856
Glieder der Bereinigung lvählten sich aus ihrer Mitte die Oberen, Chargierten, welche mit der Handhabung des Komments betraut waren, und von welchen der erste, der Präses, die Verbindung nach außen vertritt, während der zweite, der Fechtchargierte, die Mensur-Angelegenheiten unter sich hat. Der dritte Chargierte ist der Kassenwart, dem auch das Archiv untersteht; der Fuchsmajor endlich hat sich mit der Heranbildung der neu eingetretenen Füchse und deren Unterricht im Komment zu befassen.
Eine derartige Organisation bedeutete einen wesentlichen Fortschritt in der Veredelung des studentischenWesens. Ter friedsame Bürger wehrte sich nicht mehr, wie es z. B. seinerzeit in Breslau der Fall gewesen, entsetzt dagegen, daß in seiner ruhigen Stadt eine Universität ge-> gründet werden sollte, von welcher er früher nur unaufhörliche nächtliche Ruhestörungen und pekuniäre Verluste zu befürchten Ursache hatte. Diese Entwicklung, bei welcher die Studentenschaft in den Augen anderer nur gewann, erlitt eine Unterbrechung durch die Wirren der französischen Revolution und die sich daran anschließenden langjährigen Kriege. Auch die studierende Jugend konnte sich dem erhebenden Eindruck der Befreiungskriege nicht entziehen, der den Keil der politischen Meinungsverschieden- l)citen in die Landsmannschaften trug. Viele von deren Mitgliedern hatten an den Freiheitskriegen mit bewaffneter Hand teilgenommen und trugen die patriotische Begeisterung in die Herzen der Jüngeren. Die Folge dieser Belve- gung war die Gründung der allgemeinen deutschen Burschenschaft, die zur Auflösung einer großen Zahl von Landsmannschaften führte, deren Mitglieder sich den Burschenschaftsbestrebungen anschlosscu. Ms jedoch infolge einer langen Reihe von unseligen Mißverständnifsen und besonders nach der Ermordung Kotzebues durch Sand allenthalben die Burschenschaften unterdrückt wurden, bildeten sich zahlreiche neue Landsmannschaften, die unter Absetzung von allen politischen Meinungsverschiedenheiten das Hauptgewicht auf einen frohen Genuß der Studienzeit und auf äußerste Wahrung der Ehre mit unbedingter Satisfaktion legten. Die meisten von ihnen nahmen im Verlauf des dritten Jahrzehntes des 19. Jahrhunderts den Namen „Korps" an, während andere, obwohl damit keine besonderen Unterschiede ausgedrückt sein sollten, den Namen „Landsmannschaft" behielten.
Da auch viele der schon früher bestehenden Landsmannschaften die Bezeichnung als Korps annahmen, reicht das Stiftungsdatmn manches Korps noch erheblich weiter zurück. Das älteste von ihnen ist die am 11. Juli 1798 gestiftete Onoldia in Erlangen, dann folgen die Erlanger Baruthia und Münchener Suevia, beide aus dem Jahre 1803, die Hallenser Saxonia 1804, die Würzburger Fran- conia 1805, die Lusatia in Leipzig 1807, die Heidelberger Suevia 1810, die Savonia in Leipzig 1812, die Talatia in München 1813 usw. Die Universität Bonn erhielt ihre ersten Korps, nämlich die Rhenania und Guestphälia erst im Jahre 1820, während die Bonner Borussia erst im Jahre 1827 gegründet wurde und in der zeitlichen Reihenfolge der auf deutschen Hochschulen gegründeten 'Korps an 29. Stelle steht.
Der Wunsch, ihren Mitgliedern bei einem Wechsel der Hochschule auch in der neuen Universitätsstadt die Fühlung und den Verkehr mit gleichgesinnten Elementen zu sichern, hat frühzeitig zur Kartellierung verschiedener Korps geführt. Buch das Streben nach einem alle deutschen Korps umfassenden Verbände fand seine Erfüllung durch den im Jahre 1855 zu Kosen an der Saale zu stände gekommenen Senioren-Convent, den „Kösener S.-C.", welchem in den darauf folgenden zwei Jahrzehnten sämtliche reichsdeutschen Korps beigetreten find. Die Versammlungen dieses Verbandes finden alljährlich zu Pfingsten in Käsen und auf der nahen Rudelsburg statt, wo sich ein farbenprächtiges Bild studentischen Treibens entwickelt.
Auch auf den österreichischen Universitäten, deren ganze Einrichtung bekanntlich mit der der deutschen nahezu voll- konnnen übereinstimmt, sind seit dem Jahre 1850, wo die Wiener „Saxonia" gegründet wurde, eine Anzahl Korps entstanden. Die durchaus anders gearteten national-politischen Verhältnisse des vielsprachigen Donaustaates haben es jedoch verhindert, daß diese Korps sich im dortigen studentischen Leben eine Stellung erringen konnten, welche i
derjenigen der deutschen Korps ähnelt. In der Schweiz vollends, deren Universitäten von einer bunt gemischten! internationalen Hörerschaft besucht werden, hat das Korps- studententum, wie überhaupt das Studentenleben uachdeüt-- schem Muster fast gar nicht Wurzel fassen können.
Die Mensuren werden bei den Korps wie bei den meisten anderen schlagenden Verbindungen gewöhnlich mit der eigentlichen studentischen Waffe, dem Schläger, aus-, gefochten. Die Dauer derselben ist bei Bestimmungs-Men-, suren 15 Minuten. Bei wirklichen Forderungen betrügt diese jedoch 30 Minuten, oder der Kampf wird bis zur „Abfuhr" fortgesetzt.
Tie Rechtsprechung der deutschen Gerichte bestraft die Mensur nach den Tuellparagraphen des Reichsstrafgesetzbuches, obwohl der einzige den Angriffen des Gegnerss preisgegevene Körperteil der Kopf ist, und alle Stellen,- deren Verletzung lebensgefährlich wäre, durch dicke Bandagen geschützt sind. Won den Herren aber, die mit strenger Amtsmiene über die Paukanten zu Gericht sitzen, denkt sicher mancher, der selbst einstmals aktiv war, mit stiller Freude an die Zeiten, da er mit Scheffels Trompeter von Säckingen von sich selber rühmen konnte:
Bin ein flotter Bursch dann ivorden. Streifte viel durch Wald und Felder; Streifte nächtlich durch die Straßen, Serenadend, sporenklirrend.
Und so einer schief wollt blicken. Fuhr die Hand mir an die Wehre. Auf Mensur! Die Klingen bindet! Los! das schwirrte durch die Lüfte; Und in manche glatte Wange Hat mein Schjläger flott und schneidig Sich ein Stammbuchblatt geschrieben.
GLmsinnützrgss.
Kinder sollen stets allein in einem Bett, niemals mit Erwachsenen zusammenschlafen, denn so unglaublich es klingeu mag, so wahr ist es, daß die Kinder durch das Zusammenschlafen nur Schaden an ihrer Gesundheit erleiden. Tie Erklärung ist leicht zu geben. Jeder Mensch scheidet unaufhörlich durch, die Hautathmung Stoffwechselprodukte aus, die als Gifte wirken und die den jugendlichen Organismus vergiften müssen, zumal das Schlafen, in den allermeisten Fallen noch in Federbetten geschieht, die jede Ausdünstung verhindern. Tann besteht aber auch ein Austausche der Nervenkraft, der derart stattfindet, daß der jugendliche Körper seine Nervenkraft auf den Körper des Erwachsenen überträgt. Diese Abgabe ist naturgemäß mit einer Schädigung der kindlichen Gesundheit verbunden, denn der Körper kann nur eine gewisse Menge Nervenkrast produzieren. Diese Thatsache, die Uebertragüng der Nervenkraft, war schon in alttestamentarischen Zeiten bekannt, ohne daß man die richtige Erklärung dafür hatte. Die Bibel weist verschiedene bezügliche Stellen auf. Der Beweis einer gesundheitlichen Schädigung des Kindes ist leicht zu erbringen in kinderreichen Familien, wo die Kinder gezwungen sind, entweder bei Erwachsenen oder bei älteren Geschwistern zu schlafen. Das jüngere Kind wird weniger frisch, am Morgen meistens abgespannt und müder sein wie am Wend, leichter zu Krankheiten neigen und überhaupt schlechter aussehen. S.
(Prakt. Wegweiser, Würzburg.)
Anagramm.
(Nachdruck vertaten.) Ein Mann int alten Testament, Den aus der Schule jeder kennt. Verändert mau der Zeichen Stand Im Namen, w rd's ein Fleckchen Land, Drauf hielt man in gar strengem Baun Einst einen herrschgcwalt'gen Mann. Und stellt mau nm die Zeichen wieder, -Erquickt cs Seele, Leib und Glieder.
(Austösung in nächster Nummer.)
Airflösung des ÄÜortspiels in vor. Nr.: Mandel, Wandel, Handel,
Ncdaklion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brütl'schen Univ erst tä ts-B nch- und Steindrnckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


