Ausgabe 
18.10.1902
 
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Elual der Ungewißheit enden zu lassen, so hielt sie ihnen folgende Ansprache:Da ich wählen soll unter euch, so werde ich es thun, aber nur dem will und werde ich meine Liebe schenken, der mir auf seinen Flügeln etwas vom Golde der Sonnenstrahlen bringt, auf daß ich mich bräut­lich schmücken kann." Sprach's und schloß ihren Kelch zur Nacht, während die Schmetterlinge und Falter, die Käser und Fliegen jubelnd auseinanderflatterten, um mrt nnvrechendem Tag der Sonne entgegenznfliegen . . . Und am anderen Tage kam das große Sterben. Matt und ge­brochen fielen die Tollkühnen von schwindelnder Höhe herab auf die Erde, ohne auch nur ein Fünkchen Sonnen- aold mitzubringen. Immer stolzer und schöner prangte die Rose, je dichter die Opfer ihrer Grausamkeit den Erd­boden bedeckten. Schon wollten sie abstehen, die Unglück­lichen, von weiteren Versuchen, abgeschreckt durch die Zahl der Leichen, als plötzlich ein Falter höher als alle anderen, kaum sichtbar mehr für ihre Augen, sich in den blauen Aether erhob, der Sonne entgegen... Er flog und flog mit weitausgebreiteten Flügeln und er fühlte es an der Wärme, tote er der Sonne immer näher und näher kam, schon meinte er sich zu baden im goldenen Staub, schon batte ein Strahl in heißer Liebkosung die Spitze seines verbrannt, als er plötzlich eine donnernde Stimme '"»ner, was unterfängst Du Dich! Mein * Gold willst Du rauben!

Hinab um auf alles, was

Deiner Art ist. Eure . n ab sein, euch

nach meinem Golde zu sehnen, meinen ,Zahlenden Glanz in jedem armseligen, von Menschenhand entzündeten Licht­chen zu erschauen. Was ihr sehet, soll euch ins Verderben, was ihr ersehnet, euch in den Tod locken. Hinab!" Schwer, mit versengten Flügeln, auf denen ein feiner, goldener Staub lag, fiel der Falter herab auf die Erde und war tot. Die stolze, schöne Blume, welkte hin aus Gram über den toten Falter, die anderen Falter aber und Schmetterlinge, die Käfer und Fliegen vergaßen ihrer gar bald, in der Sehnsucht nach Licht und Goldstaub . . .

Und der Fluch geht in Erfüllung an ihnen bis auf den heutigen Tag. Sie flattern um Sonnenstrahlen, Kerzen­licht und Lampenschein, mit ängstlich-sehnsuchtsvollem Ge­summ und Flügelschlag, alle ein Opfer ihrer Sehnsucht Nach Licht und goldenem Staub . . ."

Leise verklangen die letzten Worte, und nun ward es still im Zimmer, ganz heilig still. . .

Als Selten sich umwendete, sah er Iduna mit heißen Wangen und glänzenden Augen zurückgelehnt im Kissen liegen. Ihr Mund war leicht geöffnet, so daß die Zähne in feuchtem Perlmutterglanz hervorschimmerten. Sie lächelte ihn an, so eigen, bewundernd und doch wieder so überaus weise und weiblich überlegen.

Was sagst Du zu dem Märchen, Iduna?"

Daß es jeder an sich selbst erlebt und erleben will", klang es leise zurück.

Er antwortete nicht, nur sein Kopf sank tiefer herab auf die Brust und sein Atem ging schwerer.

Vermischtes.

Es ist alles da. Ein Hotelbesitzer pflegte zu sagen, daß er nie in Verlegenheit komme, daß man bei ihm jede nur erdenkliche Speise erhalten könne.

Eines Tages erschien ein Yankee und fragte, was er zum Tiner bekommen könne.

Alles, mein Herr, alles von einem eingemachten Ele­fanten bis zu Kanarienvogelzungen."

Schön", sagte der Yankee, den Wirt musternd,ich möchte einmal Elefant."

Gewiß, wenn's weiter nichts ist. Wer Sie müssen schon einen ganzen Elefanten nehmen, da wir ihn nicht ttt Stücken aufschneiden."

Ter Yankee zog vor, sich mit Fisch und Fleisch zu be­gnügen. __________

Literarisches.

Als achter Band des elften Jahrgangs der Veröffent- ltchungen LesVereins der Bücherfreunde". (Geschäfts­leitung: Verlagsbuchhandlung Alfred Schall, Königl. Preuß. und Herzogl. Bayer. Hofbuchhändler, Berlin W. 30) Eien: i ! . u J , i 1J' L iU J Ü

Opfer der Narrheit. Roman von F. v. Klink- Lütetsburg. Preis geheftet 3 Mk., geb. 4 Mk. Für Mit­glieder desVereins der Bücherfreunde": Preis geheftet 1 Mk. 90 Pf., geb. 2 Mk. 25 Pf.

Der vorliegende Roman erhebt sich weit über das Niveau unserer Tageslitteratur und dürfte in ungewöhn­lichem Grade das Interesse derjenigen Leser in Anspruch nehmen, die nicht nur flüchtig unterhalten sein wollen,^ sondern auch auffälligen Erscheinungen im gesellschaft­lichen Leben ihre Aufmerksamkeit zuwenden.

Ausführliche Prospekte sowie Programme des 12. Jahr­ganges desVereins der Bücherfreunde" liefert jede Buch­handlung und die Geschäftsleitung desVereins der Bücher­freunde" in Berlin W. 30.

Neber Land und Meer, die allbeliebte illustrierte Zeitschrift, hat soeben den neuen, 45. Jahrgang begönnern Getreu dem Bestreben, die Gediegenheit des litterarischen Inhalts mit vollkommener Gestaltung der künstlerischen Beiträge zu verbinden, gießt sich lieber Land und Meer als ein echt deutsches Familienblatt. Den erzählenden Teil eröffnet ein Roman von Richard Boß:Für die Krone",, worin der Dichter mit packender Gewalt und dem höchsten Schwünge poetischer Darstellung das Schicksal eines genia­len jungen Fürsten behandelt, in dem manche Züge auf ein berühmtes Vorbild der neueren Geschichte htndeuten. Dazu gesellen sich zwei heitere, im Hefte abgeschlossene Erzählungen:Der Javaner" von Georg Fretherrn von Ornpteda undTer Aeltervater" von Fritz Skowronnek. Wte diese fesselnden Aufsätze von zahlreichen Jllustrattonen begleitet sind, so finden wir in der Abteilung, bte den Tagesereignissen gewidmet ist, durchweg künstlerisch aus- aeführte Wbildungen. Von hohem Reize send bte Kunst­blätter, die in vollendeter Ausführung Meisterwerke der modernen Kunst wiedergeben. Wir nennen, nur das von Humor sprudelnde Genrebild aus dem veneztantschen Leben Da kommen sie!" von Stefano Novo und Christtan Maits prächtiges LandschaftsbildAus der Ponalsiraße". Im Schmucke der Farbe prangen zwet doppelfetttge Kunst­blätter, das humorerfüllte, figurenreiche BildSalonpoet, von Eduard Cueuel und der im Zauber der Tropennacht erstrahlende Ozeandampfer von Max Rabes. Wtr empfehlen unfern Lesern, sich von der nächsten Buchhandlung bte erste Nummer, die kostenlos geliefert wird, oder das erste Heft zur Ansicht kommen zu lassen, damit sie durch den Augenschein sich überzeugen können, was hter für den billigen Wonnementspreis (viertehabrllch, 13 Nummern, 3,50 Mk., jedes 14 tägige Heft 60 Pfg.) geboten wtrd.

Mittag.

Am Waldessaume träumt die Föhre, Am Himmel weiße Wölkchen nur;

Es ist so still, daß ich sie höre. Die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen,

Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach, Und doch, es klingt, als ström' ein Regen Leis tönend auf das Blätterdach. Th. Fontane^

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Charade in vor. Nr.r Hanswurst,

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm UniverMtS.Vuch. und Cteindruckerci (Pietsch Erben) in Gießm.