Ausgabe 
16.4.1902
 
Einzelbild herunterladen

sie ihm, der noch ganz starr vor Staunen über die ihm unglaublich dünkende Absage vor ihr stand, die Hand ge­geben, feuchten Schimmer in den Veilchenaugen, die so herzgewinnend und doch wieder so ernst und unnahbar blicken konnten, und gesagt:Fritz, meine Freundschaft bleibt Tir, und wenn Du Dich verlobst da in Potsdam oder sonst wo, so laß es mich als die Erste wissen." Dabei hatte ihre Stimme gezittert und die Wangen waren blaß geworden.

Hm, 's kann auch alles Wahn gewesen sein", sagte sich nachher Leutnant Fritz,ein schwerer Lastwagen rum­pelte grade vorbei, die ganze Bude zitterte, und das mit dem Blaßwerden war vielleicht nur eine optische Täuschung. Ich versprach ihr, meine etwaige Verlobung zuerst ihr mit­zuteilen, wir nannten uns plötzlich wieder Sie und ich eilte dann mit dem Fracht-Korb von dannen. Beim Früh­schoppen sah ich den alten Herrn eitel gletscherhafte Höf­lichkeit, wenngleich er als mein Pate das Tu nicht unter» ließ. Zum na, ich will mich nicht versündigen, aber auf mein Marthchen hätt' ich Stein und Bein geschworen! Mas fang' ich mit solcher Freundschaft an, die doch nicht chemisch rein ist?"

Hör' mal, Kind", sagte nach einigen Monaten Oberst von Moerner eines Abends zu seiner Martha,ich reise morgen nach Potsdam .Willst Tu mit?"

Geht nicht, Väterchen, hier ist zu viel zu thun."

Kenne das! Große Wäsche, Bude umkehren u. s. w. --na, nun bleibe ich drei Tage weg sag' mal, soll ich mich nach dem Fritz erkundigen?"

Er hat ja erst zu Deinem Geburtstag ausführlich geschrieben."

Wer grüßen darf ich ihn doch, gnädigste Prinzeß, he?"

Gewiß, Väterchen ,sag' ihm auch, ich hätte mit Freuden seine Ernennung zum Hauptmann vernommen."

Also doch! Uebrigens mit 28 Jahren Kompagniechef, ein Bombenturkel!"

Tu stelltest ihm ja selbst das Zeugnis eines ganz ausnahmsweise befähigten Offiziers aus."

Na ob! Aber an seiner" der Alte verschluckte das häßliche Wort, als er es im Auge der Einzigen feucht schimmern sahwird er scheitern. Soll übrigens leidlich ordentlich geworden sein, bezahlte hier alles auf Heller und Pfennig und, denke Tir, hob die quittierten Rechnungen auf. Menn's nur vorhält!"

Väterchen, der wird aus eigener Kraft gesunden!"

Was Tu nicht alles weißt, kluges Töchterlein! Aber nein", fuhr er anzüglich fort,es wird ihn wohl jemand durch einen elektrischen Rippentriller zur Vernunft gebracht haben. Wenn ich nur wüßte, wer? Der müßte ihm eine zweite und dritte verbesserte Auflage zukommen lassen meinst Tu nicht auch?"

Gar nicht nötig, lieber Vater, solche Hülfe giebt man edlen Geschöpfen nur einmal sonst nie wieder."

Bewundernd betrachtete der Oberst sein Kind, er strich ihr übers volle Haar, küßte. zärtlich die Stirn und zog sich brummend in sein Gemach zurück.

Nach Verlauf einiger Tage kehrte der alte Herr froh­gelaunt von seiner Besuchsreise aus Potsdam heim; er be­hauptete, sehr erfrischt und gestärkt zu sein.

Ter Fritz läßt danken für Dein Interesse und grüßen. Er verkehrt viel bei Konsuls. Ob es ihm der süße Fratz, die Mieze, angethan hat? Jcy sage Dir, Marthchen, das ist 'n Prachtmädel."

Fräulein Martha horchte hoch auf und erklärte dem Papa, daß Fritz versprochen habe, seine Verlobung ihr zu­erst mitzuteilen.

Sooo?!" sagte der Oberst.

Tas Kommando zum Lehrbataillon war abgelaufen, Hauptmann Fritz v. Zwyssen befand sich auch bereits in der alten Garnison.

Tas wußte Fräulein von Moerner.

Ta erklang plötzlich die Glocke, ein seiner Silberton, wie von Sporenrädchen, traf ihr Ohr, eine wohlbekannte Stimme ertönte und Fritz trat ein, den Helm in der Hand, angethan mit Schärpe.

Grüß' Gott, gnädiges Fräulein."

Herzlich willkommen Herr Hauptmann."

Sie standen sich gegenüber, er im Tageslicht mit einem Leuchten des Glückes über dem frischen Gesicht, sie im Schatten, ernst und erwartungsvoll.

Nun giebt er Tir Kunde", dachte sie, und unwill­kürlich suchte ihr Blick seine linke Hand.

Er bemerkte dies und sagte ernsthaften Tones:Noch nicht, gnädiges Fräulein, doch ich hoffe, daß er bald am Finger blinkt. Ich versprach, Ihnen als Erste den Namen meiner Braut zu nennen und das soll sogleich geschehen. Ich muß nur ein wenig zurückgreifen. Vor drei Jahren nämlich hieß man mich! den Lodderfritz ja, ja, ja doch trotzdem hielt ich! um ein schönes, kluges Mädchen an, das ich, solange ich denken konnte, liebte und stets lieben werde. Ich erhielt zu meinem allergrößten Staunen ein Meidengeflecht mit Freundesworten. So unbestimmt fühlte ich wohl, daß meine na, wir verstehen uns, gnädiges Fräulein an dem Abfall schuld war, jedenfalls zog ich den alten, sehr häßlich gewordenen Rock aus und zwängte mich, es kostete zuerst Schweiß, in ein neues Gewand. Und das alles brachte außer meinem festen Willen der mir erteilte kalte Wasserstrahl oder eigentlich nur der allein zu stände. Nun möchte ich der schönen Korbflechterin danken und sie bitten, den Korb wieder an sich zu nehmen, denn eher vermag ich ja eine wichtige Frage nicht an sie zu richten und ihr den Namen meiner Braut zu nennen Martha, willst Tu den Korb nicht wieder haben?"

Tiefe Stille herrschte im Gemach-, Fräulein von Moer- ners Atem ging schwer und ihre Blauaugen gingen über.

So bring' ihn nur schnell, Fritz", kam es ganz leise von ihren Lippen.

Mit einem Satz war Fritz zur Thür hinaus und imt einem Satz wieder zurück. "

Ta hast Du ihn", rief er übermütig und reichte ihr ein Körbchen, gefüllt mit duftenden Rosen,Martha, ich bin nicht mehr der Lod" eine weiche Hand verhinderte das Wort.

Martha, Geliebte, ivillst Tu mich nun? Meine Braut heißt immer und ewig Martha von Moerner nicht wahr?"

Zu den Glücklichen trat leise der alte Herr:Aechtes Gold wird klar im Feuer! Mädel, Tu hast Dich tapfeN gehalten und Recht gehabt, er würde von selber gesunden.

Papa, am meisten half dabei der Korb!"

Velhagen & Klasmgs Monatshefte.

Wir leben wirklich in einer kunstfrohen Zeit endlich einmal wieder! Das beweist, von vielem anderen abgesehen, die Fülle der neuen kunstgeschichtlichen Erscheinungen ans unserm Büchertisch. Trotz dieser Fülle fehlte aber doch em Buch, das in straffer Zusammenfassung und in enter auch dem gebildeten Laien verständlichen Darstellung einen Ueber- j blick über die moderne Malerei giebt. Hier will die soeben erschienene Monographie von Dr. Al fr. Ko epp enDie moderne Malerei in Deutschland" emsetzen (Jllustr. Monographien, herausgegeben von Hans von Zabel­titz. Verlag von Velhagen & Klasing in Bielefeld und Leipzig). Man darf dem Buck einen bedeutenden Erfolg prophezeien, denn es ist ein wirklicher, zielsicherer Führer für die mannigfachen Bewegungen unserer modernen Kunst, für die es Verständnis und Liebe erwecken will. Das war nur möglich an der Hand guter Abbildungen, nicht durch das Wort die Theorie allein; und so bringt die Monographie denn nicht weniger als 137 mustergiltige Reproduktionen moderner Meister. Schon hierdurch ist die Monographie zu einem Geschenkwerk ersten Ranges geworden.

Telegraphenrätsel.

Nachdruck verboten.

Die Striche und Punkte entsprechen den einzelnen Buchstaben der nachstehend in anderer Reihenfolge aufgessthrten Wörter. Diese Wörter sind so zu ordnen, daß die aus die Punkte fallenden Buchstaben tm Zu- sammenhanq ein bekanntes Sprichwort ergeben.

Berlin, Haut, Keil, Knoten, Lieder, Nest, Niere, Note, Schalter, Schatten, Schatz, Weber, Zwerg.

(Auflösung in nächster Kummer,)

Auslösung des Silbenrätsels in vor, Nr.:

Augenblick. ___

Redaktion: I. V.: R. Dittrnann. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schcn UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießet