Ausgabe 
17.2.1902
 
Einzelbild herunterladen

103

Das Deutschtum in Nordamerika.

New-Yorker Bries von Friedrich Maurer (Brooklyn).

(Nachdruck verboten.)

feit den traurigen Zeiten bes tollen Jah^Ueberhaupt ist man in Deutschland wohl nur allzu ^.Hunderte edle Sohne des putschen Volkes, dre stch geneigt Wissenskapital und den Bildungsgrad des politisch irgendwie unmöglich gemacht hatten, den Weg I ^.Zutsch-Amerikaners wie vielleicht auch der echten Yankees über den Ozean , nach einer neuen Hermat suchten, hat 1 angelsächsischem Stamme bedeutend zu unterschätzen, das Deutschtum in Nordamerika kaum jemals derart rm I ^um Teil an der Lektüre von Schilderungen

Vordergründe des Jnteres es gestanden als gegenwärtig, ,waen die das Leben im ,Fernen West" in Stile Brei HariPs wo des dachen «a« und Verzierung

lechem Anlaß "srch ^§er ^n boben Gast darstellen, und nach dem Muster der amüsanten Falsch-

Besuch zu machen, die ihrerseits wieder den hohen «KX|t | < = Aritona-Kickers geschrieben sind: zum andern

mit Festen und Ehrungen, empfängt, wie sie vordem urigen de. Arizoim m-ers^g.^g Rutschen zu setzen, keinem Mitglied« erner regierenden Famrlre dort berertet | Landsmann, der außerhalb der Reichsgrenzen geht: worden srnd- o , ... I irns vnnbrtt fortan als Fremden zu betrachten, als ob es ein

** - 6c,0"",m

EÄ>2b«ä" Amerikaner dabei rn keiner Werse zuruck, und mrt be- | mitschuldig ist, die abgesehen von der

rechtigtem Stolze können sre darauf hrnwerfen, welckw I natürlich bitter notwendigen Aneignung des eng-

Stellung und soziale Bedeutung heute dre Nachkommen I Idioms in der möglichst schnellen Entäußerung

derjenigen einnehmen, die aus den verschiedensten Grün- I IW* sehen, und,

den, jedenfalls, aber mrndestens zu 99 Prozent unter I 9 ., ^schick nach Jahren einmal in das alte

keineswegs rosigen Verhältnissen den heimatlichen Boden ! $atert(llI^ fiUt einen kurzen Besuch zurückführt, an den verließen, um sich rm fremden Lande ein neues Gluck I ginri(( tUrtqert' be§ letzteren kein gutes Haar lassen, zurecht zu zimmern- wäbrend sie die der neuen Heimat über den grünen Klee

Welche Wandelungen sich rn dieser Hinsicht rn dem > darüber aber nicht vergessen werden,

Zeitraum eines Menschenalters, also ungefähr fett I Deutsch-Amerikaner der Gegenwart im Durchschnitt

Preußen-Deutschlands siegreichen Kriegen von 1866 und I ageraus lebhaftes Interesse für alles hat, das die KÄÄ SÄFÄ

» L ÄSTE M A. -»ä-Ä

Ser Zeit von 1820 bis 1896 von I81/4 Millionen europät- I Schritt. Tas deutsche Theater hrerzulande schämt < scheu Einwanderern volle 5 Millionen Deutsche waren, dings von chronischemSiechtum ergriffen zu fern, un^ bei denen die aus Oesterreich, der Schwerz und aus Ruß- I daß dasjenige von Philadelphia rm ; «j 9 ,

land stammenden deutschen Elemente noch gar nicht ein- Pforten wegen ^gEeinerTellnahm. ^auerliche^That- mal mitgerechnet sind, so zieht er daraus wohl nut Be- I kums M^ßen mußte ble ayhe Blüte des deutschen

fltßbtQUTtG beit (ScIllufL btlR XXV bett ^IbßTtt bc§ XXV bCT I f(I(f)6z bcr UtlbCICrfCtw tüißbß ) )SSipr 4ff S-ig

Bildung begriffenen nord amerikanisch en Riesenvolkes zu I Musentempels in Miltva u e 6 . esitzer Weeb und

gut einem Viertel deutsches Blut rollt, ohne jedoch erne Freigebigkeit, he^^^c^^1,^1)Ge^e^ne^lnen8, das Vorstellung M haben, welche soziale Stellung diese Stam- ! Machsner die festeste Säule eines unrerneymea

mich aar nicht mehr davor; ich gehe ja in den Himmel zu , mesbrüder in dem überraschend reichen Verkehrs- und

S keben Gott. Clarita versicherte es mir, ich würde Erwerbsleben der Union eninehmen.

dorthin kommen; denn alle, die reinen Herzens seien, Die Zeiten, wo man den Deutschen vorhielt, daß würden Gott schauen und ich, ich hätte ein reines ihr Vaterland nur ein geographischer Begriff sei, sind <ger, u längst vorbei, und wo man von ihm noch als dem dam-

J Starr mit weitgeöffneten Augen blickte Wera auf ihr ned Dutchman reden hört, ist das kein Ausdruck des

Kind- sie'zitterte an allen Gliedern. Allmählich, erst schien Schimpfs mehr, sondern eher eine Anerkennung seiner sie den ©tritt der ergreifenden Worte zu fassen. Leiden- I oft recht unbequemen wirtschaftlichen Thätigkeit ungefähr schaftlich beugte sie sich über den Knaben, indem sie heiser I in dem Sinne, wie wir in Deutschland einen energischen vor innerer Erregung stöhnte:O, Feodor, verlaß mich I Menschen, der sich zu helfen weiß- ja auch als einen nickt' Gehe nicht von mir!"verfluchten Kerl" bezeichnen. Tie einzigen Stellungen,

'Es ist ja nur für kurze Zeit, liebste Mama", I in denen die Einwandernden eine Einbuße gegen früher tröstete" das unschuldige Kindsieh! einmal wirst auch I erlitten haben, beziehen sich eigentlich nur aus die ge- Du sterben Ich erwarte Dich oben im Himmel, und dann I lehrten Berufe, und dies ist auch leicht erklärlich; denn sind wir wieder zusammen!" I während einstmals die amerikänischen Universitäten in so

Wenn der Apostel Paulus selbst vor der unglücklichen I wenig hohem Ansehen standen, daß der Doktor- stlrau erschienen wäre, um ihr wie den Hebräern zuzurufen: I titel von irgend einer Fakultät wie Philadelphia und Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach I anderen Hochschulen, in Deutschland einen sehr bedenklichen 'aber das Gericht!" es würde sie nicht mehr erschüttert Beigeschmack hatte, sind die Universitäten von heute dank haben als ihres unschuldigen Kindes einfache Worte. I der freigebigen Hand verschiedener Milliardäre zum großen

Wie in Flammenschrift standen die Worte Feodors vor Teil Musteranstalten, deren Institute und sonstige Hilfs- Weras Augen. Mit den juwelengeschmückten Händen diese ! mittel auf das Glänzendste ausgestattet sind, und an bedeckend 'vergrub sie das angstvolle Antlitz in den Kissen. I denen derjenige, der lernen will, und den Kopf dazu

Feodor Feodor" rief sie schneidendich komme hat, sich die gediegenste, wissenschaftliche Bildung an- nickt in' den Himmel, ich habe kein reines Herz, sondern I eignen kann. Eine Stellung also, tote sie sich der oster­eine schuldbeladene Seele!" i reichische Politiker Hans Kudlich schuf, der, nachdem man

Der kleine Kranke, obwohl an die Sonderheiten seiner l ihn in seiner Heimat in Abwesenheit zum Tode verurteilt Mama gewöhnt, zuckte leise zusammen, gleich darauf aber | hatte, in Hoboken bei New-York als angesehener Arzt Ker liebreich, deren schönes Haar streichelnd:Ach, lebt, dürfte heute immerhin schwierig zu erringen sein;

lschka fürchte Dich doch nicht. Selbst ein Verbrecher aber auch der einstige Bonner Student, der Philologie! kann ja durch Reue und Sühne Gottes Gerechtigkeit der- und Geschichte Carl Schurz, der schon tu jungen Jahren söhnen, was solltest Du Dich da ängstigen, die vielleicht ein namhafter Parteiführer der Republikaner und dann eine Schuld, aber kein Verbrechen auf sich hat!" in schneller Folge Unionsgesandter tn Spanten, General

(Fortsetzung folgt.) I und Divisionskommandeur im Sezessionskriege, Redakteur

1 und Zeitungseigentümer, Senator und Minister des Innern war, und im politischen Leben tivch heute eine einflußreiche Rolle, besonders bei der Bekämpfung der Bestechlichkeit spielt, steht keineswegs als einziges Bei­spiel der glänzenden Lebenslaufbahn eines Europaslücht-