Ausgabe 
12.5.1902
 
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Montag den 12. Mat.

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1902.

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Menschen sind, gibt's Fehler. jRjg* Sprichwort.

(Nachdruck verboten.)

Die Möve.

Noman in zivei Bänden von Zucharios Nielsen. Autorisierte Uebersetzuna aus dem Dänischen von Mathilde Mann.

(Fortsetzung.)

Frau Eck wurde an Stätten geführt, wo sie nie zuvor gewesen war. Bei Tag und bei Nacht wogten dre Gedanken hoch in ihr. Wenn sie sich des Abends auf dem Sofa zur Ruhe legte, konnte sie lange liegen und laut unter ihrer Decke schluchzen, aber es war, als wenn sich ihr Schmerz nach und nach löse, als wenn er mit den Thränen fortflone.

Eines Wends, als Böje nach Hause kam, war ihm eine kleine Tochter geboren. .

Er nahm sich Helenens mit der alten Sorgfalt an und fragte, ob er nicht eine Frau zur Aushilfe kommen lass en

keinen Fall! Das erlauben uns unsere Mittel liidjt u

;,3<x, augenblicklich geht es ganz gut. Ich habe zwanzig Kronen für den Artikel bekommen, den rch für die bvtanrsche

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Aber Selene wollte keine andere Hilfe haben, als wie Frau Eck sie ihr angedeihen lieh. Die hielt sie ,aber auch den ganzen Tag in Bewegung. Bald muhte sie in die Apotheke laufen und Kindermehl holen, bald die Kieme besorgen und den Theekessel oder den Suppenbopf aufsetzen.

haben Sie tausend Dank, Frau Eck! Ich weih wirklich nicht, wie ich Ihnen all Ihre Aufopferung vergelten soll!

Frau Eck, die vom frühen Morgen bis zum spaten Abend in Thätigkeit war, bekanr rote Backen und schien ein ganz anderer Mensch zu werden. .

Ich fürchtete mich so, daß Sie sterben konnten", sagte sie eines Tages. .

Ich selber fürchtete mich auch davor Bvjes und der Kinder wogen. Aber wenn es geschehen wäre, so hätte der liebe Gott wohl einen Ausweg für sie gefunden."

Sie sprachen lange über den Tod.

Ja, Frau Eck, die Welt geht ihren Gang, wir mögen leben oder sterben; geht sie aber nicht besser, wenn wir sterben, als wie sie gegangen wäre, wenn wir niemals gelebt hätten dann haben wir vergebens gelebt."

Die junge Frau meinte, wenn sie einmal stürbe, so würde sie nicht besser, sondern vielmehr schlechter gehen.

Das ist nicht tvahr, Frau Eck! Allein die Liebe und die Hilfe, die Sie mir erwiesen haben!"

Ach, das ist ja gar nicht der Rede wert!" .

Freilich ist das der Rede wert. Sie sind mir ein« große Stütze gewesen." . , m-.

Frau Eck beugte sich über die Freundin und küßte fte, Es ist so schön, etwas für andere sein zu können!

Ja, das ist schön! Könnten wir doch alle Menschen erfreuen und ihnen hilfreich sein! Man mag den besten Willen haben, und kann doch nur so wenig ausrichten! ~

Jetzt sollte der Umzug bald vor jtch gehen. Hu, dieser "^^^Frat^ Eck "bemerkte, daß Helene alle Augenblicke ver­stohlen einige Zeilen auf einen Briefbogen schrieb, den sitz sorgfältig verbarg, sobald sie unterbrochen wurde.

Ist es nicht merkwürdig, Frau Eck, ich kann mich ^hreH Mädchennamens nicht entsinnen!" , .,.

Frau Eck lächelte.Ich hab' ihn Ihnen ja gar Nicht

Richt? Ja, ich meine doch m war es nicht Holst?"

Wie kommen Sie nur darauf?"

Ist es denn nicht richtig?"

"©o? Ich weiß wirklich nicht, wie ich auf den Ge^ danken gekommen bin, daß Sie eine geborene Holst seien.

Später, im Laufe des Gesprächs, fragte Helene bis Freundin, ob sie oft nach Römie gekommen fer.

Rein, dahin kamen wir nur selten." , Aber die Pfarre Ihres Vaters lag doch tn der Nays

Nein, ich stamme von der Ostküste der Insel, mein «*«$ *T- Wert Me Hand °« den "l1 hinab an einen ®inefta|ten,

sah sich vorsichtig nach allen Seiten um und steckte dann

Drei Tage darauf trat ein großer schwarzgekleidetes Mann ins Zimmer. Helenes erster Gedanke, als sre ihm öffnete, war:Mein Gott, ist der aber lang'." Aber sie hatte keine Zeit, weiter Maß von ihm zu nehmen, denn un selben Augenblick, als sie bett Kops in den Nacken gelegt hatte, um zu seinen Brillengläsern aufzuschauen, begann er mit einer tieftönenden, orgelähnlichen Stimme, die tn wunder- ^cher Weise eine alte halbvergessene Saite tn ihrem vjunern berührte:Habe ich die Ehre, mit Frau Böje zu sprechen? _ Es ist mir eine Freude, Sie begrüßen zu können, ich lm Sophies Vater, Pastor Domsen."

' Im selben Augenblick wurde es ihr klar, daß er chr alter Religiotislehrer sei; aber die Ehrfurcht aus der Ste b.t zeit, vereint mit dem Staunen, daß er 8-rau Ecks .'

bewirkten, daß sie sich unwillkürlich vorthmvernelgte wie ein kleines Mädchen utid ganz perlegett dastand.