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Schipp geben foult Minschen fünft feen Katten, Jan

Ta berlat' di nich up. Un foat dat Hängen angeiht, as tl mi tobörderst mildernde Umstände ansupen doh, meen if, se schall'»t tvol bliben laten. De Herr Staats­anwalt fooll' mi gern an'n Kragen bi de Hoodener Sak', man do het en Uhl inseten. Un mi-en Will'n hebb ik doch kregen! Süh, de Karnaille is sien Ohr quitt."

Ebba preßte die Lippen zusammen, und antwortete nicht mehr. Sie ging rascher, immer rascher; ihre Be­gleiter treu ihr zur Rechten und Linken. Heimlich sann sie, wie sie Wilm zurückhalten, bor einem Alleinsein mit ihrem wüsten Detter behüten könne. Es ängstigte sie jetzt, daß er gar kein Wort redete.

Am Eingang in die Dünen kehrte Jan sich plötzlich um.

Tat ward mi to dumm. Ik gah uas Huus."

Ta that auch Wilm endlich den Mund auf:Ich geh' mit."

Darüber verwunderte sich Jan,Nu sla doch Gott den Tüwel dod! Dat harr ik mi nich drömen laten, dat du mi so leeb heft."

Tu hast mir deine Gesellschaft aufgedrungen", sagte der andre,nu mußt' mit meiner zufrieden sein."

Ebba hob flehend die Hände:Wilm

Ta lachte Jan roh aus.Sühst heel benaut ut! Büst bang üm dien fönten Bengel? Bang um sien moje Ohren?"

Gute Nacht, Ebba", sagte Wilm. Er trat an Jan Jürgens Seite.

(Fortsetzung folgt.)

Der Herr Assessor.

Eine Szene aus dem Gerichtssaal bon

Paul A. Kirstein.

(Nachdruck verboten.)

Ihm war's, als schlüge ihm das Herz bis an den Hals hinauf, als wollte es ihm zerspringen, 6ebbt er noch das erste Wort gesagt.

Das also war sein erstes Auftreten, seine erste öffentliche Amtshandlung, nach! der er sich! so gesehnt, schon in den Zeiten, wo er noch bor demAssessor" stand, und die ihm im Korps von den alten Herren so angepriesen war, daß er schon als krasser Fuchs das lebhafteste Verlangen nach ihr trug.

Er strich sich! mit der Hand über die breite, kantige Stirn, daß die Haare seines Pomadisierten, glatten Scheitels sich sträubten und kerzengrade an den Seiten in die Höhe standen.

Nur Mut, junger Kollege", flüsterte ihm der alte Landgerichtsdirektor zu, der die Verhandlung leitete,wir haben das alle einmal durchgemacht. Lampenfieber! Haben wir alle einmal gehabt. . . vergeht beim ersten Satz. Und schließlich! wir sind ja nicht im Theater."

Liebenswürdig und verbindlich bernetgte sich, der junge Herr Assessor, aber sein Blut wurde nicht ruhiger. Es jagte ihm wie toll durch die weiten Adern und hielt immer wieder in dem Herzen, als wollte es dort Milde und Ver­söhnlichkeit erwecken. Denn in der breiten Brust, da zuckte und wogte noch etwas anderes, das ihn viel mehr quälte und beunruhigte: Reue, Gewissensbisse, die im Laufe der Verhandlung gekommen waren und sich! nicht bannen ließen, nicht mit Vernunft und nicht mit ausgesprochenem, festem Willen.

Zu überraschend hatte ihn heute auch! die neue Pflicht getroffen. Die Staatsanwaltschaft, der er wegen seiner Be­ziehungen zu dem alten, wohlberufenen Korps zuerteilt war, war überlastet, drei der Mitglieder durch große Schwurgerichtsprozesse abgehalten, zwei andere anderweit beschäftigt, und der eine, der gerade noch! übrig blieb, in­folge allzu großer Thätigkeit erkrankt.

Erst an demselben Morgen war die Nachricht aufs Gericht gekommen, und keine Möglichkeit, die Termine zu verschieben. Es war eine aufgeregte halbe Stunde.

Schließlich war der Oberstaatsanwalt zu ihm ge­kommen.

Sagen Sie mal, Assessor von Hekking, Sie haben mit den Kollegen zusammengearbeitet, Sie wissen sicherlich etwas Bescheid--sagen Sie mal, können Sie nicht tue paar

Dinger für heute übernehmen?"

Mit Feuereifer hatte er zugestimmt.

Also, Gott sei Dank! Daun ist uns ja geholfen." Der alte Herr schob ihm einen Stoß von Akten hin.

Na, denn man zu! Und viel Glück zur ersten Ver- teidigungsrede!"

Hekking ließ sich kaum Zeit, sich zu sammeln. Nicht einmal seinen Freunden teilte er die große Neuigkeit mit. Schnell und hastig schloß er die Thür ab und begann sich vorzubereiten. Er kannte zwar die erste Sache gerade nicht, aber sie schien ihm so klar, so einleuchtend, daß er nicht einmal nach Namen und Stand des Angeklagten sah, sondern nur schrieb, nur Aussagen und Beweise sammelte, und im Innern fast fertig mit dem Antrag und der Begründung war.

Wie ein Sieger schritt er endlich! in den Saal hinein.

Im Vorzimmer hatten sie noch geneckt und gescherzt, daß es den älteren Herren fast schwer war, würdig und ernst $u erscheinen. Freilich^ sie kannten das, was kam, von bieten Jahren her, es bot ihnen nichts neues mehr, und auch nichts aufregendes; nur Hekking, als einziger bon ihnen, bebte ein wenig zurück, als er die Feierlichkeit des Raumes übersah, und an dem grünen Tisch seinen Platz einnahm, bon dem das Wohl und Wehe sehr bieler Schiri diger, noch mehr aber Unglücklicher kommen konnte.

Ihm war es ganz eigen zu Mut. Aber freilich, das war das große Stück Weichheit, das in ihm steckte, gegen das er schon in feinen ersten Studienjahren so hart hatte ankämpfen müssen, daß sie ihm fast das Korpsband ver­weigert hätten. Dreimal hatte er erneut zum Schlagen antreten müssen. Nicht etwa weil er selber gezuckt oder sich gefürchtet hätte, o nein! Aber wenn nach seinen sicheren Hieben dem anderen das Blut hoch auffpritzte und langsam über die Haut herniederrieselte, dann war ihm immer, als zöge ein Schleier über feine Augen. Dann überfiel ihn ein Zittern, daß er wankte. . . .

Sie hatten es ihm immer sehr übel vermerkt, und nur eigentlich seiner tadellosen Gesinnung und seiner sonstigen guten Eigenschaften wegen gaben sie ihm das heißersehnte Band.

Es fiel ihm jetzt wieder ein, als er den Angeklagten so bleich und niedergeschlagen auf der schmalen Bank erblickte.

Aber noch kämpfte er gegen sich an, noch bemühte er sich, seiner Pflicht eingedenk, das Haupt zu tragen, und den Verstand über das Hetz zu setzen. Et hatte die Macht ja hinter sich, und keine schönere Aufgabe gab's, als der staat-! lichen Ordnung zu ihrem Rechte zu verhelfen.

Erst als der Präsident die Verhandlung Begann, zuckte er wieder zusammen. Der Name seines Heimatsortes drang an sein Ohr, und mehr überrascht als erschreckt, blickte er auf.

Das Städtchen wat so klein, er kannte sonst dort alle Menschen. . . .

Er blätterte den Aktendeckel um. . . . Was las er?

Der, der hier angeklagt, das war sein Jugendfreund; mit dem er gearbeitet, gespielt und getollt, bis bis! . . .

Ein glühendes Rot zog über sein erregtes Gesicht, tief senkte er den Kopf hinab, und rückte unruhig auf seinem Platze hin und her.

Ein altes Geschichtchen fiel ihm ein aus seinen Knabenjahren eins, oas er so gern ungeschehen gemacht hätte, das er so gern bergeffen wollte, und das immer wieder wie ein Gespenst bor ihm erwachte, ein nicht zu bannendes Gespenst.

O er war ja damals so feig, so schlecht Der alte Landgerichtsdirektor stieß ihn leise an. Kollege, Kollege, nehmen Sie sich zusammen!!! Was soll man denken. .

Er entschuldigte sich ebenso leis.

Das Ungewohnte, Ueberraschende"

Er sprach nicht weiter, denn ihm war, als stieg ihm der Blutstrom wieder bis zum Hals. Aufrecht saß er da, die Augen fast starr in das kahle Zimmer gerichtet. Kein Wort entging ihm mehr; aber er rührte sich nicht. Fest wollte er bleiben und seiner Pflicht bewußt, denn was was war es eigentlich, dieser Streich aus seinen Kinderjahren?! Nichts . . . Nichts! Er war tausendmal Bereut und ber- geffen, sicherlich auch bon dem, den er jetzt anklageu sollte bor der Oeffentlichkeit. Denn wie der ihm in die Augen sah, so sah nur einer, der nichts mehr weih und nichts erkennt. Wie sollte er auch, nach Wer zwanzig Jahren!!