223
die Flamme nach allen Seiten ausschlug.
Mit einem energischen Zug um den Mund ergriff Jte den Leuchter, lenkte die Schritte der Thür zu und wollte hinausgehen, besann sich! aber und kehrte zum Bett zurück, wo die widerspenstige Ecke sich abermals und wo noch eine Keine Falte aus dem ———
Nun entspann sich ein geschäftiges Treiben mit Besen und Staubtüchern in dem entlegenen Fremdenzimmer. Kisten und Kasten wurden entfernt, Wollhaufen und Flachsbündel fortgefchasft, Luft in die Fenster hineingelasseu, und ausgespannte, graue Schleier mit ausgesogenen Fliegcn- leichnamen aus den Ecken gefegt.
~ Am Abend ging Helene mit einem Lacht hinauf, um M sehen, ob nun alles in Ordnung sei. Das Zimmer war fast nicht wieder zu erkennen, alles war so glänzend rein, so zierlich geordnet; aber am Kopfkissen war noch! eine Ecke, die ein wenig herabgebogeu werden mußte, und aus dem Oberbett lag eine kleine Feder, die dort unmöglich bleiben konnte. , v , ..
Mgentümlich beklommen, wie sie sich suhlte, setzte sre sich einen Augenblick ans offene Fenster und schob das Licht aus den Tisch hinauf. Und nun kamen sie wieder, diese warmen Moorwinde, mit Balsam- und Buchenduft. Em kleiner, neckischer Lufthauch! hüpfte durchs Fenster und huschte ihr durch das Nackenhaar, bis zu den, Schläfen hinauf.
Stammführer, eine seltene Auszeichnung, allein da hapert's plötzlich mit dem Gelbe. Alle Lieferanten und Manichäer gehen ihm zu Leibe, aus reiner Angst um ihre Kröten, als ob Potsdam nicht an der Havel, sondern am Nil oder Peiho läge. „Lodderfritzchen" — so heißt er nämlich mit Spottnamen, wenn Du es noch nicht wissen solltest — ivird blechen müssen, um ehrlichen Herzens seinem Kommandeur die Versicherung, keine Schulden zu haben, geben zu können." „Lodderfritzchen? Pfui, das ist ein häßlicher Name." ,,3tts', bekräftigte der Alte, indem er leicht auf den Tisch schlug, „besonders für einen so begabten jungen Offizier, der bald Hauptmann werden wird."
Martha saß ganz still und gesenkten Auges da, der Vater aber beobachtete sie scharf. „Dem", polterte er weiter, „fehlt nur eine energische, kluge Frau, die ihn bei aller Liebe gehörig an die Kandare nimmt — unter'n Pantoffel
„Na, Du hast Dich also doch besonnen! Pfui, Du böses, böses Mädchen, das sich! mir gutem, bravem Menschen gegenüber stets aus die Hinterbeine setzen muß. Wenn ich Ge- .schichteu schreiben könnte, so würde ich eine von der „häßlichen Helene und dem guten Thomas" verfassen."
' Sie lächelte ein wenig und beugte sich! zu ihm hinüber.
„Mein süßes, geliebtes Mädchen!" rief er aus, schlang die Arme um sie und preßte sie lange und innig cm seine
Fritz "wischte sich die Augen: „So viel Liebe verdiene ich gar nicht, ich! schlechter Kerl, ich — Bummelfritze!"
Die Gläubiger stellten sich schnell ein und konnten ihr Staunen nicht verbergen, daß der sonst so sorglose Oberleutnant diesmal sämtliche Rechnungen geprüft und viel Unrichtiges gefunden hatte. Tie kleinen Aaditions- und anderen — Schreibfehler beliefen sich auf fast 500 Mark. Allerhand Achtung! Etwas angegriffen nahm Fritz nach der „Auslöhnung" seiner Gläubiger Platz im Lehnstuhl, brannte eine Zigarre an und verfiel ms Grübeln.
Nun konnte es nach Potsdam gehen, ja tüchtig. Dienst Der Fritz?" " " I und immer Dienst, gelobte er sich und sah ich rm Geiste
" 4a natürlich! mein Kind der Fritz, das verwöhnte I schon vor der Stammkompagme, die das Muster für die Fritzchen der Tanten, deren verliebtes Herz und weiche Hand ganze Infanterie werden sollte Tie Wohnung ^den Kom- dem Beuael nicht das" — der Oberst führte eine nicht muns, der Kaserne des Lehrbateillons, iE eE neuen mikiuverstebende Handbewequnq aus — „beizubringen ver- i Menschen, keinen — er verschluckte tn Gedanken seinen ihm ÄK’SZlnt Kind, Las A thut nur zu wohlbekannten SchMamen - emz^ es nicht, damit überschütten sie ihn leider, sondern die Ord- eigener Krast wollte er stch A dM summelwven r nung! Ohne sie geht ein Millionär zu Grimde, ja, ja." | rechen und den g
„Was ist denn vorgefallen?" „Schulden hat er, überall. Immer ankreiden lassen drauf los leben, das war seine Devise von jeher. Ueberall ' ;te Kerl, frei und das machten sich che. Muß der betrogen worden sein!"
^aterchen, bei seinem Einkommen ist es ihm ein Leichtes, alles zu begleichen."
„Hat sich was! Bezahlte Rechnungen — MdiknM ^Er weiß nie, wie er s h' st /. V c' Nämlich als Kompagnieführer zum Lehrbataillon, .
fxicßt V*
„Väterchen, da irrst Du, glaube ich", erwiderte lebhaft die Tochter, „Fritz wird nie eine Zipfelmütze tragen, fo gutherzig er ist."
„Ei sieh' da, mein Töchterchen will mich wohl lehren, diesen unverbesserlichen Bum — wollte sagen jungen Herrn, richtig zu beurteilen! Na, na, beruhige Dich, Du sollst ihn nicht haben, Du nimmst ihn ja gar nicht mal, wenn er so dreist ist, Dich zu fragen; — ich, als Vater würde aber auch ein lautes Veto einlegen. Mahlzeit, Kind, nichts für ungut. Bring' mir gleich die Pfeife zum Kaffee."
uuy 3wutlliruui, „„ , Fräulein Martha erhob sich und schritt hinaus, der
worauf er sich! ganz ausgelassen aufs Licht stürzte, sodaß Alte guckte ihr nach, sorgenvoll, er hatte die Thraue int - ■ -- “ ° Auge seiner Einzigen wohl bemerkt.
Oberleutnant Fritz v. Zwhssen saß inzwischen wohlgemut auf dem Kanapee in seiner Wohnung.
„Mas kann das schlechte Leben helfen", meinte er voll faerichtet hatte, I Galgenhumor, indem er fich ein Glas Rotwein zu Gemüte Oberbett aus- I führte und mit der linken Hand in einen Stoß Rechnungen zuglätten war. | fuhr. „'N netter Posten das! Alle Hagel, beichte ich Tante
Tann blieb sie lange Zeit mit dem Licht nt der Hand Aurelie oder Euphrosine — geblecht muß werden! Was stehen und blickte vor fich hin. j sage ich nur? Topp, ich sag's beiden! Jeder filtriere ich
Endlich richtete sie sich, auf und schöpfte tief Atem, als I unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit tn runder wolle sie alle Ueberreste von altem Waldduft auskehreu I Summe — 2000 Mark ist jede Pille wert — di« Halste und die Brust mit guter, gesunder Holmstruper Luft füllen. I e|n, feine darf von der Anderen etwas ahnen, jede wirb Aber plötzlich drang ihr eine erstarrende Angst ins Herz, I gleich hoch von mir bewertet, keine darf sich eines Vor- und die Hand gegen die Brust gepreßt, wandte sie ihre ^ges rühmen, falls mal die Chose ruchbar wird, lede thräneuerfüllten Augen gen Himmel, ein heißes Gebet föMt sich furchtbar geschmeichelt, mein Vertrauen allein flüsternd: „Gott, mein Erlöser, hilf ihm!"' zu besitzen und wird mit List dies vor der anderen ver-
(Fortsetzung folgt.) | bergen. Also 'ran an die Briefe! Schön ist's freilich! nicht
.—- I von mir und — mein Wort, ich beichte ihnen den ganzen
Zauber, sowie ich die Batzen habe, ja, ich thu' es, sie sind MMytts KMV. doch zu herzlieb!" x
Eine Militärgeschichte von Richard Bach. Nicht lange dauerte es, und zweimal. 20001 «Karllangten
(Nachdruck verboten.) I richtig an nebst zwei von Tmik für das Vertrauen über» Sehr still und in sich! gekehrt betrat Oberst a. D. von fließenden Brtefen
Moerner das Speisezimmer, nickte seiner Einzigen ernst aber freundlich einen Gruß zu und begann die Mahlzeit. Fräulein Marthas schöne Augen hingen zärtlich besorgt am lieben Antlitz des Vaters.
„Was beschäftigt Dich, Väterchen", forschte sie teilnehmend, „schütt' Dein Herz aus, wenn Du darfst?"
„Was werde ich nicht dürfen", gab knurrend der alte Herr zurück, „doch ob es gerade für Dich paßt, möcht' ich bezweifeln - solch' Schlingel!" fügte er leiser hinzu..
Marthas scharfes Ohr vernahm es jedoch ganz deutlich, ein leichtes Rot huschte über ihre Wangen und sie fragte:
wiedererstatten. Er konnte sie von den Ziisten semes Ver- -, mögens, das Dank der Fürsorge seines verstorbenen Vaters ■t bis zur Vollendung des fünfunddreihigsten Lebens;ahies i unantastbar festgelegt war, ersparen.
' Und bann? Je nun, dann suchte er sich eine orau.
t Nicht jede würde ihm ein Korbgeflecht verabreichen. Wie
" Fräulein von Moerner heute mittag.. Potz> unt- Blitz, das
s! Bezahlte Rechnungen - Fidibus! Er ^ermäbel^atte t^m ninbtoeg erftort,^°e W.a
steht, unb nun platzt bte Bombe. Er soll | richtig P^e einen Bruder, abe .s. • ^.^Uich hatte
mgnieführer Mm Lehrbataillon, sogar als I was in solchen fällen immer ges g
hielt er, ber grundnoble die Schmarotzer zu Nu!
„Aber Mterchen,


