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Die
Ledertasche.
Und trotz Schnee und Wind strebt Huret schneller vorwärts- . . . Wenn er doch nur lausen könnte, aber das
Opfer der Pflichttreue.
Bon Devreton- Autorisierte Uebersetzung von A- Heim. (Nachdruck verboten.)
Servern, um ryn mit |iwj w i i)em W^^^r!
irie mit Bedauern, fallen noch j seine Frau sogar versucht, ihn überhaupt
von dem Gange abzuhalten:
„Um einen Brief, einen einzigen; den kannst Du auch ganz gut morgen abtragen. Bei solchem Wetter sagt man ja keinen Hund vor die Thür".
Aber er, Huret, hat davon nichts wissen wollen- Er 'hat die Ledergamaschen festgeschnallt, den braunen Lodenkragen umgenommeu, und ist tapfer darauf los gegangen.
Seine Gedanken sind in seinen vier Wänden- Er sieht sich wieder, wie vor zwei Stunden, an einer Ecke des Tisches seine Suppen essen, während seine Frau neben ihm sitzt, und den jüngsten stillt, der sich wie ern kleiner Unbaud gebärdet. Der Aelteste, ein Jungchen von vrer Jahren, neckt die Katze, die am Herdfeuer hegt. ... . Während er marschiert, sieht er das alles wieder greifbar deutlich vor sich, er merkt nicht, daß der Schnee von Mr- ! nute zu Minute dichter fällt, der Wind heftiger ihm entgegenbläst. O, Kraft der Einbildung! Er glaubt sogar das Brodeln des Topfes wieder zu hören, in dem das Fleisch für den Sonntag kocht. . . wie gemütlich das sein
wird.
Stärker und stärker wird Wind und Schnee, und Huret kommt nur langsam vorwärts. Er fühlt, wie die Kalte durch die Sachen ihm bis an die Knochen dringt: tue Beine werden ihm ganz steif, und «in Gefühl des Unbehagens, wie von banger Furcht, überkommt ihn- Der treibende Schnee macht ihn ganz blind, und er steht zuweilen still, weil er nicht weiß, ob er noch vo/waru- gehen, oder umkehren soll. Nur den wirbelnden Flockentanz hat er vor Augen, und vor Milte und Augst fangt er an
Schlechtes Wetter für einen Landbriefträger... ern eisiger Nordost fegt pfeifend daher, und rafft den Schnee wie zum Spiel von den Feldern, um ihn mit sich zu l führen. Vereinzelt nur, Lh mit Bedauern, fallen nr..; einzelne Flocken vom grauen Himmel, der sich tn ferner | Schwere auf die Erde zu neigen scheint. In unförmigem Weiß liegt das flache Land da- Hie und da nur hebt I sich in Grau eine Häusergruppe oder in tieferem Schwarz ein Baumstamm gegen die weiße Fläche ab- Wie Trauer, ja tot, liegt es über der ganzen Gegend. Es ist gerade, als wollte die Natur für ewig allem Blühen, aller Pracht entsagen, und wie ein Alp legt es sich auf die Menschen.
Jean Huret, der Postbote von Saint-Pierre, einem kleinen Dorf in der Dauphinß, war, wie immer, unterwegs, um die Runde zu machen- Auf einem schmalen Weg am Feldrain schritt er dahin, und dachte mit sehnsüchtigem Verlangen an die Pracht, die ihn sonst hier umgab, und die nun verschwunden war- Ja, sonst war es em Vergnügen, hier zu gehen, namentlich im Frühling, wenn die Felder noch grün sind, und, so weit das Auge reichte, es wie das Wogen des Meeres darüber hingmg; die Lerchen stiegen dann jubelnd in die Höhe, und die Mwe, die Spenderin aller Pracht, die Jean Huret mir dem Instinkt des Bauern über alles liebte, strömte dann den frischen, kräftigen Geruch aus, der bewies, daß sie an der Arbeit sei, alles, was auf ihr keimte, zu ernähren- Ja, dann war es eine Freude, mit tiefen Zügen Atem zu holen! . . . Aber heute, nein, es war wirklich em Hundewetter!
Und Huret schalt vor sich hin, und strebte so rasch, wie der Schnee, durch den er stapfen mußte, es nur zulieh, vorwärts. Manchmal glitt er aus, und suchte dann mit Hilfe seines derben Stockes das Gleichgewicht wieder zu gewinnen. Eigentlich war ihm ja, trotz allen Brummens,
Armes Kind'" Ueber Karins bleiche Mienen flog ein I das Wetter ganz gleich. Was kümmerte er sich, als ein-
sreundlich-wehmütiges Lächeln, mit dem er dem treuherzigen I stiger Soldat, um den Schnee. Der Schnurrbart ist ganz
RUck keiner kh^en Freundin begegnete; bittend hielt die- steif gefroren, und manchmal schüttelt er sich die Flocken
ft!be ihre schuldlose/ blauen Augen zu dem Vertrauten aus den buschigen Augenbrauen. Aber dennoch gleitet
ihres kindlichen Kummers erhoben, sie standen voll Thränen. ab und zu em Lächeln über sein Gesicht.
Arme kleine Lisavetta!" wiederholte er liebreich — I Huret denkt an den Brief, den er m der Tasche hat! vertagen Sie nicht feien Sie geduldig! Man sagt, Zeit .... und wieviel Freude wird sein Kommen in dem bringe Rosen'" Gehöst, da drüben hinter jener Anhöhe, bereiten. . . .
Elarita hatte nur einzelne Worte vernommen. Lisa- Welch' eine große Reise der kleine Brief gemacht hat! . . . vetta stand zwischen ihr und Karin. Der kleine Umstand Zwei alte Leute sitzen dort, die haben nur ein Kind, entschied. Unbemerkt zog Clarita sich wieder zurück. Ich einen Sohn- Von der Tochter, der Zehe, spracht kerner will die beiden nicht stören! sagte sie sich; später findet mit den armen Alten; denn die rst eures Tages auf sich wohl noch die Gelegenheit, Karin ungestört zu sprechen, und davon gegangen m dre große Stadt, und niemand
Das Sväter indes kam nicht; denn als etwa nach einer I hat je wieder etwas von ihr gehört; sre rst untergegangen, halbelrMunde^Lritas Blick durch das Fenster fiel, sah wie 'so viele Mädchen, und hat sich nichtwieder in der sie eben Nikolai Karin mit seinen drei Falben, einem prach- Hermat blrcken lassen- Dre Lrebe der alten Leute hat srch tiqen Dreigespann, aus dem Parkthore fahren. Still hatte I da mit doppelter Kraft auf den Sohn v er ernt- Der wrrd er Abkckned von Ornatoffsko genommen. I ihnen ja doch blerben, der wrrd nrcht aus dem Elternhaus
Folgenden Tages hielt an der Freitreppe keine leichte I fortgehen; er wird die Felder bestellen, für dre schon Troika wohl aber der große Reisewagen, in dem man I seine Vorfahren gesorgt haben, und wenn er ernst smne Feodor möglichst bequem zu befördern hoffte. Alle I Aufgaben erfüllt hat, dann wrrd er an rhrer <-erte zur 4-^v.ofpv, im her Äeimkebr insbesondere Herr Galuschkin, I letzten Ruhe bestattet. Aber nur zu rasch hotte er das der h-nae Gelebrte d?r sich während der letzten ereignis- mrlitärpflichtige Alter erreicht. Er muß srch stellen, und vollen Taa^ am meisten durch tiefes Schlafen »nd »er. alles Jammern, alle Thränen helfen nichts «8 Marine. BE—Ss-SW -WHWM &SS die MmLLe^die v^n dort kommen
»As-r
Lisavetta war still und in sich gekehrt. Petersburg rrcht. ...
hatte viel von seiner Anziehungskraft für sie verloren; Wochen, Monate gehen rn banger Erwartung dahrn. sie dachte einigermaßen mit Schrecken an ihrer Schwester Oh! ihr Hoffen mrt jedem Morgen, das aufhort, sobald
aufgeregte und dieserhalb sicherlich grämliche Stimmung, der Briefträger vorder rst! Jeden Morgen warten dre
Sie irrte darin nicht. Frau Wera war in übelster I Alten an der Hausthur, und schon von wertem, sobald
Laune. Schon Nikolais plötzliche Mreise nach seinem Gut I sie ihn erblicken, rufen sre: „Nun, Huret, nichts für
hatte sie in solche versetzt und ihren höchsten Zorn erregt; I uns heute?" .
denn sie wußte jener Fahrt die richtige Deutung zu geben. I Und der Brreftrager schüttelt mrt dem Kopf fern (Fortsetzung folgt.) I " et$effern waren die Alten ganz verzweifelt.
Mutter schlug die Hände vors Gesicht, und weinte laut auf, während der Mann den Kopf senkte, und sich verstohlen mit dem Rücken der Hand über die Augen fuhr. Aber heute, heute hat er etwas, heute bringt er endlich den erwarteten Brief, er steckt wohlverwahrt in seiner


