Ausgabe 
16.7.1902
 
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Bitte, dann bist Du im Vorteil, mein Sohn, denn der Monat IM hat bekanntlich einunddreißig Tage und der Mgnst ebenfalls--"

So knobeln wir!"

Well!

Wer zuerst den nackten Spatz aushebt, nimmt die nn- graben Tage--

Abgemacht!"

Wenige Minuten später saßen die Freunde bei Dressel und knobelten.

Oberleutnant Grauenhorst hob zuerst den nackten Spatz auf.

Siehst Du! Du hast die ungraben Dagel"

Egal ist's auch!"

Qui vivra verra!

Und nun gingen die Freunde Tag um Tag, sobald der Dienst es erlaubte, zu Dressel, um des ersten Regentages zu harren.

Der stellte sich auch endlich ein, zwei, drei Wochen, nachdem sie die Bedingungen ihrer Kontrahage stipuliert hatten. Und wie es regnete! EsPladderte" nur so vom Himmel nieder, wie der Berliner sagt. Die FahrdLmme unter den Linden, namentlich in der Gegend von Dressel, glichen bald einem See. Aber es !var ein UngradeK Kalenderdatum, an welchem dieser Wasserguß niederging.

Armer Kerl!" Jetzt, nachdem die Sache entschieden !var, fühlte Dr. Hohenbrühl Mitleid mit dem unterlegenen Freunde.Armer Kerl, hast Pech! Mein aufrichtigstes Bei­leid --!"

Sei glücklich und--", Oberleutnant Hilmar erhob

sich resigniert,und mache sie glücklich! Ich. ich werde mein Schicksal zu tragen wissen--

Aber zum Davongehen, wie er es zu beabsichtigen schien, gelangte er nicht. Zu ben Thür en drängte es herein, Alt und Inna, Militär und Civil, Männlein, Weiblein, Kinder, unaufhaltsam in dichten, wirren Knäulen. In ben Dresfel'schen Stuben gab es halb mehr Menschen, als Stühle. Da mußte Herr Hilmar schon wohl oder übel einst­weilen Lei bem glücklicheren Freunde aushalten.

Aber was kam denn dort gleichfalls zur Thür hinein­gedrängt, biegsam und schlank, hochgeschürzt und vom Regen triefend? Dr. Horst von Hohenbrühl und Oberleutnant Hilmar Grauenhorst sprangen auf. Maienfrisch und morgen­schön, mit Lilienstirn und Rosenwangen, ben Sonnenschein des seligsten Glückes von sich strahlenb, so näherte es sich ihrem Tische.

Ah, meine Herren, Sie hier?!"

Gnädigstes Fräulein bitten unterthänigst, hier ist Platz--

Dieser abscheuliche Regen--!"

Bitte gehorsamst--."

Sehr liebenswürdig, Herr Oberleutnant. Aber ge­statten die HerrenHinter dem Sonnenschein seligsten Liebesglückes ward eine stattliche Herrengestalt sichtbar, ein Kamerad in Civil offenbar. Horst und Hilmar verneigten sich erwartungsvoll,mein Verlobter seit heute früh, Herr Hauptmann von Damenfald! Herr Assistenz­arzt ®r._ von Hohenbühl und Herr Oberleutnant Grauen­horst, lieber Ottokar, zwei sehr liebe Freunde unseres Hauses."

Der Herr Oberleutnant und der Herr Assistenzarzt fühlen, daß sie in diesem Augenblick gerade keine sehr geist­reichen Gesichter machten. Aber ein schneidiger Militär sowohl, als ein tüchtiger Arzt sind auch den verblüffendsten Ueberraschungeir stets gewachsen. Der Herr Assistenzarzt sowohl, als der Herr Oberleutnant brachten ihre Glück­wünsche au und dann war die Freundschaft wieder her­gestellt.

Der Regen hatte längst aufgehört, und das junge Braut­paar war längst wieder verduftet, da saßen sie noch trau­lich bei einer Flasche Beuve Cliguot und gelobten einander, daß ihre Freundschaft keines Weibes Lächeln wieder trüben solle.

Sie haben's auch so gehalten bis heute.

Karl Robe.

Veemischtes.

Der Mensch als Bestie. UeberRobbenjagd und Robben- Industrie veröffentlicht R. Bach-Montreal imPrometheus"' einen Artikel, bem wir folgenbe Stelle entnehmen: Auf einem ber Eisfelder kommt eine große Robbenherbe in Sicht; unter allgemeiner Aufregung wirb vorsichtig weiter-, gefahren, bis die erfahrenen Ohren ber Jäger das Schreien ber Jungen in ber Nähe deutlich! hören können, bann wirk» sofort beigebreht unb bte 200 bis 300 Männer stürzen sich auf bas Eis; alle sinb mit starken, oben mit Eisen be­schlagenen Stöcken, wenige außerdem noch für den Notfall mit Gewehren bewaffnet. Dieses Geschrei der Jungen, das an das Weinen von an Schmerzen leidenden Kindern auf das lebhafteste erinnert, führt bte Jäger unschwer auf die richtige Spur, mitten hinein in das friedliche Familien-, leben nun beginnt die Schlächterei. Ein Schlag auf den Kopf der jungen Tiere tötet diese sofort. Das Messer wird! herausgezogen,, und im Nu haben gewandte Hände das Fell mit ber dar unter liegenben Fettschicht ab gezogen. Der Körper selbst ivirb ,Mf bem Eise gelassen, er scheint noch zu leben, doch ist dies nur eine mechanische Bewegung 6er Muskeln, die mit dem Eise in Kontakt kommen. Die Felle werden in kleinere Haufen zusammengepackt und über das unebene Eis nach dem Dampfer geschleppt. Weiter geht die Mörderei, die Jäger verteilen sich auf dem Eise unbl entfernen sich oft meilenweit vom Dampfer, überall sieht man auf dem Eise die Blutlachen, die abgehäuteten Körper der Robben an Bord schwimmt alles in Bück, die Decks, werden schlüpfrig, der Geruch wird immer unausstehlicher', die Jäger sind mit Blut beschmiert, kurz, es ist kein appetit-, licher Anblick, den inan da zu genießen bekommt! Welche entsetzlichen Szenen, die sich hier in der eisigen Einsamkeit, unter einer strahlenden, Tausende von Eisbergen köstlich beleuchtenden Sonne abspielen. Und nun dazu noch das! klägliche Wehegeschrei der armen Robbenmütter, die ihren' Kopf vorsichtig durch die kleinen Löcher im Eise stecken und nicht glauben wollen, daß die Herumliegenden blutigen Körper alles sind, was von ihren Lieblingen übrig geblieben ist. Mit einem fast menschlichen Klagelaut stürzen sie sich dann wieder ins Meer, um 6em nahenden Jäger zu ent­gehen.

Einen niedlichen Soldatenbrief aus der Garnison Potsdam bringt diePotsd. Zeitung". Er lautet wörtlich: Geliebtes Anna!

Du bist gewiß gewundert, das Ich so lange nicht ge­schrieben bin. Hab' sich bekommen einen Brief von zu Hause. Hat sich geschrieben Vater hat krankes Bauch! weil sich zuviel hat gesaust von das Buttermilch. Karin nich verdienen und mir nicht schicken. Bin darum in größtes! Verlegenheit geraten, weil mir hat gestohlen die Hose ber Kauris ein Dieb. Da nun gesagt Feldwebel Du bezahlen bas Hose sonst holt dich der Loch und kriegs das Teufel.

Was soll machen verfluchtes Zucht. Willst schicken mir 8 Mark i stalles gut. Wenn dann kommen auf Urlaub', gehen auf das Tarrz. Schickst Du mir nich!'s schieß Ich mir ganz tot. Vor lautes Kram mein Herzen und Liebe das mir verstohlen das Hose der Kamis. Hab mich gekauft Hose die Extra passen sich lute Leutnant. Will stgeliebte Anna mir schicken das Geld bald. Ich habe noch zu schreiben doch muß Ich Holz hacken für Frau vom Feldwebel. Der Teufel mag hakten das Holz. Ich auch fcfyon ganz gut hab ge­lernt Deutsch bei das Militär.

Nun lebst Du ivohl und giebft du Kuß.

Deirr geliebtes. August, Amen.

Buchstabenrätsel, (Nachdruck verboten.)

Es führt zu längst verrauschter Zeit, Erueut verblich'ue Herrlichkeit, Läßt klinge» verschollene Weisen. Des Volkes Herzen hängen dran, Doch ändert nur ein Zeichen inan, So läßt es sich verspeisen.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Telegraphenrätsels in vor. Nr.t Erwin, Gnu, Stern, Truhe, Neckar, March, Talar, Tejas, Ungarn. Ein guter Trunk macht Alte jung.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.