Rr. 153.
1902.
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(Nachdruck verboten.)
Die Mper.
Nach dem Französischen bearbeitet von H. Revep
(Fortsetzung.)
Totenblass und ten ganzen Körper bebeW) starrte Franz seinen Freund an, ohne ein Wort Wer die Lippen zu bringen. — Tann sagte er:
„UW sie ist es, die--"
„Sie ist es, die mir die Erlaubnis Verschaffte, Dich heute zu sehen. — Ich! komme soeben von ihr. Sie dankt Dir für Deine Verschwiegenheit und Diskretion. Aber, wenn Tu wolltest, so ist sie bereit, alles zu sagen."
„Reden, sichz kompromittieren, sich ins Unglück stürzen? — Niemals, — nie!"
„Aber wenn es eben kein anderes Mittel gießt, Dich zu retten? — Wenn Tu andernfalls verloren bist?"
„So werde ich verloren sein, — meinetwegen tausendmal verloren sein, r— Wer ich will nicht, daß sie spricht. — Ich lasse sie anflehen, sie soll nicht reden. — Ihr Zeugnis, ihre Aufopferung uW ihre Ergebenheit ivären übrigens! erfolglos und zwecklos. Ich würde behaupten, dass sie lügt, daß ich nicht mit ihr zusammen war, dass ich sie kaum kenne, daß sie mir ganz gleichgültig ist, ... Tu wirst ihr meine Worte wiederholen, nicht wahr? — Ach! Tu kennst sie ja, — Tu siehst sie! — Ist sie nicht herrlich schön? Nicht wahr, sie ist zum Anbeten und ist es doch wert, haß man sich für sie aufopfert?"
Er sprach leise, aber warm und fieberhaft, und! er fuhr fort:
„Wie? Sie ist von sich! selbst, aus eigenem Antriebe gekommen, es Dir zu gestehen? — Sie kannte Dich ja eigentlich, Ich habe ihr oft von Dir und Deiner Schwester gesprochen. — Ach, das ist schön, das ist edel, was sie da gethan hat! Aber nicht wahr, Tu wirst unser Geheimnis ewig für Dich bewahren? Mcht wahr? In ihrer Stellung, wenn man erführe--"
„Tu denkst nur an sie", warf Georg ein, „und" denkst nicht an Dich."
„An mich;? Was liegt an mir? Sie weiss, daß ich! unschuldig bin, — Deine Schwester und Tu, Ihr beide wißt es auch. — UW das genügt" , , /
„Tas Gefängnis--"
„Sieh mich an! Tu siebst, ich ertrage es sehr gilt. Du kannst ihr sagen, daß es mir vorzügliche geht, daß ich, nicht im mindesten niedergeschlagen bin, daß mein Geist niemals klarer, mein Herz niemals glücklicher gewesen ist,"
„Tas ist zuviel, Franz! — Du willst nicht einmal von ihr bedauert sein, — willst nicht einmal, daß sie Unter dem Gedanken leiben soll. Dich! unglücklich zu wissen."
„Nein, weil ich eA nicht bin., Schuldige Mögen vielleicht
sie
„Mcht in Berlin? Wo denn?"
„IM Elsass, in Straßburg."
„>Jn Straßburg? Ich begreife nicht — & was! führt denn nach Straßburg?"
„Sie beschäftigt sich mit Dir."
leiden. Der Unschuldige im Gegenteil findet in den UN^ gerechten Prüfungen, die er erleidet, eine Art Wollust."
„Besonders, wenn er sie durch ein Wort aufheben könnte."
„Mag sein. Mer dieses Wort werde ich! Niemals! sprechen. Ich will auch nicht, daß sie es ausspricht, — und, wie gesagt, ich zähle auf Deine absolute !Verschwiegenheit.^
Plötzlich erinnerte er sich an etwas und fragtet
„Weiß Deine Schwester von dem Schritt, den Du bei Mir versucht? Kennt sie ifjtt?" . i.
„Ja. Ich habe keine Geheimnisse vor ihr." 1
„UW was sagt sie? Was denkt sie davon?"
„Sie sieht in allem bloß Dich. Du gehst ihr Vor allen.! Ihre Liebe uW Freundschaft zu Dir besiegen und beharr«! scheu alle anderen Bedenken."
„Sie hat unrecht. Sag ihr, dass sie Unrecht hat. — Ver«i lange von ihr, daß sie diesen Standpunkt aufgebe. — Ich würde sie schließlich selbst darum bitten. Könnte sie mich nicht einmal mit Dir besuchen? — Jetzt muß wohl meine! Jsolierhaft für alle Welt aufgehoben sein. Ich wäre so glücklich, sie zu sehen. — Wann wollt Ihr kommen?"
„Sie ist augenblicklich nicht in Berlin." ;
„Mit mir?"
„Ja. Sie sucht jenes Individuum, das ihr als derjenige bezeichnet wurde, der der wirkliche Mörder der Frau von Sanden sein könnte."
„Wirklich? — Ah! —> Ich wußte wohl, daß Ihr mich nicht ausgeben würdet, — daß auch nur verständige Liebe! den einzigen richtigen Weg einschlagen uW auch ein. bet stimmtes Vorgehen vorfchreiben werde. Ich kann die Verwendung meines Abends nicht angeben, — aber ich kann und muß den Schuldigen suchen, um zu sagen: „Mcht ich war es, sondern der!" Ich; dank' Euch, Meine Freunde, mich so verstanden zu haben. Was HWt Ihr denn für Anzeichen bei diesem fraglichen Menschen?"
~ „Er soll Dir in der Gestalt gewissermaßen ähnlich schen. — Auch ist sein Leumund ein äußerst schlechter. Er hat Frau von Sanden gerWezu verfolgt, Um ihr Geld zu erpressen."
„Ganz etwas Neues. Ich! hatte niemals Kenntnis davon. Sie hat Mir niemals von solchen Verfolgungen! erzählt. — Hatte sie nähere Beziehungen zu diesem Ge- schöpf?"
„Er ist einer ihrer VerMmdten."
„UW wohnt in Straßburgs
Ja" '
^Tas stimmt schon nicht. Sie hatte keine Verwandten ist Straßburg, das hätte ich wissen müssen. — Bon wem habt Ihr denn stlle diese Nachrichtens


