Samotag Len 19. April.
1902. — Rr. 58.
flies blüht und freut sich wieder, Grüne Hoffnung schmückt die Welt, Und aus blauem Himmelszelt Tropfen frühe Lerchenlieder. Sieh, die Sonne lacht so heiter, Und die Luft weht lind und lau; In den Wolken steht: „Vertrau Und fei fröhlich — Gott hilft weiter I"
Zoozmanu.
(Nachdruck verboten.)
Die Möve.
Romait in zwei Bänden von Zacharias Nielsen.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann.
(Fortsetzung.)
Sie machte eilt paar Schritte nach der Seite hin und hielt sich den Schirm vor.
Eine Weile stand er schweigend da und sah sich um.
„Tort steht die prächtige Hagebuche!" ries er plötzlich aus. „Erinnern Sie sich noch wie wir dort vor vier; Jahren saßen?"
Ja, sie glaubte sich auch dunkel zu entsinnen, daß sie einmal dort gesessen hatten.
„Lassen Sie uns dahin gehen", schlug er vor.
„Ich weiß gar nicht, wo Thomas nur bleibt."
„Ach, der wird, schon kommen! Wollen Sie meinen Arm nicht nehmen? Ter Weg ist so uneben."
„Danke, ich gehe ganz gut."
Sie nahmen Platz am Abhange unter dem luftigen Blätterdach saßen eine Weile dort und sprachen über die Flüchtigkeit der Zeit. Vier Jahre! — Wo war doch die Zeit nur geblieben! •
Durch die Lichtung zwischen den Bäumen am jenseitigen Ufer sahen sie in weiter Ferne einen dunklen Wagenzug, der sich gleich einer schwarzen Schlange langsam den Hügel hinaufwand, nach Kirchholmstrup zu.
„Tas ist ja wahr", rief Helene aus, „heute wird des Schulzen Tochter beerdigt."
Es war ein ganz junges Mädchen, das an Schwindsucht gestorben war. Der Sarg mit seinen Blumen leuchtete im Sonnenschein.
„Wie spät die Beerdigung stattfindet! Es ist ja bereits Pier Uhr!"
Böje saß schweigend da und sah dem Zuge nach.
„Es ist merkwürdig", sagte er endlich. „Die Welt ist so groß und die Zeit so lang, und doch ist für einen jeden pon uns so wenig Matz und eine so kurze Spanne Zeit.
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All das Viele, das inan hätte sehen, alles, was inan hätte ausrichten sollen, all das Glück, das man einsangen sollte — wo bleibt das alles?"
Es würden doch viele glücklich, meinte sie.
„Viele?" wiederholte er ungläubig. „Wie viele sind es denn, die das Glück wirklich besitzen, die es als eine Lebensmacht besitzen, die sie über das Nüchterne, Alltag-» liche ergebt ?/z
Er seinerseits wäre schon längst zu der Ueberzeugung gekommen, daß es nur blutwenig Erdenglück gäbe. Tas einzige, was dem Leben Wert verliehe, sei der wehmütige Friede, der das Herz erweitern könne in seiner stillen Ergebung in das Schicksal, und der Glanz, der in unseren! besten Augenblicken unsere Ahnungen von dem jenseitigen Leben durchleuchten könne. Das Dasein hienieden sei von Würmern zernagt, von Enttäuschungen, Lügen und Neid — die Kreuz und die Quer! Es sei bitter wenig an deut Ganzen. Und doch — das gab er zu — doch hängen wir mit all unserer Lust daran und können erzittern vor. Lebensdrang, wenn wir nur einen Vogeltriller hören.
Einzelne Töne von der Begräbnisglocke in Kirchholmstrup erreichten ihr Ohr, gleich dumpfen Erzschlägen sickerten sie durch das Waldgezweig.
„Nein, wirklich glücklich sind nur sehr wenige, Fräulein Rabe; aber Gewohnheitstiere, Menschen, die mit Stumpfsinn gepfropft sind, deren giebt es genug. Im Cholera-, jahr saß man ans den Leichenwagen und trank einander zu. Jetzt liegt das junge Kind da drüben steif und kalt in seinem Sarge, und alle, die hinterdrein fahren, wissen, daß sie einmal, ja in unglaublich kurzer Zeit denselben Weg müssen; aber ich will davauf wetten, daß sie lustig ihre Zigarre rauchen Vtnb über Pferdepreise und Markttrödel schwatzen. Da ist vielleicht in all diesen Körpern auch nicht ein Gedanke, der die Todesfrage auch nur streift."^
Tas sei doch wohl zu viel gesagt, meinte Helene.
„Ter Grund ist darin zu suchen, daß, sie vor Gesundheit bersten und den Tod hundert Meilen fern glauben. So sind wir nun einmal: Solange wir selber gesund sind, machen wir uns nicht viel daraus, daß sie um uns her« wie Fliegen zur Erde fallen, ja, es kann uns sogar eine eigene Selbstzufriedenheit hinter der erheuchelten Trauermiene kribbeln, wenn uns jemand erzählt, daß jetzt dieser und dann jener heimgegangen ist. Kommt aber eine ernste Krankheit und schlägt.u'ns ihre Krallen ins Fleisch, oder verlieren wir jemand von unseren Angehörigen, einen von denen, die Blut von unserem Blut haben, ja dann wird uns warm um die Ohren, und es dämmert uns das Verständnis, wie grauenhaft es ist, in so einen Sarg gepackt zu werden." „
Helene saß in peinlicher Qual da, bald erhob fte, beit Blick zu Böje, bald senkte sie ihn wieder in unruhrgem Wechsel.
„Aber ich glaube, es ist ganz gut, wenn man einmal । einen Einblick in den Vorhof des Todes thut. Ich kenne


