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er cm anderen gefährdeten Stellen mit gleicher Kaltblütig­keit den entstehenden Brand ersticken suchte, und wie die Funken gleich glühenden Trauben prasselnd auf ihn nieder­fuhren. Erleichtert hob sich ihre Brust, als eine kleine Schar beherzter Männer bei dem Bekämpfen des ent­fesselten Elements zu helfen begann. Ter Erfolg blieb nicht aus. Aber jetzt wallte dichter, schwarzer Qualm empor, der alles einhüllte, sich äusbreitete und gegen den Kiosk drohend heranwälzte. Ihre überreizten Nerven bebten, sie mußte laut aufschreien, und getrieben von einer inneren Gewalt, stürzte sie vorwärts.

Stickiger, Heister Tunst schlug ihr entgegen, aber sie drang weiter vor. Ja, dort stand er, wenige Schritte von ihr entfernt, gelehnt an einen Tisch, und am Boden um ihn her ein wüstes Turcheinander glimmender, rauchender, knisternder Reste aller möglicher Stosse, in die zischend das herbeigcschleppte Wasser fuhr. Sein Haupt war gebeugt, seine Augen geschlossen, Haar und Bart versengt, und seiner Brust entrang sich nur mühsam der Atem.

Boris Mitrofanowitsch', rief sie angstvoll, die Hand auf seinen Arm legend.

Er zuckte zusammen.

Boris Mitrofanowitsch kommen Sie! Eilen Sie! Sie haben genug gethan!"

In fliegender Hast hatte sie diese Worte hervorge­stoßen, aber er rührte sich nicht und war völlig teil- nahmlos.

Vergebens spähte sie nach Hilfe; die wenigen Menschen ün ihrer Nähe waren eifrig mit Ablöschen beschäftigt. Ter Qualm trieb ihr die Thränen in die Augen urch verursachte ihr Stechen in den Lungen.

«Sie sollen nicht hier bleiben!" rief sie irr namen­loser Angst.

Ihre Hände umspannten die verstümmelte Linke des Mannes, und als habe ihre Kraft sich verdoppelt, zog sre den Widerstandslosen, der gleich, einem Trunkenen hin- und herphwankte, nach dem Kiosk, wo sie ihn erschöpft auf einen Stuhl gleiten ließ.

Man hatte die Fenster eingcschlagen, sodaß ein kühler, <fr Luftzug tn den Saal drang. Tie Flammen waren erstickt, und der Qualm sand genügenden Abzüg. An Stelle des festlichen Glanzes war grauenvolle Zerstörung getreten. Löschmannschaften, Aerzte, Krankenträger und Polizisten suchten nach Kräften zu helfen, wo man ihrer bedurfte. Tas Stöhnen der Verletzten fuhr grauenvoll rn die allgemeine Aufregung hinein.

Boris Mitrofanowitsch hielt noch immer die Augen geschlossen; die Lider waren geschwollen und der Wimpern beraubt. Seine Hände trugen Brandmale, und von feinem Rock fiel der Zunder gebrannten Tuches herab.

Sind Sie im stände, zu gehen?" fragte sie, sich, mit­leidsvoll zu ihm herabbeugend.

Er versuchte aufzustcben, sank aber sofort zurück, und um seinen Mund zuckte der Schmerz.

,Fennen Sie Grekow, den Kapitän des Rurik?" ächzte er leise.Ja, Sie kennen ihn! Er ist ebenfalls hier. Bitte, lassen Sie ihn kommen!"

Es rst unmöglich, jemanden in dem Gewirr herans- zufinden, aber ich werde einen Arzt holen, der Ihnen helfen soll", tröstete sie.

Während der Doktor um Boris Mitrofanowitsch be­müht war, wandte sie chre Hilfe Wera zu, die noch immer völlcg fassungslos war.

Am besten warten Sie Ihre Genesung in einem Krankenhause ab", hörte sie den Arzt sagen.

An Bord meines Tampfers würde ich mich Wohler fühlen", versicherte Boris Mitrofanowitsch.

Langsam öffnete er die Augen. Sein erster Blick fiel auf Tatcana. lieber sein Gesicht flog ein zufriedenes Lächeln, wie wenn er glücklich sei, sie in Sicherheit zu wissen.

Ihr schnitt es ins Herz, daß er auf fremde Hilfe angewiesen war.Sie lassen sich nicht ins Krankenhaus bringen", rief sie laut,sondern zu uns, zu meinen Eltern, zu Jefim Godunow, dem es Freude machen wird, Sie als Gast aufzunehmen und Ihnen zu vergelten, was Eie an uns gethan haben." Fvst, und entschieden hatte sie diese Worte gesprochen, als ob sie keinen Widerspruch dulde.

(Fortsetzung folgt.)

In einer W'nlernncht.

Stimmungsbild von Felix Hübel.*)

Ja", sagte der alte Bürgermeister in seiner bedäch­tigen, zitterigen Art,natürlich ist es so; ich hab'? nicht allein gesehen, Sylvan war dabei, und hat die Haare ge­sträubt wie ein Igel die Stacheln. Geknurrt hat er, ctber er ist nicht von meiner Seite gegangen. Die Sache ist ihm eben auch nicht geheuer vorgekommen. Gelt, Sylvan?"

Und er ließ einen pfeifenden Laut hören, worauf ein brauner Jagdhund unter dem Tische hervorkroch, der seinen Herrn fragend und schweifwedelnd anblickte.

Gelt, Sylvan, so war es?" wiederholte der Alte, indem er seinen grauen Stoppelbart rieb und den Hund aus seinen zwinkernden, listigen Aeuglein ansah.

Wau! Wau!" antwortete das Tier und wedelte noch heftiger mit dem Schweife. Der Bürgermeister that einen langen Zug aus seiner Pfeife, sah sich befriedigt lächelnd und kopfnickend um, wies den Hund mit einem barschen Kusch dich!" unter den Tisch und verfiel in ein langes Nachdenken.

Niemand störte ihn; es war ganz still in der Wirtsstube.

Endlich räusperte sich einer der Zuhörer, ein langer, hagerer Mann mit dem Gesicht eines Satyrs, der, wenn er sprach, zwei Reihen sehr großer, gelber Zähne zeigte, bohrte dem nachdenklichen Bürgermeister einen knochigen Finger in die Seite und . sprach:

Eisenstein! Bürgermeister! Ich wußte zwar, daß Sie abergläubisch sind, aber was Sie da sagen, oder vielmehr andeuten, das ist doch hm!"

Und er hielt die Hand vors Gesicht und ließ ein heftiges Husten vernehmen. Der Bürgermeister diesen Titel führen in Teilen Süddeutschlands die Gemeinde­vorsteher selbst des kleinsten Dorfes lächelte halb über-, halb verlegen und wandte sich dann an sein Gegenüber, einen jungen Mann von etwa fünfundzwanzig Jahren, dessen hinter einer altmodischen, großen Brille funkelnde Froschaugen bis jetzt teilnahmslos ins Leere gestarrt hatten.

Was meinen denn Sie, Herr Lehrer? Wie denken Sie darüber?"

Der also Angeredete klopfte bedächtig die Asche von seiner Zigarre, warf einen Blick auf seinen Vorgesetzte«, den Rektor Fahl, und öffnete den Mund zum Reden. Aber der Alte wehrte ab und bemerkte:Sie dürfen sich natür­lich nicht beeinflussen lassen. Nicht etwa, weil der Herr Rektor hier sitzt"

Der Rektor fletschte sein mächtiges Gebiß und sagte mit einem Lächeln, das sein ganzes Gesicht in Querfalten zerlegte:Reden Sie frei von der Leber, Pfeiffenreuter!" Je nun", begann Pfeiffenreuter, indem er seine Blicke zwischen Bürgermeister und Rektor wandern ließ, wem würde es einfallen, daran zu zweifeln, daß Sie, Herr Bürgermeister, wirklich das gesehen haben, was Sie erzählten. Darf ich's nocb einmal kurz rekapitulieren?"

Eisenstein nickte beifällig und gespannt, der Rettor klappte seine Zähne hörbar zusammen, ein Zeichen, durch das er seine Zustimmung auszudrücken beliebte.

Also", fuhr Pfeiffenreuter fort,Sie gehen nach Johannisberg, um Holz zu kaufen"

Zu v e r kaufen!" berichtigte der Bürgermeister.

Um Holz zu b er kaufen. Gut! Wie Sie zurüch- kommen der Verkauf hatte sich bei einem Schöppchen Weißen ungebührlich in die Länge gezogen"

Beim Lammwirt in Johannisberg trinke ich nie Weißen!" fand der Alte für gut, einzuwerfen;es war Klingenberger Roter!"

Der Rektor schnalzte mit der Zunge.

Gut", nickte Pfeifsenreuter, und war dunkel geworden. Nur der Schnee leuchtete, und kalt war es, daß es einem die Gedärme zusammenzog. Ab und zu kam ein Windstoß, der den Schnee auffegte, und Ihnen die feinen Eisteilchen in die Augen blies, so daß Sie kaum noch sehen"

Ich konnte sehr gut sehen, trotz meiner sechzig- jährigen Augen!" protestierte der Mirgermeister.

*) Aus Felix Hübels soeben erschienenem Werk Gespenstergeschichten", 3. Band. (Verlag von

Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig. Preis drosch. Mk. 2., geb. Mk. 3..)