104
seinen Besuchern ein vollwertiges Gesamtspiel und nicht wie in vielen anderen Großstädten eine mittelmäßige Truppe vorfuhrt, von deren Leistungen sich die zwei oder drei Stars, die man sich alljährlich verschreibt, nur abheben, um durch ihren Glanz die Leistungen der anderen als betrübendes Dunkel erscheinen zu lassen. Dieses Star-Unwesen ist auch der Krebsschaden des New- Horker Deutschen Theaters, dessen Leiter es nun einmal nicht einsehen wollen, daß der Deutsche einen bunt wechselnden Spielplan verlangt, und gerade das Gegenteil des Italieners ist, der sich mit den wenigen Stücken die seine Stagione in den Spielplan ausgenommen hat, genügen läßt, während der Teiltone bei der vielmaligen Aufführung desselben Stückes einfach zu Hause bleibt, und cs dem Direktor überläßt, wie er sich mit seiner aus Europa verschriebenen Diva abfiildet. Schlimmer wirkt aber noch das im Staate New-Dork geltende Verbot von Sonntags-Aufführungen. An ihre Stelle tritt das sogenannte „Sacred Coucert" d. h. heilige Konzert, ei» übersinnliches Ueberbrettl, in dessen erstem Teile allerhand Gesänge vom Liede „Am Meer" angefangen bis zuin schnödesten Gassenhauer vorgetragen werden, worauf im zweiten Teile — ohne, daß während der ganzen Aufführung der Vorhang fallen darf — doch ein ausgeleiertes Stück gespielt wird, iu welchem aber — um der Polizeivorschrift Genüge zu leisten — kein Dekorationswechsel stattfinden darf.
Vie! besser steht es mit der eigentlichen Litteratur. Jede bemerkenswerte Erscheinung des ' reichsdeutschen Büchermarktes wird auch bei ilns in Amerika gewürdigt, und auf die Kopfstärke des Lesepublikums berechnet ,auch fleißiger gekauft als in Deutschland, da sich bei halbwegs Wohlhabenden Deutschen die englische Gewohnheit eingebürgert hat, nicht alles der Leihbibliothek zu entnehmen, sondern eine eigene Bibliothek anzusammeln, die den Stolz und Lieblingshort der Familie bildet. Daneben ist aber auch das deutsch-amerikanische Schriftstellertum mit seinen Werken weder nach Güte noch Zahl gering anzn- schlagen, und es ist nur bedaueruswert, daß so wenig davon über den Ozean dringt, um Probe für die Poesie und die humoristische Gestaltungskraft des Deutsch-Amerikaners abzulegen. Besonders die Schöpfungen Robert Reitzels wie „Der arme Teufel" und andere, die in Deutschland fü gut wie unbekannt sind, würden dort zweifelsohne die größte und jedenfalls berechtigtere Be- geisterulig Hervorrufen als die dunkle Mystik eines Maeterlinck oder Maxim Gvrki's und Tschechow's Skizzen, die, tote ich aus deutschen Blättern schließen muß, das deutsche Feuilleton nahezu beherrschen.*)
Menn von Humor die Rede ist, darf man auch au dem deutschamerikanischen Karneval nicht vorübergehen, der gerade dieses Jahr wieder die üppigsten Blüten treibt, und natürlich durch Rheinländer und Süddeutsche dorthin Verpflanzt worden ist; aber er gedeiht so prächtig, daß man bei näherer Umschau in den Wohnungen der Deutsch- Amerikaner fast überall eine schellenbehäucste Narrenkappe oder irgend einen anderen Karnevalsgegenstand entdecken wird, der Zeugnis dafür ablegt, wie sein Wgentümer sich in irgend einem deutschen Vereine, wie den Gesang-Vereinen Liederkranz, Aripn und anderen dem echt deutschen Faschingsfrohsinn überlassen hat. Die Narrensitzungen, die uach Mainzer und Kölnischen! Muster abgehalten werden, bieten einen Witz, der ^allerdings meistens weit mehr gepfeffert ist, als der rheinländische, hinsichtlich seiner Wirkung auf die Lachmuskeln, hinter diesem aber gewiß nicht zurücksteht. Die bedenklich wackelnde Narrenkappe, die sich am Rhein auf den langweiligen Karnevalsredner senkt, tvtrb hier durch eine Rednertribüne in Gestalt eines gigantischen Münchener Bierkrügels vertreten, dessen Deckel sich erbarmungslos über dem langweiligen Schwätzer schließt, der seine Hörer .nicht zu. unterhalten weiß.
Eine typische Erscheinung im täglichen Leben sind hier, wie bekannt, die in Deutschland aus irgend einem Grunde entgleisten Mitglieder des Offizierstandes'und der akade
*) Ganz so schlimm, als der Herr Maurer vermutet, ist es glücklicherweise denn doch nicht; wennschon nicht geleugnet werden kann, daß der n a ch d e n k l i ch e Deutsche von jeher für Geheimniskrämerei oft mehr übrig hat, als ihm zuträglich ist. D. R.
misch gebildeten Kreise, die auch in der reichsdeutschen Presse annähernd richtig geschildert werden- Daß die meisten von ihnen, des Arbeitens ungewohnt, oder sich schämend, von nuten auf anzufangen, schon nach kurzer Zeit zu Grunde gehen, ist leider unbestreitbar. Andere aber, die das Leben nehmen, wie es ist, und die ihr Zusammenbruch in der Heimat rechtzeitig zur Besinnung geführt hat, Dringen es zum mindesten zu einer auskömmlichen Stellung oder arbeiten sich auch höher hinauf. Bezeichnend für solche Lebensschicksale ist das des etwas leichtsinnigen Sprößlings eines bekannten preußischen Grafengeschlechts, der vor etwa fünf Jahren hierherkäm. Wegen Spielschulden kassiert, wirkte er anfangs als Pferde- bnrfche eines Milliardärs auf der Fifth-Avenue. Ein Streit warf ihn von hier, wo er es bald zu der gut bezahlten Stellung eines Bereiters oder Kutschers gebracht hätte, auf das Pflaster. Nachdem es ihm eine Zeitlang jammervoll schlecht gegangen, gelang es ihm in einem vornehmen Restaurant als Speisenträger Unterkommen zu finden. Hier zog er durch sein hübsches Aeuhere die Aufmerksamkeit eines reichen Schlächters und Wurstmachers von der Clintonstreet in Brooklyn auf sich, der ihn als Anziehungspunkt für fein Ladengeschäft engagierte, und es nicht unterließ, im Stadtviertel zu verbreiten, daß man bei ihm von dem Träger einer neunzackigen Krone bedient werde. Der ungeheure Zulauf bestätigte die Richtigkeit seiner Spekulation; aber auch der ehemalige preußische Offizier hatte das Glück zur rechten Zeit erfaßt; denn er ist heute der Schwiegersohn seines Prinzipals- und fährt ivie dieser auf Gummiradern.
Kaufmännische (einfache und doppelte) Buchführung. Von Oskar Klein ich. Mit sieben Textabbildungen und drei Wechselformularen. Sechste Auflage. In Originalleinenband 3 Mk. Verlag von I. I. W e b c r in L e i p zi g.
Art. 38 des Handelsgesetzbuchs für das Deutsche Reich schreibt vor: Jeder Kaufmann ist verpflichtet, Bücher zu führen, und in diesen seine Handelsgeschäfte, und die Sage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen. Im Sinne des Handelsgesetzbuches ist aber Kaufmaun jeder, der Geschäfte treibt, und dabei Kredit nimmt und gewährt- Der Verfasser vorliegenden Buches, Handelsschuldirektor in Dresden, hat deshalb nicht aus dem Auge verloren, daß sein nun schon in sechster Auflage erscheinender Leitfaden vielfach auch von solchen in die Hand genommen wird, denen der behandelte Stoff noch ganz fremd ist. Er giebt daher den dankenswerten Rat, auf alle Fälle zunächst die in der Einleitung gegebenen Belehrungen zu beachten, darauf aber zur einfachen Buchführung überzugehen, und erst, wenn man diese vollkommen inne zu haben glaubt, mit der doppelten Buchführung sich bekannt zu machen. Weitere Abschnitte handeln von den Kontokorrenten, verschiedenen Methoden und Einrichtungen und der Buchführung der Hausbesitzer.
Gemernnntziges.
A a l i n M a d e i r a s a u c e: Der vorbereitete Aal wird in schöne Stücke geschnitten. Einen Eßlöffel Mehl röstet man in frischer Butter hellgelb, löscht mit Wasser ober Fleischbrühe ab, und würzt nach Geschmack mit Salz und Pfeffer. Dann giebt man die Fisch stücke hinein, und läßt den Aal. auf der Seite des Herdes langsam dünsten. Hierauf nimmt man die Fischstücke mit dem Schaumlöffel vorsichtig heraus, legt sie in die dafür bestimmte Schüssel, und stellt diese warm- Der Sauce fügt man ein Glas Madeira zu, läßt sie aufkochen, verfeinert sie mit einem Kaffeelöffel Maggi's Suppenwürze, und gießt sie über die Fischstücke. Nach Belieben kann man auch einige Champignons mitdämpfen-
Geheimschrift.
lNachdruck verboten.)
(Der Schlüssel besteht in einer Regel.) Säl es rid ned tum thcin uar neb les mi nu kcülg zlots dnu tsef.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.t Till Eulenspiegel.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


