Frei lag den 14, Februar,
1902.
Nr. 24.
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(cttrc nur Schritt für Schritt bergan;
Wer mit Muhe den Gipfel gewann, Hat auch die Welt zu Fußen liegen.
Victor Blüthgen.
Nachdruck verboten.
Verschollen.
Original-Erzählung von M. Ludolfs.
(Fortsetzung.)
Mieder wirbelten die Gedanken bunt durch Claritas Hirn, bis vor ihrem geistigen Auge plötzlich, jäh, sie tief erschreckend, ein Name auftauchte — Nikolai Karin. War dieser nicht gleich nach des alten Adelsmarschalls Tod nach Ornatoffsko herübergekommen? Hatte Frau Wera ihn nicht gerufen? Gewiß — aber wann? Auf den Zeitpunkt kam viel an, und Clarita beschloß, diesen vorsichtig zu erforschen. Indes mit dem Vorsatze schien auch ihre Kraft erschöpft. Die letzte Wendung ihrer Gedanken ließ ordentlich ihre Nerven erzittern. „Karin!" sie schüttelte schmerzlich den Kopf, indes ihre Lippen leise widerholten: „Nikolai Karrn — er sieht gut, edel aus — es scheint ein Schimpf, ihn nur einer schlechten, verbrecherischen Handlung fähig zu halten! O, Vater im Himmel" — seufzte sie da aus tiefster Seele — „erbarme Dich meiner, Deines hilflosen Kindes, bewahre mich vor mir selbst, laß mich nicht falschen Argwohn fassen in eben dem Moniente, wo ich zu Dir rufe um Gerechtigkeit! Gott, mein Gott, gieb mir Kraft, Ausdauer, den Schuldigen zu entdecken! Rette Alexis, hilf mir seine Unschuld an den Tag bringen!"
Ueber diesen Erwägungen floß eine Stunde hm, auch die zweite und dritte, Clarita merkte es gar nicht, tote schnell die Zeit floh. Der matte, düstere Schein, den die Oellampe in dem Gemache verbreitet, war mit dieser bet» loschen — aber draußen hatte der Mond seine sichelförmige Lampe am Horizont aufgehängt, um die Nacht etwas freundlicher zu machen.
Die einsame Frau war aufgestanden, ans Fenster getreten und blickte hinaus ins Freie. Ihre Augen suchten unwillkürlich die Fenster jener Stube, in welcher der Mord vollbracht worden — aber allnrächtiger Himmel, was war dies? Was sah sie? Ihre Knie zitterten, ihre Augen wurden größer, angestrengt, erwartungsvoll behielten fte die Richtung. Wahrhaftig ein heller Schein drang durch jene verhüllten Fenster im alten Bau —i drinnen in der Stube war Licht! Hatte sich dort wirklich ein ruheloser Geist ein- aefunden — das Gespenst — der Domowoi, tote die Leute sagten? Ja, ein ruheloser Gast war daselbst eingekehrt T- bald sollte Clarita seinen wahren Namen erkennen. Heller
und greller wurde drüben der Schein, ein schrilles Klirren von zersprungenem Glas, und im selben Moment auch drängte eine dichte, schwarze Rauchwolke ins Freie, zwischen dieser, dem eindringenden Luftzug entgegen, schoß aus glun- mender Glut die helle Lohe empor, jetzt hatte sie die Bor- hänge erfaßt und gleich einer Feuersäule leuchtete die oaran empor zischende Flamme hinaus in die Nacht.
Das alles war das Werk weniger Sekunden. „Feuer! Feuer!" schrie Clarita auf. Feuer, ja, das war's,^das sah die einzig Wachende in dem großen Gebäude, «elbigenj Augenblicks war sie sich auch der drohenden Gefahr bewußt — "der alte Ban mit dem morschen Holzwerk bot den Flammen eine schreckliche Nahrung. Einmal entfesselt, mußten diese mit Windeseile nm sich fressen und selbst das Haupthaus erfasse». Hinaus in den Korridor eilte Clarita, ihr angstvoller Warnuugsruf schallte schrill durch das ganze Haus. Ueberall erwachten die Schläfer; erschreckt fuhren! sie auf aus den Betten. Draußen der glühende Feuern schein, der brandige Geruch, der bereits bis in die Zimmer durchdrang, erklärte die lauten Warnungsrufe, die im Korridor widerhallten.
Clarita floh denselben entlang; ihr erster Gedanke galt dem ihr anvertrauten Kinde, das mußte sie vorab in Sicherheit bringen. So erreichte sie atemlos Feodors verschlossene Stube. Mit der Kraft, welche die Angst verleiht, rüttelte sie das Schloß, dabei laut dem Knaben zurufend.. Der erwachte aus gesundem, tiefem Schlaf, ebenso sein im Nebenzimmer ruhender Mentor. Indes schneller Ivie dieser, war Feodor auf den Beinen, flüchtig kam er der alsbald wieder nach ihm ausschauenden Clarita entgegen, die sich mittlerweile hastig überzeugt, daß Lisavetia und Madame Duflois auf die eigene Rettung bereits bedacht waren in dem wirren Durcheinander, welches die Meisten den Kopf verlieren ließ. Schreiend und klagend liefen die Dienstleukr- durcheinander, Taliana Petrowna an der Spitze; alle drängten nach dem Erdgeschoß, um ins Freie zu kommen, wo der Intendant mit den Knechten und Kutschern nicht eilig genug zu den neben dem alten Flügelbau befindlichen Stallungen kommen konnten, um die wertvollen Pferde zu retten.
In all' dem lärmenden Wirrwarr richtete sich Claritas ganze Aufmerksamkeit aus Feodor, mit dem sie glücklich halbwegs nach den unteren Räumen gelangt ivar, als der Knabe plötzlich bei einem Blick auf das brennende Serten- gebäude gellend aufschrie: „Eudotja! Eudotja! Man hat Eudotja vergessen! Jegor! Kyrill! Josef! Halt! Stm Hinauf zu dem Mütterchen — rettet sie! bringt sie hinunter.
Der Schrecken lähmte fast Claritas Glieder .sttemand hatte der Alten gedacht, um deren Stuben bereits überall die Flammen leckten und das alte Geholze mit Gier f^Die angerufenen Diener nutzten die allgemeine SSeti


