Ausgabe 
16.5.1902
 
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hauen lassen, deren Salon mit den Bildern erster Meister im Werte von fast einer Million Mark ansgeschmückt war, und ein ähnliches Schiff, welches einem vor kurzem ver­storbenen österreichischen Geldmcmne gehörte, barg im Empfangsraume, wie mir ein mit ihm in häufigen ge­schäftlichen Beziehungen stehender Antiquar und Kunst­händler aus eigener Anschauung erzählte, Raritäten der Goldschmiedekunst, der Gobelinweberei, an alten Porzel­lanen und kostbaren alten Waffen im Werte von mindestens iy2 Millionen Gulden, während sein Salonwagen, welchen er auf der Bahn auch zum Schlafen zu benutzen pflegte, da er nie in einem öffentlichen Hotel einkehrte, sich mit einer ärmlichen Ausschmückung im Werte von nur etwa 120 000 Gulden begnügen mußte.

Menn eine Monarchin und Herrin unbeschränkter Reichtümer tote Katharina II. von Rußland bei ihrem Tode eine Garderobe von 6000 größtenteils nur je ein ein­ziges Mal getragenen Kleidern hinterließ, so will dies für sie als Frau und autokratische Beherrscherin des größten Reiches der Erde noch nicht so, viel bedeuten, tote die Schrulle eines englischen Lords, vor dessen Bett an jedem Morgen beim Aufstehen eine funkelnagelneue Hose liegen mußte, da er es für ein Unglück gehalten hätte, die Unaussprechlichen mehr als einmal zu benutzen.

Ein Herr mit ziemlichen Ueberspanntheiten war auch der vor " einer Reihe von Jahren zu Genf ver­storbene Herzog von Braunschweig. Von seiner im Schlosse Sibyllenort bei Breslau aufbewahrt gewesenen Schönheitsgallerie, durchwegs Bildnisse berühmter Äalle- rinen und dergleichen von der Hand hervorragender Künstler, schweigt besser des Sängers Höflichkeit, schon wegen des Kostüms derselben. Ein Unikum war aber auch seine Perrückensammlung von nahezu tausend Stück, welche in einer Reihe von Zimmern in Glasschränken aufbewahrt wurden, und auf ihren hölzernen Kopfattrappen einen recht gespenstischen Nndruck machten.

Ein australischer Schafzüchter, der seine Millionen ge­wonnen, ohne jemals vorher auf seinen Farmen gewesen zu sein, Mr. Simpson, erbaute vor einigen Jahren unweit Melbourne am Meere inmitten seiner großen Ländereien ein feenhaftes Märchenschloß. Als er gerade im Begriffe stand, dieses zu beziehen, brach unter den Viehbeständen der nächsten Farmen der Milzbrand aus, von welchem auch einige Schloßbedienstete ergriffen wurden. Der geängstigte Millionär gab Fersengeld. Anstatt aber sein Besitztum an einen minder furchtsamen Käufer zu veräußern, ließ er sämtliche Farmen in der Umgebung zerstören, und seine Bakterienfurcht ging sogar so weit, daß er, obwohl das Wasser der Umgebung von völlig einwandsfreier Be­schaffenheit war, eine 22 englische Meilen lange Gebirgs­wasserleitung mit einem Aufwand von zwei Millionen Mark nach ] einem Lustsitz legen ließ, den er nur während weniger Monate des Jahres bewohnt.

Menn ein schottischer Großgrundbesitzer vor einigen Jahren eine 30 Kilometer lange elektrische Miniatuveisen- bahn durch seine Ländereien legen ließ, nicht zu Transport­zwecken, sondern nur um allein oder mit einigen Gästen etliche Spazierfahrten durch sein Reich zu machen, so stehen die aufgewendeten Mittel gewiß in keinerlei Ver­hältnis zum Zweck. Da sein Erbe aber vermutlich eines Tages ohne weiteres den bestehenden Schienenweg zu Mirtschaftszwecken benutzen wird, ist das Geld wenigstens nicht gänzlich verloren. Das gleiche kann man dagegen nicht von dem unterseeischen Palast sagen, den ein Sohn des verstorbenen Newyorker Milliardärs Jay Gould sich in einem See in Adirondak bauen ließt Dieses Schloß aus Undinens Reich, welches aus dicksten, wasserdicht ver­kitteten Spiegelglasscheiben besteht, und durch einen Tunnel vom.Lande aus betreten wird, ist allerdings die feenhafteste und größte Taucherglocke, die jemals konstruiert worden ist, kostet aber auch die Kleinigkeit von 600 000 Dollar, wobei die sehr bedeutenden Unterhaltungskosten noch nicht mitgerechnet sind.

Daß aber von einem Extrem zum anderen kein weiter Weg ist, hat vor kurzem der junge Cornelius Vanderbilt bewiesen, welcher vor ungefähr eurem Jahre von seinem Vater als entartetes Mitglied der Familie enterbt wurde, weil er den nach Ansicht seines Erzeugers unverantwort­lichen Streich begangen hatte, der Neigung seines Herzens

folgend, ein Mädchen zu heiraten, welches eine Bettlerin von nur vier Millionen Mark Vermögen war. Vom Vater auf ein unbedeutendes Pflichtteil gesetzt, welchem jedoch der generöse, jüngere Bruder beim Ableben des Alten die Kleinigkeit von drei Millionen Dollar gleich 13 Millionen Mark aus freier Entschließung zulegte, beschloß der in seinen Mitteln so beschränkte Mann sich durch eigene Kraft aus seiner proletarischen Armut in die Höhe zu arbeiten. Er studierte Maschinentechnik und erfand einen Lokomotiven­kessel, durch dessen Verwertung der arme 16 fache Millionär hofft, sich nun wieder in die Reihe der Besitzenden empor­schwingen zu können. Echt amerikanisch. ist dabei, daß der bedauernswerte Self-made-man sich im Arbeitskittel und Schurzfell an der Drehbank von seinen Bekannten be­suchen und bewundern läßt, die natürlich nicht verfehlen, für den strebsamen, unterstützungsbedürftigen Mann tüchtig die Reklametrommel zu rühren.

Man braucht nicht Gefahr zu laufen, in den Verdacht der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie zu kommen, wenn man darauf hinweist, wie viel Elend gemildert, wie viel Thränen getrocknet werden könnten, wenn diese Herren Milliardäre von den Ausgaben, mit denen sie ihren spleenigen Ueberspanntheiten huldigen, für gemeinnützige Zwecke auch nur die Hälfte hergäben. Die Menschenveracht­ung, welche die meisten von ihnen auf Grund angeblicher schlechter Erfahrungen, wie Undank und dergleichen heucheln, ist doch nichts anderes als ein grenzenloser! Egoismus. Zu dem Bestreben von Staat und Gesellschaft, die klaffenden sozialen Gegensätze zu überbrücken, tragen diese Nabobs, die es so leicht thnn könnten, leider nichts ben

Gemeinnütziges.

K a l b s n n ß a n f e n g l i s ch e A r t: 6 Personen. Zu­bereitungszeit 1 Stunde. Aus einem Kalbsschlegel schneidet man die Nuß heraus, es ist dies das Fleischstück auf der inneren Seite desselben und läßt sich leicht auslosen. Dann befreit man das Fleisch von allen Häutchen und Sehnen und spickt es rund herum mit schmalen Spcck- streifchen, welche man vorher in Salz und Pfeffer um­gewendet hat. Hieraus bestreut man noch das Fleisch nnt etwas Salz und brät es in reichlich Fett unter häufigem Begießen in ca. 30 Minuten schön braun. Beim Anrichten verfeinert man die entfettete, kurz gehaltene Sauce mtt 1/2 Theelöffel Maggi-Würze. A. u. R.

Vermischtes.

Geruch und Erinnerung. (Eine pietätvolle Gattin.) In einem Frauenasyl in Rostock hatte ein Be­amter die Pflicht, zeitweilig die Räumlichkeiten zu be­sichtigen, und es war ihm schon mehrfach ausgefallen, daß in einem der Zimmer sehr starker Tabakgeruch zu ver­spüren war. Auf Befragen wurde ihm von der Insassin des. Zimmers in schüchterner, beklommener Weise mitgeterlt, daß ihr verstorbener Mann, an dem sie mit großer Lieb« gehangen, ihr so oft mit brennender Tabakpfeife schone, erinnerungsvolle Stunden geschaffen habe. Um nun fern Andenken in treuer und recht eindringlicher Werse sich zu erhalten, sehe sie sich veranlaßt, öfters losen Tabak in ihr heißes Ofenrohr zu schütten, damit der entstehende Dampf sie recht lebhaft an das entschwundene Erdengluck gemahne. __________

Logogriph.

(Nachdruck verboten.)

Mit 1 trägt es ein immergrünes Kleid, Auch Waffe war cs einst zur Ritterszeit.

Mit 1 ist es als schöner Fluß bekannt, Mit b bemerkt man's an des Meeres Strand.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Pyramide in vor. Nr,r 0

0 B

BOR

BORN ROBEN BORNEO

Redaktion: I. V.r R. Dittmanu. Rotationsdruck und Verlag der Brü bl'scheu Universitäts-Buch« und Cteindruckerei (Pietsch Erbm) in Gießen.