Ausgabe 
17.2.1902
 
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Montag den 17. Februar.

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1902. Nr. 26.

1 -V

UM

inft echt, wenn beide Teile, ohne ein doch ihres Beisammenseins zu freuen Georg Ebers.

Nachdruck Verboten.

Verschollen.

Original-Erzählung von M. Ludolfs.

(Fortsetzung.)

Thöriu, die Wera gewesen! Sie hatte Clarita ent­fernen wollen, und er reiste ihr nach. Das hatte sie nicht für möglich gehalten, und schon erwog sie bei sich, ob sie nicht unverweilt die kleine Gesellschaft zurückberufen sollte, als eine Staffette ihr die Kunde des Unheils überbrachte. Die Nachricht brachte sie außer sich, obgleich ihr an der Zerstörung des alten Gebäudes wenig lag. Dies ließ sie kalt, nicht so die Gefahr, in der ihr Sohn geschwebt. Sie liebte ihn leidenschaftlich, was gerade in diesem Moment, wo ihr heißes Gefühl für Nikolai solch bittere Kränkung erlitten, in gesteigertem Maße der Fall war. Nur der Gedanke, wie nahe sie daran gewesen, auch ihn zu Ver­lieren, machte sie fast wahnsinnig. Bon diesem übermäch­tigen Gefühl erfüllt, empfand sie, trotz Abneigung und Eifer­sucht, doch für die gehaßte Clarita eine Art Dankbarkeit, da sie Feodor gerettet. Feodor hatte ihr ausführlich ge­schrieben, und der Bericht des Boten es bestätigt, wie allein Claritas Treue und Ausdauer ihn Vor dem Flammentode bewahrt. Solcher Thatsache gegenüber mußten alle ihre Pläne, Clarita ungnädig zu entlassen, schwinden. Indes, es bleibt doch immer wahr: eine engherzige, selbstsüchtige Seele empfindet die Dankbarkeit als ein Joch, und die­jenigen, welchen sie sich Verpflichtet weihj, sind noch lange nicht ihres Wohlwollens gewiß. Wohlwollen kannte auch Frau V. Ornatoff nicht für Clarita, sie sah nur vorläufig davon ab, ihrer Abneigung gemäß zu handeln. Mit ver­zehrender Ungeduld erwartete sie jedoch die Heimkehren­den, vor welchen die Staffette einen Vorsprung von zwei Tagen in toller Eile gewonnen hatte.

Bedächtiger folgte die Reisegesellschaft nach. Es war keine solch fröhliche Fahrt wie die Hinreise. Feodor war krank, er wurde elender mit jedem Tage, so viel er sich auch anstrengte, heiter zu erscheinen. Was er nicht zu- gestand, verriet sein Aussehen. Als Frau Wera ihn end­lich in den Armen hielt, kannte sie sich kaum vor Aust regung. Vergeblich suchte der Knabe selbst, sie zu be­ruhigen. Gleich wurden mehrere Aerzte zugezogen, man fand den Fall nicht so schlimm, nur den Verband schlecht angelegt. Man verbesserte das jetzt vermittelst größerer Geschicklichkeit, und ball» schien auch der kleine Patient sich

zu erholen. Doch dies dauerte nicht lange, die Befürcht­ung, daß er innere Verletzungen davon getragen, kehrte wieder. Seine Brust atmete oft gar schwer, seine frische Gesichtsfarbe wich krankhafter Blässe, die blühende Gesund­heit des Knaben war und blieb gebrochen. Die Aerzte rieten ein deutsches Bad an. Die geängstigte Mutter !var sofort bereit, dein Rate zu entsprechen. Feodor selbst freute sich auf die Reise; er stellte nur eine Bedingung, daß Clarita mitgehe; sie und ihre Pflege könne er nicht ent­behren. In Wahrheit war sie ihm die sorgsamste Pflegerin von der Welt; selbst Wera mußte dies anerkennen. Dennoch würde sie gern die Reise vorgeschoben haben, um die unliebe Person zu entlassen. Aber Feodor gab nicht nach, und des kranken Kindes Willen siegte; auch bei Clarita selbst. Sie hatte gleichfalls in ihrem Innern einen Kampf zu be­stehen gehabt. Es lag nicht in ihrem Wunsch und Plan, Rußland wieder zu verlassen und noch weitere Länderstreckeu zwischen sich und ihrem verbannten Gatten zu bringen. Indes was konnte sie sie allein, fremd und unbekannt, in deni weiten Rußland für Alexis thun? Es empfahl sich daher nichts mehr, als in dessen Familie auszuharreni und Wera Sergewna zu beobachten; denn jenen einmal gegen diese erwachten Verdacht, vermochte Clarita nie mehr los zn werden. Sie hoffte deshalb durch geduldiges Warten noch am ersten zur Kenntnis der Wahrheit zu gelangen. Zudem lag bet ihrem tiefen Schmerz ein Trost darin, den kranken Knaben, Alexis' Bruder, der ihr mit solch warmer Liebe anhing, pflegen zu können. Das gab den Ausschlag; sie willigte in Weras frostige Aufforderung, die Reise mit­zumachen, ein. Darauf wurde Lisavettaverurteilt, mit Madame Duflois daheim zu bleiben, und der Tag zur Ab­reise nach Kreuznach festgesetzt.

XXL

Zwischen Mutter und Sohn.

Harr' aus! Harr ans, mein Geliebter! Ich grüße Dich inniglich, Ich will zu dem Vater beten, Will beten für Dich und mich.

A. v. Chamisso.

In einem der elegantesten Hotels zu Bonn am Rhein mühte man sich eifrig, die besten Zimmer der ersten Etage zu dem Empfange einer russischen Fürstenfamilie in Berert- schaft zu setzen; denn für Fürsten und Prinzen galten die Russen im Auslande so ziemlich alle. Telegraphisch war die Wohnung von Kreuznach aus bestellt, und die Herr-, schäft auf selbigen Wend angekündigt worden. Dieselbe traf auch zur bestimmten Zeit ein. Es ivaren zwei Damen, ein kranker Knabe und Dienerschaft. Um das leidende Kind drehte sich alles, um seinetwillen war man gekommen, seinetwegen galt es, einen berühmten Arzt zu befragen. Durch Bekannte war der berühmte Professor Frau von Ornatoff dringend empfohlen worden, als Feoq

amt erst ist die Frcundsc Wort zu sprechen, sich vermögen.