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Lippe». Dieses Letzte vor dem ewigen Auseinander,gehen wollte sie sich gestatten, noch einmal volles Licht — Sonnen- schein, dann ewige, finstere Nacht!
.Langsam löste sie sich aus seiner Umarmung, jetzt wollte sie ihm das Unabänderliche sagen, ihn bitten, nun auch seinem Vater ein gehorsamer Sohn zu sein. Wer ehe sie dazu kam, faßte er in großem Befremden, fast Zorn, ihre Hand."
„Den Ring hast Du abgelegt?" fragte er, und Flammen sprühten in seinen Augen.
Schreckerstarrt sah Maria auf ihre Hand. Der Ring fehlte; sie mußte ihn beim Blumenpflücken unbewußt ab- gestrerft haben; ach, er war ja in letzter Zeit so locker geworden.
„Wo hast Du den Ring hingethan? Ist das Deine Treue'?" p polterte der Erregte hervor.
„Verzeihe mir, Justus", stammelte das erschreckte Mädchen, „ich muß ihn vorher beim Pflücken dieser Blumen verloren haben, er war mir so weit geworden. Doch ich will zurückgehen und chn suchen."
Sie eilte davon, und Justus sah ihr finster nach. Verloren hatte sie den Ring, den sie hüten sollte als höchstes Kleinod, und dessen Verlust vorbedeutend das zwischen ihnen bestehende Bündnis zerriß. Doch hatte Maria nicht auch von „zu weit geworden" in Bezug auf den Ring gesprochen? Wahrhaftig, sie sah nicht gut aus, das sah er jetzt, als sie mit erblaßten Wangen ihm wieder entgegentrat; vorher in der Erregung hatte er das nicht bemerkt.
„Hier ist der Ring", sagte Mama traurig, ihm das Kleinod entgegenhaltend, „ich hatte, wie ich vermutet, ihn beim Sammeln der Blumen abgestreift.
„Doch, Justus, nun noch eine Bitte", fuhr. sie mit Lebender Stimme fort, und Thränen glänzten in ihren schönen Augen.
„Und diese Bitte?" fragte der junge Edelmann, indem sein Blick forschend auf Maria ruhte.
„Behalte den Ring, der nicht an meine Hand gehört. Ein Ehepaar kann aus uns niemals werden. Dein Vater und die Gesetze Deines Hauses sind gegen uns. Erfülle also Deines Vaters Wunsch und führe ihm eine Tochter aus ebenbürtigem Geschlecht zu. Auch meine Eltern wünschen meine Verheiratung mit einem einfachen Bürgersmann. Meine Tage — das fühle ich — sind gezählt, Dir kann ich nicht gehören, gieb mir also das Recht zurück, meiner Eltern Wunsch zu erfüllen."
Immer dunkler ward die Glut, die über Justus Gesicht flammte. „Also darauf war es abgesehen", fuhr er heraus. „Du sehntest Dich nach Freiheit, nach einem neuen Liebhaber. Unser Verlöbnis ist Dir langweilig geworden! Da war es wohl auch kein bloßer Zufall, daß der Ring vom Finger fiel, denn Du wußtest ja, daß dies für mich gleichbedeutend mit dem Bruch unseres Verlöbnisses, daß es gleichsam der Tod unserer Liebe sein würde."
„Es thut mir leid, daß Du das so auffassest", sagte Maria, eingeschüchtert von dem Zorn des Geliebten, „aber mag es drum sein, wenn es zur Lösung eines Bündnisses beiträgt, das keinen Segen in sich birgt.
„So laß uns denn voneinander scheiden. Gott gebe, daß Dn reichen Ersatz für das Verlorene findest. Du wirst das Weib lieben lernen, welches Dein Vater für Dich bestimmt hat, denn Elisabeth von Haagen ist sanft und gut, fie wird Dir eine liebevolle Hausfrau sein."
In seinem ungerechten, alles überwuchernden Zorn achtete Justus des sichtbaren Schmerzes Marias nicht, sah nicht, wie sie mit übermenschlicher Kraft das eigene Leid zurückdrängte, um dem Geliebten den Abschied zu erleichtern. „Geh'", sagte dieser kalt, „da Du mir keine Treue gehalten. Aber der Ring sei verflucht, den Du mir zurück- giebst! Nie schmücke er die Hand einer glücklichen Braut, es sei denn, daß ihre Liebe schon vorher die Probe der Treue bestanden hat."
„Hellä, jener Ring befindet sich in meinem Besitz. Der Ihre hingegen ist derjenige, den Justus von Predow am Finger trug, welcher sich auf dessen Enkeltochter, die Ihre Urgroßmutter ward, vererbte.
„Darf ich Ihnen nun Marias Ring an den Finger stecken, ich denke, er hat endlich den richtigen Platz gesunden. Unsere Liebe hat sich trotz allem, was dazwischen liegt, bewährt, denn sie ist dieselbe, wie vor zwölf Jahren — und damit wäre der Fluch — wenn ein solcher wi.rMch
hätte Verwirklichung finden können — für alle Zeiten gebrochen. Hella, darf ich?"
In seliger Verklärung sah sie zu ihm auf. „Wäre es denn möglich, daß Sie mich wirklich noch so liebten? Ich bin inzwischen ein altes Mädchen geworden."
„Mir noch immer das Liebste und Teuerste auf der Welt! — Hella, lassen Sie uns einen, was lange getrennt, sich doch einmal wieder zusammenfinden mußte — erlauben Sie, daß ich diese schöne, geliebte Hand mit dem Ringe der unglücklichen Maria schmücke, die in ihrer Treue nie wankend geworden, und der nur ein unglückseliges Geschick die Erfüllung ihrer schönsten Lebenshoffnung raubte.
„Der Fluch, der über den Ring ausgesprochen wurde, war ein ungerechter, und Dir und mir soll der Ring der Talismann unvergänglichen Glückes fein."
„Ich beuge mich Deinem Willen, Du Lieber, dessen Bild nie aus meinem Herzen entschwunden", sagte Hella mit ihrem alten, anmutigen Lächeln. „Wer nun nimm auch von mir das Pfand der Treue entgegen." Sie zog eine Schnur hervor, die sie unter chrem Kleide verborgen trug. Der Ring mit dem Rubinherz hing daran.
Ein Jubelruf von den Lippen des Mannes — ein seliges Umschlingen zweier nach langen Kämpfen endlich Vereinten.
Minuten verflossen, ehe die Glücklichen sich wieder chrer Umgebung erinnerten. Hella richtete sich nun erschrocken auf, einen scheuen, verlegenen Blick um sich werfend. Löhnberg sah es und lächelte.
„Mache Dir keine Sorgen, mein Lieb, bald mein Weib. Keines Menschen Auge hat gesehen, wie Du für einen kurzen Augenblick an meinem Herzen geruht, und wenn auch — was schadete es?
„Weißt Du, daß ich Dir einen Vorschlag zu machen habe, der aller Geheimthuerei mit einem Schlage ein Ende bereitet?
„Lassen wir uns trauen, sobald wir die erforderlichen Papiere in Händen haben, und der erstaunten Welt mit einer vollendeten Thatsache entgegentreren.
„Nach vollzogener Trauung setzen wir gemeinsam unsere Reise fort, nach Italien, oder wohin sonst mein Weih wünscht. Ein Nachurlaub für mich! wird wohl ohne besondere Schwierigkeiten zu erlangen sein. So reisen wir zwei, nur uns lebend, von niemanden gekannt, hinein in das Märchenland des Glücks!
„Nach unserer Ankunft in der Garnison stelle ich dann den überraschten und erstaunten Kameraden die neue Frau Rittmeisterin vor. Wird das ein Hallo geben!" Er kicherte leise vor sich hin. „Ich freue mich schon göttlich darauf! Richt wahr, meine Hella, Du willigst ein?"
„Kann ich denn anders, als Dir zu Willen sein? Du überrumpelst mich ja förmlich. Muß ich da nicht zu allem' Ja sagend
Elektrischer Kraftbetrieb in der Kleinindustrie.
Von Ernst Paul Rehfeld.
(Nachdruck verboteu.)
Zum Antrieb der Dampfmaschine, dem bekanntesten aller Krafterzeuger, wird die in der Kohle enthaltens Energie zuerst in Wärme umgesetzt. Die Wärme wird dann dem Wasser mitgeteilt, um dieses in Dampf zu verwandeln.! Tie im Dampfe enthaltene Spannkraft dient schließlich zum Antriebe der Dampfmaschine, und erscheint uns hier ut der Form von mechanischer Energie als Rotation. Die! mechanische Energie dient erst dann zum Antriebe der Dynamo-Maschine, und kann erst aus letzterer als elektrische Energie entnommen, und durch Vermittelung von Drähten nach Punkten übertragen werden, wo sie zu Beleuchtungs-,! Heizungs- oder motorischen Zwecken verwendet werden soll.!
Der Fabrikant, der in seinem Etablissement elektrischen Betrieb einrichten will; muß also erst eine Krafterzeugungs-Anlage schaffen. Wenn sich seine Fabrik in der Nähe eines Elektrizitätswerkes befindet, so kann er wohl auch die gewünschte Kraft von dort durch eine Drahi- leitung erhalten. Für große Etablissements, die sehr vrel Kraft für ihren Betrieb brauchen, wird es jedenfalls viel ökonomischer sein, eine eigene Generator-Anlage cinzu- richten. Für mittlere und kleinere Betriebe, oder wo Watz-«


