Ausgabe 
18.8.1902
 
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gelangt. Auf die Trockenfütterung legt man heute nicht mehr so viel Gewicht wie noch! vor zehn Jahren, als jede andere Fütterung verpönt war. Mau hat den Werdegang und frisches Grünfutter wieder schätzen gelernt und weiß- daß nicht dies die Ursachen der Diarrhöen ist, sondern Milch­zersetzung durch Stallschmutz. Zum Transport benutzt man z. B. am besten weithalsige Gefäße aus Eichenholz mit luftdichten, vernickelten Verschlüssen. Diese sind sauber und lassen sich gründlich reinigen, während das bei Fässern, deren enge Oeffnung mit einem Strohwisch geschlossen wird, unmöglich ist. Glücklicherweise verschwinden diese entsetzlichen, schmutzigen Milchfässer mehr und mehr.

Von dem Sterilisieren der Milch kommt man allmählich wieder zurück, seitdem die Übertriebene Bakterienfurcht etwas nachläßt und einer maßvolleren Anschauung Platz macht. Die Veränderungen der Milch durch zu langes Erhitzen sind ihr 'nicht günstig, auch soll (nach v. Starck) sterilisierte Milch leicht Kinder-Skorbut veranlassen. Da nun in der Häuslichkeit nur eine 24-stÜndige Konservierung in Frage kommt, so genügt ein kurzes Aufkochen vollkommen. Wer einmal einen Soxhlet-Apparat besitzt, kann die einzelnen Portionsflaschen ganz gut benutzen und die Tagesmahlzeiten so bereiten. Sonst genügt aber ein guter Milchtopf mit Deckel völlig dazu,

Flaschenmilch beim Ausfahren der Kinder, auf Reisen Usw. warm zu erhalten, war bisher nicht beliebt, weil man eine rasche Zunahme der Keime befürchtete. Merk­würdigerweise hat, nach Dunvar, diese Vermehrung sich in den Milch-Thermophoren, welche die Milchflaschen fünf bis sechs Stunden warm erhalten, nicht bestätigt.

Seit einigen Jahren hat man von Holland aus wieder die Buttermilch zur Ernährung junger Säuglinge, zumal nach Verdauungsstörungen mit Atrophie, empfohlen. Ver- fuche in der Charito, über die Salge berichtet, ergaben tn 73 Prozent ein gutes Resultat. Die Buttermilch wird, feiner Angabe nach, am besten täglich frisch, aus saurem Rahm oder saurer Milch hergestellt und folgendermaßen verwendet: Ein Liter Buttermilch! wird mit einem Eßlöffel Mehl und eistigen Eßlöffeln Zucker bis zum dreimaligen Aufwallen erhitzt, dann in Flaschen gefüllt, und kalt ge­stellt. In dieser Form soll sie von den meisten Mndern gern genommen, leicht verdaut und gut vertragen werden.

Von Interesse ist schließlich) daß die seinerzeit von Liebig angegebeneSuppe", deren Herstellung zu umständ­lich war, neuerdings in handlicher, verbesserter und' ge­brauchsfertiger Form wieder auflebt. Die Breslauer Kin­derklinik hat sie wieder eingeführt. Anch Prof. Soxhlet in München hat ihre fabrikmäßige Herstellung veranlaßt, nachdem er sich überzeugt hatte, daß die Versuche, Kuhmilch durch reichlichen Milchzuckerzusatz nahrhafter zu machen, an den hierdurch verursachten Durchfällen gescheitert waren. Liebig verzuckerte seinerzeit das Weizenmehl durch Malz-Diastase, setzte Kali zu und gab dieses zur Kuhmilch) Die jetzt fertig gestellte Liebig-Nahrung ist dextrinreich; die damit versetzte Kuhmilch wird zu einer Maltose-Milch) welche dem Säuglingstnagen Arbeit erspart und um so nahrhafter ist, als ein leichter Kochsalz-Zusatz zugleich die Löslichkeit der Kalksalze der Kuhmilch begünstigt. r , Wie man sieht, sind auch die letzten Fahre frucht- ormgeyd für die Lehre von der Säuglings-Ernährung ge­wesen. Diese Lehre bewegt sich immer mehr' in der Richtung nach dem Einfachen, Naturgemäßen" hin, und sucht große Künsteleien zu vermeiden. Sie legt den Schwer­punkt auf die Herstellung tadelloser, preiswerter Kuhmilch- Zumal billiger, guter Vollmilch, nicht auf Präparate und Surrogate.

Vermischtes.

Haben die Alten schon geraucht? In Norddeutsch­land, den Rhein- und Tonaugegenden, in der Schweiz, in Frankrerch und Großbritannien sind seit längerer Zeit bei Ausgrabungen aus dein' Schoße der Erde alte Pfeifen aus Thon, blechgefuttertem Holz und aus Metall zum Vorschein gekommen, die ganz auffallend unseren Tabakpfeifen gleichen. Mögen manchs dieser 'Stücke gefälscht sein, so sind' doch andere gut beglaubigt, und an ihrer Herkunft aus vor- römtscher, römischer Und merovtngischer Zeit ist nicht zu

Ncd-stion: Curt Plato. Rotationsdruck und B erlag der Brühl

zweifeln. W ist nUU unter den Archäologen ein lebhafter Streit darüber entbrannt, ob diesePfeifen" auch! wirklich Pfeifen in UnsereUt Sinne seien, d. h. ob sie dem Zwecke desRauchens" gedient hätten. Es giebt thatsächlich aus­drückliche Zeugnisse antiker Schriftsteller, aus denen hervor- geht, daß man im Altertum bereits als Genuß- wie als Heilmittel Pflanzendämpfe etngesogen hat. Herodot (1202), der zur Zeit der Perserkriege lebte (etwa 486 bis 420 v. Ehr.), erzählt wie I. B. Kenne im Korrespondenzblatt der Deutschen anthropologischen Gesellschaft feststellt ge­legentlich des Zuges des älteren Cyrus gegen die Massa- geten von den Bewohnern der großen Inseln des Araxes (wahrscheinlich der heutigen Wolga) folgendes:Auf diesen Inseln leben Menschen, die, wie man sagt, zur Sommers­zeit sich, von allerlei Wurzeln nähren, während sie die, Baumfrüchte das Sommers sammeln und aufspeichern als Zehrung für die Winterszeit. Außerdem aber haben sie Bäume ausfindig gemacht mit Früchten eigentümlicher Art, Sie kommen oft sck)!arenweise zusammen, zünden ein Feuer, an, und um dasselbe herumsitzend, werfen sie jene Früchte darauf; wenn sie dann den Duft der aufgeworfenen Frucht einatmen, werden sie davon trunken, wie die Griechen vom Wein, und je Mehr sie von der Frucht auf das FeUer werfen,- um so trunkener werden sie, bis sie schließlich tanzen und singen." Ganz ähnliches berichtet der römische Geograph Pomponius Mela von einigen thrakischen Stämmen; unter diesen sei der Weingenuß unbekannt; aber bei ihren Schmausereien würden gewisse Samen aufs Feuer ge­worfen, und der infolgedessen aufsteigende Dampf bewirke bei ihnen eine Heiterkeit, die der Trunkenheit ähnelte. Eine dem Plutarch zugefchriebene Schrift, die dieselbe thrakische Sitte berichtet, fügt hinzu, daß der erwähnte Samen von einen: an Flüssen wachsenden Grafe komme, das dem Dosten (origanum) ähnlich sei. Als Heilmittel wird das Einatmen von Dämpfen bei Plinius (nat. hist. XXI 116) erwähnt, Plinius berichtet von einemwunderbaren" Brauch unter Barbaren, den Räucherduft von Cespergras einzuatmen und dadurch ihre Milz zu beseitigen. In dieser Nachricht steckt sicher ein wahrer Kern, der aber dem Plinius nicht v-erständ- lfch war, weil ihm' diese Art barbarisch,en Genußmittels etwas fremdartiges war: denn lediglich aus Gesundheits­rücksichten werden jene Barbaren den Dampf von Cesper­gras nicht eingeatmet haben. Eine andere Stelle des Pli­nius (XXVI 36) ist deshalb besonders wichtig, weil hier das Einatmen des Rauches mittels eines Werkzeuges, nämlich eines Schilf- oder anderen Rohres, bezeugt wird. Er sagt: Der Rauch, von trockenem Huflattich samt Wurzel, mittels eines Rohres (harundo) eingesogen, soll veralteten Husten heilen, doch muß man nach jedem Zuge einen Schluck Rosinenwein (Wein aus getrockneten Trauben) nehmen.^ Wie man aus diesen Stellen der griechischen und römischen Litteratur ersieht, ist bei den beiden vornehmsten Kultur-. Völkern des Altertums das Einatmen von Pflanzendämpfen als Genußmittel nicht üblich gewefen und hat höchstens für. Vertreibung von Husten vereinzelte Anwendung gefunden. Dagegen ist die Sitte des Rauchens beibarbarischen^ Völkerschaften bekannt gewesen, freilich keineswegs all-! gemein. Wäre sie z. B. in Gallien ganz allgemein gewesen^ so würden wir doch über diesen den Römern auffallenden' Brauch! etwas näheres hören. Da aber anderseits für ein­zelne Gegenden das' Einatmen von Pflanzendämpsen W zeugt ist, so steht nichts im' Wege, die im Laufe der Zeit' gemachten Psetfenfunde mit der Sitte des Rauchens tn Ver­bindung zu bringen. Es würde im Gegenteil seltsam sein) Wenn das Rauchen einzig und allein an das Aufkommen des Tabaks, geknüpft gewefen sein sollte.

Ergänzimgsräts el.

(Nachdruck verboten.)

Ur, Rm, At, Or, At, Lb, At, E8, Rh, Am.

Statt der Striche find passende Buchstaben zu setzen, sodaß bekannt« Hauptwörter entstehen. Sind die richtigen Buchstaben gefunden, so be­zeichnen sie, im Zusammenhang gelesen, eine Jahreszeit.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Abstrichrätsels in vor. Nr.t Riesengebirge. (Ri, es, cN, ge, Bir, ge.)

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scheü ÜnivcrsikStS-Buck!- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen,