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Mk ihrem ganzen, treuen Sinn dem! Ernst der! Pflicht hinzugeben i das war der Geburtsstempel ihrer Natur, den sie von einer pslichtgetveuen, sanften Mutter geerbt hatte. Und' in den Herzenskamnieru, wo Ausdauer und Wille wohnen, wird es nicht leicht öde; sie besaß! Kräfte wie nur wenige, aber sie wandelte ihren Lebens­weg still und bescheiden; sanft und milde sorgte sie für ihre Umgebung und vermochte der Luft eine Wärme zu verleihen, die bewirkte, daß sich! sowohl Blumen als Herzen wohl fühlten.

Unter ihrem Einfluß war der Trieb des Mannesalters, Männesthat zu verrichten, in dem vorher leichtsinnigen, groben Müllerburschen erwacht, und hatte einen his dahin Unbenutzten Quell gesunder Kraft in seiner Brust erweckt. Man mußte doch, weiß Gott, zeigen, daß man zu etwas zu brauchen war!

TiesWeiß Gott" war einer der würzigen Kraft­ausdrücke, die von alter Zeit her tief in ihm Wurzel gefaßt hatten. Er hatte eine ganze Anzahl davon be­sessen, die den ganzen Tag hindurch! knatterten, brannten und blitzten; Helene aber hatte allmählich! einen nach bem' andern aus gejätet, ohne daß er es so recht gewahr wurde, wie das Beet, auf dem sie wuchsen, allmählich kahler wurde, nur dies!Weiß Gott" konnte sie nicht ausrotten; es war ein so schneidiger Ausdruck, der Achtung erweckte, und dabei ein vornehmer der Graf aus Christianslund bediente sich dessen bei den großen Jagden mit Vorliebe.

, (Fortsetzung folgt.) <

Wilhelm Busch?)

! Zu seinem 70. Geburtstage. 15. April 1902.

I Von Paul Wittko.

tora"" (Nachdruck verboten.)

' Ein großer Meister lachender Kunst feiert morgen, am 15. April, seinen 70. Geburtstag, und allenthalben in deutschen Landen wird man an diesem Tage Wilhelm Busch, demKönig der Karrikatur", wie ihn ein Franzose nannte, huldigen, der in seinen Werken eine Art Siegesallee deutschen Humors geschaffen hat.

In Wiedensahl, Kreis Nienburg, im Hannöverschen, kam das Kuäblein im kinderreichen Hause eines Krämers zur Welt . i ' > !.. ' -j L

; Früh zeigt er seine Energie, Indem er aus dermaßen schrie;

Tenn früh belehrt ihn die Erfahrung: Sobald er schrie, bekam er Nahrung. Tann lutscht e.r emsig und behende, Bis daß die Flüssigkeit zu Ende.

Auch schien's ihm höchst verwundersam, Wenn jemand mit der Lampe kam.

Er staunt, er glotzt, er schaut verquer, Folgt der Erscheinung hin und her , Und weidet sich am Lichteffekt.

Man fieht bereits, was in ihm steckt.

Schnell nimmt er zu, wird stark und feist An Leib nicht minder, wie an Geist Und zeigt bereits als kleiner Knabe Des Zeichnens ausgeprägte Gabe.

So deklamiert er im 2. Kapitel von seinemMalep Klexel", um in den folgenden immer mit den kräftigsten Zügen und schneidenden Tonquixoterien den Lebenslauf eines! Künstlers zu erzählen.

; Doch ach! wie bald wird uns verhunzt

! ! Tie schöne Zeit naiver Kunst.

! Wie schnell vom elterlichen Stuhle

Setzt man uns aus die Bank der Schule!

Ter Schulmonarch ist leider kein Kunstverehrer und nach höchst tragikomischen Konflikten zwischen Lehrer und Schüler bringt man den Knaben

Zum Zweck moralischer Erhebung In eine andere Umgebung".

So kommt er denn endlich auf die Akademie.

*) Unsere Leser seien darauf aufmerksam gemacht, daß die meisten der Werke von Wilh. Busch in Einzelausgaben zum Preise von 1 Mk. bis 1,50 Mk. im Verlage von Fr. Basscrmann in München erschienen find.

Bon allen Schülern, die da! sitzen, Kann keiner so den Bleistift spitzen. Auch sind nur wenige dazwischen, Tie so wie er mit Gummi wischen.

Und im Schraffieren, was das Schwerste, Ta wird er unbedingt der Erste.

Nach drolligen Erlebnissen im Düsseldorfer Antikensaal und Studien nach! der Natur, malt er ein Historienbild, dass einen Zimmerkampf mit einem Kritiker herbeiführt, hat die absonderlichsten Liebesabenteuer uftm '

Hartnäckig weiter fließt die Zeit; Tie Zukunft wird. Vergangenheit.

Von einem großen Reservoir

, Ins andre rieselt Jahr um Jahr."

lieber Antwerpen wanderte er nach München*) und dort begann er im Jahre 1859 die berühmtenMünchener! Bilderbogen" zu zeichnen, die von seinem Verleger anfangs lächerliche gering honoriert wurden.

Doch größern Ruhm wird der verdienen,

Der' Farbe kauft und malt mit ihnen", meint er. '

Darum, o Jüngling, fasse Mut, Setz auf den hohen Künstlerhut, Und wirf Dich, auf die Malerei; Vielleicht verdienst Tu was dabei.

Und so begann er in Lenbachs Atelier zu arbeiten, und der Meister selber fand den Kopf des jungen Malbeflissenen' würdig seines Pinsels. Doch das Lenbachsche Bildnis von Busch ist Pose, und daher unwahr. Es mag ähnlich sein, aber nicht ehrlich; niemand hat sich mehr jeder Pose, jedes Gezierten, Affektierten dauernd abhold gezeigt wie gerade Busch.

Busch ist ein Original im Leben, wie in der Kunst. Er sitzt heute, inzwischen der Feder wie dem Stifte untreu geworden, vor der Weltohne Haß" verschlossen, in ein­samer Naturbetrachtung, in den: Dörfchen Mechtshausen in der Hildesheimer Gegend. Dort schaut er gern dem Leben der Bienen zu, wie einst der alte Vergil, und wie neuere dings Maeterlinck. Hinneigung zu dem wundersamen Leben! des Bienenvolkes pflegt ein Zeichen sinnigen poetischen Gemütes zu sein. Wer nur oberflächlich Busch als Zeichner und Poet kennt, wird über diese Bienenliebe staunen. Doch oberflächliche Betrachtung führt zu schiefem Urteil.

Sv kommt die rechte Unterhaltung ! j

Nur ungenügend zur Entfaltung."

Wer seine Schriften und Zeichnungen besser kennt, unter­hält sich! mit ihm anders. Denn Busch, ist mehr, als die Menge glaubt. Er ist ein fcharssichtiger Kommentator feiner Zeit, im Grunde ein melancholischer Philosoph, der sich mit den Mysterien des Lebens befaßt, ein Weltverächter, der da weiß, daß ein kaltes, nüchternes Erwachen der tollen Nacht folgt. Ihm paßt die ganze Richtung unserer Zeit nicht. Wir quittieren über seine parodistischen Witzgeschosse mit Lachsalven und denken nicht daran, daß sie aus einem verbitterten, stark kritischen Herzen herausgeschleudert wurden, in dem die Welt gar finster sich spiegelt, deren ganzes unabwendbares Elend nicht wert ist, daß man es bejammert, sondern nur wert, daß man dieses ewige be­deutungslose Einerlei, das unsere Mitmenschen thöricht genug sind, gar wichtig zu nehmen, verlacht. Denn nichts ist, so meint er, komischer als dieser Kontrast zwischen der Nichtigkeit dieses Lebens und der Wichtigkeit, die man ihm beimißt. Darum unterwirft er feinem Spott den ganzen Widerspruch der Welt. Mit einer Fülle derbsten, volkstüm­lichsten Witzes, mit energischem, manchmal cynischem Rea­lismus, und dann wiederum mit fast graziöser Ironie und jener Genialität, die dunkle Punkte des menschlichen Daseins blitzartig erhellt, giebt der Künstler ein Weltbild, eine Wiederspiegelung von tausend Verhältnissen und Zuständen seiner gärenden Zeit, aus dem die fröhliche Naivetät und bie phantastische Abenteuerlichkeit eines echten Künstler- Herzens niemals völlig verschwinden, ©-eilte Kunst ist ein ständiges Schillern zwischen realer und allegorischer Be­deutung. Daraus erklärt sich die Doppelnatur seiner Werte,

*) Heilere Erinnerungen aus Wilhelm BnschS Münchener Zeit ver­öffentlicht Theodor Pixis in derKirnst für Alle". Ensch kam im Herbst 1854 nach München. Pixis schildert ihn als einen bildhübschen Burschen mit langen, goldbraunen Haaren und einem jugendlichen Lchnur» nnd Knebelbärtchen.