Gebackenwerden. Darum bezeichnet man die erst „werdenden" Größen, die schier noch nichts sind und doch schon gern etwas sein wollen, als „Backfische".
Und blane Strümpfe magst du schon tragen, namentlich selbstgestrickte; daraus wird dir niemand einen Vor- wurf machen; wohl aber, wenn du es so treibst, wie eine gewisse Gesellschaft von gelehrten englischen Damen im sechszehnten Jahrhundert. Klug reden konnten diese Damen wohl, nimmer Gescheidtes thun: sie füllten ihre Zeit mit Wortgefechten über gelehrte Gegenstände aus, die niemals eine praktische Bedeutung bekamen. Galten sie dadurch schon als wenig nützlich, so wurden sie noch durch den einzigen Herrn, der dieser Vereinigung angehörte, lächerlich: er trug nämlich Strümpfe von auffallend blauer Farbe. Danach wurden diese Damen und nachher alle gleichgesinnten „Blaustrümpfe" genannt-
Anrüchig ist jetzt auch das Wort „Dirne", — plattdeutsch Kosename: mein Deren, Dern — entstanden, aus Dienerin, wie Maid aus Magd- Grimms Märchen vom Rotkäppchen beginnt: „Es war einmal eine kleine, süße Dirne-" ;
Bei dem Namen „Braut" aber hebt wohl em Singen und Klingen in deinem Herzen an, lieber Backfisch? Da merke dir denn, daß im Althochdeutschen nicht die, so heiraten wollte, sondern die, so eben geheiratet hatte, also die „junge Frau" ,Braut' genannt wurde- Mach' denn schnell „Hochzeit!" Das ist „hohe Zeit"- Alle Feste hießen hohe Zeiten, höchgezlten im Nibelungenliede, obwohl es nicht immer ein neugebackenes Ehepaar gab-
Zwischen zwei „hohen Zeiten", zwischen Weihnachten und Ostern, liegt die Fastenzeit, die den Fleischgenuß verbietet-- Che dem Fleische aber Lebewohl gesagt wird: carue vale, wird in der „Fastnacht" viel gezecht und geschmaust und allerlei Spaß getrieben; denn jede Narrheit und Faselei ist erlaubt- Daher hieß der Abend Faselabend oder Fasteläbend, Fastelnacht, Fastnacht.
In früheren Zeiten waren die Feiertage dichter ge- säet- Da hörte man den ganzen Tag die Glocken „bimmeln" oder „bummeln". Leichtlebige Leute gaben sich der Stimmung hin und fingen auch an, zu „bummeln", ohne Ziel durch die Straßen zu schlendern. Eine allgemein bekannte Weise erscholl bald von diesen Leuten, und weil ihre Arbeit nur darin bestand, die Gassen mit den Absätzen zu hauen, so hieß man diese Nichtsthuer und später deren Lieder „Gassen- haner"-
Andere Zeiten, andere Sitten. Daß man auf nur zwei Rädern so schnell und so sicher durch die Straßen und seldein fahren kann, das hätten unsere Großväter nicht für möglich gehalten, und daß die Damen in „Pumphosen" das Rad besteigen, will jetzt noch manchem schwerfälligen Spießbürger als „verkehrte Welt" .erscheinen. Dennoch aber weiß ich keinen Geistlichen zu nennen, der von der Kanzel herab gegen den „Teufel", der in den „Pumphosen "steckt, geeifert hätte. Im Mittelalter freilich war es einmal so- Nach dem gewerblichen Aufschwung der Städte entfalteten Männlein und Meiblein eine gar bedenkliche (?) Kleiderpracht. Damals widerfuhr einem prachtliebenden Fürsten das Unglück, daß beim Jagen durch dorniges Gebüsch seine Hosen viele senkrechte Schlitze davontrugen- Die' Hofleute ahmten dies künstlich nach, und so entstand die Mode, die Beinkleider mit senkrechten Schlitzen zu versehen, und diese Schlitze durch ein besonderes, innen angebrachtes Futter in möglichst auffallenden Farben zu schließen- So war es der Prunkliebe des einzelnen überlassen, an der Weite und Länge und Zahl der ausgefütterten Falten-zu zeigen: Wer's lang hat, läßt's lang hängen- Dieser Pomp mit den Beinkleidern schuf den Ausdruck „Pumphosen", und gab Veranlassung, wider den argen „Hosenteufel" loszulegen-
So habeu uns denn ein Dutzend alltägliche Wörter ein Stück Kulturgeschichte erzählt und den Satz erhärtet, daß wie in der Natur, so auch in der lebendigen Sprache ein ewiges Werden und Vergehen herrscht-
Mir geben vorstehenden vergnüglichen Wortklaubereien ünseres geschätzten Mitarbeiters gern Raum- Glaubt dieser oder jener unserer werten gelehrten und ungelehrten Leser es besser zu wissen, möge er mit seiner Weisheit nicht Hinterm Berge halten- D. R.
Parfüm als Desinfektionsmittel.
Der chemische Grundstoff aller Parfüms ist bekanntlich ein essenzielles Oel, das entweder auf natürlichem Wege aus den Blättern und Blüten oder künstlich durch chemische Zusammensetzung gewonnen wird- In jedem Fall ist ein olches Oel, wie ein Hygieniker im „Lancet" ausführt, ein kräftiger Keimtöter, und besitzt in nicht geringem! Grade desinfizierende Eigenschaften, ebenfalls wie die Karbolsäure. Es ist wohl bekannt, daß diese Oele den Sauerstoff der Luft anziehen, und mit ihm eine unbeständige Verbindung eingeheu, so daß sie den Sauer- tofs leicht wieder abgeben, und dadurch desinfizierend wirken. Fichtennadelöl, das Oel des Eukalyptus und Terpentin wirken recht kräftig in diesem Sinne, und auf dieser Thatsache beruht wahrscheinlich die gesunde Beschaffenheit der Luft in Nadelwäldern und Eukalyptus-Gehölzen. Die Anwendung von Parfüm wird von vielen Frauen sicherlich, übertrieben und gilt bei Männern als weibisch; dieses Urteil wird von den meisten Leuten unterschrieben werden- Und doch entsteht die natürliche Frage, warum wir Nicht unsere Umgebung durch angenehme Gerüche für die Nase gefälliger machen sollten, ebenso Ivie wir das Auge durch Farben, das Ohr durch musikalische Töne erfreuen- Jeder Sinn leidet unter unangenehmen Eindrücken, und es ist kein Grund eiuzusehen, warum wir ihn nicht davor schützen sollten- Aber die Benutzung des Parfüms im Taschentuch, wo es am häufigsten zu finden ist, kann, wie gesagt, noch einen wichtigeren Zweck erfüllen als den, dem Geruchsinn zu schmeicheln- Das Taschentuch kanu besonders leicht zum Sitz von Krankheitserregern werden, die aus Nase und Mund darauf übertragen werden, und der Gebrauch eines antiseptischen Taschentuches ist daher ganz nach dem Sinne der modernen Gesundheitspflege. Es sollte also sogar empfohlen werden, das Taschentuch zu parfümieren, weil der Geist des Parfüms und die darin aufgelösten essenziellen Oele die etwaigen schädlichen Keime töten, statt daß wir die Leute verurteilen,, die durch ein parfümiertes Taschentuch unauffällig die Verbreitung ansteckender Keime verhindern-
Gsnieznuützsges.
Die Lüftung unserer Zimmer. Eine gute Ventilation unserer Wvhnräume ist in hygienischer Beziehung von größtem Werte. Das beste und einfachste Mittel dafür ist, zumal int Winter, ein gut ziehender Schornstein. Es genügt nicht allein, daß, wenn das Feuer im Ofen brennt, die im Schornstein emporsteigende, Wärme für Luft-Erneuerung im Zimmer sorgt, indem sie die nahe am Fußboden befindliche schlechte Luft fortwährend durch die Ofenthür absaugt, sondern ein guter Schornstein soll das Zimmer auch dann ventilieren, wenn der Ofen nicht geheizt wird. Zu diesem Zwecke hat uns die Technik neuerdings einen ausgezeichneten Schornstein- Aussatz geliefert, welcher, ohne drehbar zu sein, den aus beliebiger Richtung kommenden Wind derart auf- fängt, daß er im obersten Teile des Schornsteins senkrecht emporsteigen muß, und so fortwährend die Luft aus dem Schornstein absaugt. Bei offenstehenden Ofenthüren werden die Zimmer hierdurch ganz vorzüglich, ventiliert., Eine ausgezeichnete Slbbildung dieses neuen Schornstein-Aufsatzes finden unsere Leser in der 9. Auflage des sehr preiswerten, vom kaiserlichen Gesundheitsamt herausgegebenen „Gesundh eitsbüchlein".
Homogramm.
• • ®
® ® ® 1. männlicher Vorname.
G O G H ® 2. Nagetier.
@ @ ® @ © 3. Himmelskörper.
• • •
Di- Buchstaben BBB, EE, FE, II, NN, BRRR, 88, TT, W sind nach dem Muster obiger Figur derart zu ordnen daß die drei wagerechte» Reihen gleichlautend mit den drei senkrechten sind und Wörter von der beigefügten Bedeutung bilden.
(Auflösung in nächster Nummer.)
* Auflösung des Wortspiels in vor. Nr.: a. Hacke/Ostern, Base, Plan, Esche, Dom.
1). Jacke, Astern, Nase, Ulan, Asche, Rom.
Januar.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Br üb-'scheu UniverMtS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


