Ausgabe 
17.5.1902
 
Einzelbild herunterladen

292

Kind geboren, und sie lag vier Wochen hindurch krank darnieder.

Während dieser neuen Prüfungszeit lernten sie und Böse Madame Hansen schätzen. Die gute Frau sprang nicht allein hilfreich mit ihren knappen Geldmitteln ein, sondern lieh ihnen beiden auch noch die sorgfältigste Pflege angedeihen.

Welch ein Unsinn, daß. es nicht noch alles wieder gut werden kann!" pflegte die redselige Madame auszurufen, wenn sie Böse nagen hörte.Gehen Sie nur hübsch aus und lüften Sie sich ein wenig, ich. will schon für Ihre Frau und die Kinder sorgen!"

Helene erholte sich wieder und begann ihre Arbeit mit neuem Mut.

Du sollst sehen, Hans, es wird noch, alles ivieder gut!"

Ein unerwartetes Ereignis war Pastor Tomsens aber* maliger Besuch für Helene.

Er hatte eine Pfarre auf Seeland erhalten und war jetzt beim König gewesen, um ihm zu danken.

Ich komme, um Ihnen einen Gruß, von meiner Tochter zu bringen."

Ach, danke! Wie geht es ihr? Ist sie jetzt glücklich und zufrieden?"

Nem, glücklich ist sie nicht, sie ist geknickt, aber sie will ihr Leben in stiller Ergebung hinbringen."

Es that Helene leid, dies zu hören. Es ist recht .gut mit dieser stillen Ergebung, aber es ist sehr hart, zu hören, daß ein junges Mädchen boll warmen Blutes sich auf Lebenszeit in dies Kloster der stillen Ergebung hat ein- schreiben lassen.

Sie hat, gottlob, ihren Erlöser wieder gefunden", fuhr der Pfarrer fort,aber sie hat nicht diese Glaubensfreudig-. fett, die Ihnen eigen ist."

Helene schaute nieder. Eine Wolke von Schanr umfing sie, und die Angst, daß er sie auch diesmal mit Lob über­häufen würde, erfüllte sie mit peinlicher Unruhe.

Mer ich danke meinem Gott", fuhr er fort,daß er sie zu einer Frau brachte, die ihr Leben in Ehrfurcht vor Gottes Wort geführt, und die sie mit der Macht des Mortes und des Beispieles leiten konnte."

Es war ihr, als müsse sie vergehen vor Scham, sie konnte dies nicht länger mit anhören .

Herr Pastor", begann sie,Sie dürfen, nicht so zu mir reden, ich bin nicht so gut, als Sie glauben."

Er sah sie erstaunt an.

Ich habe mein Leben nicht nach Gottes Gebot geführt. Wenn Sie meine Geschichte kennten, würden Sie sich von mir wenden."

Das Bedürfnis, einmal all den geheimen Kummer ihres Herzens jemand zu offenbaren, vereinte sich mit dem Drang, das unverdiente Lob, das sie bedrückte, von sich abzuwenden.

Ach, wenn Sie mich nur nicht zu hart beurteilen wer­den! Ich möchte so gern einmal offen mit Ihnen reden. Sie sind ja doch mein alter Lehrer!"

Liebe Frau Böje, haben Sie auch gefehlt?"

Der Ausdruck liebreichen Mitgefühls, der in seinem Blicke lag ,genügte, um ihr die Zunge zu lösen.

Um sie nicht durch seine ernste Miene einzuschüchterm, fenkte er den Blick zu Boden und neigte sich ein wenig zu rhr hinüber wie ein katholischer Beichtvater, der sein Ohri der Oeffnung der Wand zuwendet.

Nunmehr begann Helene, inbem sie von ihrer lang­jährigen Verlobung mit ihrem Vetter erzählte, von ihrer geheimen Liebe zu Böje, von dem Bruch mit Thomas und dem Bruch mit den: Vater, von all den Gewissensbissen, die sie seither erduldet hatte, namentlich Thomas' wegen.

Sie sehen, Herr Pastor, meine Lebensgeschichte hat ein wenig Aehnlichkeit mit der Ihrer Tochter, und ich will nicht dafür einstehen, daß ich nicht hätte handeln können wie sie, denn ich liebte Böje über alle Maßen. Und des­halb habe, ich Ihre Tochter niemals verurteilen können, sie hat mir im Gegenteil sehr viel Mitleid eingeflößt. Später aber ist mir der Gedanke gekommen, ob ich nicht nur allein aus Nachsicht mit mir selber so gehandelt habe, ob ich nicht mich selber mit alledem, was ich zu ihr sagte, habe aufrichteu wollen ach, ich bin lange nicht so gut, als Sie glaubten."

Der Pfarrer faß schweigend da! und schaute zu Boden.

Wer glauben Sie nicht auch, daß Gott Erbarmen mit

Ihrer Tochter und mir haben wird? Glauben Sie das nicht auch?"

Sie hätte ihn auf den Knieen um ein mildesJa" an- flehen können. Er war ja Pfarrer, er hatte ja den Schlüssel und mußte wissen, wann esJa" und wann esNein" heißen sollte.

Er nahnc seine Brille ab, wandte das Antlitz von ihr und benutzte sein Taschentuch, setzte bann die Brille ruhig wieder auf, steckte das Taschentuch in die Rocktasche, richtete sich mit dem gewöhnlichen Ruck an den Rockschößen auf, beugte sich aber wieder ein wenig vor und senkte aufs neue den Blick.

Sein Mund verzog sich zu einem leisen Lächeln.

Im sechzehnten Jahrhundert hegte das Volk den Glau­ben, daßein Pfarrer den Teufel aus einem neugeborenem Kinde vertreiben könne, indem er es anblies. Sie, liebst Frau Böje, sind nun der Ansicht, daß ich die Unruhe aus Ihrem Herzen durch einJa" vertreiben könne, das ist aber! nicht der Fall. Freilich glaube ich, daß Gott Ihnen und meiner armen Sophie ein gnädiger Richter sein wird, aber! Sie müssen sein eignes Wort haben, er selber muß sein Ja" in Ihr Herz blasen."

Ich habe ihn auch so inbrünstig darum angefleht", sagte sie leise. Ihre Augen standen voller Thränen.

(Fortsetzung folgt.).

VevMssHtes.

Unverträgliche B l u m e n. Blumen, die man jetzt imWonnemonat" Mai auf Schritt und Tritt findet, mit denen der hoffnungsvolle Jüngling seine Brust oder seine Liebe schmückt, find das liebliche Maiglöckchen (Convallaria majalis) Und die echte Nareisfe (Nareissus poetieus). Ver­einigt man diese poetischen Frühlingskinder in einem Glas oder einer Vase, so bekommt die reizende Nareisse bald ein bleiches, wässeriges Aussehen; es scheint, als sei sie vergiftet. Und das hat das duftige Maiglöckchen gethan., Stellt man diese Blumenarten getrennt in Wasser, so bleiben beide frisch und vollfarbig. Die an äußerer Schön­heit überaus bescheiden ausgestattete, aber wegen ihres! süßen Wohlgeruches sehr beliebte Reseda (Reseda odorata), die aus Nordafrika zu uns gekommen ist, verdirbt das Wasser für alle anderen Blumen. Man darf sie also nicht mit anderen lieblichen Kindern Floras in ein Glas zu­sammenstellen. Eine für Genossinnen gefährliche Blume ist auch, die in bett letzten Jahren so sehr beliebt gewordene Goldblume (Chrysanthemum). Doch sie kommt jetzt wenig; in Betracht, da sie ja ein Kind des Herbstes ist.

Festrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Was trägt der Schütz int Köcher?

Was fließt im Jndierland?

Was nehmen beim Kaffeeklatsche Die Damen gern zur Hand? Wenn man die Drei gefunden, Die Hälfte der Zeichen dann Von jedem Wort gestrichen, Hat gleich das Ganze man. Da tönen fromme Glocken, Verklärt scheint Busch und Feld, Und Festglanz liegt gebreitet Ucbcr die blühende Welt.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Abstrichrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Fritz, Brand, Ostern, Hessen, Geier, Posten, Feile, Bleiche, Main, Gabel, Eis, Staar, Ehering, Band. Aus jedem dieser Wörter ist durch Abstrich eines Buchstabens an beliebiger Stelle ein neues Hauptwort zu bilden. Die abgestrichencn Buch­staben müssen im Zusammenhang einen Festgruß ergeben, den wir unseren Lesern zurufen. (Auflösung in nächster Nummer.)

Ergänzirngsräts el.

(Nachdruck verboten.)

au, Wd, Ant,eu, Wn, Bo,

Statt der Striche sind je zwei passende Buchstaben zu setzen, so daß bekannte Hauptwörter entstehen. Die eingefügten Buchstabenpaare bezeichnen im Zusammenhang gelesen etwas, das Viele zu Pfingsten sich vornehmen.

(Auflösung in nächster. Nummer.)

Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.r

Eibe, Elbe, Ebbe.

Redaktion: I. B.: R. Dittmann. Rotationsdruck und Verlag der Brü h l'schen UniversitSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.