Ausgabe 
17.12.1902
 
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ihr sogar bas Geständnis auf, daß er ein Mann sei, dem warme Bewunderung gebühre. Hier hielt sie inne und schalt sich, daß sie solchen Gedanken nachgehe, statt an« Anerkennen, daß nur das Schöne das Ideal der Liebe sein könne. Ta tauchte wieder lächelnd der kleine Cherubim mit den goldenen Flügeln im Tunkel der Nacht auf und rief ihr Ku:Tas wahre Schöne liegt im edlen, festen Cha­rakter, nicht in der Form, die nur zu ost das Häßliche umschließt!" Ermüdet schloß sie die Angen, während sie den Widerspruch der stürmenden Gedanken mit der Ent- scheidung zu beschwichtigen suchte:Ich liebe Timitry mehr, als alle anderen Menschen, und Boris Mitrofanowitsch bin ich von ganzem Herzen dankbar."

(Fortsetzung folgt.)

Weihnachtsbücher.

Im Verlage von Albert Langen, München, ist abermals eine Reihe von Werken erschienen, die sich wert über den Durchschnitt der modernen Literatur erheben. Von Sven Lange sendet uns der Verlag: das Schau­spiel die stillen Stuben und die Novelle S o m m e r - spiel. Ersteres, das in Dänemark einen großen Thcater- erfolg hatte und in deutscher Sprache sofort im Manu­skript vom Wiener Burgtheater angenommen wurde, ist es wie wenige Theaterstücke wert, nicht nur auf der Bühne gesehen, sondern auch gelesen zu werden Der Dialog ist mit einer minutiösen Feinheit geschliffen und facettiert, es blitzt pon Geist und Klugheit in den Repliken, und dabei liegt über dem ganzen Stück eine starke Stimmung, die den Leser mit Gewalt in ihren Bann zwingt. Und doch ist es nichts als die Stimmung des grauen, langweiligen Mltags, des eintönigen, farbenarmen Lebens in einem Provinznest, in einem stillen Hause ohne jeden Glanz, ohne Reichtum und ohne Kinder. Und es geschieht in dem Stück nichts außergewöhnliches, nichts großes, aber dennoch ist man gepackt von der ersten Seite an und wird fest- gehalten bis zur letzten.Tie stillen Stuben" sind ein fernes und interessantes Schauspiel, das kraftvolle Werk eines echten Dichters. (Geh. 1,50 Mk., geb. 2,50 Mk.) In der Novelle Sornurerspiel von demselben Schrift­steller ist der dankbare Stoff der jungen Ehe mit ihren Freuden und Leiden behandelt. Ter. Dichter hat hier ein Ehepaar geschildert, das so reizend ist, wie man es in der Literatur fast nie, im Leben hoffentlich etwas häufiger findet, als unsere pessimistischen Dichter uns glauben machen wollen. (Geh. 2,50 Mk., geb. 3,50 Mk.)

Ter Roman E i n M u st e r j ü n g l i n g von T r i st a n B e r n a r d (Verlag Wb. Lange) ist ent lustiges Buch, mit erheuchelter Pedanterie und Trockenheit geschrieben, aber hinter jeder Zeile lauert der Schelm. Es giebt wenige Bircher, bei denen man so ununterbrochen lachen muß, wie bei Tristan BernardsMusterjüngling". Wer so etwas schreiben kann, muß nicht nur ein besonders feiner Be­obachter und Menschenkenner sein, er muß auch eine tüchtige Portion Selbstironie besitzen, denn es giebt eben viele Tinge, die so intim sind, daß man sie schwerlich an anderen bemerken kann, wenn man sie nicht in sich selbst gesehen hat. In der Hinsicht werden gerade ironisch ge­färbte Bücher wohl immer etwas vom Selbstbekenntnis haben, mutatis mutandis natürlich, je nach der Absicht des Autors. In welch entzückend feiner Weise der Autor hier mit allen romantischen Illusionen von junger Liebe, Brautstand und Brautnacht seinen Spott treibt, läßt sich nicht beschreiben. Mit besserem Humor und erheiternderer Wirkung ist dem Philister wohl selten der satirische Spiegel vor die Angen gehalten worden. (Geh. 2,50 Mk., geb. 3,50 Mark.)

KarlLarsen hat bei Mb. Lange den RomanS e ch - zehn Jahre" erscheinen lassen. Auch in diesem Buche wieder bewährt sich Karl Larsen als der feine Menschen- schilderer, als der er in seiner Heimat längst, in Deutsch­land seit dem Erscheinen seines entzückenden Romans Ein Spießbürger" bekannt ist. Tas eben erwachsene junge Mädchen ist wohl kaum jemals mit so viel psycho­logischem Verständnis und mit so viel heimlicher Schel­merei geschildert worden.Sechzehn Jahre" ist ein reizen­des kleines Frühlingsbuch. Wenn man dieses Buch aus

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der Hand legt, so graust es den Leser beinahe beim Zu- rütMenken an die vielen Jungenmädchenbücher, die den gleichen Stoff mit süßlicher Sentimentalität und verlogener Romantik behandeln und von unseren bedauernswerten Backfischen als einzige geistige Nahrung heißhungrig ver­schlungen werden.Sechzehn Jahre" ist ein anmutiges, durch und durch reines und gesundes Buch, an dem der anspruchsvollste Erwachsene seine helle Freude haben muß, das aber auch jedem jungen Mädchen unbedenklich in die Hand gegeben werden kann.

Tr. Louis Blau, Encyllopädie der Ohrenheilkunde. (Brosch. 20 Mk., geb. 23 Mk.) Verlag F. C. W. Vogel, Leipzig.

E r n st, Otto, Tie Gerechtigkeit. Eine Komödie in 5 Akten. 4.-6. Tausend. (135 S.) Leipzig, L. Staacknrann.

Fulda, Ludw., Kaltwasser. Lustspiel in 3 Aufzügen. (208. S.) Stuttgart, I. G. Cotta. 2 Mk.

Hauptmann, Gerh., Ter arme Heinrich. Eine deutsche Sage. Mit Buchschmuck von Heinr. Vogeler. 1.9. Tausend. (172 S.) Berlin, S. Fischer. 3,50 Mk-

Died erich, Franz, WorpstoederStimmungen. (103 S. mit Titelzeichnung von Franz Krummacher.) Berlin W. 95, Meyer u. Wunder. 2 Mk.

Warncke, Paul, Worpswede. (43 S.) Ebda. 1 Mk.

Freu ssen, Gustav, Torfpredigten. 2. Bd. 4. durch­gesehene Aufl. 5.-7. Tausend. (184 S.) Göttingen, Ban­den Höck u. Ruprecht. Geb. 3 Mk.

M u t h e r, Rich., Die Kunst. I. Lucas Cranach. II. Dre Lutherstadt Wittenberg, (ä ca. 65 S) Berlin W. 57, Jul. Bard. Kart, ä 1,25 Mk.

Roth, Clara, 462 erprobte Rezepte. Tie SBertoenbung von Speiseresten. Mit einem Vorwort von Lina Morgen­stern. (139 S.) Leipzig. Eugen Twietemeyer. 1,50 M4

vermischter.

Ein Schnelligkeits-Ungeheuer macht gegenwärtig in Frankreich von sich reden. Es ist ein Motor-Dreirad mit 32 Pferdekräften, das Motor-Monstrum soll im stände sein, ein Tempo von 200 Kilometer stündlich zu erzielen. Die letzte Behauptung dürfte wohl geltnden Zweifeln begegnen; immerhin hat man es aber mit einer ganz ungewöhn­lichen Maschine zu thun. Das Fahrzeug ist ungeheuer lang, so daß es vollkommen ausbalanziert erscheint und nicht, wie sonst üblich, beim Vorderrade durch Blei be­schwert ist. Jedenfalls ist dieses jüngsteKind des Schnel- ligkeitswahusinns" eine infernale Maschine. Man be­denke: 32 Pferdekräste für ein Fahrzeug, das 240 Kilo­gramm wiegt, zwei Zylinder, kein Zahnrad-Zwischen- getriebe, keine Ketten, überhaupt keine Transmission hat, denn die Vorderachse ist gleichzeitig die Hinterachse also ein Rennungeheuer, tote es noch nie da war.

Kapselrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Gangarten, Bauland, Strumpf, Konvenienzehe, TrSnkeimer, Motto, Wanderer.

In jedem der vorstehenden Wörter ist ein anderes bekanntes Haupt­wort versteckt, wieEi" inEisen" oderBeil"- Sind die richtigen Wörter gefunden, so ergeben ihre Anfangsbuchstaben im Zusammenhang gelesen den Namen eines deutschen Dichters.

Auflösung des Zahlenrätsels in vor. Nr.: A B A U A A LOTHAR T M E U L M

Auflösung des Preisrätsels in Nr. 180 der Familienblätterr

25 24 29

30 26 22

23 28 27

ES gingen insgesamt 105 richtige Lösungen ein. Die Gewinner find: 1. Ludwig Jäger, Storndorf Preis: Blum, Bismarck, geb.} 2. Heinrich Zörb jun., Sich Preis: Lohmeyer, Auf weiter Fahrt, geb.

Die Preise find von den Gewinnern gegen Vorzeigung der Adonne- mentsquittung in der Geschäftsstelle derFamilienblätter" in Empfang zu nehmen.

Redakvon: Eurt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen