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Jefim war auf die Unterhaltung aufmerksam geworden. Taß seine Tochter so lebhaft für Kalussoff eintrat, be­reitete ihm das größte Unbehagen. Sofort mußte er wieder an seine Halluciuation denken und sich fragen, ob er nicht die pure Wirklichkeit erlebt habe. Als Tatiana sogar von Mißgunst sprach, konnte er sich nicht enthalten, ihr ärger­lich in die Rede zu fallen.Ach was", rief er laut,er ist kein bedeutender Mensch, sondern ein aufgeblasener und leichtsinniger Flaneur, der sich schämen sollte! Andrei Paw­lowitsch hat völlig recht, wenn er ihn für eine Null hält. Wäre nicht sein Bruder Jury ein fleißiger Mann, ich hätte längst mit der Firma Gebrüder Kalussoff gebrochen."

Eine peinliche Pause war entstauben. Mit Mühe hielt Tatiana ihre Thrünen zurück, während der Prokurist unbe­merkt ihr Mienenspiel beobachtete.Kalussoff hat auf sie tiefeu Eindruck gemacht", dachte er,mich wundert nur, daß ihre Angehörigen nichts davon bemerken. Man müßte sie warnen, einem solchen charakterlosen Menschen zu ver­trauen. Ihre Schwester ist bei toeitem vernünftiger und praktischer; sie ist für Phrasen nicht empfänglich und hat den edlen Timitry genügend erkannt." Unwillkürlich giitt fein Blick nach Wera hinüber; er begegnete ihren glänzen­den Augen, die mit Interesse auf rhm ruhten. Sie er­rötete leicht und senkte ein wenig das Haupt, um ihre Ver­legenheit zu verbergen. Tas waren noch dieselben freund­lichen lieben Züge, die ihn wesentlich zum Besuche des Praksin'schen Kreises bewogen hatten, und sie schienen auch noch immer der Spiegel desselben frischen und natürlichen Empfindens zu sein, das ihm damals zwischen all dem unfruchtbaren Sande wie ein erguickender, klarer Brunnen entgegengeströmt war. Wollte er sich ein offenes Geständ­nis ablegen, so mußte er zugeben, daß ihn jetzt nicht nur das geschäftliche Interesse in Jefim Godunows Haus ge­führt hatte, sondern auch die Hoffnung, Wera wieder- zujehen.

Freundlich mabnte ihn die Hausfrau, den Thee und die Ssakuski nicht zu verschmähen, während Jefim die Magerkeit des Imbisses scherzend mit den Fasten ent­schuldigte. f

»Sie als Deutscher werden unseren Fasten nicht sehr hold sein", meinte lächelnd Alexandra Michailowna,aber Eie müssen mit den Wölfen heulen." Andrei Pawlowitsch aber erklärte unter allgemeiner Heiterkeit, daß er ein ebenso guter Russe wie die Godunows sei, denn seine Vaterstadt fei Riga, sein Vater Arzt in Torpat und seine Mutter eine waschechte Russin, in der nicht ein Tropfen deutschen Blutes kreise.

Tie Unterhaltung wurde immer lebendiger, obwohl Ta­tiana sich wenig an ihr beteiligte. Um so gesprächiger war Wera, die besonders von dem bevorstehenden Bazar nicht genug zu erzählen wußte und lebhaft bedauerte, daß Andrei Pawlowitsch schon vor der Eröffnung nach Moskau zurück- kehre. Jefim sprach von der Messe in Nischni, die er selbst­verständlich besuchen werde, und Andrei Pawlowitsch teilte mit, daß er wahrscheinlich zur Vertretung seines Hauses ebenfalls nach Nischni reise. Tann sprach, man von Fin- land und von der Berechtigung, mit den Sonderrechten daselbst aufzuräumen und das Land dem Reiche voll­kommen zu assimilieren. Ter Eine lobte das energische Vorgehen der Regierung über die Maßens-der Andere aber verlangte, damit das Stammes'gefühl der Finen nicht allzu sehr verletzt werde, einen weniger gewaltsamen Assimila- tionsprozeß.

Tas Wasser brodelte lustig im Ssamovar, aus dessen durchbrochenem Becken die Holzkohlen gleich glühenden Augen funkelten. Immer aufs neue füllte Wera die ge­leerten Gläser mit dampfendem Thee, fein geschnittene Citvonenscheibchen hinzufügend, und unermüdlich sandten

die zerren und Alexandra Michailowna feine Rauchwolken aus den aromatisch duftenden Papyros zur Decke. Als endlich die Wanduhr mit tiefen melodischen Schlägen die elfte Stunde kündigte, wunderte sich mit Ausnahme Ta- tiauas jeder über die außerordentliche Schnelligkeit, mit der die Zeit dahingeschwunden war.

Es war ein Abschied, der durchaus nicht erkennen ließ, daß der Besuch geschäftlichen Zwecken gegolten hatte. Jefim und seine Gattin gestanden sich, nie ein solches Behagen empfunden zu haben, wie an diesem Abend. Wera abeitz vor deren Augen noch immer die sympathische Gestalt des Gastes stand, hörte die beifälligen Aeußerungen der Eltern mit geheimer Freude.

Ja, sie liebte Andrei Pawlowitschi sie hatte immer an ihn gedacht, die ganze Zeit hindurch^ die seit ihrem Moskauer Aufenthalte verflossen war, und sie hatte sich unaufhörlich gesehnt, ihn wiederzusehen. Am liebsten toftr« sie der Mutter um den Hals gefallen und hätte ihr an­vertraut, was sie bewegte und hätte ihr leise gestanden, daß ihr Glück nur allein in ihm beruhe. Aber das ging ja nicht an.

Wer weiß", dachte sie,ob er von denselben Em­pfindungen beseelt ist. .

(Fortsetzung folgt.)

Weihnachtsbücher.

Paul Heyse, Romane und Novellen Wohlfeile Ausgabe. Erste Serie: Romane. 48 Lieferungen zu je 40 Pf. Alle 14 Tage eine Lieferung. Verlag der I. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H. in Stutt­gart und Berlin. In der vor kurzem zur Ausgabe ge­langten fünfzehnten Lieferung von Paul Heyse's Ro­manen findet der RomanKind er der Welt" seinen Abschluß. Dieser Roman machte bet seinem ersten Er­scheinen das größte Aufsehen. Es war geradezu ein Ereignis, daß Paul Heyse, der bis dahin lediglich als Meister der Novelle gefeiert wurde, nun mit einem großen Roman vor das Lesepublikum trat, daß er in denKindern der Welt" ein meisterhaftes Lebensbild in großen Zügen geschaffen, und man war freudig überrascht, sich überzeugen zu können, daß die Vorzüge, die d n No­vellisten auszeichneten, sich auch in dem Roman wiederfinden: die lebendige Darstellung, die plastssche Ab­rundung der Glieder der Erzählung, die wohtthuende «!k* schlossenheit der Form und eine ungemein s ch a r s e Be­obachtung der verschiedensten Gesellschafts­kreise. Auch die kleinste Nebenfigur ist mit charak^ ch !- scheu Eigenschaften ausgestattet, vermöge derer sie b > dem Leser einprägt, wie denn der Roman als ein fest- umrissenes in sich abgeschlossenes Ganzes unverwischbar im Gedächtnis haften bleibt, und die Ge st alten weiter- leben, als habe man sie persönlich kennen gelernt.

Silbenrätsel.

(Nachdruck verboten.)

AuS folgenden 11 Silben:

an, be, bien, ba, düng, ge, heim, la, rei, such, ter

sollen 5 bekannte Hauptwörter gebildet werden und zwar derart, daß dir bei jeden, Wort in der Milte stehenden zwei Buchstaben aneinandergereiht ein hohes Gut bezeichnen, das die Menschen meistens erst schätzen, wenn sie es verloren haben.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Schachaufgabe in vor. Nr.:

W. Ka2, DH3, Sbß, 15, Bb5, hl.

Schw. Ke4, Lai, a8, Sb7, Be5, 16, 7,.

1. Sbßd7, Kd5. 2. Df3 +. 1. . . ., Kf4. 2. Dfl +. 1.....beliebig. 2. 816: +.

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Wer hätte es nicht schon an sich selbst erfahren, wie sehr eine gutsitzende Toilette, in der man sich gefällt, die Stimmung hebt und wiederum, wie einem die ganze Freude eines Festes verdorben werden kann durch ein Kleid, das nicht recht gefällt oder welches nicht paßt und in dem man sich unbehaglich fühlt. Ein schon altes Sprichwort lautet sehr bezeichnend:Ein Kleid, das nicht

paßt, ist eine Last". Die Garderobe ist demnach gar nichts so unwichtiges, wie viele glauben, und besonders unsere Fest­kleider müssen wir mit Sorgfalt und einer gewissen Liebe zur Sache auswählen. Die Mode, jene gütige Fee, kommt uns hierbei in diesem Jahre besonders entgegen; denn gerade in Bezug auf Ball- und Gesellschaftskleider bietet sie eine überraschend große Auswahl, welche wobl iedem