Ausgabe 
17.9.1902
 
Einzelbild herunterladen

551

Halten Sie es für unrichtig", fragte er plötzlich,mich nach der Augsburger Straße zu begleiten?"

Wie? Sie wollten?rief Sempach er­bleichend.

gewesen."

Ja aber, was ist denn also die Wahrheit?" fragte junge Mann, den Kopf erhebend.

Alle die gesammelten Indizierst meine Aufnahmen die des Arztes weisen daraus hin, daß sich Fran Sanden nicht selbst getötet hat."«

Ah! Aber dann?" . I; ' n -

Ja, sie wurde ermordet."

Großer Gott, ich weiß nichts davon. Woher sollte ich das wrssen?"" '

Ich werde Ihnen sagen, was mich das hoffen ließ."

Ja, ich wollte ihr aber keinen mehr abstatten, ich war entschlossen, jeden Verkehr mit ihr abzubrechen. Großer Gott, wenn ich das hätte vorausfehen können, ich wäre jedenfalls rücksichtsvoller vorgegangen. Ich hätte lieber in alles eingewilltgt, als-->>'

Sie glauben also, daß Ihr Bruch mit ihr die iVer- anlasiung zu jener That gewesen war?"

ich muß es gestehen, es war dies mein erster Gedanke, ^ch suche vergebens' nach einem' anderen Grund, der sie dazu treiben konnte."

, ^/,Jch bm Polizeikommissar, Herr Baron. Ich wurde herbeigeholt, den Tod der Frau von Sanden zu konstatieren; und da sie keine Familie zu haben scheint, und Sie als ihr nächster und vertrautester--- Bekannter gelten,

kam td) natürlicherweise zu Ihnen mit der Hoffnung, daß Sie mir vielleicht Aufschluß geben könnten über etwaige Motive, die sie in den Selbstmord getrieben haben dürften."

Großer Gott! Mein Gott!" rief er wie das erste Mal.Unglückliche Frau!" Und plötzlich sehr lebhaft:Dann lassen Sie uns gehen, Herr Kommissar, kommen Sie! Ich will sie sehen! Gott, die Unglückliche! Ich will den Geq richten Klarheit verschaffen! Ich will, daß ihr Mörder ent­deckt, daß dieser Mord gerächt werde!" Er ging nach dem Ofen hin, schellte und rief dem eintretenden Kammerdiener

zu:Rasch, Hut und Ueberzieher!"

"Wann haben Sie sie zum letzten Male gesehen?" I Indes der Diener die Sachen holte, ging er erregt nch glaube, vor drei Tagen; ja, am letzten Freitag. I auf und nieder und sprach ganz laut für sich:Warum ^d) brachte ihr noch eine Summe von 20000 Mark, damit I hat man sie ermordet? Jedenfalls, um sie zu bestehlen, sie wenigstens Materiell durch meinen Bruch nichts zu leiden I Und das ist wiederum meine Schuld. Ich hätte ihr nicht hatte." | diese Summe übergeben sollen. Ich hätte sie in ihrem

So? Eine Summe von 20000 Mark? Und wissen I Namen anlegen müssen. Aber ich wollte ja jede Beziehung Sre vielleicht, was sie damit angefangen hat?" I zwischen ihr und mir abbrechen,"

Sie dürfte sie wohl behalten haben. Man wird sie I Der Bediente kehrte zurück. Er reichte seinem Herrn

ja noch bei ihr vorfinden können. Sie wird wohl noch ! den Hut, und eben, als er ihm in der: Ueberzieher helfen

keine Zeit gehabt haben, sie anzulegen, denn sie wollte I wollte, bemerkte er, daß der Kragen noch hochgestülpt war, immer Nordbahnaktien kaufen; da diese aber sehr hoch I und legte ihn um.

standen, riet ich ihr, eine Baisse abzuwarten. Seit drei | Dem Polizeikommissar war dieses Detail nicht ent»

.fjTW £>ie[e Aktien nur noch höher gestiegen, j gangen; ein anderer Umstand überraschte ihn aber noch

Auch laßt nnch alles vermuten, daß sie das Geld bei sich I mehr. Eben, als sein Herr weggehen wollte, steckte ihm ausbewahrt hat/" I t,er Kammerdiener einen kleinen Streifen Papier, in die

Sert einigen Augenblicken verwischten sich nach und Hand.-

nach die ersten Eindrücke des Kommissars. Er fragte sich, IWas soll das?" fragte Sempach.

rasch^de?KomEa?. ^rend, antwortete . nicht das Verbrechen, womit er sich uUn beschäftigte.

Sie hat ück aetötet". doch einen Raub zum Beweggrund gehabt hatte. Und

Ä 6,ae ro"be-

lie aTZvka."OmÖbie baC()te b£C Kommissar,so ist Jedenfalls war er durch die Haltung, Einfachheit uud E

LÄA d,- Th.. Mte S

von Sempach, sich plötzlich aufrichtend. Komödie"", dachte er bei sich.

Äff**** * mi elf -!-b. [eine V--d-ch^^°

Durch einen Dolchstich in das Herr ' I Jucht auf. Es fallen ihm alle soeben noch ge-

Gott! Das arme, unselige Weib' Wer mein Herr sammelten Aussagen, Nachforschungen und Informationen ist es denn auch wirklich wahr was Sie mir iba^titfeiren? Gleichzeitig erinnerte er sich der Worte des Unter- Weshalb bringen Sie mir diese Nachricht? Wer sind I luchungsrichters:Welches Resultat auch immer Ihre Nach- Sie? Ich kenne Sie nicht!" ' b ^Wmigen haben, was auch immer Ihre Meinung sein

1 follte, bringen Sie Herrn von Sempach zu mir, ich will

ihn befragen.""

,La. Ihre Gegenwart dort könnte uns von großem Nutzen sein. Ueberdies, sollten Sie nicht selbst den Wunsch hegen, die Unglückliche zum letzten Male zu sehen, di« Sie zwar nicht mehr liebten, von der Sie jedoch so hoch-! gradig geliebt wurden, daß sie sich Ihretwegen tötete?"«

Ja, sehen Sie"", ereiferte sich Herr von Sempach,das

6. Kapitel. I ist es ja g erade, was mich von dem Besuche zurückschreckt.

Der Portier aus der AugsbUrger Straße behauptet"" I hätten Sie mir mitgeteilt, Frau von Sanden sei an einer

fuhr der Kommissar fort, seine Augen auf Herrn Semvacb I Krankheit oder infolge eines Zufalles gestorben, wäre ich geheftet,Ihnen im Laufe des gestrigen ^qes Änen Gingst schon dort bei ihr. Aber das alles bestärkt mich

Brief gebracht zu haben, von Frau von Sanden und ich I in der Furcht, alles sagt mir, daß ich mit ihrem furcht-

dachte, sie habe vielleicht in demselben irgend eine Baren Entschlüsse im engsten Zusammenhänge stehe, daß indirekte Anspielung auf ihre traurige Absicht gemacht"" ic$ lf)r die Veranlassung dazu gegeben habe, und es er-

Nein, mein Herr, sie bat mich nur, sie zu besuchen schiene mir wie eine Höllenfolter, vor ihrem Leichnam sie müßte mich sprechen. Der Brief lautete dringend" stehen." Seine Stimme klang kurz und überhastend, und war sehr leidenschaftlich zwar, aber keine Wendung eute längst zurückgehaltene Thräne lief über seine Wange«., hätte mich je auf den Gedanken gebracht IDas klingt sehr natürlich, was er da sagte"", dachte.

Würden Sie mir vielleicht diesen Brief einbändigen der Kommissar bei sich. Aber er erinnerte sich auch darach, wollen?"« z J I daß der Untersuchungsrichter auf ihn wartete, und die

Gewiß, warum nicht?" Doch er hielt plötzlich ein I Seit verstrich.

und besann sich.Donnerwetter, fällt mir eben ein ich I ,Mm, ich will Ihre Gewissensbisse mit einem Worte habe ihn nicht mehr. Ich zerriß ihn einige Augenblicke I zerstreuen, mein Herr", sagte er schonend,und Sie be-

nach seinem Empfang in kleine Stücke."« I wegen, mir zu folgen. Ich habe anfangs davon Wstand

Weshalb dies?" I genommen, Ihnen die Wahrheit zu gestehen, um Sie nicht

Mein Gott, Ihnen kami ich es ja gestehen, Ihr Stand I allzu heftig zu erschüttern. Wer nach all dem, was Sie

legt Ihnen ja Diskretion auf. Ich erhielt täglich von I mir da sagten, glaube ich, wäre es für Sie weniger schmerz^

ihr ähnliche Briefe wie- diesen, trotzdem ich sie dringend lich gebeten hatte, mir nicht mehr zu schreiben.--Und I

non 'üngevutd, vielleicht etwas zu nervös geworden, zerriß der ich ihn in kleine Papterfetzen."

Es war in ihm also bloß von einem einfachen Besuch I und die Rede?"" I von