Ausgabe 
15.2.1902
 
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M zittern. Was! Er wirb doch nicht in dem Schneesturm umkommen sollen? Alle möglichen Geschichten von Menschen, die von Schneetreiben begraben worden sind, fallen ihnc ein; in Menge, in buntem Gewirr kommen sic ihm in die Erinnerung. Er fühlt sich plötzlich kraftlos, und über seine kalten Lippen gellt der Rufi Hilfe! . . .

Vor seinen fiebernden Blicken ist es ihm, als wenn er in einiger Entfernung ein Haus sich undeutlich gegen die Schneemassen abheben sieht, und wie der Ertrinkende «ach einem rettungbringenoen Schiff die Arme ausstreckt, so thnt's auch Huret, und wieder gellt sein Angstruf: Hilfe! Hilfe!

Ta, was ist das? . . . war das nicht Hundegebell? er lauscht . . . wartet. . . kommt jemand . . hat man ihn gehört? . . . aber nein! Alles ist still, das Blut, das in seinen Ohren saust und braust, hat ihn getäuscht. Weit und breit ist kein Laut zu vernehmen.

Und noch einmal versucht Huret vortvärts zu dringen, die Augen treten ihm aus den Höhlen, der Kopf brennt Ivie Feuer. Und wieder, noch lauter schreit er: Hilfe, zu Hilfe! und der Wind nimmt den Schrei mit sich. Nichts, nichts! Da versagen Plötzlich die Beine den Dienst, Hurer kämpft nicht mehr gegen die Elemente an- Er fällt auf die Knie, die Pulse jagen, und vor den Ohren saust und braust es von Sekunde zu Sekunde lauter und lauter..

Plötzlich aber taucht in dem ermatteten Hirn wieder der Gedanke an die Seinen auf, die warten ja auf ihn- Sein Weib, seine Kinder, für die er sorgen muß, . . soll er die denn nie, nie Wiedersehen... ist das denn möglich? Er richtet sich wieder auf. Er will leben, er muß leben, muß für Weib und Kinder sorgen! Was sollen sie denn ohne ihn anfangen? Und seine ganze Energie kehrt bei dem Gedanken zurück, und Wieher, auf Händen und Füßen diesmal, sucht er vorwärts zu kommen- Tiefer und tiefer wird der Schnee, die Zähne schlagen Huret aufeinander, aber ein Gedanke spornt ihn an: Weib und Kinder.

Barmherziger Gott! Er hat versucht, sich aufzu­richten, er verliert den festen Stützpunkt, gleitet, rollt vorwärts, mit Blitzesschnelle taucht noch einmal sein Weib vor seinen Augen auf, ein Schrei, ein schriller, abge­brochener Schrei lvird vernehmbar, und Hurets Körper rollt willenlos in die tiefe Schlucht hinab-

Und der Schnee, der weiße Schnee fällt dichter und dichter, und legt sich wie ein feierliches Leichentuch über das Opfer der Pflichttreue.

Am Ende des Dorfes in einem kleinen Häuschen steht eine Frau am Fenster, angstvoll drückt sie das Gesicht gegen die Scheibe, und späht nach der Richtung, aus der ihr Mann kommen muß- Auf dem Arm hält sie den Jüngsten, der mit den kleinen dicken Händen gegen die Scheiben klopft- Neben ihr taucht ein "Blondkopf auf: er ist der Aelteste, der schon eher begreift, was um ihn herum vorgeht, und der fragt:

Mutter, warum kömmt der Vater noch nicht?"

Aber das Kleinste freut sich über die tanzenden Flocken, und jauchzend klopft es mit den rosigen Fäustchen lauter und lauter gegen die Scheiben-

Und der Schnee fällt und fällt. . . und vergebens wartet das arme Weib . . . und vergebens warten die alten Leute. . . der Postbote kommt nicht. Er ist ein Opfer der Pflichttreue geworden.

Johann Sebastian Bach.

Als dritter Band des elften Jahrganges der Veröffent­lichungen desVereins der Bücherfreunde" (Geschäftsleit­ung: Verlagsbuchhandlung Alfred Schall, königl. Hof­buchhändler, Berlin W. 30) erschien: JohannSebastian Bach. Ein Lebensbild von Pfarrer Hermann Barth. Preis geheftet 3 Mk. 50 Pfg., gebunden 4 Mk. 50 Pfg. Für Mitglieder desVereins der Bücherfreunde" kostet der Band nur 1 Mk. 85 Pfg. geheftet, 2 Mk. 25 Pfg. gebunden.

Immer größer wird die Gemeinde, bte zu Johann Sebastian Bach, als dem großen Wunderstern an dem Himmel der Musik aufschaut. Bach der unübertroffene religiöse Tondichter, Bach der Begründer der gesamten neueren Instrumentalmusik, Bach der Meister der Fugen, der

Suiten, der Kantaten, der Passionen, der Messen: immer tiefer wird er von unserer Zeit erkannt, immer weiter dehnt sich sein Ruhm aus, immer begeisterter lauschen wir seinen Harmonien; und stets von neuen Seiten den großen unerschöpflichen Heros betrachtend, schwillt die Bachlitteratur an- Die Notwendigkeit eines biographischen Werkes, nicht lediglich für Fachleute geschrieben, und doch auch nicht ober­flächlich den großen Mann behandelnd, hat sich eigentlich von Jahr zu Jahr dringender herausgestellt. Wer nicht das epochemachende Werk von Philipp Spitta, zwei dicke Bände mit ziveitausend Seiten, ober das vierbändige Werk von Bitter durch studieren wollte, war allein auf das Heft bet Reclamschen Universalbibliothek angewiesen.

Hermann Barth hat es übernommen, in einem flüssig und anziehend geschriebenen Buche das Leben und die Werke zu beschreiben. Er will den schlichten und doch so selbst­bewußten Mann in seiner Eigenart zeigen, den arbeit­samen und schasfensfreudigen Künstler von Gottes Gnaden, seine Kämpfe mit der kleinlichen Gesinnung feiner Zeit und sein häusliches Familienglück; er will über die Werke Bachs orientieren, knrz in sie einführen, und er will das für alle Zeiten grundlegende Wirken und die Bedeutung des Tondichters vor Augen stellen. Auf gründlichem Wissen be­ruhend, ohne doch durch ungemütlich trockene Peinlichkeit zu ermüden, wird das Werk jedem, der noch nicht tiefer in ihn eingedrungen ist, beit großen Meister nahe bringen, und auch in dem Kenner neue Liebe zu dem ewig jungen Genius eines Bach zu erwecken. In reizvoller kurzer Folge, durch manche Kleinigkeiten gewürzt, wechseln die einzelnen Abschnitte ab, und überall, auf jede Weise weiß der Ver­fasser das Interesse des Lesers für seinen Helden zu erregen und zu fesseln-

DemVerein der Bücherfreunde" muß man Dank wissen, daß er neben den guten Romanen auch derartige lehrreiche Werke veröffentlicht; das deutsche Haus mit guten deutschen Büchern zu versorgen, diesen verdienstvollen Zweck erfüllt voll und ganz oerVerein der Bücherfreunde".

Ausführliche Prospekte liefert jene Buchhandlung und die Gefchästsleitung oesVereins der Bücherfreunds in Berlin W- 30.

Heiserkeit und leichte Erkältung, von manchen wenig beachtet, sind oft Vorboten schlimmerer Ereignisse, denn sie bergen ganz gefährliche Keime dauern­der schwerer Leiden.. Wer diesen rechtzeitig vorbeugt, der thut wohl daran. Zu den wirklich wirksamen Vorbeugungs­mitteln gehört eine gute Tasse Fleischbrühe, leicht und rasch hergestellt auf allgemein bekannte Art aus Liebigs Fleisch- Extrakt (nur echt, mit Liebigs Namenszug in blauer Schrift quer durch die Etikette). Wer dies erwärmende, zugleich wohl­schmeckende und erquickende Getränk zu geeigneter Zeit zu sich nimmt, der stärkt und kräftigt den Körper zur Ertragung winterlicher Strapazen, sodaß er dem Einflüsse rauher Witterung zu widerstehen befähigt ist.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Zahlendiamants in vor, Nr.r B Ara Liebe Breslau Salbe Raa u

Redaktion: E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts'Buch- und Steindruckerci (Pietsch Erben) in Gießen.