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„Ja, Sie sagen das so, wie Sie es eben verstehen. Menn man sich immer in gewissen Fällen im entscheidenden Momente Einhalt thun könnte---ja dann—! Aber
Zurückhaltung, kaltes Blut oder Charakter von einem Spieler verlangen, heißt so viel, als wollen Sie von einem Dieb Ehrenhaftigkeit fordern."
„Kam Ihnen denn nicht der Gedanke", bemerkte Sanftleben, „nachdem Sie Ihr ganzes Geld verspielt hatten, sich der Leitung von Monte-Carlo vorzustellen und ihr Ihre Dienste anzubieten? Waren Sie denn nicht zu diesem Zwecke hingefahren?"
„That ich ja.--O, die zu Grunde Gerichteten
besitzen nicht mehr viel Eitelkeit! Der Direktor, ein sehr liebenswürdiger Mensch, antwortete mir: „Mein lieber Herr Müller, Sie sind jetzt als Spieler einmal bekannt. Daher können Sie nicht in unfern Dienst treten. Die erste Bedingung, Beamter bei uns werden zu können, ist die: niemals ein Goldstück auf den Spieltisch zu werfen. Haben Eie je unsere Croupiers, unsere Inspektoren, unsere Saaldiener aus ihre eigene Rechnung spielen gesehen?" „Aber, Herr Direktor, wenn ich in Ihre Dienste trete, werde ich nicht mehr spielen", entgegnete ich ihm. „Ach, gehen Eie mir mit dieser Absicht. Es wird stärker sein als Sie selbst. Wer getrunken hat, der trinkt auch weiter. Sie werden es vielleicht nicht wagen, öffentlich zu spielen — aber Sie werden sich einen Bekannten beiseite nehmen, und ihm den Auftrag geben: „Setzen Sie für mich diesen Louis auf .die 321" —, denn Sie lieben die 32 außerordentlich, Herr Müller." — Leider ja! Ich liebte sie nur zu sehr. Diese Leute wissen alles in Monte-Carlo. — Ich hielt es für überflüssig, noch weiter auf meiner Bitte zu verharren. Ich war fertig. Ich ließ mir dann nur noch mein Reisegeld geben."
„Wieviel hat man Ihnen gegeben?"
„500 Francs."
„Und damit hatten Sie nicht genug, um zurückzukehren?"
„Ja, ja, genug hätte ich schon gehabt; aber da ich nicht mehr in die Spielsäle zurückgedurft habe, bat ich einen Herrn, dessen Bekanntschaft ich am Roulettetisch gemacht habe, diese 500 Francs für mich zu spielen."
„Er hat sie verloren?"
„Das weiß ich nicht genau. Entweder hat er sie verloren, oder aus Vorsicht gleich in die eigene Taiche gesteckt. Ich iveiß nur das, daß ich keinen Pfennig davon mehr wiedergesehen habe. Daraufhin habe ich Ihnen gleich depeschiert."
„Und ich ließ Ihnen auch unverzüglich die 50 Louis anweisen. Ra, diese wenigstens haben Sie nicht verspielt, weil Sie ja glücklich da sind."
„O, verzeihen Sie! Ich habe wenigstens versucht, der Verwaltung ihre 500 Francs wieder zurückzuzahlen. Das verschaffte mir tvieder die Möglichkeit, in die Säle zu gelangen und Ihr Geld zu riskieren. Aber es hat mir kem Glück gebracht. Ich habe ein entschiedenes Pech. In drewrertel Stunden war ich damit fertig."
„Immer wieder durch die 32?"
„Rein. Seit dem vorherigen Tage !oar ich dreiund- drerßrg Jahre alt geworden. Ich habe mir dort selber zu meinem Geburtstage gratuliert, aber eigentlich in ziemlich deprimierter Stimmung."
„Sie spielten also auf die 33?"
. ,"3?' jchd diese 33 kam auch heraus. Sie ivollte mrch für dre vorhergegaugenen Tage entschädigen. Sie wurde, wie man sagt, eine „warme" Nummer. Man sah überhaupt kerne andere mehr, als nur sie. Endlich war alles zu Ende. Ich hoffte einen Augenblick, von dort einen mächtigen Geldsack mitzubringen, — brachte aber nur meinen Reisesack mit Und in dem ist nicht einmal etwas Besonderes drinnen. Ich ließ im Hotel meine sämt- lichen Effekten als Pfand zurück, und kam hier in der Drrttwr Klasse an. — Jetzt geben Sie mir, bitte, Arbeit, •— uh brauche notwendig welche."
„Ich will es versuchen", sagte Sanftleben, „doch be- zwersle ich sehr, daß es etwas für Sie zu thun gießt Sie tmffen Wohl, wie es um den Prozeß Sempach steht?"
„Ja, ich habe in der Bahn den „General-Anzeiger" gelesen."
„Run, und was denken Sie über die ganze Sachet „Ich denke, daß der Angeklagte ohne das Dazwischen
kommen dieses jungen Mädchens unfehlbar verurteilt worden wäre. Sie kam noch gerade zur rechten Zeit, ihn zu retten."
(Fortsetzung folgt.)
Unser Garten im November.
(Nachdruck verboten.)
Menn wir im Oktober mit unseren Pflanzungen begonnen haben, sei dies nun mit Obstbäumen, Beerensträuchern, Rhabarber, Stauden, Ziersträuchern usw., so müssen wir mit verdoppelter Energie die Pflanzungen im November fortsetzen. Man kann ja auch noch im Dezember pflanzen — die Witterung W ja manchmal günstig dazu —, je früher aber der Baum in die Erde kommt, desto schneller bildet er Wurzeln und gerade die milden Herbstmonate sind für die Bewurzelung von ungemeinem Wert. Im Dezember droht auch der Frost mehr wie im November, daher beende man alle Pflanzungen, die überhaupt im Herbst gemacht werden sollen und dürfen, im November.
Das Reinigen der Obstbäume, der Kalkanstrich, der Anstrich mit Schwefelkalium, das Nachsehen der Raupeu- leimringe gehört zu den täglichen Arbeiten des Novembers. Man vergesse auch nicht das Ansputzen und Auslichten der Krone. Man versäume nicht das Anfrichten schiefgewordener Stämme und das Mschneiden der vorhandenen Misteln.
Sehr wichtig ist der Schutz gegen Hasen - ? ; r.
Wehe, wenn die erste Schneedecke liegt, uuo wir beim ersten Gang durch unseren Baumgarten ausrufen müssen „zu spät". Da nützt es nichts mehr, wenn wir die richtige Maschenweite nehmen, nämlich 2 bis 3 Zentimeter, da nützt es nichts mehr, daß wir den Draht hoch genug verwenden — 1 Meter hoch — und ihn verstellbar anbringen. Das „zu spät" macht die Arbeit fast wirkungslos.
Ende des Monats find die Obstmadenfallen abzunehmen und zu verbrennen, auch diejenigen, welche in den Obstaufbewahrungsräumen untergebracht sind.
Die wenigen Kirchen, die es in diesem Jahre gab, waren arg madig, darum den Boden unter den Kirschbäumen tief umgegraben und ihn mit Kalk einige Zentimeter hoch bedeckt.
Der Schnitt des Weinstockes ist jetzt in Angriff zu nehmen. Pfirsich und Aprikosen am Spalier sind mit Tannenreisig zu schützen, Verbesserungen des Bodens mit Kalk und verrottetem Mist in Düngungsgräben sind bei allen kranken Spalierbäumen vorzunehrnen. Dort, wo es viel rissige Birnen gab, erinnere ich besonders nachdrücklich daran.
Tas Einwintern der Rosen macht Zweifel. Hier wird ein besonders strenger, dort ein besonders milder Winter prophezeit. Wir möchten gern an den Knöpfen abzählen, ob wir zudecken sollen oder nicht. So mancher ist hineiu- gefallen, weil er zu spät an den Winter dachte, so manche- , weil er sich so früh in den Winter hineinlebte. Vorsicht ist gerade bei den Rosen geboten, sie faulen und stocken bei feuchtem, warmen Wetter, sofern sic zugedeckt sind.
Daher nur niederbiegen die Kronen, Tannenzwcige danebengelegt, und wenn es etwas friert, die Erde auf die Krone! Auch zarte Coniferen, Magnolien müssen bei Frostwetter ihre Decke erhalten.
Im Gemüsegarten heißt es graben, düngen, rigolen. Land für Spargel, ftir Obstbäume, für Rhabarber, für Beerensträucher wird mit Vorteil rigolt Die Kohlstrünke mit ihren dicken Füßen ins Feuer. Wo Engerlinge gewütet haben, Gräben ziehen, diese mit Dünger füllen. Die Engerlinge ziehen sich dahin und können gesammelt werden.
Blumenzwiebeln werden noch ins Freie gepflanzt, Winter-Teppichbeete hergerichtet. Man sät Spargelsamen, Apfel- und Birnkerne, Pflaumensteine. Man leert die Mistbeete, setzt Dünger auf Haufen. Alles Gemüse wird eingewintert.
Im Zimmer blühen herzige Primeln und Alpenveilchen. Diese Pflanzen nur nicht zu warm halten, 8 bis 12 Grad sagen ihnen zu. Die Azaleen, die Myrte, die Kamelie wollen nur 2 bis 4 Grad warm stehen. Vorsicht beim Gießen aller im Kübel stehenden Gewächse! Im Wohnzimmer dagegen, wo das Heizen beginnt, öfters


