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tteben Stefanie stand, welcher die Sorge um das Los der geliebten, kühnen Freundin die Thränen in die freundlichen Augen trieb. Clarita weinte nicht; fester nur hielt sie die Freundin umschlungen.Du wirst meiner nicht ver­gessen, Stefanie!" sagte sie zärtlich,das ist's, was mich jn meiner Heimatlosigkeit tröstet. Weiht Du, woran ich denken muß, wenn ich sehe, wie Du treue Seele,um mich bangst? An jenen Spruch, den uns beim Scheiden aus der Klosterschule zu Marseille die alte Schwester Josephine zuflüsterte:Jn all' Deiner Zukunft sorge , dafür, daß Du immer jemand hast, der sür Dich zu dem Himmelsherrn betet; denn unselig ist auf Erden nur der, welcher in Not allein die Hände faltet ohne einen Helfer!" Sieh'

der guten Schwester Spruch tröstet mich in meiner Ver­lassenheit, da ich ja im Gebet so treue Helfer habe -n Dich Stefanie, hier auf Erden, und meine süße, unschuldige Dolores, den kleinen Engel oben am Throne Gottes. Bei dieser Fürsprache für Alexis und mich kann es uns nicht fehlen. Ich weiß es, eine innere Stimme sagt es mir: Ich werde meinen Gatten finden!"

Sie sagte das fest und zuversichtlich; erst bei den Nächsten Worten voll heißen Dankes und zärtlichen .Abschiedswehes stockte ihre Stimme. Doch die Zeit drängte; sie kürzte die Trennung. Noch eine herzliche Umarmung, ein paar innige Segenswünsche Stefanies, und das letzte Lebewohl war ausgetauscht. Die schützende Kloster­pforte schloß sich hinter Clarita, und der Wagen rollte mit Ihr eilig in das bunte, rasche Leben des lustigen Wiens hinaus, sie ihrer ungewissen Zukunft entgegenführend, Unterdes Schwester Stefanie still in ihren Klosterfrieden zurücktrat, dort die geordnete tägliche Beschäftigung wieder aufgreifend, wo sie dieselbe verlassen. So verschieden wie die Richtungen, welche die Freundinnen in ihrer Liebe er­wählt, so verschieden gestalteten sich eben beider Lebenslosr.

Mle jene Menschen Dort mit ihrem Verlangen, sich zu unterhalten, zu amüsieren, zu intriguieren, hatten ja unendlich viel zu thun, in Anbetracht, daß jeder noch ziemlich irgend ein persönliches Interesse verfolgte, außer dem all­gemeinen möglichsten Genuß aus den Freuden des-Lebens zu ziehen.

Dieselben jagen einander zur Winterszeit in Peters­burg, und verschiedene Gesellschaften an einem Abend zu besuchen, entspricht dem guten Ton, ist das Streben der meisten aus dieser raschlebigen schönen Welt-

Daher flutete und ebbte es in Frau v- Sarafins Salon, doch war die Nacht weit vorgeschritten, ehe es etwas stiller darin und die Dame des Hauses weniger in Anspruch ge­nommen wurde- Solch günstigen Moment nutzend, trat Nikolai Pawlowitsch Karin zu ihr: rasch kamen die beiden zu einem lebhaften Gespräch, dessen Gegenstand unvermerkt die Fremde, Clarita, bildete. Karin lobte deren schöne Stimme wie ihr musikalisches Talent, woran anknüpfend er leichthin die Frage schloß: ob es, wie er eben gehört zu haben glaube, au dem sei, daß das Fräulein Gesell­schaftsdame in guter Familie zu werden wünsche? Die Fürstin gab die Richtigkeit der Angabe zu, indem sie gleich­zeitig bemerkte, daß andere vorhin Mademoiselle de la Para eine glänzende Laufbahn prophezeit hätten, so sie Ihr Talent für die Bühne ausbilden wollte. Das Fräulein habe jedoch keine Vorliebe für das Leben einer Künstlerin. ^Dasselbe" schloß die leicht begeisterte Frauist eine reichbegabte reizende Dame, deren lebhafter Geist sie antreibt, sich immer weiter zu bilden und durch Reisen in fremde Länder ihre Kenntnisse zu bereichern- Für unser Rußland scheint sie besonderes-Interesse zu hegen, daher ihre Absicht, hier eine Stelle anznnehmen, falls sich eine Sb en Ansprüchen entsprechend findet, zu der ihre

ng und Erziehung sie berechtigen."

Das dürfte wohl nicht schwer halten" meinte darauf Herr v- Karin verbindlich.Bei dem reichen Talente, das die junge Dame besitzt, wird sie gewiß für jede Familie ein Gewinn sein, um den bald mehr als eine sich bemühen wird- Mademoiselle de la Para ist eine Französin?"

Ja und nein; ihr Vater war Franzose, ihre Mutter war Spanierin, sie selbst ist in Südamerika geboren- Sie entstammt einer guten Familie und hat eine feine Erziehung genossen- Letzteres beweist ihr ganzes Wesen, ersteres aber hörte ich von der Baronin Traber- Das", lächelte die Fürstin grazös,ist so ziemlich alles, was ich über Made­moiselle de la Para zu sagen weiß,"

Es bedarf auch nicht mehr", erwiderte Karin höflich, Ist es doch schon Empfehlung genug, daß Sie, Olga Alexandrowna, der jungen Fremden Ihre Freund- itnbi Gönnerschaft schenken."

Ja", rief die Fürstin heiterdas thue ich, und that's vom ersten Moment an, da ich Mademoiselle de la Para sah- Augenblicklich war ich für sie eingenommen und völlig entzückt, als sie mir aus der Baronin Bitte ein kleines! Lieb sang .Ich lud sie darauf sofort für heute ein und ruhte nicht, bis sie meine Einlaoung angenommen. Thal icf) TC(i)t?"

Wie könnten Sie je unrecht thun, Olga Alexandrowna 1" kam es galant zurück-

Jn diesem Falle traf ich's sicher günstig. Ich ver­schaffte uns allen einen musikalischen Genuß und übte zu­gleich ein gutes Werk; denn die junge Fremde hat durch unsere gute Triber nicht viel Unterhaltung zu erwarten.^

Wie steht's mit dem Befinden der Baronin?"

Nun so ziemlich! Denken Sie nur, Nikolai Pawlowitsch/ das junge, hübsche Geschöpf will diesen Winter alle ge­selligen Freuden verschmähen, um seines etwas schwächlichen Bebe's willen- Hat man je von solcher Feinfühligkeit ge­hört?"

Das thnt mir leid", meinte Karin,für mich hat die junge Deutsche mit dem Madonnengesicht immer etwas! Angenehmes- Inmitten unserer prunkvollen Gesellschaften erinnert sie mich stets an ein schüchternes Veilchen, das! durch Versehen in den Kranz farbenprächtiger Blumen ein­gereiht wurde-"

Himmel! Nikolai Pawlowitsch Sie werden poetisch! Freilich, einem Dichter wie Sce nicht zu verargen; dennoch nehmen Sie sich mit Ihrem Schwärmen in acht! Es könnte Eifersucht erregen sowohl bei uuserm guten! Jungen, dem netten, blonden Legationsrat, wie bei nun Sie wissen, wen sonst noch ich meine!" scherzte die Fürstin mit ihrem Fächer drohend, den sie in graziösem Spiel handhabte.Uebrigens", fuhr sie munter fort,haben Sie es mit Ihrem Veilchenvergleich nicht übel getroffen- Es! paßt wirklich auf die stille, kleine Deutsche, die sür das! rasche Leben und Treiben in unserem Kreise gar keinen Sinn hat- Gestern gestand sie mir noch ganz naiv, sie liebe nichts! mehr, als ihre eigene Häuslichkeit- Ich glaube gar, sie leidet an Heimweh! Wie könnte sie sonst ihre Kinderstube unfern Salons voll Lust und Leben vorzuziehen! O! wie drollig sind! doch diese Deutschen! Aber sehen Sie dort, unser dicker! General Pallinski rüstet sich zum Rückzug, verabschieden Nur! ihn!" Und im andern Momente glitt die redselige Fürsttn! mitten zwischen den plaudernden und scherzenden Gruppen hin, die allgemach sich, zu lichten begannen, je weiter drei Nacht vorschritt-

Madame Magini, die Gattin des beliebten Maestro, ge­hörte mit zu den letzten Gästen, die sich bei der Dame des! Hauses verabschiedeten. Clarita war froh, ihr folgen zn können, die Fülle der neuen Eindrücke begann sie zu ver­wirren, zu erschöpfen. Alles war ja so schnell gekommen< schneller als sie es je zu hoffen gewagt, war fie dank der! Fürstin Freude am Beschützen, mitten in den Gesellschafts­kreis versetzt worden, wo sie am ersten hoffen durfte, ihrent Ziele näher zu kommen- Wie nahe sie indes dasselbe beretts! heute gestreift, das blieb ihr verborgen-

VII-

Iu der großen W elt-

Sie ging die Reihen auf uud ab/ Sie frug nach allen Namen, Doch keiner, der ihr Antwort gabt Von allen, die da kamen-

Bürger-.

Die mit "feinem Luxus und geschmackvoller Pracht aus-! gestatteten Salons der Fürstin Olga Sarafin zu Petersburg! belebte eine zahlreiche Gesellschaft, in der sich dre russische, Aristokratie bunt mischte mit Gliedern des diplomattschen! Korps und Größen der Kamst und Wissenschaft- Aus allen! Ländern der verschiedensten Nationen fanden sich deren. Vertreter, welche die glänzende Zarenstadt, sei es zu ernenn ständigen oder nur vorübergehenden Aufenthalt gewählt/ Intit großer Vorliebe bei der gefeierten Fürstin Sarasin einj Dieselbe verstand es mit Sicherheit, das glatte Parkett der Petersburger vornehmen Welt zu beherrschen und voll liebenswürdiger Anmut ihren Salon zu einem gesuchten zu machen- Jedenfalls gehörte es in jenem Winter zum guten