„Selbständig wärst Du schon längst, hättest Du nicht alle Partien, die wir Dir vorgeschlagen haben, abgewiesen , warf Alexandra Michailowna unwillig hin.
„So, ich lasse mich nicht wie eine Ware verhandeln", entgegnete sie kalt und vorwurfsvoll. „Meinem Herren hat niemand zu gebieten — das ist frei wie der Bogel in der Lust; es bindet sich nur aus wahrer Liebe und heiligster Ueberzeugung."
(Fortsetzung folgt.)
Weihnachtsbücher.
Alte Nester. Zwei Bücher Lebensgeschichten, fi. n Wilhelm Raabe. 3. Auflage. Berlin 1903. Verlag von Otto Janke. Preis: Mk. 4.—, gebd. Mk. 5.—
Kabiau und Sebastian. Eine Erzählung. Von W i l h e l m R a a b e. 2. Auflage. Berlin 1903. Verlag von Ot-to Janke. Preis: geh. Mk 3.—, gebd. Mk. 4.—.
Lauten schon die Titel beider Bücher ungemein anziehend, so weiß der Verfasser durch ihren Inhalt dermaßen zu fesseln, daß man sie nicht aus der Hand zu legen vermag, bevor man zum garten Ende gelangt ist.
„Der Mensch, in seinem Gemäuer gefangen, besinnt sich lange nicht oft genug daraus, daß er lebt, Leben ist und es mit dem Lebendigen zu thun hat, so lange er lebt"! läßt Raabe in „Alte Nester" Fritz Langreuter ausrufen. Tarin bringt er bündig zum Ausdruck, was ihm als Zweck des ersten Buches vorschwebt. Tie Freude am Leben und alledem, was es lebens^- und liebenswert macht, ins rechte Licht zu rücken, ist des Verfassers ausgesprochene Absicht, die er wie immer vollkommen erreicht. Ist es auch kaum der Zug unserer Zeit, dem Vetter Just Everstein gleich, am Wege sinnend, auf menschliche Schicksale zu warten, so findet sie doch unbeschadet der herrschenden Geschäftigkeit Marse, am Leben und Schicksal ariderer teilzunehmen, urtd sich des Lebens überall zu freuen. Zwei Bücher Lebens - geschichten nennt Raabe in gewohnter schlichter Art das Buch. Daß es mehr denn drei Worte inh altsschtver enthält, wird jeder dankbar bestätigen, der es bestiedigt aus der Harrd legt.
Auch das zweite Buch ist erfüllt von menschlichen Schicksalen. Wir lernen aus ihm, „daß die Sorge — für andere mit das Beste in und an der Welt ist", ivir erfahren, wie „Tie Liebe decket auch der Sünden Menge". Mr erkennen mit Fabian PelKmann: „Es hilft nichts, — die Wahrheit liegt am Wege, und ivir können ihr nicht ausweichen. Es ist tvohl auch am besten so!"
Schließlich pflichten wir dem Verfasser bei, wenn er sagt: „Es ist zwar wieder nur eine Teure Geschichte, die wir erzählen, und sie handelt nicht vor: großen Menschen und gewaltigen Zuständen, aber zu merken ist doch auch allerlei in ihr und aus ihr." „Und — fügen wir hinzu — „sie steckt so voller Leben mrd Handlung, daß man trotz allen Leides, das einem darin entgegentritt, seine Helle Freude daran haben tmifj."; « Bdt.
Paul Lacroix, Direktorium, Konsulat und Kaiserreich 1795—1815, übertragen von Oskar Marschall v. Bieber- steiu. Mit über 400 Textillustrationen, Bollbildertafeln re. Nach den berühmtesten Malern, Bildhauern, Stechern utib Architekten. 500 S. Leipzig, Heinrich Schmidt und Karl Günther. (Ein hervorragendes Weihnachtsgeschenk.)
F. Ro mpel und J. D. Kestel, Im Kampf um Süd- aftika, Bd. 3. Präsident Steijn und die Freistaater im Krieg mit England. 380 S. München, I. F. Lehmann.
Prof. Dr. A. O p pel, Tie Baumwolle nachGeschichte, Anbau, Berarbesturrg itttb Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und irr der Staatswirtschaft. Mit 236 Karten und Abbildungen. 745 S. Leipzig, Tuncker mrd Humblot.
Wilhelm Hauff, Lichtenstein, Romantische Sage. Mit zahlreichen Abbildungen von Karl Häberlin, G. A. Cloß und Walter Zweigle. Mit dem Bildnis des Dichters. Stuttgart, Deutsche Werlagsanstalt.
Karl Larsen, Sechzehn Jahre, Roman. 205 S. Verlag von Mb. Langen, München.
Tristan Bernard, Ein Musterjüngling, Roman. 245 S. ebenda.
Sven Lauge, Die stillen Stuben, Schauspiel. 150
(bettelt.
Sven Lange, Sommerspiel, Novelle. 220 S. ebenda.
Deutscher Jugendhain, Ein FaMuch für Knaben und Mädchen. 4. Jahrg. Tresden, C. C. Meinhold und Söhne.
Weinholds Märchenbücher. Ebenda.
Moderne Kunst, 7. Heft, Weihnachtsuummeih Berlin, Deutsches Werlagshaus Bong u. Co.
Für alle Welt, ebenda.
Zur guten Stunde, 7. Heft, ebenda.
Vermischtes.
Wie Mark Twain sein erstes Geld verdiente. Ter amerikanische Humorist wurde neulich von einem Freunde gefragt, ob er sich daran erinnern könne, wann und wie er sein erstes Geld verdient habe. ,La", antwortete Mark und zog nachdenklich an seiner Zigarre. „Ich erinnere nrich sogar sehr deutlich daran. — Als Junge ging tchin eine Schule, wo der Gebrauch des Stockes kern außergewöhnliches Ereignis war. Es bestand ein Verbot, in irgend einer Weise die Pulte zu beschädigen. Tie Strafe dafür war entweder eine Geldstrafe von fünf Tollars oder öffentliche Haue. Es ereignete sich daß ich mich verging gegen diese strengste der Regeln, und man stellle mrch vor dre übliche Wahl: Blechen oder Prügel. Ich berichtete meutern Water. Er mochte wohl denken, daß die mir drohenden Hiebe wegen der dmmit verbundenen Oeffentlichkeit eine etwas gar ^zu harte Züchtigung wären, und gab mir die fünf Dollars, ^n jener Periode meiner Laufbahn waren fünf Tollars eine große Summe, während Hiebe viel weniger Mi den Seltenheiten gehörten, und, na" — hier streifte Mr. Twam bedachtsam die Asche von seiner Zigarre, „na , fdg: er endlich hinzu, „so verdiente ich meine ersten fünf Dollars.
Der Prediger und die Touristen. Mehrere englische Touristen kehrte von einem Ferienausflug heinu AN Bord des Dampfers vefanden sich auch zwei Geistliche — ein alter, weißhaariger und ein ganz junger Mann. Tie Touristen hatten einen jungen Hund bei sich, und um sich einen Spaß zu machen, baten sie den Zungen Prediger, ob er das Tier nicht taufen wolle. Dieser faßte eine solche Zumutung als eine Beleidigung auf und geriet in einen Wortwechsel mit ihnen.
Gerade in diesem Augenblick kam der alte Prediger dazu ünd fragte nach dem Grund des Streites. Einer der Touristen teilte ihm den Vorfall mit, worauf der alte aTt';krf)11 WUt^Jhren Hund taufen, wenn Sie einverstanden sind, daß es nach dem Brauch der schottischen Kirche geschieht."
Sie waren einverstanden. .
,Nun", sagte er zu einem der Touristen, „nehmen Sie den Hund in die Höhe. Wollen Sie schwören, daß Sw der Vater dieses Hundes sind?"
Sofort ließ der Tourist den Hund fallen und entfernte sich schleunigst inmitten der Beifallsrufe, welche die übrigen Passagiere der Geistesgegenwart des ullen Herrn spendeten. Ttl-Birs.
Karzer-Weisheit. Jnr Karzer eines Gi)irmasiums im Schwabenland steht folgender Vers:
„Michis ist so fein gesponnen. Es kommt doch an die Sonnen. Und kommt es an die Sonnen, So wird man eingesponnm/r
Logogriph.
(Nachdruck verboten.)
Mit i am Meer, mit u von Stein, Mit d wird es erfrischend sein.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.: Karten, Ulan, Trumpf, Lehe, Keim, Otto, Wanb — Gutzkow.
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei (Pietsch Erben) inGieken.


