Mittwoch den 19. Februar.
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h 1902. — Nr. 27.
zjagSafj ab, mein Herz, von Klagen und Sehnen —
Es scheint die Sonne durch Regen und Thränen; —
Es ist kein Leben davon befreit: Ein jedes hat seine Regenzeit, Und Tage, trüb und traurig. H. W. Lougsellow.
(Nachdruck verboten.)
Verschollen.
Original-Erzählung von M. Ludolfs.
(Fortsetzung.)
In Weras erstorbener Seele regte sich etwas, was mächtig an Maturins schöne Worte erinnert:
Wenn Himmel, Engel, wenn die ganze Welt
Die Frevler überlassen ihrer Schuld,
Dann flüstert in des Kindes Stimm' ein Cherub! Weckte eine holde Stimme Weras schuldiges "Gewissen? Geisterbleich blickte sie den kleinen Sprecher an. „Was sprichst Du von Gottes Gerechtigkeit? Was für Dinge redet diese Spanierin, diese Clarita mit Dir?"
„O, Mama — ihre Religion ist tröstlich, ich lausche ihr so gern! so gern! Alle meine Schmerzen werden mir dabei leichter. Weißt Du" — fuhr er leiser fort — „ich muß hier in den langen Nächten und Tagen so viel an Wladimir und Alexis denken. Ich weinte einst bitterlich um deren Geschick, da erzählte mir Clarita von Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit."
„Still! still!" schrie aber jetzt Wer« entsetzt auf. „Rede, sprich mir nicht von Alexis! Er verfolgt mich ohnehin!". .
„Er verfolgt Dich?" wiederholte der Knabe bebend. >,Mama, Mama,, was heißt das? Hast Du —"
„Ich habe ein Verbrechen begangen!" stöhnte das unglückliche Weib — von der Macht des Augenblicks bezwungen.
„O, Mama — hast Du meinem Bruder ein Leides gethan? Sage, o sage mir alles!"
„Ja!" — rang es sich krampfhaft von ihren fahlen Lippen — „ich will Dir alles sagen, die Qual ertrag' ich nicht mehr." Und mit irrem Auge und fieberhafter Hast flüsterte sie ihrem Sohne ein schreckliches Bekenntnis zu.
XXII.
Errungen.
Gedenk' an Vaugham und laß die Lanze fallen
Vor schuldbewußter Furcht!
O Gott! ich fürchte, Dein Gericht vergilt's!
Shakespeare.
Als ein halbes Stündchen später Clarita dem Krankenzimmer nahte, begegnete ihr euig eine der barmherzigen Schwestern. „Ich wollte Sie eben rufen, Fräulein de la
Para, unser kleiner Patient ist recht schlimm, er verlangt dringend nach Ihnen. Schwester Scholastika ist bei ihm, vermag ihn jedoch nicht zu beruhigen."
„Was ist denn geschehen?" lautete Claritas atemlose Frage. „Seine Mutter war —"
„Gerade mit ihr", — nickte die Schwester — „muß er eine angreifende Szene gehabt haben. Madame ist wenigstens in heftiger Aufregung förmlich nach ihrem Zimmer geflohen und hat die Thüre hinter sich verschlossen." Die beiden waren jetzt an der Stube. Clarita eilte hinein. Wachsbleich schaute Feodors Gesichtchen aus den Kissen hervor, es war von Thränen überströmt. „Meine Clarita! Komm', komm' zu mir!" schluchzte er bei ihrem Anblick. „Du mußt, Du wirst mir helfen." — Er schmiegte sich an sie, da sie liebreich sich zu ihm niederneigte. „Ich habe Dir etwas — etwas Entsetzliches zu sagen. Sind wir allein?"-
Die Schwester, die vorhin neben seinem Bette gesessen, hatte sich diskret zurückgezogen. „Wir sind allein, mein Freund .versicherte Clarita beruhigend. „Sprich! Was hast Du?"
„Du sollst mir helfen — ich muß zu der Zariza!"
„Clarita erschrak. Sprach das Kind in Fieberphantasien? Zur Kaiserin, zur Zariza? wiederholte sie unwillkürlich.
„Ja, ja — zu ihr; sie ist nicht weit von hier in einem Badeorte. Sorge Du nur schnell, daß ich dorthin reisen kann." — Und wohl um einer etwaigen Einwendung von vornherein zu begegnen, fügte er erregt bei: „Ihr habt mich ja von Rußland bis hierher geschleppt, warum sollte ich da nicht ein paar Stunden weiter fahren können, wo es sich um Alexis handelt! Weißt Du — er ist nicht gestorben! Er lebt noch — als Verbannter in Sibirien. Deshalb muß ich zu der Zariza; ihr muß ich die Beweise für des armen Alexis Unschuld bringen und für meine Mama - "
Alexis' Unschuld! Clarita hörte nichts anderes; sie konnte sich kaum fassen. Bor innerer Bewegung erzitterte ihre Stimme: „Alexis' Unschuld! Es giebt Beweise dafür?"
„Ja, Clarita, ich habe es eben erfahren. O, mein Kopf ist mir ganz verwirrt — es ist eine schreckliche Geschichte —"
„Und Wera — Deine Mutter wußte, weiß sie darum?" „Freundin — ich kann nicht davon sprechen. Geh' zu Mama, sie ist furchtbar erregt. Rede zu ihr, vielleicht sagt Sie Dir alles — dann aber, meine Clarita, vergiß nicht — es ist meine Mutter!"
Die rührende Bitte verfehlte ihre Wirkung nicht, obgleich Claritas Pulse hämmerten. Sie fühlte die Notwendigkeit, äußere Ruhe zu zeigen und zwang sich dazu. Sie küßte den Knaben, rief die Schwester zurück und eute nach Weras Gemach. Sachte pochte sie an und bat Frau v. Ornatoff, sie möge öffnen. Einige Sekunden blieb es drinnen lautlos still. Um ihr Ungestüm zu mäßigen, sandte die Harrende ein heißes Stoßgebet gen Himmel, sie fühlte


