Ausgabe 
12.5.1902
 
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finden. Die Inden besitzen heute noch solch eine Levirats- Ehe die aber nur bei Kinderlosigkeit der Witwe zur Aus­führung kommt.Wenn Brüder bei einander wohnen", heißt es im israelitischen Gesetze,und einer stirbt ohne Kinder, so soll des Toten Weib nicht einen Mann draußen nehmen, sondern ihr Schwager soll sie zu seinem Weibe machen und sie ehelichen. Und den ersten Sohn, den sie ihm dar­bringt, soll er bestätigen nach dem Namen seines verstor­benen Bruders, daß dessen Namen nicht vertilgt werde und bleibe." Die Perser, die Afghanen, die türkischen Nomaden­völker und selbst die christlichen Abyssinier haben ähnliche Vorschriften, die mehr oder minder streng eingehalten werden.

Von den chinesischen Witwen erzählt Leopold Kätscher: Es gehört keineswegs zum guten Ton, daß diese eine zweite Ehe'eingehe, und es kommt in den besseren Kreisen viel­leicht nie vor, denn eine Dame von Rang würde sich durch Wiederverheiratung einer Strafe von achtzig Stockhieben aussetzeu. In den niederen Schuhten der Gesellschaft jedoch vermählen sich sehr viele Witwen ein zweites Mal; der Grund ist in der Regel ihre Armut. Für Witwen vom Lande giebt es in großen Städten Unterkunftsanstalten, die in der Regel einer .Heiratsvermittlerin gehören. Die Kinder der ersten Ehe nimmt der Bruder oder sonst irgend ein Verwandter des Verstorbenen zu sich, die Kinder zweiter Ehe aber gelten oft als unehelich und sind für ihr ganzes Leben mit diesem Makel behaftet. Dafür wird der tugend­haften Witwe ein Triumphbogen oder eine Ehrentafel er­richtet, die mit kaiserlicher Erlaubnis die stolzesten Straßen der Städte schmücken und den Ruhm ihrer Heldin späteren Geschlechtern künden. Die Witwen und die keuschen Mäd­chen, die beim Tode ihres Gatten ober Verlobten einen Selbstmord begehen, werden gleichfalls in Uebereinstimm- ung mit den Landesgebräuchen, auf einer Ehrentafel ver­zeichnet, wenn sie einflußreiche Freunde haben, die willig und im stände sind, die kaiserliche Zusage zu erlangen und die Geldmittel vorzustrecken.

Traurig ist das Schicksal der Witwenschaft; verfolgt Und gedehmütigt und nicht selten mit dem Tode bedroht, hat das Weib, dem der Herr und Beschützer entrissen wurde, fast auf h er ganzen Erde und selbst in den Zeiten höchster Kultur ein Martirium sondergleichen erdulden müssen. Grausam sind die Witwenpflichten und die Witwenrechte gering, aber die ideale Auffassung der Ehe, die die Stell­ung der Hausfrau im Mendlande unb zuvörderst die der deutschen Hausmutter zu einer so wahrhaft schönen und ehrenvollen gestaltet, wird mit dem Fortschreiten der Moral siegreich das finstere Geschick ihrer Schwesterm in fernen Zonen bewältigen.

Fashionable Kopfbedeckmrgen in London.

Die Strohgeflechte der neuen Modehüte werden immer excentrischer. Zur GarnierMg werden Blumen int lieber- fluß verwandt. Große, flache Rosen, von denen eine den Kopf bildet, sieht man auf den Blumentoques. Andere sehr elegante Togues sind ganz aus Blättern gemacht, aus denen hier und da ein Röschen hervorguckt. Um einen mittelgroßen weißen Basthut schlingt sich eine Rosenguir- lande, die sich anderthalbmal herumzieht. Eine schwarze Tüllschärpe, die unter der Krempe in dichten Schluppen liegt, läßt die Blumen und das Stroh noch zarter erscheinen. Die runden Krempen der breiten flachen Togues find mit Kränzen zierlicher Gartennelken garniert; ebenso werden weiße Annemonen und Hyacinthen dazu verwandt. Für Automobilfahrten werden zu diesen Modehüten jetzt be­sondere M o t o r f ch l e i e r getragen. Die neuesten find aus einem Stoff gemacht, der Crepe de Chine gleicht und große, weit von einander gesetzte Felder hat. Die beliebtesten Farben sind ein weiches grau, nutzbraun und hellmalven­farben. Die Schleier sind mit einem Seidenstreifen mit Hohlsaum eingefaßt. Der neueste Haarputz sind hübsche kleine Juwelennetze, die von Erwachsenen und Kindern ge­tragen werden. Sie Erinnern an die kleinen Perl- oder Brillantkappen, die vornehme und elegante Italienerinnen zu der Zeit trugen, als Romeo um Julia warb. Diese Netze werdet! oben auf dem Kopf zu einer niedrigen Haarfrisur getragen. Eine andere Neuheit ist ein Kranz aus Benus-

haar in Form einer Tiara und mit schimmernden Tau­tropfen. Kleine Epheublätter mit zierlichen Blüten vermischt werden ähnlich gebraucht.

Gemeinnütziges.

Häufig wird empfohlen, die Gurkenkerne vor dem Auslegen einige Zeit in Wasser oder Mrlch ein­zulegen. Es ist dies jedoch nicht ratsam, noch weniger durch­aus nötig. Die Kerne erhalten in nassen Jahrgängen ohne­hin genug Feuchtigkeit zum Aufgehen und in trockenen Jahren müßte schon der Boden stets gleichmäßig feucht er­halten werden, da sonst die bereits angekeimten und auf­gequellten Samen zu Grunde gehen würden. Richtiger oder nötiger als das Aufquellen ist aber das Sortieren der Gurkenkerne, welches darin besteht, daß nur große, gut ausgebildete, mehr rundliche, dicke, als glatte Samen zur Aussaat gesucht werden, denn diese gehen leichter und besser auf und versprechen ein späteres gedeihlicheres Wachstum. Das Behäufeln der Pflanzen geschieht, sobald sie zu ranken anfangen. Auch ist das vorherige abendliche Begießen mrt abgestandenem Wasser sehr zu empfehlen.

Anfängerinnen int Sport, gleichviel ob der­selbe int Radfahren, Tennis oder irgend einem, die Korper- kraft in Anspruch nehmenden Sport besteht, sollten nut Mäßigung int Anfänge die Hebungen vornehmen. Wenn auch durch die Willenskraft eine Höchstleistung erreicht werden kann, so ist doch die Anfängerin selten in der Sage, die Grenze derselben zu bestimmen; meistens wird sie im Eifer überschritten und eine Uebermüdung, bte. verhängnisvoll und für bte weitere Entwickelung int Sport oft recht hindernb werden kann, ist die unangenehme Folge. Das tritt gewöhnlich bei solchen Anfängerinnen ein, die infolge sitzender Lebensweise, Blutarmut, Bleichsucht und dergleichen von ärztlicher Seite veranlaßt werden, einen Bewegungssport zu treiben und die kaum in der Lage sind, ihre Leistungsfähigkeit zu schätzen. Diese sollten sich den Ratschlägen erfahrener Lehrer fügen, vorsichtig beginnen, niemals sich zu stark ermüden, alles pünktlich befolgen, bann aber hinsichtlich der Kleidung auch das Richtige beob­achten. Ein Körper, der gesunden oder sich kräftigen und zu diesem Zwecke körperliche Hebungen vornehmen soll, muß zweckmäßig bekleidet sein, damit das Blut ungehindert zirkulieren kamt; es darf nicht durch beengende Rockbunde, Kragen, Korsetts, Gürtel, Sturmpfbänder usw. gehindert sein, die schließlich alle aufgewendete Mühe zum Nachteil werden lassen. Ferner ist auf eine richtige Ernährung durch leichtverdauliche, nahrhafte Speisen zu sehen. Durch bte Erfüllung dieser Bedingungen wird der Zweck des Sportes, Gesundheit und Körperkraft erreicht. .

(Prakt. Wegweiser, Wurzburg.)

Maien grüß.

Ich hört' etwas klappern und dachte, das sei Der Storch, bet so klappert, da war es der Mat. Der Mai ist gekommen in schueidenbem Ost Unb reibt sich die Hände und klappert vor Frost.

Wie sollt' er nicht frieren? Gar schlimm ist er d'raur Einher geht er barfuß, hat wenig nur an.

Der Mai ist gekommen Karline heiz' ein Und koch' für ihn Kaffee und ruf' ihn herein!

(Kladderadatsch")

Magisches Quadrat.

(Nachdruck verboten.)

1. Weltstadt.

2. Weiblicher Vorname.

3. Biblischer Name.

4. Zahlwort?

In die Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben A, EEEE, II, L, NNN, 88, UU, W derart cinzulragcn, daß die vier wagercchten Reihen gleichlautend mit den senkrechten sind und Wörter von der bet' gefügten Bedeutung bilden.

(Auflösting in nächster Nummer.)

Auflöstmg des Bilderrätsels in vor. Nr.t Eichenhain.

Redaktion: I. V.: N. Dittm ann. Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.