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geraten, denken: Ach —■ noch niemals habe ich jemand p geliebt! Da ist keine Spur von Zweifel! Nein, mein Freund, erst wenn sie so richtig miteinander leben, wenn sie sich schnäbeln und zanken dürfen und sich gegenseitig so recht auf den Grund der Seele schauen, dort wo diy großen Adern liegen, erst dann können sie sich gelber sagen, ob sie für ein gemeinsames Geschirr passen."
„Tas ist eine schreckliche Lehre! Was wird dann aus den heiligen Gelöbnissen und —"
„Man braucht ja nicht mit heiligen Gelöbnissen zu kommen, wenn man sich verlobt. Man kann ja nur sagen: Wollen wir versuchen, ob es gehen wird? Und wenn es nicht gehen will, oder wenn es sich herausstellt, daß es mit einem andern besser geht, so--"
„Thomas", unterbrach ihn Helene, „Tu sprichst so leichtfertig über diese ernste,l Dinge."
Za, das könne nichts nützen; wenn zwei Menschen einander lieb hätten, so recht aus Herzensgründe, so habe der liebe Gott selber sie für einander bestimmt, uiid dann sollten sie einander, weiß Gott, auch haben, und wenn sich auch alle Seligkeitspriester dieser Welt auf die Hinterbeine setzten. Er wolle freilich einräumen, daß mau stets am besten thue, wenn man sich die Sache gründlich überlege, ehe man hinginge und die Hand ausstrecke denn e» könnten ja doch große Unannehmlichkeiten aus so einer ^CiSzogeS'das Fuhrwerk in die Försterei hinein. Der Müller, der gern eilten Augenblick mit Pensen plaudern wollte, möglicherweise bei einem Glase „eiskalten Beers, beredete seine Braut und Böje, nach dem Birkenmoor vorauszugehen. Der Unterförster sah ihnen nach und klemmt« das Auge zu, sodaß es zu einer Grube aus Runzeln wurde, überschattet von langen, sonnenverbrannten Haaren.
Sie gingen und gingen, aber es kam kein Thomas.
Tas letzte Ende des Weges wand sich launenhaft durch ein Tickicht von kleinen Tannen und Haselbüschen. Als ste um eine dichte Laubecke bogen, lag plötzlich das Moor tote ein heller sonnenbeschienener Spiegel vor ihnen. St«
beschatten." c ,,
„Ja, das kam nur eben infolge der Biegung, die wir machten." , . ,
Thomas wandte sich halb um und knüpfte ein Gespräch mit Böje über den Unterförster an.
„Ja, es war ein Skandal, wie sich das Mädchen ihm ; gegenüber benahm", meinte Böje. . .
„Ach, das hat er längst abgeschüttelt. Du solltest nur sehen, wie dick er geworden ist."
„Kann sein; deswegen aber war ihr Unrecht gleich groß."
„Unrecht? Zum Teufel auch, wenu sie nur zu der Einsicht gelangte, daß sie nicht glücklich mit ihm werden konnte, daß sie es dagegen mit einem andern werden würde, so war es ja ganz in der Ordnung, daß sie ihm seinen Abschied gab und mit dem andern davonlief."
„Sind Sie auch der Ansicht, Fräulein Rabe?"
„Nein, das bin ich keineswegs." ,
„Ja, darüber können Helene und ich nie einig werden", sagte Thomas, sich umdrehend und ihr einen Schlag mit dem Ende der Zügel versetzend. „Ich bin nun einmal für die Freiheit!
Freiheit, die ich meine, Tie mein Herz erfüllt."
„Ja, aber, Thomas — zwei Menschen, die gebunden sind", wandte sie ein.
„Gebunden? Tas ist doch kein Weberknoten; der läßt sich lösen, sollte ich meinen."
„Ja, die Welt ist stets so schnell zur Hand, wo es sich darum handelt, Knoten zu lösen", warf Böje ein. „Wir sind in diesem Punkt zu einer Schlaffheit gekommen, die sehr untergrabend für die Sittlichkeit ist. Es geht damit, wie mit dem Recht, das man der „Genialität" einräumen will, die alle Schranken zerbrechen kann: die großen Geister haben die starken Triebe, für sie gelten andere Gesetze als für andere Sterbliche, sie dürfen sich soviel sie wollen in dem Pfuhl der Unsittlichkeit tummeln, und es ist beschränkt und engherzig, wenn wir andern es wagen,
frisches Wellenbad. Oft ließ er sich sein Wendbrot mit- . mit dem Finger auf die Gebote der Moral und des' Christen- aeben und verzehrte es, auf dem Tang liegend. tums zu zeigen." . rrj
Cs war doch sonderbar, daß sich seine Einbildungskraft „Hm! Aufrtchttg gestanden, finde tch nicht, daß dies fast unablässig mit Helene beschäftigte. Bald zerbrach er hierher gehört, Ew. Hochwürden." .
sich den Kopf über die stille Glut in ihren Augen, bald „Ja, man geht darauf aus, dem Menschen das trete Mer eine rätselhafte Antwort oder ihr plötzliches Rot- und Recht zu verschaffen, sich in allem so einzurtchten, >vie Blaßwerden. Gott tut Himmel mochte wissen, wie es eigent- seine Lüste es ihm vorschreiben. Ketne Fesseln mehr: Frei- lich in ihrem Innern aussah. Waren dort weite Flächen heit den Lüsten! Die Natur hat stets recht! Mas sich mit frischem Lufthauch, tiefe, klare Wasser mit färben- I durch die natürlichen Triebe zu einander hingezogen fühlt, reichen Wolkenspiegelungen? Oder waren dort Engpässe, I soll zusammengehören, mag es mit Gelöbnissen und nut in denen man voller Angst in die Höhe schaut, besorgt, der Sittlichkeit aussehen, tote es will." daß sich die Wände plötzlich schließen könnten? „Hm, ja! Sag' nur doch einmal, Hans Bote, falls!
Eines Tages erbot sich Thomas, ihn in den Wald I Tu an ein Mädchen gebunden warst, von dem Du wußtest,- ,. t f ~ 0 ~ | daß sie einen andern lieber hatte — wurdest Du ste dann
2 ’S mr gern dazu bereit. heiraten - würdest Du kaltblütig und mit offenen Augen
Komm mit Helene, dann packen wir eine Flasche Wein tn dte Holle htnetnspazteren?" ,
und "ein vaar Kuchen ein." »In die Hölle? Nein, ich würde ste durch mente Steße
Sie hatte anfänglich allerlei Ausreden, kam aber doch zwingen, mich lieb zu haben. Und wäre ste em Wetb von
tofief’Iim mit ' der rechten Sorte, so wurde ste rntch ließen.",
; Als sie oben im Begriff waren, zu fahren, kam der I „Dich ließen mit einer Liebe, die alles in ihr,umalte Müller herbeigestürzt, das Haar ganz voller Heu. I wenden würde, sobald Tu ihr den Mund zum Kusse botest.
Wohin wollt Ihr denn?" Er wäre gar zu gern mit- I Nein, dafür danke ich doch!"
aeiabreu Tie Liebe lasse sich nicht erzwingen, die komme von
b Ja Vater, so fahre Du, dann bleibe ich zu Hause! I selber, meinte der Müller, genau so wie der Hunger. Und
Tu Ächt NN, -N d,° dumm-n Achsen denken. ‘ wen» ,i- sich --st !» «cht ststs-s-tzt h°l«, so !-> I'° auch
„Nein, nein! Fahrt nur! Fahrt nur!" nicht mehr zu vertilgen, außer mit Rattengift oder Karbol-
Tie Sonne brannte mit ihrem ruhigen Schein säure. , . , „... _
durch einen rötlichen Wärmenebel, die Luft war mit „Aber die Sache ist dte, mein lieber Boze, Tn kennst einem warmen Duft von Kühen und Grünfutter ge- I diese Gefühle hier tn der linken Sette nur so vom Horen- scbwängert, am Wege entlang stand das Unkraut und schlief sagen! Wart Du nur, mein Freund, bis Du einmal grund- mit schwefelgelbem Pulver auf den hängenden Blättern. I lich von Amors Pfeil getroffen bist, dann wirst Du sehen,
Helene und Böje saßen hinten im Wagen, während sich tote es inDir kochluudschaumt.
Thomas in einsamer Größe auf dem Vordersitz ausbreitete ge konnten durchaus nicht g VerlÄnisses, und Krieg mit den Bremsen führte, die einen ungeheuren Helene bSPi/ ffi8Prf,t he§ ?iertens vries
Appetit auf das sommersprossige Fleische seiner Hände der- wahrend' Zomas- das freie Recht d 2 ,^111 werdend, rieten. Der kleine langhaarige Oeländer trottelte mit I ^^"Mensch!" begann Böje aufs neue, ganz warm weroeno. herabhängenden Ohren den Weg entlang. Hin und wieder I »^ preist natürlich at ch f $ eh«
legte er jedoch diese Gliedmaßen hintenüber nut einem aßet tcf) W- e itmgen Seute M । jP urer^ ) schelmischen Lächeln, als freue er sich darüber, daß die dicken ste di: Hand ausstreMi^?'°den7serz n anzusteW Staubwolken, die er aufwirbelte, die gehörige Wirkung auf so ist es zu spat, em Verhör imt dm ■«8« natfiiftbie


