168
da.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitats-Buch- und Steindruckerei (Pictsch Erben) in Gießen.
Von Geh.
Der Groll verlegte ihm die Stimme.
„Sie haben also eine gute Jugend gehabt", sagte der Präsident.
„O ja — aber eines Tages, da war aus dem Eßzimmer ein bißchen Chokolade verschwunden. Niemand hatte es gesehen, niemand genommen, nur ich — ich also mußte es sein, der es gestohlen. Der Sohn sagte einfach nein. Mir aber glaubte man nicht. Mich schlug man, mich jagte man fort--"
„Herr Assessor, Herr Assessor!!"
,,— — und int ganzen Dorf war ich geächtet und gemieden, kein Kind sprach mehr mit mir, kein Mensch wimmerte sich um mich Und ich war's doch nicht gewesen, nicht ... bei allen Heiligen des Himmels!" Er schlug ctu: die Bank, daß es dröhnte.
„Angeklagter . . ."
Es hatte der Mahnung nicht mehr bedurft. Er zwang
Scherzrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Wer errät cs, was kann dienen Herren, Lampen und Maschinen? (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Pyramide in vor. Nr. A A L ALE LENA LENAU LAUBEN GLAUBEN
Mikroskope.
Tr. W. Scheffer. Mit zahlreichen Abbildungen.
Mark 1.—, geschmackvoll geb. Mk. 1.25. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-gemein- verständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Missens. 35. Bändchen.) Verlag von G. B- Teubner in Leipzig.
«weck des Büchleins ist, bei wertevett Kreisen Interesse und Verständnis für das Mikroskop zu erwecken. Ausgehend von der einfachsten Erscheinung des im Wasser gebrochenen Lichtstrahles wird zunächst die optische Konstruktion und Wirkung des Mikroskops erläutert. Dann
" . An diese
wird seine historische Entwickelung an der reicher Original-Reproduktionen dargestellt.
schließt sich eine Beschreibung der modernsten Mikrcqkop^ typen — Hilfsapparate und Instrumente — an. Speziell wird der Beleuchtungsapparate gedacht, sowie der Vorrichtungen zum Zeichnen und Photographieren der mtkro- skopischen Bilder. Endlich wird an zwei dem Mtkro- kopiker und Mikrophotographen besonders naheliegenden Beuvielen — dem Plattenkorn vor und nach der Ver- stärkung, sowie der Messerschneide und ihrer Wirkung L gezeigt, wie sehr die mikroskopische Untersuchung die Einsicht in Naturvorgänge vertiefen kann. Die Erläuterung dieser zwei Beispiele geschieht an der .Hand von Reproduktionen nach Originalphotogrammen.
So kann das Bändchen einem jeb-en warm empfohlen werden, der sich etwas näher nut dem Mikroskop, daN nicht nur ein Instrument zum Suchen von Mikroben, sondern ein wichtiges Hilfsmittel unserer gesamten Nature erkenntnis ist, bekannt machen möchte.
sich schon zur Ruhe.
„In Trotz bin ich für mich allein geblieben. Wer einmal, da stand ich auch wie alle andern an der Straße, und der Gutsherr ging durch, und jeder zog die Mütze und sagte „Guten Tag" ... ich nicht!! Ich blieb abseits und vreßte den Mund zusammen. Mein Herzklopfen hätte mich hoch nicht reden lassem____________________________________
Der Gutsherr sah mich, wohl. Er kam zu mir heran, er tippte mich auf die Schulter: „Na, kleiner Dieb, willst Du nicht auch „Guten Tag" sagen?" Es muß wohl Scherz gewesen sein, denn die Großen lachten alle. Mich aber packte die Wut — ich schlug ihm ins Gesicht, so klein, wie ich war . . . denn ich, war nicht der Dieb, nun und, nimmer- !!"
„Assessor!! Nun nehmen Sie sich aber zusammen! Wenn Sie bei jeder Kleinigkeit weich werden wollen, dann dürfen Sie nicht richten wollen!"
„Damit war's aus! Mein Vater verlor sein Amt — wir mußten wandern, immer wieder, von Ort zu Ort. Auf mir alle Schuld, auf mir alle Anklagen und Beschimpfungen — ich allein war an allem Elend, an Not und Sorge schuld. Früh mußte ich dann ins Leben hinaus, mußte sorgen und erwerben, denn mein Vater starb; alle Last ruhte auf mir. Aus Not vergriff ich mich das erstemal — und dann geächtet und verachtet wie ein richtiger Dieb zum zweitenmale, und aus Trotz immer wieder und wieder. Ern Dieb war ich a doch, solange ich denken kann — nun ist's einerlei. Der aber, der nun vielleicht geehrt und geachtet im Leben steht, der, Herr Präsident, der ist schuld für mein verpfuschtes Leben, der nur ganz allein!!"
Mit dumpfen Schrei und leisem Schlag fiel eben am Richtertisch einer zu Boden.
Tie Herren sprangen auf.
„Schnell einen Arzt!! Assessor Hekkmg ist erkrankt!", „Hekkina!!!" Wie ein Wutgeschrei tönte es von der Anklagebank her. „Also doch — doch . . . O, Du — Du."
Er war hinaufgestürzt an den grünen Tisch. ©eine Fäuste waren geballt, seine Augen rollten wild umher.
An diesem Tage fiel die Verhandlung aus, denn beide, der Staatsanwalts-Vertreter und der Angeklagte, wälzten sich auf ihrem Lager, in Thränen und stummer Qual... _________
r lachte fast laut in die Versammlung hinein.
Der Präsident sah in verwundert an.
„Herr Kollege. . sagte er mahnend.
Er entschuldigte sich die Frechheit des Beklagten hätte ihn veranlaßt.
Der andere schüttelte den Kopf.
Ernst führte er dann die Verhandlung weiter.
„Sie sind schon mehrmals vorbestraft, Angeklagter?" „Ja."
; ",Wie oft?"
„Höhnisch zuckte es um die Lippen des Angeklagten.
„Ich, weiß es nicht."
„Sie wissen es nicht?" Er drohte mit dem Finger.
>,Seien Sie doch nicht so verstockt!"
Das müde Gesicht des Angeklagten veränderte sich im Augenblick. Es wurde fast traurig und weich und wie ein stiller Strahl von Entsagung zuckte es in ihm auf.
„Ich bin nicht verstockt — gewiß nicht", sagte er feierlich und bewegte langsam den Kops hin und her. Die Lippen zuckten noch, als wollte er mehr berichten; dann aber schlossen sie sich fest, und ein feuchter Schimmer quoll unter den Lidern hervor.
„Nun —" der Präsident hatte die Akten durchgesehen —. „nach Ihren Vorstrafen zu urteilen, scheint die Vorhaltung doch zuzutreffen. Es sind ja schon recht viele, und immer wegen desselben Vergehens, immer wegen Diebstahls."
Der Angeklagte senkte den Kopf.
„Mir scheint also, ein bischen Verstocktheit... ist bei Ihnen im Spiel; denn sonst--"
„Ich konnte ja nichts dafür!!"
In diesem Aufschrei war etwas, das die Herren rüttelte.
Atemlos und fast bewegt sahen sie zu der engen Bank hinüber. Auch der Assessor beugte sich vor, daß ihm kein Wort, kein Blick entging. Es schien, als wäre es nur das Interesse :des Staatsanwalts: doch es war etwas ganz, ganz anderes, die Furcht, die ewige, nicht zu bannende Furcht.
Der Landgerichtsdirektor nahm wieder das Wort — nicht leicht und schnell wie sonst, mehr mit Ueberlegung, und weicher im Ton.
„Sie sagen. Sie können nichts dafür. Für fremde Schuld wird niemand verurteilt."
„Mr fremde Schuld. . . nicht! Nein--" Der An
geklagte blickte wehmütig vor sich hin.
„?tun also. Und Sie sagen. Sie konnten nicht dafür?"
„Herr Präsident es giebt auch Dinge, die einen zu — zu etwas treiben, weil man sie nie begangen, und weil man dennoch für sie leidet."
„--Das . . . versteh' ich nicht."
„Ich bin ein kleiner Junge gewesen, mein Vater war Lehrer in dem Dorf, und der Gutsherr lud mich zu seinem Sohn als Spielgefährten. Wir waren immer zusammen, immer--- fast jeden Tag. . ."
Der Assessor war bleich geworden.
„Ich hab' mit dem Sohn gelernt und gelebt. Da —


