A/VUf O'c-v vuiy^iuyw M TeUk“
Wie sehr Alt und Jung, Einheimische und AuMildS? sich dies zur Ehre rechneten, bewies da- sie Menschengewoge, reihe durchs, ,..., iug; bis zur Zimmerdecke
reichenden. SpJgei warfen tausendfach die Strahlen der Kronleuchter und Kandelaber zurück, in deren Lichtmeer die fantastischen Uniformen der Garde- und Tscherkessen-Osfi- ziere gleichsam den Goldgrund zu den kostbaren Toiletten der Damen bildeten, welche anmutig zwischen einer Fülle bon exotischen Blumen umher schwebten- Verschwenderisch zeigten diese sich zur Ausschmückung verwendet. Ihr Dust erfüllte die Luft, dazu das in tausend Strahlen sich brechende Licht, die gewandt hin und her sich bewegenden Gestalten der schönen Frauen und hohen stattlichen Männer, die schnellfließende Unterhaltung in den verschiedensten Sprachen, das -einander Zulächeln, Nicken und Grüßen, «und endlich die melodischen Klänge einer eben beginnenden Sonate, das alles schien völlig geeignet, die Sinne zu berauschen. Berauschend/ nahezu verwirrend wirkte es auch auf eine junge Fremde, die zum erstenmale ein Gast jenes auserlesenen Zirkels war- Etwas geborgen durch eine dichte Blumengruppe, stand sie neben dem italienischen Maestro Magini, der mit merklicher Spannung in seinem lebhaften Gesichte dem Spiel der eleganten Dame lauschte, die eben an dem prächtigen Flügel Platz genommen und die Weißen Hände über die Tasten gleiten ließ. Die Spielende war eine seiner vornehmen Schülerinnen, die junge Gräfin Star- niska- Sie war sich ihres Talentes bewußt, vornehme Sicherheit kennzeichnete ihr Spiel- Sobald die ersten Töne desselben voll und rein den Saal durchbrausten, verstummte jäh das bunte Stimmengewirr; tiefe Stille trat an dessen Stelle, in die nur allmählich, erst verstohlen, später regere Bewegung trat, bis endlich laute Worte des Lobes, des Dankes, der Bewunderung den Schluß der Sonate belohnten.
„Sie spielt gut, meine talentvolle Gräfin", meinte Maestro Magini zu seiner stillen Nachbarin gewandt. „Finden Sie das nicht, Mademoiselle de la Para?"
Die tiefen dunklen Augen der Gebragten richteten sich auf den Sprecher, das schöne Antlitz der jungen Dame belebte sich. „Gewiß, Monsieur Magini — ich finde in dem Anschlag der Gräfin etwas, was mich an Maestro Giono jn Wien erinnert."
Magini lächelte geschmeichelt- „Mademoiselle haben ein feines Gehör. Gionos Anschlag ist in der That entzückend! er war lange Gegenstand meines Neides und Ziel meines ehrzeizigsten Strebens, W ich es erreicht, um die Errungenschaft auch meinen Schülern mitzuteilen."-
Die Fürstin trat in diesem Momente auf den Maestro zü, was Clarita einer Antwort überhob. Fast gleichzeitig wurde sie von einigen Damen in Anspruch genommen, die zu wissen wünschten, welch' ersten Eindruck Mademoiselle de la Para von Petersburg gewonnen habe, und sie dadurch in ein Gespräch verwickelten, aus dem erst ein neuer Kunstgenuß sie erlöste.
(Fortsetzung folgt.)
Die gelbe Rose.
Eine amerikanische Kriminal-Erzählung aus der Gegenwart von Adolf Höllerl (Hannover).
(Nachdruck verboten.)
John Rondh und ich waren Studienfreunde und! immer beisammen, hätten fast die gleichen sportlichen Passionen und das ist das Seltsame und Komische — ein Und denselben Geschmack hinsichtlich des schönen Geschlechtes. Als wir zu- sammen die Tanzschule besuchten, lernten wir die schöne blonde Tochter des Kaufmanns Fundon kennen. Wir verliebten uns in sie wie aus Kommando. Ich hatte bet ihr jedoch mehr Glück äls Rondh, und daher wurde sie meine Frau.
Eines Tages machten wir eine Kahnpärtie, zu der auch mein Freund eingeladen wurde. Durch eine Unvorsichttgkeir stel er ins Wasser. Meine Frau, als vortreffliche Schwim- merrn, rettete ihn vom Ertrinken. Zu der Liebe gesellte sich nun auch noch bei ihm das Gefühl der Dankbarkeit, und so kam es, daß er meiner Frau häufig kleine Aufmerksamkeiten | erwies, chr seltene, schöne Blumen verehrte, und wenn er | W zufällig auf der Straße traf, sie auch nach Hause he- I
l gleit eie. Dies war besonders oann der Fall, wenn meine . . mit ven eingekauften Gegenständen schwer bepackt vom Markte kam. Dann half er ihr wohl auch das eine oder andere tragen.
Ich war Lehrer an der Gewerbeschule in einer Borstadt Newyorks. Mein Fach das der Elektrizität und die mll dieser Disziplin Verbundenen Wissenschaften. Da ich ein großer Verehrer des berühmten Edison bin, so ist es erklärlich, daß ich mich für alle seine neuen Erfindungen sehr interessierte. Ich schaffte mir sogar für meine Privat-, zwecke einige seiner epochemachenden Erfindungen an, worunter sich auch die überraschendste des „Phonographen" befand. Mit dessen Mechanismus ich mich oft bis spät in die Nacht hinein beschäftigte.
Eines Tages kehrte ich bon der Schule gegen ein Uhr mittags nach Hanse, fand jedoch, dort angekommen, die Thür SU meiner Wohnung verschlossen. Mein Klingeln blieb erfolglos. Ich schickte zum Schlosser und ließ die Thür öffnen. Als ich meine Wohnung betrat, bot sich mir eijn schrecklicher Anblick dar. Meine Frau lag auf dem Fußboden der Mche mit durchschnittenem Halse; an ihrer Brust befand sich eine schöne, gelbe Rose. Es dauerte eine geraume Zeit, bis ich mich von meinem Schrecken etwas erholt hatte, dann schickte ich zur Polizei. Kurze Zeit darauf erschienen zwei Herren, die sich äls Kriminalbeamte vorstellten und den Thatbestand aufnahmen. Zwischendurch richteten sie seltsame Fragen an mich, über die ich mich wundern mußte, und suchten mich auszuforschen, ob ich wohl einen Verdacht auf jemand hätte. Ich antwortete auf alle ihre Fragen mit „Nein".
„Wenn wir nur wüßten", sprach der eine Herr, ob sie diese gelbe Rose selbst gekauft oder zum Präsent erhalten har. Das gäbe vielleicht einen Anhaltspunkt, die Spur des Thäters zu entdecken. „Sie werden mich verstehen, Mister Hampden", fügte er hinzu, „was ich damit sagen will; denn es ist, wie Sie selbst sagen, nicht bas Geringste m ihrer Wohnung geraubt worden. Wir müssen daher das Motiv der That anderswo suchen."
„Ich verstehe", sprach ich darauf. „Was aber den Spender der Rose angeht, so kann ich- Ihnen diesen mit ziemlicher Sicherheit bezeichnen." Ich erzählte nun die bereits bekannten Details mit meinem Freunde John Rondh, glaubte aber meine Ansicht nicht verschweigen zu dürfen, indem ich meine Ueberzeugung dahin aussprach, daß ich ihn einer solch grauenhaften That nicht für fähig hielte. Trotz dieser Versicherung, meinten die Herren, es wäre doch ihre Pflicht, nach dieser Seite hin Nachforschungen -anzustellen. Mit diesen Worten empfahlen sie sich und ließen mich mit meinem Schmerze allein.
r Des anderen Tages erhielt ich eine Zustellung vom Krumnalgericht. Da fast die gleichen Fragen an mich gestellt wurden wie tags vorher von den Polizeibeamten, so verlief die Vernehmung mit mir ergebnislos. Was sollte und konnte ich auch aussagen? Ich wußte jä nichts, wenigstens nichts von Bedeutung.
Nach mir wurde Rondh vorgeftchrt. Er schritt gerade wie ein Mann, der sich nichts vorzuwerfen hat, zwischen zwei Gendarmen in den Gerichtssaal. In dem Knopfloche seines schwarzen Rockes prangte eine schöne, gelbe Rose.
Der Richter beschäftigte sich nun mit ihm. Er fragte ihn, ob er mich und meine Frau kenne, ob er die letztere ttuf dem Markte gesehen und ob er ihr eine gelbe Rose verehrt hätte. Alle diese Fragen bejahte John. Der Richter legte ihm sodann nähe, daß sich wegen der gelben Rose der Verdacht auf ihn gelenkt hätte und forderte ihn äuf, auszusagen, was er von dem Morde wisse oder zu bekennen, daß er der Mörder sei.
John wendete sich ab, und mit Th'ränen in den Augen beteuerte er seine Unschuld. „Meines Freundes Frau", sprach er, „hat mir das Leben gerettet, und ehe ich mich zu einer solch schrecklichen That entschließen würde, wollte ich mir weit lieber selbst den Tod geben."
Aber das half ihm nichts. Man führte ihn wieder! ins Gefängnis zurück, und ich wurde entlassen.
Acht Tage wären seit dem Morde verflossen, die Trauerseierlichkeiten vorüber, und ich fing an, mich nach und nach ins Unvermeidliche zu schicken und wieder an meine Berufsgeschäfte zu denken.
Es war schon spät in der Nacht. Ich hätte verschiedene Experimente mit den Edison'schen Apparaten vorgenommen


