen verändern Flüsse ihren Lauf oder bilden Seen, denn oft heben sich plötzlich ganze Länderstriche, wie die Küste von Chile, die sich im Jahre 1822 auf eine Strecke von 150 Kilometer um drei bis sieben Fuß erhöhte. Nach Plinius sank dagegen der Berg Cybolus und die Stadt Kusis in Kleinasien hinab. Die Reste des ehemals so herrlichen Tempels des Jupiter Serapis zu Puteoli bei Neapel zeigen an den drei noch stehenden Säulen deutliche Spuren von Bohrmuscheln. Diese Trümmer sind also ehemals mit dem ganzen Gelände unter die Meeresoberfläche gesunken und später durch vulkanische Gewalten wieder gehoben ivorden. Diese herrliche Gegend zeigt überhaupt unheimliche Veränderungen in ihrer Oberfläche, und es bedarf die Bevölkerung des ganzen wunderbar träumerischen Geistes der Neapolitaner, um auf solchem unsicheren Boden ihr dolce far niente zu bewahren. 1538 entstand hier auf einmal ein neuer Berg, der Monte nuove. Furchtbar war das Ereignis, welches dieses Paradies im Jahre 1631 am 16. Dezember traf. Seit einem halben Jahrtausend galt der Vesuv für erloschen, um dann mit ungeheurer Macht sein Unheil über 40 blühende Orte zu ergießen. Sieben Tage dauerte das Unglück, und noch bis zum März des nächsten Jahres lobte der Berg im inneren, lieber 4000 Menschen und 10 000 Stück Herdenvieh kamen dabei um. Zeitgenössische Chroniken schildern das Ereignis furchtbar. Mau sandte Boten aus, um das Ende der Welt zu verkünden. Das Volk aß er lag vor den Altären, und der damals so leichtsinnige und genußsüchtige Adel wandelte mit dem Bettler in langer Prozession zur Maria bei Carmine. Wer unter diesem prächtigen Himmel kann der Mensch nie lange traurig sein, und mag Neapel noch tausendemale dieSchrecken des Höllenschlundes zu kosten haben, so lange nur wird der Eindruck anhalten, bis der Vulkan seine gewöhnliche Ruhe wieder angenommen und friedlich rauchend feine Rauchwolken gegen den ewig blauen Himmel sendet.
Im Jahre 1861 brach der Vesuv nahe an seinem Fuße auf und sandte ungeheure Lavamassen über die Gegend. Die Lavaströme sind eine zähflüssige aber nicht allzu heiße Masse, die meist durch ihren ungeheuren Druck die Wände des Kraters durchbricht und sich dann über die Abhänge in feurigen Strömen ergießt. Ter im Jahre 1669 Catania zerstörende Lavastrom des Aetna erreichte eilte Länge von 27 Kilometer bei einer Breite von 11 Kilometer. Derselbe Krater sandte 1819 einen Lavastrom von solcher Masse und Temperatur aus, daß dieser erst nach sieben Monaten gänzlich erkaltete. Die Geschwindigkeit, mit der sich diese glühende Flutwelle fortbewegt, ist z. B. am Vesuv im Jahre 1774 in der Minute über zweihundert Meter gewesen. Den Auswürfen folgen oft ungeheure Lufterfchütterungen, so wurden 1822 die Decken des Palastes zu Porlici dadurch gesprengt. Der Anblick der Sonne wird oft durch den dichten Rauch und den Ascheregen so sehr verhüllt, daß man in Quito bei den Ausbrüchen des Pichincha mit Laternen über die Straßen ging. Aber auch das Meer, ait
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dem ja fast älle Vulkane liegen- hat die Schrecken der Erschütterungen, die im Jahre 1827 in Nengranada fünf Minuten dauerten, zu kosten. Seefahrer glauben, aufgefahren zu sein, das Meer steigt hoch auf. Bei den Antillen bildeten sich 1755 Wasserberge von 7 Meter Höhe, bei Chile wich das Wasser dagegen 1822 und entblößte den Grund.
Weil sich die vulkanischen Gebirge, wie gesagt, längs den Küsten, oder als Küsteninseln erheben, ist es naheliegend anzunehmen, daß sich Meerwasser in den Feuerherd ergießt. Merkwürdig ist der Fischauswurf der Vulkane des Hochlandes von Quito, von denen Humboldt berichtet. Ein Höhlenfisch, eine Art Wels, wird zu Tausenden durch den Vulkan ausgespien. Erreicht die Lava das Meer, wie z. B. im Jahre 1803 bei Neapel, dann bedecken viele tausend Fischleichen die heiße Oberfläche. Wer auch ganze Flüsse werden verpestet, wie der Magdalenenfluß im Jahre 1827. Denn diese Lavamasse ist oft eine ungeheure. Der Mauno-Loa auf den Sandwichinseln schleudert oft einen glühenden Lavastrom von 30 Meter Dicke, wie eine Fontaine auf 350 Meter Höhe senkrecht in die Lust. Solche Feuermassen bilden dann über Felsen stürzend, wunderbare Feuercascaden.
Finden solche gegantischen Evolutionen unter dem Meere statt, dann bilden sich Hebungen und Senkungen des Bodens, durch die beispielsweise die Insel Sabrina am 30. Januar 1811 in den Azoren, und 1831 Nerita bei Sizilien gebildet wurden. Doch verschwinden diese lockeren Bildungen wieder durch die Meeresbrandung.
Die plötzliche Verdichtung der Dämpfe, die der Vulkan in die kältere Außenluft schlendert, verursachen eine gewaltige elektrische Spannung, Blitze fahren ans dem wild- tobenden Chaos empor, und Donnerschläge unterbrechen das wilde unterirdische Getöse. Zum Schluß geht meistens ein gewaltiger Regen vom Berazipfel hernieder, der oft für einen Wasserauswurf angesehen wurde.
Wir Mitteleuropäer "haben ja stellenweise auch alten vulkanischen Boden unter unfern Füßen, aber vor den Schrecken solcher Evolutionen bleiben wir wohl bewahrt.
GsmeLnnützsgss.
Einstülpung des Augenlides beim Hunde. Eine beim Hunde häufig vorkommende Erkrankung ist die Einstülpung des Augenlides. Dasselbe legt sich mit seinen behaarten Teilen nach innen und reizt dadurch das Auge zu Entzündungen und zum Thränen, auch zu Eiterung, n. Wenn das Auge nicht dauernd geschwächt werden soll, greife mail sofort ein. Da es sich hier um eine Verkürzung des! Schließmuskels handelt, ist durch eine kleine Operation leicht nachgeholfen. Ist kein Tierarzt zur Stelle, und besitzt man eine sogen. Knopfschere, das ist eine Schere, die an einem Balten in einen Knopf ausläuft, so kann man die Operation auch selbst ausführen. Der Hund wird auf einen Tisch gelegt, gehalten, eventuell wird ihm das Maul verbunden, und dann führt man den Knopf unter das Lid und macht einen Einschnitt von 1—1 pz Zentimeter Länge. Ter Muskel längt sich und die Stülpung ist behoben. Nach der Blutstillung legt man einen weichen, feuchten Verband auf das Auge und umwickelt ihn leicht mit einer Woll- binde. Von zwei zu zwei Stunden wird gewechselt ) dabei gebadet. Binnen einigen Tagen ist die Wunde verheilt.
(Prakt. Wegweiser, Würzburg.)
L e s e f r ü ch L e.
„Es geht den Büchern wie den Jungfrauen. Gerade die besten, würdigsten bleiben oft am längsten sitzen. Aber endlich kommt doch noch einer, der sie erkennt und aus dem Dunkel der Verborgenheit an das Licht eines schönen Wirkungskreises hervorzieht."
(F e u e r b a ch, „Schriftsteller und Mensch".)
Geheimschrift.
(Nachdruck verboten.) Zwschnhtndmrgnstnlngfrst Lrnschnllbsrgnddnchmntrbst.
Vorstehende Buchstabeureihen sind in Gruppen zu zerlegen, die sich durch Einfügung passender Vokale zu sinngemäßen Wörtern bilden lassen. (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Anagramms in vor. Nr.:
Abel — Elba — Labe.
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Unwersitäts-Bnch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


