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Stichproben eines unfreiwilligen Professoren-Humors, die wir In der „Franks. Zig." zusammengestellt finden, nickt etwa die Findigkeit eines Witzfabrikanten, sondern sie sind der vollen Wirklichkeit entnommen. Jeder einzelne der nachfolgenden Sätze hat vor Fahren schon einmal eine Anzahl deutscher Gymnasiasten ergötzt; mögen sie nunmehr einem größeren Publikum einiges Vergnügen bereiten!
Eines Tages kam der Herr Professor in die Klasse und hielt folgende Ansprache: „Und ich habe Ihnen zu sagen und habe es immer gesagt, und sage immer und der Herr Rektor hat gesagt, ich soll Ihnen sagen, und so will ich Ihnen sagen . . . ."
Mit den Schülern verkehrte er — nennen wir ihn X. — nicht sehr fein. Hierfür folgende Belege:
„Sie babbeln gerade, wie die Gänse krähen."
„Mayer, wenn Sie in die Klasse hereinkommen, meine ich immer, eine Eisenbahn käme daher getrampelt."
„Man darf ihn packen, wo man will, da kommt ein Blödsinn heraus."
„Weil die Esel überall nur zwei Ohren haben, können auch Sie nicht weiter zählen."
„Halten Sie doch Ihr Buch mit ihren zehn Pfoten fest!"
Eines Tages ging dem Herrn X. die Sophokles-Lektüre zu langsam; er sah sich in der Klasse um, um einen der Besten aufzurufen, besann sich aber und über- K selbst. Gr begleitete dies mit folgenden denkwür- t Worten:
„Fetzt will ich den Gescheitesten von den Dummen aufrufen, er soll weiterfortfahren: . . . Ich selbst!"
In das Kapitel der Naturgeschichte oder verwandter Disziplinen gehören folgende Sätze:
„Der Ochse kann nicht reden, weil er keine Sprache hat." „Der Mensch ist viel gescheiter als andere Tiere." „Die Kartoffeln sind das nützlichste Getreide." „Wie die Schildkröte (in der bekannten Fabel) aus der Luft fiel, hat sie sich die Nase eingerannt."
„Wo der Getreidebau nicht lohnt, wird gewöhnlich Vieh angebaut."
„Wir wissen nicht, ob! es auf anderen Erdteilen auch Menschen giebt."
„Er starb kurz vor seinem Tode."
„Die Zunge hängt ihm heraus, so lang wie ein Jagdhund."
Besonders furchtbar war Herr X. in den Geschichts- stund en:
„Cicero donnerte mit seinen Augen auf die Staatsfeinde los."
„Alexander ritt im Indus an der Spitze seiner Flotte." „Zur Zeit des Kurvereins zu Rhenfe war der Papst Johann XXII. nicht mehr tot."
„Mit dem Schwerte in der Hand bahnte sich der Leichnam einen Weg durch Italien."
„Der Papst wurde wieder hergestellt, nachdem er früher eine römische Republik geworden war."
„Margarethe von Anjou war ein ganz anderer Mann als Heinrich, VI."
„Fast alle katholischen Universitäten waren Jesuiten." „Der Kaiser war selten krank; aber wenn er krank war, verlief die Krankheit immer tätlich."
„Sein Tod trat von 1666 bis 1700 ein."
„Ohne Bewilligung des Reichstages durfte kein männlicher Thronfolger sterben."
„Prinz Engen konnte nicht mehr viel ausrichten) da er ohnehin schon tot war."
„Friedrich der Große schlug mit 20 000 Mann 90 000 österreichische Armeen."
„Peter der Große ließ die Leichen, solange sie lebten, hängen."
„Max II. war der protestantischen Kirche so geneigt, daß es schien, er wollte katholisch werden."
„Als hie Feinde mit ihren Schiffen ins Land hereinfielen, durchstachen die Holländer die Deiche und fetzten das ganze Meer unter Wasser."
„Wie der König starb, änderte er seine Politik."
In die Rubrik „Kunst und Lttteratur" fallen folgende Sätze:
„Unter Ludwig XIV. waren die Zierbäume gerade so zeige; chnitten, wie die Leute am Hofe."
„Nachdem Medea den Pelias getötet hatte, mußte sie mit ihm flüchten."
„In Emilia Galotti hätte Marinelli die Orsini zum Fenster hinausjagen sollen."
„Der Maler muß sich in die Augen eines Liebhabers! versetzen."
„In den früheren Kirchenbauten stand der Pfarrer auf, der Kanzel und die Gläubiger standen drum herum." —
Nun noch einige Aussprüche mit mehr allgemein nem Inhalt:
„Er hat sich durch Selbstmord enthauptet."
„Sie hatten sich mit Stockschlägen bewaffnet."
„Wenn der Vater gestorben ist, sagt er zu seinem Sohne: Uebernimm Du das Gut."
„Wenn sich, ein Mensch! den Tod giebt, dann will eA keiner gewesen sein."
„Die Schüler, die noch zu trocken hinter den Ohren sind, laufen am liebsten dorthin, wo die Wirtschaften zusammenlaufen."
„Man sah, wie seine Stirne ein finsteres Gesicht: machte."
„Beim Herein- und Hinausgehen müssen die Thüren geschlossen bleiben." —
Mit dem Ausspruche des Herrn X.: „Das Uebrige kann ich in aller Kürze übergehen", wollen wir von diesem zerstreuten Schulmann Abschied nehmen.
Tandaradei.
Von Walter v. d. Vogelweide.
Unter den Linden
Auf der Heide,
Wo ich mit meiner Trauten saß,
Da könnt ihr finden, Wie wir beide
Blumen brachen und grünes Gras:
Vor dem Wald mit süßem Schall Sang ihr Lied Frau Nachtigall „Tandaradei!"
Ich kam gegangen
Zu der Stelle
Mein Liebster war schon vor mir dort, Mich, hat empsangen
Mein Geselle, Daß ich bin selig immerfort. Ob er mir Küsse bot?
Seht, wie ist mein Mund so rot! „Tandaradei!"
Wie ich da ruhte, Wenn's einer wüßte! Behüte Gott, ich schämte mich, Wie mich der Gute terzte und küßte, einer erfahr' es als er und ich —
Und ein kleines Vögelein, Das, wird' wohl verschwiegen sein, „Tandaradei!"
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten).
(Auflösung in nächster Nummer.)
M
Auflösung der Logogriphe in vor. Nr.r 1. Rubin, Ruben.
2. Laut, Last.
Redaktion: Cyrt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schm Universttäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


