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1902. — Rr. 120.
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Freitag den 15. August.
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Sie
ihm
Dich
(Nachdruck verboten.)
Miß Cookson aus New-Aork.
Von Heinrich- Lee.
Nicht verraten."
Gegen Abend kehrte auch Herwarth zurück.
Man hatte sich inzwischen mit dem Geheimrat nach Hause begeben. Während Bell mit ihm eine Unterredung hatte, war Ottilie im Garten. Sie eilte dem Heimlehrenden entgegen. , ,,
„Sie ist Dein!" rief fte ihm leise zu.
Es war Um, als hätte er einen Meuchelmord Vegangen. „ r
Noch! konnte er Ur alles gestehen.
Da trat sie aus! der Thur, und ein glückseliges Lächeln lag aus ihrem Gesicht.
Es war zu spät. , ,
„Jetzt hab' ich Dich ihm verratend lachte Ur Ottilie zu.
Sie schmiegte sich in seine Arme, Sie waren verlobt.
daß sie jeden Verdacht sofort ersticken mußte.
Belt wurde sprachlos.
Dann sprach sie — leise, beschwörend, feierlich.
„Ottilie, er hat mir gesagt, daß er mich liebt. Sieh Mir ins Auge. "Ich frage Dich, hast Du mrch
(Fortsetzung.)
Mit Gewalt wollte er sie halten, aber sie entwand sich Um. So stürzte sie davon, durch den Garten, über tue Straße. Immer weiter floh sie. Den Weg, den ste gekommen waren. Und er sah ihr nach. Fassungslos, tote gelähmt, ohne den Versuch zu machen, ihr zu folgen.
Ottilie saß in der Burg. Sie war mit sich allein. Der Geheimrat drin im Zelte schlief. Sie hatte ihren roten Sonnenschirm über sich gebreitet und gab stch dem süßen Nichtsthun hin.
„Ottilie!" klang es Plötzlich zu Ur hinab.
Vor Ur stand Bell — erhitzt, aber blaß, blaß wie her Tod. , ' ,
Sofort sagte ihr eine Ahnung, was geschehen war. Sofort wußte sie auch, wie sie zu handeln hatte.
„Was ist Dir? Seid Ihr denn schon zurück? Wo ist Herwarth?" fragte sie mit gespielter, harmloser Ueber-
xaschung. , „ .
„Ottilie! Du hast mich an chn verraten."
„Was meinst Du? Ich verstehe Dich nicht- spielte ihre Rolle so vorzüglich, so überzeugend, den Verdacht sofort ersticken mußte.
verraten?"
Und ruhig antwortete Ottilie:
„Nun verstehe ich Dich'. — Nein i Ich habe
Fünftes Kapitel.
zehrte. Immer und befreien wollen, sich Augenblicken stillen
Acht Tage später kehrte man nach- Berlin zurüch
Es war erst Bells Absicht, für kurze Zeit nach ihdev Heimat zu reisen, und dort ihre Angelegenheiten persönlich in Ordnung zu bringen. Aber Herwarth wollte sich nicht von ihr trennen, und außerdem hatte Bell in Newyork einen zuverlässigen Advokaten, einen alten Freund ihres Vaters, Mister Hitchock, der alles Nötige veranlaßte. Dre Hochzeit sollte im Winter sein, aber ein unvorhergesehenes Hindernis machte einen Aufschub nötig. Zu ferner Verheiratung mit einer Ausländerin brauchte Herwarth in ferner amtlichen Stellung die ausdrückliche Genehmigung des Kaisers. Es war in offiziellen Kreisen bekannt, daß der Kaiser eine solche Genehmigung nur ziemlich ungern erteilte: wenn das Brautpaar auch getrost hoffen konnU durch, Herwarths ihm wohlgesinnte Vorgesetzte sre schließlich doch noch zu erlangen. Deshalb verzögerte srch die Angelegenheit. Bell wohnte einstweilen im Angernschen Hause. Dort sahen sich die Verlobten täglich. Zu den Weihnachtsfeiertagen traf auch Carla ein. Sie war ein lreblich-es Geschöpf, noch halb Kind und Herwarth- sehr ähnlich Was Bell schon vorher für ihre kleine Schwägerin eingenommen hatte, war die große Liebe, die aus ihren Briefen zu ihrem Bruder sprach Nun, als sie sich persönlich kennen lernten, gewannen sie sich lieb wie Schwestern und als der Abschied kam, trennte sich Carla nur unter Thranen, Erst zur Hochzeit sollten sie sich Wiedersehen.
Alles wünschte Herwarth zu seiner reichen, liebenswürdigen und schönen Braut Glück. Bei den Besuchen,- die er mit ihr machte, auf den Bällen und Gesellschaften, wo man sie sah, war alles von ihr bezaubert. Es war ganz merkwürdig, wie sie sich auch äußerlich verändert hatte. Niemand hätte in ihr die bescheidene Erscheinung von noch vor wenigen Monaten wieder erkannt. Zum Teil trugen zu diesem Eindruck wohl auch- die gewählten, distinguierten Toiletten bei, die man jetzt an ihr sah. Vor allem aber war es die Sonne des Glücks, in dem ihr ganzes Wesen aufblühte und sich! entfaltete. Herwarth konnte aus seine Braut stolz sein . _ .
Er war es auch Er liebte sie. Auf welchem dunklen Grunde diese Liebe auch gewachsen war — nun lebte fte int goldenen Licht, nun füllte sie sein ganzes Wesen aus, nun war sie das höchste Glück seines Lebens geworden.
Sein Glück? Nein. Ein heimlicher Wurm nagte daran. Es war die Lüge. Sie zehrte und zehrte. Immer und immer wieder hätte er sich davon befreien wollen, sich die Last von der Seele wälzen, in den Augenblicken stillen Zusammenseins die Knie vor ihr beugen, ihr alles gestehen, nur ihre Verzeihung erflehen, auch wenn sie, sich dann für immer von ihm abwenden wurde — bis er dann wieder in seinem Schweigen, seiner Lüge verharrte, ja sich selber belog, denn er spiegelte sich vor, daß es nM nur sein eigenes Glück war, was er durch ein Geständnis


