Montag den 17. Mär;.

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er nie verließ der Vorsicht enge Kreise, r Und selbst aus seiner Jugend Tagen Nichts zu bereu'n bat, zu beklagen, Der war nie thöricht aber auch nie weise.

Fr. Badenstedt.

Gleich hinter ihr erschien ein zornroter Mann, der laut fluchend eine fetttriefende Pfanne in der Hand schwang.

Tobias Breeden sah ihn an.Je, Niklas", sagt« er bloß.

Ta beichtete der andere. Er war in der Küche be­schäftigt gewesen, das Abendessen herzurichten, ein rechtes! Festessen, weil Tobias auf zweitägiger Segelfahrt schwerlich etwas Warmes in den Leib bekommen hatte. Ta, wahrend er Eier in die Pfanne schlug, war die Hauskatze zum Fenster herein gekommen, hatte das Stück Fletsch, das er in den Teig verbacken wollte, gemaust. Im Eifer der Ver­folgung stieß der Backende dann die Pfanne vom Feuer, und nun lagen die Eier in der Asche und das Fleisch war verschwunden. _ -

Tu büst to fahrig", sagte Tobias tadelnd.Jongs Lüe sünd ümmer to fahrig."

Ter Gescholtene kniff das eine Auge zu, und sah den Bruder mit dem andern an. Sein Zorn war verraucht. Es lag große Schalkhaftigkeit in seinem wetterbraunen

sähst du, wat min Oeller angeiht, Bro'er To­bias, Se hebben mi tom Rettungsmann up-'n Damenbad malt. Js 'n mojes Stück Brot un ook pläsierlich anto- kieken, wo de Fruenslüe so int kalte Water herümmer- i spaddeln, jo, utnahmend pläsierlich"

Schäm' Di!" ...

Jk meen' man, Bro'er Tobias, de Jüngsten Puten se' to so ne Hanteerung nich rut" .... r ,

Handfeste, stedige Kerls, uP de Een slck verlauten kann, Dööskopp!" . ,

,Schall ik denn nut Brot herkriegen un en Smppel Wurst, Tobias?t anner hett jo de Katt haalt"

Tobias nickte, und schritt über den Flur in die Küche, seines Bruders Reich. Er selbst hielt sich meist in der Stube auf, wenn er zu Haus war, und empfing dort dre

I Gäste, die seine naturwüchsig knorrige Art wert zahlreicher anlockte, als die kleinen Raritäten, deren Einkauf ihrem

I Kommen zum Vorwand diente.

Tie Küche hatte dem Fortschritt der Zeit Rechnung getragen; sie war praktisch, nüchtern und kahl. Gelbgetunchte Wände, statt der malerischen, unbequemen Feuerstätte ein sehr häßlicher, aber gut brennender Kochofen; ein tannener Tisch ohne Eigenart oder Geschichte. Auf Brettern und an eingeschlagenen Nägeln Kochgeschirr, Bindfaden, Angeln, Aalstecher und der schwere Korkpanzer, mit dem bekleidet, I Niklas Breeden, der Rettnngsmann, das Baden der ».amen I überwachte, um sie wie ein gut dressierter Bernhardiner ans I dem Wasser zu holen, falls sie den Grund verloren.

Tobias ließ sich schwer auf eine» Stuhl neben den Tisch fallen, nahm seineii Hut ab, säbelte eine Scheibe Brot I und ein Ende Wurst herunter, und kaute nachdenklich. End lich legte er die Rinde nieder. Sie war sehr hart.

ITat is nich. I un «ich, Fi, Bro er Niklas. Us«

(Nachdruck verboten.) I

Tobias Breeden.

Von Luise Westkirch.

(Fortsetzung.)

Tas Seltsamste erblickte man aber an der den Fenstern gegenüberliegenden Wand: zwei braune Toppelthüren zwei ! Fuß hoch über dem Boden. Tas eine Thürenprar schloß I einfach einen Wandschrank ab, das andere legte, geöffnet, | dem Blick etwas wie ein Kämmerchen frei, nicht hoch, aber- breit, und von der liiünge eines ausgewachsenen Mannes. ! Sehr reinliche Kissen und Federdecken, die darin ans- I geschichtet lagen, ließen diese Koje als die Lagerstatt, das Bett der beiden Brüder erkennen.

Tobias war an den Tiscb getreten, ein altes, kostbares Eichenmöbel, verunziert von einer modernen roten Decke mit | darüber gebreiteter weißer Serviette. Die Stiefel hatte er schon im Flur niedergestellt. Jetzt schaufelte er aus der Tasche seiner Schifserjoppe ein Häuflein Münzen heraus, zählte sie umständlich auf dem Tisch auf, und murmelte rechnend eine Weile. Dann hob er sich auf den Zehen, und schob die Geldstücke über den Rand eines Eimers, der hart unter der Zimmerdecke am Mittelbalken hing. Es war die volkstümliche, seit Jahrhunderten ge­bräuchliche Sparbüchse der Inselbewohner. Jede Familie besaß ihn, den offenen Eimer am Stubenbalken hinter der schloß- und riegellosen Hausthür. Sobald einer von der Sippe in Not geriet, langte er mit der Hand hinein, und nahm heraus, was er brauchte. Und wenn er's er­statten konnte, legte er das Genommene zurück an seinen Ort. Das war das Geldgeschäft, der Wechsel- und Schuld­verkehr auf diesem Fleckchen Erde. Freilich, seit das viele fremde Volk" daherkam, womit höflicherweise die Bade­gäste gemeint waren, hüteten die Insulaner ängstlicher ihren Besitz. Breedens waren der alten Sitte treu ge­blieben.

Tie Münzen, die Tobias über den Rand schob, klirrten nicht, fielen nicht. Das Gefäß mußte randvqll sein. Er betrachtete es mit behaglichem Schmunzeln, als ein lautes Rasseln, Poltern, Schelten in dem Gelaß jenseits des Flurs ihn aufschreckte. Durch die offene Thür herein sprang in mächtigem Bogensatz eine magere schwarze Katze, fuhr über den Tisch auf den Kleiderschrank, und verkroch- sich dort.