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Logogriphe.
(Nachdruck verboten.)
1.
Mit I als funkelndes Geschmeid Trägst Du es an der Hand.
Aus alttestameutarischer Zeit Ist es mit e bekannt.
2.
Mit u kannst Du es hören, Mit s wird Dich's beschweren. (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Buchstabenrätsels in vor. Nr.r Sage, Sago.
ich denn eines Tages die Kritik ein. In der ersten Woche jubelten die Künstler. Nach vierzehn Tagen fanden sie, daß der Spaß nun lange genug gedauert habe. Nach vier Wochen waren sie ernstlich beunruhigt. Ich bekam eine Reihe anonymer Zuschriften, in denen ich dringend aufgefordert wurde, die Theaterkritik wieder aufzunehmen, und alle diese Briefe rührten von den Künstlern selbst her. Die Bor--, stellungen wurden immer schlechter, das Haus immer leerer, und eines Tages ging der Direktor durch Während der letzten Wochen spielten die armen Künstler auf Teilung. Die Einnahmen waren schnell geteilt.
Der Nachfolger des verunglückten Direktors war Theodor L'Arronge, der Bater von Adolf L'Arronge, ent ganz ausgezeichneter Komiker, der das zugkräftigste Mitglied feiner Gesellschaft war. Unter ihm mache das Theater- oas damals noch in einen Winkel des Marktes eingeklemmt und in einem unsagbaren Zustande altersgrauer Verwahrlosung war, bessere Geschäfte.
Redaktionr Curt Plato. — Rotationsdruck rind Verlag der Vrühl'schen Univerfltäts'Bnch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) ist,Gießen,
Vevimrschtes.
Die Erforschung des höchsten Berges der Erde. Der Versuch einer Besteigung des Mount Everest im Hi- malayagebirge, des höchsten Berges der Erde, wird gegenwärtig von mehreren europäischen Bergsteigern, die sich bereits auf der Fahrt nach Indien befinden, unternommen. Die trigonometrisch ermittelte Höhe des Berges beträgt 8837 Meter; aber obschon er, aus einer Entfernung von 150 Kilometern gesehen, alle benachbarten Gipfel erheblich überragt, ist es doch nicht unmöglich, daß ein noch höherer, von Indien aus nicht sichtbarer Berg zwischen Nepal und Tibet vorhanden ist. Auch bedarf die genaue Lage der Mount Everest-Gruppe noch der endgiltigen Feststellung. Die Bergsteiger, die den Mount Everest bezwingen wollen, sind nach der „Geograph. Zeitschr." die Herren Crowley, Küowles, Eckenstein, Dr. Pfannel, Dr. Wesseley und Dr, Jaeot, die eine Anzahl Schweizer Führer in ihre Dienste genommen haben. Sie begeben sich zunächst nach Kaschmir, um zuerst den Godwin Austen, der 8610 Meter hoch ist, zu ersteigen. Falls ihnen das gelingt, soll die Bezwingung des Mount Everest versucht werden, was nach den bisherigen Erfahrungen als wenig aussichtsvoll angesehen werden muß; jedoch wird es wissenschaftlich schon bott großer Bedeutung sein, die Umgebung des Bergmassivs genatter kennen zu lernen.
Der Peterspfennig in Nom. Interessant ist geiviß folgende Statistik aus dem Vatikan, welche beweist, daß, die Spenden für den hl. Bater nicht mehr so reichlich einlaufen wie in früheren Jahren. Das Jahr 1901 ist, nach 1870, dasjenige, welches die geringste Summe aufzuweisen hat, nämlich 2 301000 Lire. An dieser Totalsumme ist Italien mit 311000 Lire beteiligt, Deutschland mit 218 000 Lire, Spanien mit 202 000 Lire, England mit 194 000 Lire, Belgien mit 163 000 Lire und die übrigen Länder mit 699 000 Lire. Der Beitrag von Frankreich ist, merkwürdigerweise relativ ganz minimal. Allerdings bilden diese Zahlen, einen erheblichen Unterschied zu dem großen finanziellen Erfolg des vorhergehenden anno santo, des heiligen Jahres) in welchem dem Papst von den vielen Pilgerzügen aus- aller Herren Länder, abgesehen von den vielen wertvollen Geschenken, nicht weniger als 8 Millionen Francs zu Füßen gelegt wurden.
Sonntag ist's! — Es jauchzt die Lerche, Der Soldat geht in die Kerche.
Sonntag ist's! — Es lacht der Himmel, Und es ruht des Kriegers Trimmel.
Sonntag ist's. — Es schlägt der Busen, Weil die Bläser heut nicht blusen.
Die Trommler Und Bläser auf dem Exerzierplätze wären die große lokale Frage geworden. Ich hätte die ganze Zeitung mit Entrüstungsgesängen füllen können. Ich brachte in jeder Nummer wenigstens ein Gedicht, und die Leute warteten darauf. Man hatte seit langer Zeit nicht so viel von der Düsseldorfer Zeitung gesprochen. Und eines Tages ver- stunimten die Trommler und Tuter. Der hohe Offizier, der den Befehl gegeben, hatte ein menschliches Rühren gefühlt und den musizierenden Rekruten zu ihrem lärmenden Unfug weit von der Stadt eine Stätte angewiesen- wo sie unter sich blieben und uns ruhige Leute nicht mehr belästigten.
Dieser Erfolg war für mich nur ein neuer Ansporn dazu, meinen innersten Neigungen zu folgen und den Schwerpunkt von der Thätigkeit der hohen Politik immer mehr anstd as lokale Gebiet zu verlegen. Wie die meisten jungen Schriftsteller, die noch nichts produziert haben, fing auch ich mit der Theaterkritik an. Ohne mir zu schmeicheln, darf ich sagen, daß sie den Schauspielern und Sängern gründlich mißfiel. Und dies Mißfallen äußerte sich sehr bald nach Eröffnung der Winterspielzeit in unzweideutiger Weise.
Ich wohnte im richtigen Zentrum der damaligen Stadt, an der Ecke der Alleestraße und der Kommunikationsstraße, im Hause des Malers Franken. Eines Mends zu vorgerückter Stunde zogen nun ein Dutzend erregter Mimen vor meine Thür, und machten johlend, pfeifend, schreiend! einen Höllensrandal. Es sollte unzweifelhaft eine Katzenmusik sein. Bald darauf erschienen einige Wachtmänner Und brachten die beiden Hauptruhestörer in Gewahrsam. Ich. hatte von der mir zugedachten Ovation leider nichts vernommen. Die künstlerischen Protestler waren, wenn auch spät, doch zu früh gekommen: ich war noch nicht zu Hause. Ich saß noch ganz gemütlich mit meinen Freunden tut „Malkasten". Als ich, nichts Böses ahnend, zwei Stunden später meine Hausthür aufschloß, trat der alte Franken, der auf mich gewartet hatte, im Nachthemd und mit einem Sammetkäppchen auf dem Kopfe und noch immer in großer Erregung, aus seinem Schlafzimmer und erzählte mir die Ungeheuerlich- keiten der tollen Nacht. Ich guittierte am folgenden Tage dankend für die mir erwiesene Ehrung, und glaubte, die Sache wäre damit äbgethan. Aber sie hatte noch ein Nachspiel.
Am selbigen Abend wurde „Don Juan" gegeben. Ich saß still und artig wie gewöhnlich auf meinem Ecksitz in der zweiten Reihe des Parketts. Eine Weile ging alles gut, aber da kam unerwartet ein dramatischer Moment. Während des Vorspiels zur Rache-Arie hatte sich die Darstellerin der Donna Anna schaudernd zurückgezogen, vierte Gasse rechts, dann aber bei den Anfangsworten stürzte sie in wilder Erregung bis an die Rampe ganz vorn links — sie „durch? querte" die Bühne, wie man .heute zu sagen pflegt —, schleuderte flammende Blicke ins Parkett und wies bei den Worten „Es ist der Verräter!" mit dem Zeigefinger so Unverkennbar auf mich, daß sich des ganzen Theaters die freudigste Stimmung bemächtigte, von der tchj-natürlich auch angesteckt wurde. Merkwürdigerweise war es die Künstlerin, die ich immer am besten behandelt hatte, eine wirklich vortreffliche Madonna, mit der ich mich, wie mit ihrem Manne »äter, innig befreundete. Es war Frau Grevenberg, die lütter der Frau Praschj-Grevenberg. Wir haben später noch vft herzlich über diesen Zwischenfall gelacht.
Die Theaterkritik einer Provinzialstadt gehört zu den Lebensfreuden, die Schiller sehr richtig als nicht ungemischt bezeichnet. Diese viermal in der' Woche über „Martha", ^Freischütz", „Hugenotten", „Mutter und Sohn", „Der Leier- prann und sein Kind" und sonstige Stützen des damaligen Repertoires berichten zu müssen — es wird ein bischjen ermüdend auf die Länge. Dem Direktor und den Schau- ßüelern konnte ich es ohnehin nicht recht machen. Ob sich as Publikum amüsierte, war mir zweifelhaft, gewiß war wir nur, daß ich mich schrecklich langweilte. Und so stellte


