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Ein Kuriosum des New-Yorker Aquariums.
(Nachdruck verboten.)
In Newyork erregte kürzlich das Gerücht, es sei eine lebende „Seefdjtange" gefangen und im Aquarium ausgestellt worden, kein geringes Aufsehen. Tie Menge, welche, das Aquarium stürmte, in der Erwartung, ein scheußliches, grüuäugiges Ungetüm, wie es' in Schauergeschichten geschildert wird, zu sehen, kehrte enttäuscht und verdrießlich zurück. Ter Bericht der Enttäuschten hat die Wichtigkeit des Exemplars verringert und die ganze Sache als eine Art von Betrug hingestellt. Tas ist bedauerlich, denn das Tier ist thatsächlich ein sehr seltenes Exemplar, welches' man nie zuvor in der Gefangenschaft gesehen hat. Es ist als Channomuraena btbaixt (Richardson) bekannt und ist der Aälfamilie zuzuzählen. Ter Fisch besitzt nur schwache Merkmale dieser Spezies) und der einzige authentische Bericht über denselben ist der des Ichthyologen Richardson, welcher den Fisch 1844 in der Nähe Kubas entdeckte und eine ziemlich genaue Beschreibung desselben gab.
Die Haut des Tieres hat ein warziges Aussehen, ist von schokoladenbrauner Farbe und mit gelblichen Streifen und Flecken versehen. Ter Schwanz ist etwas abgeplattet nnd zeigt keine Spur einer Flosse, wie überhaupt an dem ganzen Körper keine Flossen zu entdecken sind. Der Kopf ist breit und flach. Seine Art zu atmen ist mit der anderer Fischsamilien identisch; das Tier ist mit Kiemenklappen versehen. Tie ganze Gestalt des Fisches nnd die Art seiner Bewegung beim Schwimmen rechtfertigt aber vollkommen die Bezeichnung „Schlange". Zu seiner vollen Länge ausgestreckt, mißt der Fisch etwa 6 Fuß, doch zieht er sich oft zu einer Länge von vier Fuß zusammen.
Tie Geschichte seines Fanges ist ganz amüsant. Ter Aal wurde von drei Negern entdeckt, welche einige Kilometer nordöstlich von Bermuda fischten. Tas Wasser vertieft sich an dieser Stelle plötzlich von 11 bis über 200 Klafter. Hieraus schließt man, daß es ein Tiesseefisch ist, der durch Zufall seinen Weg aus dem tieferen Wasser hierher nahm. Auf jeden Fall war ein solches Geschöpf seit Menschengedenken nie in der Nähe von Bermuda gesehen worden, und der Fang erschreckte die betrunkenen Fischer so sehr, daß zwei von ihnen vor abergläubischer Furcht ganz starr waren, während der dritte sich schnell ernüchterte, die Leine einzog und seinen wertvollen Fang ans Land brachte. Als die Leute die Küste erreichten, wurde der Aal zur sicheren Aufbewahrung in einen kleinen Teich gesetzt. Zufällig war ein Loch ans dem Boden desselben, in welches' das sonderbare Geschöpf, soweit es konnte, hineinkrvch, in dem Bemühen, sich zu verbergen. Als die Neger wieder ihren Aal besuchten, waren nur zwei Fuß seiner Länge zu sehen, und über die Maßen durch die scheinbare Zusammen- zrehung des Fisches erschreckt, waren sie nur froh, ihn an Professor Charles L. Bristol von der Newyorker Universität äbzutreten, welcher in Bermuda Fische für das Newyorker Aquarium sammelte.
Ter Aal scheint sich in seinem neuen Quartier ganz wohl zu fühlen und man hofft, daß er äm Leben bleiben wird. Bis jetzt hat der Fisch noch keine Nahrung zu sich genommen, obgleich man ihm beständig kleine Stückchen Kabeljau augeboten hat. Ties ist jedoch kein beuumhigeu- des Symptom, sondern vielmehr ein Charakteristikum der Aalfamilie, denn die zu derselben gehörenden Fische enthalten sich oft wochenlang jeder Nahrung.
Vermischtes.
Aus der Bourualisteu-Hochschule. Anknüpfend an die Nachricht von der Errichtung eines Lehrstuhls für Journalistik an der Universität Bern bringt der „Figaro" folgende hübsche Satire. Der Professor für Journalismus hatte seinen Schülern folgendes Thema gegeben. „Frl. Suzette vom Hostilitss-Theater hat in der Rue de Rivoli eine kleine Lulu-chündin verloren, die aus den Namen Pelletane hört. Jeder Schüler sollte diese Notiz zur Benutzung für fünf Blätter von verschiedener Richtung und verschiedenem Format redigieren. Hier die Arbeit des mit dem ersten Preise bedachten Schülers: „Das Blatt für die vornehme Welt". Frl-Suzette, die hervorragende Künstlerin vom Hostilitss-Theater, hat auf dem Wege nach ihrer Wohnung, wo sie ihr Gatte und ihre sieben Kinder
— prächtige Blondköpfe! — erwarteten, ihre junge Hündin von der sogenannten Lnln-Rasse verloren. Es fei daran erinnert, daß S. Hoheit der Erzherzog von Sardinien sich unlängst über die Schönheit des niedlichen Tieres bewundernd ausgesprochen hat. Pelletane — dies der Name des Hündchens — ist der Künstlerin überdies) gelegentlich ihrer Vorstellungen im Palast zu Balbek, von S. Ml dem König von Bosnien zum Geschenk gemacht worden. — „Das die neuesten Nachrichten bringende Morgenblatt". (Matin-) Das! reizende Frl. Suzette hat seine kleine Hündin verloren-; Es wird gebeten, sie wiederzubringen. Hinzugefügt sei,; daß jede Person, die ans den Straßen mit lauter Stimme; diese Aunonee in unserem Blatte lesen wird, von einem unserer Redakteure, den wir eigens zu diesem Zwecke angestellt haben, ein versiegeltes Kuvert mit der Anweisung aus einen Automobilwagen oder einen Flügel erhalten soll. — „Das große politische Abendblatt"" (Temps). Wie immer auch gegenwärtig die/politische Orientierung der hohen Balkankreise beschaffen sein mag, deren Gleichgewicht — wir zögern nicht, es lauszusprechen — bald Heftig erschüttert werden wird/ vorausgesetzt jedoch, daß es nicht plötzlich wieder hergestellt wird; wie groß andererseits unsere entschiedene Neigung zu einet rein abwartenden Haltung sein mag —: Wir müssen doch den Verlust ankündigem den Frl. Suzette, vom Hostilitss-Theater, erlitten hat- Ihre! Hündin Pelletane, Lulu-Rasse, ist verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen. — „Das Blatt des heftigen Polemikers!" (Rochefort.) Wieder ein Schimpf! Rouvier kompromittiert! ! Bevorstehende Verhaftung des' Polizeipräfekten Lspineü! Man begnügt sich nicht mehr damit, in den Ministerien zu stehlen. Man stiehlt schon aus offener Straße. Gestern ist Frl. Suzette in der Rue de Revoli von Gaunern überfallen worden, die ihr ihren kleinen Hund! entrissen haben. Von seinem Fenster aus verfolgte der! Minister des Defizits die Ausführung dieses Straßenraubes! mit einem zufriedenen Schmunzeln. Morgen werden wir den Schlüssel dieses Geheimnisses geben, und alle Namen nennen. Herunter mit den Masken! — „Das litterarischei Blatt"". Weißer als die blaßweiße Schneedecke, die noch nicht von der Morgenröte rosig bestrahlt wird, streifte die niedliche Suzon — Suzette — eine wandelnde Grazie, ein hüpfendes Vögelein — durch die Rue de Rivoli. Hinter ihr trottete mollig, drollig, mutwillig und gutwillig, Pele- tane. Es trottete zu sehr, das trippelnde Trüsfelschwänzchen, und so hat die arme Suzette ihren Hund verloren. . . /'J
Für wen stimmt der Esel? Vor vielen Jahren lebte in Hythe in England ein alter Bauer, der mit einem Eselwagen zu fahren pflegte. Er pflegte stets mit besonderem' Eifer an den Wahlen teilzunehmen. Er war ein Tory, seine Farbe war also die dunkelblaue. In der Nacht vor einem Wahltag strichen einige Spaßvögel den Esel des alten Mannes nun mit hellblauer Farbe an, der Farbe der Whigs (seiner Gegner). Trotzdem fuhr der alte Mann mit seinem Esel unbesorgt aus den Wahlplatz und gab seine Stimme für den Kandidaten seiner Partei ab. Alles amüsierte sich über den hellblau angepinselten Esel. Der Bauer beachtete das' gar nicht. Ms man ihn fragte, für wen denn aber sein Esel stimme, entgegnete er: „O, der stimmt für die andere Seite, wie die anderen Esel mich."
Zifferblatträtsel.
(Nachdruck verboten.)
I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII
Statt der Ziffern des Zifferblattes einer Uhr sind die Buchstaben A, B, EBBE, G, H, LL, N, R derart zu fetzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender Bedeutung berühren:
1—5 innerer Körperteil
2—5 jagdbares Tier
8—6 Stadt in der Schweiz
4—7 weiblicher Vorname
6—9 Nebenfluß des Rheins
8—12 bekannter Philosoph
9—12 kleines Tier
11-2 altes Maß.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.: Kaffeeklatsch.
Redaktion: Curt Plato.— Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buck« und Steindrnckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


