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strengte Madame du Gast die Verleumdungsklage gegen Maitre Barboux bet Gericht an. Charakteristisch ist nun, daß Madame du Gast die ernstesten Schwierigkeiten zu überwinden hatte, bevor sie Herrn Barboux ihre Klage zustellen konnte. Es war ihr zunächst unmöglich, einen Anwalt zu finden, der die schriftliche Klage für sie einreichen wollte. Madame du Gast entschloß sich also, es in Person zu thun. Um aber die Klage herzustellen, dazu bedurfte sie nach dem Gesetze eines Huissiers, und kein, Mitglied dieser ehrenwerten Korporation fand sich 'bereit, gegen einen Mann wie Maitre Barboux zu amtieren. Erst nachdem Madame du Gast von Pontius zu Pilatus, will sagen, von einem Huissier zum andern, dann zum Vorsteher der Korporation der Huissiers, von da zum Staatsanwalt und von da zum Präsidenten der Strafkammer gelaufen war, setzte sie es durch, daß ihr im letzten Augenblicke — die Verjährung der Verleumdungsklage drohte bereits — von amtswegen ein Huissier bestellt wurde, der Maitre Barboux die Klage zustellte. Die Klage der Madame du Gast svurde vom Gerichte abgewiesen. Eine Stunde nach Verkündung des Urteils überfiel Prinz Sagan Herrn Barboux auf der Straße und versetzte ihm einen Faustschlag ins Gesicht. Barboux reichte sofort die Anzeige gegen den Prinzen von Sagau beim Staatsanwalte ein, und hat erklärt, daß er sich mit diesem „Individuum" nicht duellieren werde. Prinz Hely von Sagan, ältester Sohn des' Herzogs Archambault» von Sagan und Talleyraud, ist 22 Jahre alt. Der Prinz erklärte dem Untersuchungsrichter, daß seine Msicht sei, Madame du Gast zu heiraten. Er wollte der Dame, welche von dem Advokaten insultiert worden sei, Genugthuung verschaffen. Der Prinz gab zu, daß er den Angriff mit Vorbedacht verübt habe. Er habe nur die Msicht gehabt, Barboux zu zwingen, ihm seine Zeugen zu schicken.
Grashäuser. Das schönste, je von einer Rothaut entworfene Gebäude ist das Grashaus der Wichitas, eines jetzt im südlichen Oklahoma lebenden Stammes. Es ist der einzige Jndianerstamm, der jemals mit Erfolg die Errichtung eines Grasbaues ausführte. Bald werden sie diese Hütten verlassen und ein eintöniges Leben in den zwei Räume enthaltenden Holzhäusern führen, welche von der Regierung für sie erbaut werden. — Was Grashaus soll zwar keineswegs gesund sein, bequem aber ist es jedenfalls. Es sind nach einem Bericht von William R. Draper heute etwa nur noch 50 alte Männer am Leben, welche die Kunst verstehen, ein solches Haus so zu bauen, daß es feststeht. Und diese weigern sich, selbst gegen hohen Lohn, zu arbeiten. Die Regierung hat diesen Grashaus- Erbauern gewinnbringende Beschäftigung angeboten, damit sie einige Häuser bauen sollten, welche als Probe einer alten Kunst erhalten werden könnten. Doch sie weigern sich und die Grashütten, welche sich aus den Prärien des Wichita- Gebietes fanden, werden jetzt niedergerissen. Die Hütten, so will es dieser Jndianerstamm, sollen die Wichitas nicht überleben. Es ist in der That äußerst schwierig, ein Grashaus zu erbauen. Das Gras wird zeitig im Frühjahr gesammelt, wenn es noch frisch, ist. Das Ausschneiden des Rasens findet gewöhnlich unmittelbar nach einem Regen statt. Das Rasenstück besitzt eine Stärke von 8 Zoll. Das Buffalogras ist übrigens die einzige Grasart, welche den Zwecken dieser Baukünstler entspricht. Sie beginnen, wie der Maurer, mit dem Legen eines Fundamentes, indem sie die Erde bis zu einer Tiefe von einem Fuß ausgraben. Der grasbewachsene Teil der Rasenstücke wird nach! außen gelegt, und das Haus wird in einer Höhe von 12 bis 15 Fuß in einer spitz auslaufenden Kuppel erbaut. Oben, befindet sich kein Loch als Rauchöffnung, der Rauch wird durch ein Rohr, das an der Außenseite der Hütte liegt, abgeleitet. Die Thür öffnet sich gewöhnlich nach Süden; Fenster sind nicht vorhanden. Durch jedes Rasenstück ist ein Band aus Weidenrohr geführt, welches rings um den Bau gelegt ist. Das Gras bleibt grün, und wächst noch weiter, wenn es reichlich Regen gießt. Es ist durchaus nicht selten, die Wände dieser Grashäuser zu Beginn des Frühlings grün werden zu sehen. Die Häuser sind sehr warm im Winter, und kühl im Sommer. Sie sind niemals undicht. Oft besitzen die Indianer auch aus demselben Material .erbaute Scheunen. Jetzt sollen nun die Rothäute in Holz?- häusern wohnen, und die einst berühmten Grashäuser wer- den bald der Vergangenheit angehören.
Puppen.*)
Wie lacht schon in der Kinderstube/ Die sein Svldatenspiel dürchlost, Hochmütig! ost der kleine Bube, Wenn Schwesterlein die Püppchen kost. Wie tadelt er, ein strenger Richter/ Mit verachpungsv ollem Blick Die dicken Minimen Wachsgesichter Und dieser Glieder Ungeschick. Und er, dess' trotzig Kuäbenstreben Nach andern/ höh'ren Dingen zielt, Mut nicht, wie oft sein künftig Leben Mit Puppen, Puppen, Puppen spielt,. Es hat mit 'unverwischten Zügen Die Menschheitschronik längst gebucht! Wie sich der Liebe jung Vergnügen Die zierlichsten Gestalten sucht; Wie sich die Herzen sehnend regen, Sch aut so ein Kind uns! gütig! an, Das blaue Augen hold bewegen Und rot sein Mündchen spitzen kann.. Und wenn die Feuer jäh erkalten s—i Wir haben Himmelslust gefühlt Und doch ... ein Nichts int Atm' gehalten, Mit einer Puppe nur gespielt.
Und schau doch kritisch in die Gruppe«/ Die jedes Fest im Saal zerstreut, Sind's mehr denn, als geputzte Pupven/ Was da dein Äug' und Herz erfreut- Und was sie tadeln, was sie loben Und was sie flüstern oder schrei'n, Dreht sich's nicht meist Um Schmuck und Rovenj Und kleine Puppenklatfcherei'n?
Kleinbürg'rin spricht von Fletsch, und' Suppen, Die Gnäd'ge spricht von Putz und Rang. — Du ahnst in all dem Glanz die Puppen Und liebst sie doch, ein LebeU lang.
Und fliehst du all das Kleine, Schale, Vertrauert auf Promethidenkraft, Verfolgst die goldnen Ideale Mit jugendzäher Leidenschaft, Bis du im Himmel wähnst zu schweifen. Dem du die ew'gen Feuer raubst. Bis du die Sterne selbst zu greifen Und an dein Herz zu sammeln glaubst H e Und fallen dir vom Äug' die Schuppen Und starrt dein Auge still und groß H Da hältst du steife, kleine Puppen, Wie in der Kindheit, auf dem Schloß. . . . .■ Rudolf Presber. <
*) „Aus dem Lande der Liebe." Verlag von Dr« Eysler & Co., Berlin SW. 12. — Die Sammlung Presber-i scher Gedichte ist von uns bereits besprochen und empfohlen worden. __________
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten).
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.r Wenn du in Groll und Zwist Mit einem deiner Nächsten bist, So denke, daß vielleicht schon morgen, Enthoben aller Erdensorgen, Vorbei das Leben ist
Und mit dem Leben auch — der Zwist. (F. Groß.)
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch-- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


