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Samstag den 16. August,
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1902. — Nr. 121
(Nachdruck verboten.)
Miß Cookson ans Ncw-Aork.
Von Heinriche Lee.
(Fortsetzung.)
Endlich, an einem Mürztage — in dem Garten der geheimrätlichen Villa streckten aus den feuchten schwarzen Beeten, von denen eben die Srhueedecke geschmolzen war, die ersten Veilchen und Schneeglöckchen ihre Köpfe heraus — erhielt Herwarth cm mit dem Stempel des kaiserlichen Zivilkabiuetts versehenes Schreiben. Es war der Konsens.
„Morgen gehen wir zum Standesamt", sagte er zu Bell, und aus dem Garten jubelte zu ihnen der Frühling herein — „oder gleich jetzt!"
Aber so schnell ging das mcht. Das Aufgebot und unzählige andere 1 v mßc, an die man trotz a.ler Vorbereitungen, wie sich herausstellte, nicht gedacht hatte, wollten noch erledigt sein. Da Ottilie nicht im Hause war, dre gewissermaßen an dem Brautpaar die offizielle Mutterstelle sowie auch die sonstigen RcpräsentationSpflichten hätte übernehmen können, so war Herwarth auf den Gedanken gekommen, die Hochzeit überhaupt mcht in Berlin, sondern in Wiesbaden, wo er eine mütterliche Freundin, seine Patin, wohnen hatte, und wo man sich auf den kleinsten Kreis beschränken konnte, stattfinden zu lassen, und Bell war ganz seiner Meinung. Die Veilchen und die'Schneeglöckchen waren längst verblüht und auf dem großen Rondel der geheimrätlichen Billa vertrockneten die letzten Hyazinthen und Tulpen, als an einem herrlichen Morgen auf dem Wiesbadener Bahnhof ein Zug , aus Frankfurt einlief, ein Herr mit drei Damen aus einem Coupee stieg, und gleich darauf eine vierte, aber bedeutend ältere Dame, die schon weißes Haar hatte, auf den Herrn, der sie im ersten Augenblick nicht gleich sah, zusteuerte, worauf er in ihre Umarmung versank, um alsdann ihr seine Braut, seine Schwester — „nein, wie groß die Kleine geworden war" — und Miß Armstrong vorzustellen. Auch Bell und Carla wurden von der guten alten Dame, Exzellenz Büsching, zärtlich umarmt, und dann fuhr man nach dem Hotel.
Von Zitronen- und Orangengärten umschlossen, mit dem Blick über den blauen Golf hinüber nach der Rauchsäule des Vesuvs und nach Neapel erhebt sich in Sorrent hart am Strande ein Logierhaus, die Casa dt san Giorgio. Hier im ersten Stock hatte Ottilie mit dem Kranken Logis genommen. Der Abend zog herauf. Drüben über Ischia sank die Sonne hernieder und sie spiegelte sich im Golf mit schwefel- und orangegelben Streifen. Der Geheimrat, der nun nicht mehr sein Lager verließ — es ruhte auf Rollen — hatte sich hinaus aus den Bretten, mit Velarien überdachten Balkon schieben lassen, und
neben ihm saß seine Frau, Ottilie, in ihrem Bambus^ stuhl, eine deutsche Zeitung in der Hand. Die Augen des Geheimrats waren über das herrliche Panorama gerichtet^ hinüber nach der fernen großen Stadt — nach Norden, „Jetzt wird es in Deutschland Frühling", sagte er.
Im Stillen dachte er daran, daß er den deutschen Frühling niemals wieder sehen würde.
„Und nun machen sie Hochzeit!"
Ein paar Tage vorher hatte ihnen das Brautpaar - geschrieben.
„Nun kannst Du nicht dabei sein, Till."
Nur ihre Augen hatten auf dem Papier geweilt, ihre Gedanken waren tu der Heimat wie die seinen. Sie sah! die Beiden vor dem Altar stehen. Der Tag war gekommen. Der Tag, der ihn ihr auf immer entriß, wo er der Gatte einer Anderen wurde. Sie hatte geglaubt, es tragen zu können — ohne Schmerz, weil es die Rettung für ihn war — und er liebte ja die Andere nicht. Und doch war es ihr nun, als würde ihr ein Stück ihres Lebens genommen. Warum wurde eine Andere, waruni wurde Bell mit ihm beglückt — warum nicht sie? Und was sie sich bisher nicht gestehen wollte — nun gestand sie sichs: Sie beneidete Beil, sie fing an, sie zu hassen.
Der kranke Mann an ihrer Seite erriet vielleicht, an was sie dachte, aber er schwieg davon. Es war ihm heute abend eigen zu Mute, feierlich und doch leicht — so, als müßte er auch noch das Letzte ordnen, was ihm auf der Erde verblieben war.
„Till", sprach er nach einer Pause, „ich möchte heute zum zweiten Male eine Frage an Dich richten. Damals, als Herwarth um Bell anhielt — hast Du ihm damals vorher ihr Geheimnis verraten oder nicht?"
„Ja", kam es endlich tonlos von ihren Lippen.
Er sah, wie sie erregt war — wie sie litt.
„Du hast ihn zu lieb gehabt, Till", sagte er, auch jetzt noch ohne Vorwurf, „vielleicht wird Gott Dir verzeihen." t
Das letzte Wort sprach er mcht zu Ende.
Seine Stimme ging in ein plötzliches Röcheln über, ein hellrosa Schaum schoß über seine Lippen, dann schoß zwischen ihnen ein Blutstrahl hervor.
„Hermann!" schrie sie auf.
Der Wärter eilte herbei, er holte den Arzt.
Der Arzt konnte nur noch den eingetreteiren Tod konstatieren. Ein Lungenschlag hatte dem verlöschenden Leben ein schnelles Ende gemacht.
Ottilie kniete vor dem Toten, den man im Zimmer gebettet hatte, noch immer. Draußen wurde es Nacht,, aber unaufhaltsam rannen ihre Thränen über die abgezehrte, erkaltete Hand, die sie in der ihren hielt. In dieser Stunde fühlte sie nur eins, — das, was sie tn dem! Heimgegangenen verloren hatte. ,
Der nächste Morgen kam und während der Tote schon in einem schnell beschassten Sarge ruhte, sah sie sich


