(Nachdruck verboten.)

Em verhängnisvoller Ning.

Novelle von E. Hain berg. , ;

(Schluß.)

Und nun nwch. zwölf einsam verbrachten Jahren, in denen kein Gedanke, kein Suchen nach einer neuen Liebe sie angefochten, nun dieses Erwachen all der schlummernden Gefühle durch das Wiedersehen mit dem einen, nie Ver­gessenen. Diese Macht des neu überkommenen Sehnens und Hoffens, als sei die Jugend mit ihren Ansprüchen an Liebe und Glück nicht längst von ihnen entflohen. Und so unvermittelt, so unvorbereitet war das alles an sie herangetreten die alte Liebe und das neue Hoffen hatten in wenigen Tagen sie mit allmächtigem Zauber aufs neue umsponnen.

Hella", klang abermals des Mannes Stimme an ihr Ohr.Hella, kennen Sie die Geschichte der beiden Ringe, die uns zwei zum Verhängnis wurden?"

Nur zum Teil", antwortete sie, sich aus ihrer Be­klommenheit aufraffend.

Darf ich Sie Ihnen erzählen?"

Ich bitte darum."

Er begann:Einer meiner VorfalMn, Justus von Predow mit Namen, liebte seine ehemalige kleine Spiel­gefährtin, die Tochter des Försters Reichenbach auf seiner Eltern Gut, und wollte sie zu seinem ehelichen Gemahl machen. Dieser beabsichtigten Ehe aber widersetzte sich der Water des jungen Mannes. Er wies dem Sohne nach, daß laut Familiengesetz er gänzlich außer stände sei, eine unstandesgemäße Ehe einzugehen, wollte er nicht aller Rechte auf das Erbe, selbst auf den väterlichen Namen für alle Zeiten Verzicht leisten.

Nun ivar zwar Justus Liebe zu der schönen.Maria so groß und wahr, daß er gern auf alles verzichtet hätte,, wenn er sich damit hätte den Besitz der Geliebten erkaufen können. Mber was hatte ein junger Edelmann von damals wohl gelernt, um auf eigenen Verdienst angewiesen, sich daraufhin eine Familie gründen zu können?

Dennoch verzagten die beiden Liebenden nicht, sie hofften, wie alle in der gleichen Lage, auf ein günstiges Ungefähr, das als rettende Hand ihnen die Brücke zum ersehnten Glücke bauen sollte. Sie schwuren sich! daher ewige

Freitag den 14. Mär;.

T®.

1902. Nr. 89.

L-h Ati

>er Wind facht an ein winzig Fünkchen Glut, Der Wind löscht aus die lichterlohen Flammen; Ein Wort, cs richtet auf den zagen Mut, Ein Wort, es bricht den stolzen Mut zusammen.

Güll.

Treue, und Justus, von Predoiv ließ zwei gleiche Ringe an- fertigen, welche ein schön geschliffener Rubin in Herzform schmückte. Im Innern waren die Anfangsbuchstaben ihrer Namen, I. v. P. und M. R. mit der Jahreszahl 1823, ein- graviert.

Den mit I. v. P. gezeichneten Ring übergab Justus seiner Maria mit den Worten:Diesen Ring übergebe ich Dir als Pfand meiner Treue; so lange Du den Ring an Deinem Finger trägst, betrachte ich Dich als meine Verlobte Braut. Wer hüte Dich, ihn je abzulegen, oder ihn zu verlieren es würde der Tod unserer Liebe sein!"

Und Maria trug den Ring an ihrem Finger und jeden Tag drückte sie ihre Lippen daüauf, und es war ihr, als küsse sie den Geliebten.

Die Jahre gingen dahiik. Von Zeit zu Zeit hatten die Liebenden ein geheimes Stelldichein im Walde, doch auch diese wurdell immer seltener, weil sich allerlei Hindernisse auch diesen kleinen, unschuldigen Zusammenkünften in den Weg stellten. Die Aussichten der Verlobten waren um nichts besser gelvorden. Maria siechte in stillcin Grain dahin, und ihre Lage war umsomehr eine verzweifelte, als auch ihre Eltern darauf drangen, die unnütze Liebelei auf­zugeben und einen Mann ihres Standes zu heiraten. Freier hatte ja Maria genug, denn ihre Schönheit und häuslichen Tugenden waren rühmlichst bekannt. Sie aber wollte keinen, als den, dem ihre Liebe gehörte, dem sie Treue ge­schworen. So geriet sie in bitteren Widerstreit mit ihren Empfindungen und dein Wunsche und Gebot ihrer Eltern. Das zehrte endlich an ihrer Gesundheit, ihre schon schlanke Gestalt wurde noch schlanker, und das zarte Rot ihrer Wangen erblich, es stand schlecht mit ihr.

Da ging sie eines Tages einmal wieder zu dem ge­heimen Stelldichein, wie sie zu sich sagte, dem letzten. Denn sie war nun entschlossen, den Geliebten zu bitten, ihr ihv Wort und ihre Freiheit zurückzugeben. Sie fühlte es, mit ihr ging es zu Ende. . In kurzem würde ihr zarter Körper den verheerenden Einflüssen von Gvam und nie ruhender Sehnsucht erliegen. Weshalb sollte sie da ihren Eltern sich nicht gehorsam zeigen und ihnen vielleicht eine letzte Freude bereiten ?

Wie sauer und beschwerlich ihr der Weg tvurde. Solche Müdigkeit hatte sie noch nie verspürt. Einen Augenblick ausruhen mußte sie. Ah, und da die Fülle von Anemonen und blauen Leberblümchen!

Sie ließ sich nieder in das weiche Moos, mitten zwischen dem Blütenreichtum, und ihre Hand pflückte und wand zum Strauß, was sie fassen konnte, das sollte eine letzte Gabe für den Geliebten sein; einen Teil wollte sie für sich behalten als ewige Erinnerung ihres letzten Zu­sammenseins. .

.Neu gestärkt erhob sie sich. Es war inzwischen wohl eine halbe Stunde verflossen, sie durfte Justus nun nicht länger warten lassen. Ah, da kam er ihr schon entgegen! Ihre Hände lagen ineinander, ein Kuß briannte auf ihren