Ausgabe 
20.1.1902
 
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Naturells besaßt daher der jungen Fremden mit dem südländischen Typus sofort ein gewisses Interesse schenkte.

Bei den ausgedehnten Bekanntschaften, welche die Mäginis in den verschiedensten Gesellschaftskreisen be­saßen, versprach Clarita sich mit der Zeit von dieser Seite eine wohlzuschätzende Hilfe, mehr jedoch erwartete sie solche noch von der Gattin des Legationsrats Triber, an die ihre dritte und letzte Empfehlung lautete- Gleich dem besten Trumps hatte sie diese bis zuletzt behalten, und ihr Herz klopfte schneller, während der Wagen mit ihr die Newa entlang, über den Admiralsplatz hinrollte, um endlich in eine der vornehmen Straßen einbiegend, vor dem Hotel des Legationsrats zu halten- Leicht war dies zu ftnden gewesen, doch zu ihrer Enttäuschung fand Clarita es um so schwieriger, bei der Baronin angenommen zu werden. Dieselbe war leidend: sie empfing nur Be­suche bevorzugter Freundschaft. Fremden gegenüber hatte der Diener nur eine bedauernde Miene mit der stereotypen Phrase:die gnädige Frau nehme keine Besuche an". So leicht ließ sich Clarita indes nicht abschrecken; sie wies den Diener an, ihre Karte, auf der sie den Wunsch bemerkte. Grüße aus dem Wiener Kloster persönlich zu übermitteln, der Baronin gleich zu überbringen.

Dadurch erreichte Clarita ihren Zweck; sofort wurde in höflichster Form ihr Besuch angenommen; ja mehr als das, mit liebenswürdiger Freundlichkeit empfing sie die junge Deutsche in ihrem hübschen, eleganten Boudoir. Frei­lich, die verschwenderische Pracht, wie Clarita sie später in den Räumen der russischen Aristokratie sehen sollte, spiegelte sich hier nicht wieder; denn es war zwar ein elegantes, aber mehr wohnlich als kostbar eingerichtetes Gemach. Teuere Spielereien, kostbare Luxusartikel, Rari­täten von unermeßlichem Werte die fehlten hier gänzlich, nur frische, lebende Blumen machten es zu einem kleinen Wintergarten. Die deutsche, junge Frau glich darin selbst einer zarten Blüte, die man aus fernem Lande in ein fremdes Klima versetzt, an das sie sich erst gewöhnen mußte. Sie hatte noch wenig von der Fremde angenommen, heimat­liche Gewohnheiten waren ihr noch völlig eigen- So kam sie mit ausgestreckter Rechten der Fremden entgegen, die ihr Grüße aus der Heimat von einer geliebten Schwester brachte. Solchen Gast wußte sie nicht herzlich genug zu bewillkomnen- Nichts verbindet ja so schnell als die Fremde. Daher auch die beiden Damen sich rasch nahe kamen; zu plaudern hatten sie miteinander genug, die eine zu fragen, die andere zu berichten, zu erzählen. Frau V- Triber war glücklich, von fernen Lieben zu hören, ihr junges Herz hing eben noch mit allen Fasern an der Heimat- (Fortsetzung folgt.)

Bon Fred. Hood.

(Nachdruck verboten.)'

Der Badeschwamm, welcher Rauhheit und Weichheit M sich vereint, hat schon im frühesten Altertum die Rolle eines unentbehrlichen Werkzeugs zur Hautpflege ge­spielt- Daß er diese Rolle bis zum heutigen Tage be­hauptet hat, verdankt er vornehmlich seiner Fähigkeit, sich ganz mit Wasser vollzusaugen, und dasselbe, je nach dem Druck, welchen die Hand aus ihn ausübt, wieder loszulassen, sowie seiner Widerstandsfähigkeit gegen Säuren und Alkalien aller Art- Es giebt auch kein anderes Naturprodukt, welches dieser Aufgabe im gleichen Maße zu entsprechen vermag, wie der Badeschwamm, der mit der Seife sehr beachtenswerte, durchaus' saubere Bezieh- ,1111 gelt unterhält.

Die Badeschwämme gehören zu den Hornschwämmen, das ist eine Gattung der Meeresschwämme, welche man früher meist zu den Pflanzen, dann zu den Urtieren oder Protozoen zählte, während sie jetzt fast allgemein als höhere Tiere anfgefaßt werden- Die echten Badeschwämme gehören alle der Gattung Euspongia an, und was wir .kurzweg alsSchwämme" bezeichnen, das ist nichts anderes, als das von allen Weichteilen befreite Skelett dieser Tiere, das aus einem sehr elastischen, sehr porösen Kanälen durchzogenen Gerüst von Hornfaserstoff besteht. Daß man die Schwämme lange Zeit für Pflanzen hielt, ist sehr natürlich; denn sie wachsen auf dem Meeresgründe oder festen Körpern im Meere fest, ohne besondere Kennzeichen tierischer Wesen zu zeigen, Ivie

Empfindlichkeit und Beweglichkeit. Das Studium ihrer Entwickelungsgeschichte hat aber ihre tierische Natur außer Zweifel gestellt, wenn sich auch die Gelehrten über die Frage noch nicht ganz einig sind, ob sie eine besonder« Klasse im Tierreich bilden, oder den Korallen und Quallen zuzuzählen sind.

Am höchsten geschätzt werden die Badeschwämme des Mittelmeers, während die nichteuropäischen meist von geringerer Qualität sind. Hauptzentren dieser Industrie Und, außer den Inseln und Küsten des Mittelmeeresj, die Ostküsten Amerikas. Doch bestehen auch an den Küsten von Florida, Yukatan, Cozumel, sowie in Neu-Caledonien Schwammfischereien. Im Handel unterscheidet man recht viele Sorten. Am bekanntesten sind die großen, flachen und lockerenPferdeschwämme" mit sehr weiten inneren Kanälen, die kleinen schüsselförmigen und braunen Zimoccaschwämme" mit harten Fasern und die feinen Badeschwämme, welche besonders an der Dalmatischen Küste und an der Südküste des Mittelmeeres Vorkommen- Letztere sind wegen ihrer runden, vollen Form, und ihren feinen Poren und weichen Fasern besonders beliebt-

Für viele öde Inseln des Mittelmeeres bildet di« Schwammfischerei einen Haupterwerbszweig der Ein­geborenen, welche mit außerordentlicher Kühnheit und Aus­dauer, unter steter Gefährdung ihres Lebens diesen viel­begehrten Toilettenartikel aus den Tiefen des Meeres emporholen- Sie tauchen bis zu 18 Metern Tiefe, und können es in der Regel drei Minuten unter Wasser aus­halten. Die Schwammfischerei beginnt in der Regel im Juni, und endet im September. Außer diesen Tauchern, welche entkleidet ins Meer steigen, und die Schwamm­fischerei noch in derselben Weise betreiben, wie ihr« Kollegen im Altertum, giebt es solche mit Taucheranzügen, die von obenher mit frischer Luft versorgt werden, und länger in der Tiefe ausharren können-

Um die Zeit der Fischerei Kimmen viele Barken mit griechischen Schwammfischern nach Beirut, Tripolis oder anderen geeigneten Punkten, und diese gehen meist im Aust trage eines Unternehmers an ihr Werk. Etwa fünf bis sechs Fischer arbeiten stets gemeinsam; sie fahren mit ihrem kleinen, leichten Fahrzeug aufs Meer, jedoch nur bei ruhiger See, da sie nur dann bis auf den Meeres^ gründ zu sehen vermögen denn die feinsten Schwämme befinden sich in der größten Tiefe. Ist das Wasser zur bewegt, so wird Oel darauf gegossen, wodurch eine ruhig« durchsichtige Wasserfläche erzielt wird. Diese Anwendung des Oels war scyon den Schwammfischern des Altertums bekannt- Der Taucher füllte seinen Mund mit Olivenöls welches er dann aus der Tiefe emporsteigen ließ, um von oben her Licht zu bekommen. Die Taucher der syrischen Küste bedienen sich heute eines anderen merkwürdigen Leuchtmittels in der Meerestiefe. Sie tauchen, indem sie eine schwere weiße Marmortafel über ihren KopH halten, welche an ein oben befestigtes Seil geknüpft ist. Der Marmorblock dient nicht nur als Leuchtkörper, sondern auch als Senkgewicht, und schützt den Kopf vor manniK- fachen äußeren Angriffen. Wir haben hier den interessanten Fall, daß ein simpler Stein gleichzeitig einem dreifachen Zwecke dient eine Anwendung, welche etwa an di« primitiven Instrumente der Urvölker erinnert, die sowohl als Waffen wie als Wertzeug benutzt wurden- Die Taucher gehen bis zu 20 Faden tief, und halten es in der Regel zwei bis drei Minuten unter Wasser aus- Der groß« Druck in der Tiefe bildet nicht selten die Ursache, daß ihnen das Blut aus Mund und Nase strömt; indessen ist doch das Tauchen mit nacktem Körper minder gefahrvoll als dasjenige mit Taucheranzug (Skaphander-) Di« schnelle Abkühlung, welcher der erhitzte Körper beim Ab­legen des Kautschukanzuges ausgesetzt wird, fordert ständig Menschenopfer, und bei den ersten Einführungsversuchen des Skaphanders irrt Jahre 1876 erlagen Hunderte von Tauchern schweren Lungenkrankheiten.

Der Körper der Freitaucher wird aber schon in jungest Jahren abgehärtet, und hat sich meist als völlig geeignet erwiesen, der schweren Arbeit zu widerstehen. Wenst dennoch Leute, welche in Skaphanders tauchen, mehr ge­sucht sind, und besser bezahlt werden, so geschieht dies,, weil sie in derselben Frist weit mehr gute Schwämme zu finden vermögen, als oie Freitaucher. Denn der mit Luftzusührung und elektrischem Licht ausgestattete Taucher­apparat gestattet nicht nur länger in der Tiefe zu ver-,