408
Vermischtes.
Intimes von König Eduard. Jahrzehnte lang hat Eduard VIL, als er noch Prinz von Wales war, die englische Gesellschaft nach seinem Geschmacke geleitet. Er hatte seinen eigenen Hof, der vielleicht gesuchter war, als der ofsizielle. Er war, so erzählt Ange Galdemar im „Gau- lois", von großer Gutmütigkeit, folgte oft der ersten Eingebung, aber er verabscheute die Vertraulichkeit. Bei einem Wotzlthätigkeitsbazar fetzte es eine junge Ausländerin von großer Schönheit und großem Reichtum einst durch, daß der Prinz an ihrem Buffet eine Tasse Thee nahm. Der Preis war hoch. Ehe die junge Frau dem wartenden Prinzen die Tasse reichte, setzte sie sie an die Lippen, und nachdem sie einen Schluck getrunken, sagte sie mit dem liebenswürdigsten Lächeln: „Jetzt, Königliche Hoheit, kostet sie 100 Mark." Der Prinz von Wales zahlte, und sagte dann ruhig, indem er die Tasse sanft zurückschob: „Dars ich jetzt um eine reine Tasse bitten?" Er begnügte sich nicht damit, in der britischen Gesellschaft zu glänzen, er gab den Ton in der Mode an, und machte das Glück vieler seiner Lieferanten blos dadurch, daß er ihnen gestattete, sich auf ihn zu berufen. Er entwickelte den eleganten Geschmack, der ihm angeboren war, durch Beobachtung und Benutzung von Zufälligkeiten. Eines Abends fällt ihm im Theater der besondere Schnitt eines Rockes auf, den der Schauspieler, der den Armand Duval giebt, trägt. Dieser ahnt nicht, daß seine elegante Kleidung die Aufmerksamkeit des Prinzen von Wales gefesselt hat. Nach dem Fallen des Vorhanges wird er in die Loge des Prinzen
scheu ... zu nichts zu gebrauchen. Nur dem Namen nach sind wir Adlige, in materieller Hinsicht sind wir nichts als Bauern, sogar schlimmer . . . Wir wohnen in Steinhäusern, es ist aber nur eine optische Täuschung, denn — das Dach hat Löcher . . . Das Geld reicht nicht, um es tu Stand zu setzen."
„Ich lasse es Ihnen machen, Kusttta Kusmitsch!"
Samuchrischin erbittet sich! noch eine Kuh, einen Empfehlungsbrief für seine Tochter, die er nach dem Institut schicken will. Tief gerührt von der Freigebigkeit der Generalin, schluchzt er, verzerrt den Mund, und sucht umständlich nach seinem Taschentuch ... Die Generalin sieht, wie zugleich mit dem Taschentuch ein rotes Papier aus seiner Tasche hervorkriecht, und geräuschlos auf die Erde
alle Ewigkeiten werde ich daran denken", brummt er. „Meine Kinder und Enkel sollen daran denken. . . und es sich erzählen. Das ist die Frau, Kinder, die mich« vor dem Tode gerettet hat, die. . ."
Die Generalin begleitet ihren Patienten hinaus, und betrachtet eine Weile den Vater Aristarch mit thränenvollen Augen, sodann läßt sie ihren liebevollen, wohlwollenden Blick über die Apotheke, die Rezeptbücher, die Rechnungen und den Stuhl gleiten, in welchem soeben der durchs sie vom Tode gerettete Mensch gesessen hatte . . . und sie erblickt das Papier, das der Patient verloren hatte. Die Generalin hebt es auf, wickelt es auf, und findet darin drei Körnchen, dieselben, die sie Samuchrischin am vorigen Dienstag gegeben hatte.
„Das sind dieselben . . . sagt sie erstaunt. Sogar das Papier ist dasselbe... Gr hat es nicht einmal aufgemacht! Was hat er denn eingenommen? Seltsam . . . Mr wird mich doch nicht betrügen!"
Zum ersten Male in den zehn Jahren ihrer Praxis schleicht sich ein Zweifel in die Seele der Generalin . . . ®te ruft die folgenden Kranken, spricht mit ihnen über ihre Krankheiten, und bemerkt dasjenige, was sie bis jetzt stets überhört hatte. Die Patienten rühmen sie alle nacheinander, wie auf Verabredung, für die wundersame Heilung, sind von ihrer medizinischen Weisheit entzückt, schimpfen über die Aerzte, und wenn sie vor Erregung ganz rot wird, da beginnen sie über ihre Not zu klagen. Der eine bittet um ein Stückchen Ackerland, der andere um Holz, der dritte um die Erlaubnis, in ihren Wäldern zu jagen usw. Sie betrachtet das breite, gutmütige Gesicht des Vaters Aristarch, der ihr die Wahrheit gezeigt hat, und! die neue Wahrheit beginnt an ihrer Seele zu nagen, Es ist keine gute Wahrheit. . .
Hinterlistig sind die Menschen!
gerufen, der ihn zu der ergreifenden Wahrheit und freien Ungezwungenheit seines Spieles beglückwünscht. Und halblaut, wie ohne Gewicht darauf zu legen, fügt er hinzu; „Sie sind sogar natürlich in der Art, wie Sie Ihren; Rock tragen. Wer ist denn Ihr Schneider?" „Ein Mann, Namens Poole, Königliche Hoheit, der sehr geschmeichelt sein wird, daß Sie geruht haben, nach seinem Namen zu fragen." Und Poole wird der Schneider des Prinzen, und dadurch berühmt. Er bleibt des Vertrauens des! Prinzen würdig, er steigt sogar ständig in seiner Achtung. Poole schneidet zu: aber dem Prinzen fällt die Wahl der Stoffe zu. Und da sich hier der sicherste Geschmack! bethatigt, folgt ihm die Gesellschaft, und kleidet sich elegant. . . . Neulich nachmittag beobachtete ich Eduard VIL beim Derby in Epsom. Sein Bart ist jetzt „mehr Salz als Pfeffer" und das Embonpoint der letzten Jahre des! Prinzen von Wales hat sich! noch ein wenig vergrößerte Aber er ist immer noch derselbe anziehende Charme, dieselbe herzliche Einfachheit, dieselbe Blüte der Höflichkeit. Man führt ein hübsches Wort an, das er als Kind- bei seinem ersten Besuche in Frankreich gesprochen. Die Königin Viktoria und der Prinz-Gemahl machten Napoleon III. einen Besuch. Im Augenblick der unvermeidlichen Abreise bat der kleine Prinz die Kaiserin flehentlich, fie möge ihm erlauben zu bleiben. „Aber Ihre Eltern werden sich von Ihnen nicht trennen wollen, Königliche Hoheit", sagte die Herrscherin lachend. „Was sollten sie ohne Sie thun?" „Ach", antwortete das Kind, „das thut nichts. Ich habe so viele kleine Brüder und Schwestern in Windsor, die mich ersetzen können." Als er als Mann in Paris mit besonderer Sympathie ausgenommen, gesucht und gefeiert wurde, wurde er an dieses Wort von einer Schauspielerin,, deren royalistische Neigungen bekannt waren, erinnert, „Jetzt sollten Sie ber uns bleiben, Königliche Hohert, Sie würden das Königtum populär machen." Der Prrnz lächelte und sagte, wie sich entschuldigend: „Ach, Sie verbrauchen Ihre Könige zu rasch!."
Beleuchtung.
Meide nie den Trunk! Doch merke! Mehr erfreut des Weins Befeuchtung, Wenn das Land durch Himmelslichter Strahlt in günstiger Beleuchtung.
Gerne such!' ich mir ein Plätzchen, Wo ich seh', wie die Gefilde, Sonne- oder mondbeschienen, Zeigen sich in heitrem Bilde. Wie verkläret lacht die Gegend, Wenn die lichten Sonnenstrahlen Ringsum alle Dinge schmücken Wie mit Hellen Zaubermalen.
Und wenn Mond und Sterne leuchten In dem abendlichen Dunkel, Freu' ich mich bei ihrem Glanze Doppelt an des Weins Gefunkelt Dann glüht tief in meinem Herzen Auch ein Stern in Hellem Scheine; Alles strahlt im Zauberglanze Von dem Himmel und vom Weine.
A. Ammann.
Bilderrätsel.
(Auflösung in nächster Nummer.)
(M.
Liraniiii*!
Auflösung des Zahlenrätsels in vor. Nr.: Sommerfericn, Osiris, Meer, Moses, Eros, Rose, Ferse, Eins
Riese, Iris, Eisen, Rero.
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- ub>d Steindrnckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


