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Haltung mit ihr in dem Birkenmoor gehabt, als sie sich auf einer -
Die Kaiser Friedrich-Münze.
Eine Kriminalgeschichte von Friedrich Thieme.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
wieder. c
Es war für sechs Personen gedeckt.
„Ob der Vater und der Schwiegervater mcht kommen? fragte Thomas. r ,,
„Ich weiß es nicht. Dein Vater ist, glaube ich, zu Felde gegangen, und der meinige hat schon zu Hanse gefrühstückt, bau« ung ^fangen. Bitte, Böse, nimm Platz und greif zu, es ist echtes Kraftfutter." ,
„Ich muh leider sehr vorsichtig mit dem sein, was ! ich esse "
Tu kennst wohl ineinen Schwiegervater, den alten Redakteur Rabe?" fragte Thomas, nachdem sie begonnen
„Nein, erinnere mich nicht, jemals die Ehre gehabt zu haben. , eg wimmelt hier in Holmstrup
von Raben, Du bist in einen richtigen Krähwinkel gekommen", fuhr der Müller fort, sein Glas an den Mund setzend. „A-h!- Wer zum Glück sind dm meisten männlichen Geschlechts. Mit den weiblichen Raben ist schwer umzugehen; die hacken, nicht wahr, Helene?
Ein bitteres Lächeln umspielte ihren Mund.
„Ja, ja, mein Schnutechen! Wir beide pflegen doch sonst gut miteinander auskommen zu können, wie? Prost, mein Schatz, Du bist doch trotz alledem diejenige, bte mir mein Leben verschönert. Willkommen, Boje 1"
Ter Gast nippte an seinem Glase und lieh em Wort fallen, daß es seiner Ansicht nach ein wenig früh am Tage sei, um Sherry zu trinken.
„Früh? Tas ist ein edles Morgengetrauk!"
Tie alte Madame Rabe, die sich nun ein wenig geputzt, und die Binsenschuhe mit hübschen Morgenschuhen vertauscht hatte, sah da, die Mundwinkel voll geschmolzener Butter, milde und freundlich von dem einen zum andern hinüberfchauend, während sie still die fetten Bissen zerkaute, oie sie nach und nach zerschnitt. Thomas nickte ihr alle Augenblicke zu, und schob ihr bte Schüsseln mit Eiern und Wurst hin. Von Zeit zu Zeit flüsterte sie
Nach etwa zehn Minuten kehrte der Lehrling mit dem gefüllten Kruge und einem Glase zuruck. ,^ndem er letzteres dem Gehilfen reichte, legte er zugleich em funkelnagelneues Zweimarkstück vor diesen hm, mit dem Bemerken, der Wirt habe nicht wechseln können, und den Betrag gleich vom Meister mit abgezogen, er solle sich mit diesem auseinandersetzen. t .
Karl Hallweber, so hieß der Gehilfe, wurde blutrot und griff hastig nach dem Geldstück, um es emzustecken. Ecklich aber hatte es bereits gesehen, er legte rasch bte Hand darauf, und rief erregt:
„Das ist ja eine Kaiser Frtedrtch-Munze — woher haben Sie die, Hallweber?" ,
Ter Gehilfe entgegnete schnell gefaßt, er besitze sie schon lange.
„Seit wann?"
„Seit einigen Wochen."
„Woher haben Sie dieselbe?"
„Ich weih es nicht mehr." . .,
Ter Malermeister blickte den Gesellen forschend an. Aus den Zügen Hallwebers sprach eine unverkennbare Verstörtheit Seit einigen Wochen, schon wollte er das Zweimarkstück besitzen — nun, zu jener Zeit waren diese Münzen mit Kaiser Friedrichs Bildnis noch äußerst gesucht Der Umstand, daß der Bursche nicht wisien wollte, von wem er das Geldstück erhalten, erschien daher ebenso seltsam als der, daß er, der ein Bruder Leichtsinn war, und immer borgen mußte, ein ganzes Zweimarkstück, für । das er noch dazu Aufgeld erhalten konnte, mehrere Wochen lang ungewechselt in der Tasche herumgetragen elfter, überhaupt ein ziemlich kurz angebundener Mann, sagte ihm daher nach einigem Hui- und Her- reden auf den Kops zu, daß dies dre Mun^ seh die kürzlich an der ihm gestohlenen Summe gefehlt habe
Hallweber brauste auf, er erwiderte trotzig es gebe mehr Kaiser Friedrich-Zweimarkstücke m der -üelt, diZeS | hier habe er sich seinerzeit extra beim Wirt zum Anker
waren die Augen, die einen mit einer so innigen, un- , Helene ein paar Worte zu die diese durch Zeichen mit schuldigen Glut auschaueu konnten. , ! U0^ann besorgst Du also 'das Stärkezeug, liebe
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ab gestoßen worden war. Tas war bei dem Gutsverwalter ber sehr wohl begreifen konnte, daß das junge
auf Christiauslund gewesen. Er hatte mit ihr „F Mädchen der alternden, korpulenten Hausfrau schon jetzt gegessen" und er hatte sie sehr S»t küssen können, machte fa.g ber Arbeit abnehmen mußte, beugte sich zu ihr
sich aber ,nichts daraus — ihre Men waren trock u. [inübelr unb rief; „Sie können schon mit Ihrer Schwieger- Tas einzige, weswegen er sich em wenig für ste mrer i , 1, iitfrieben sein!"
essiert hatte, war der Umstand, daß sie^Thomas Rabes i He^ he!" lachte die alte Frau unsicher.
Braut war. Später hatte er mehrmals auf dem Holms- I Faulem Helene war unruhig und schweigsam. Böje
' chhof nach dem Gottesdienst eimge Worte mit . te üon g^it zu Zeit das Wort an sie, aber sie Zelt, und endlich hatte er eine längere Unter- I il/m jedesmal so sonderbar kurz und machte
r in dem Birkenmoor gehabt, als sre amworrere^iym feoesm i i i ff»n.
.... «2 sü, ÄiSmt nM. man Stockstöße, eine Ta«
hatte sie ihm gleichsam, neue Fächer ihres ^nnern er- i . b ^ähe des Ofens wurde geöffnet, und
schlossen. Das letzte Mal hatte er sogar in klugen I humpelte ein kleines, trockenes Männchen, das einen Schimmer von einer tief verborgenen Glut entdeckt, ^ei"uf9Xe„ILfrtOrrigen Eichenstock stützte.
unb etwas Unmittelbares in ihrer sonst scheinbar em ! ) to{r ben Herrn Redakteur! Komm her,
wenig trockenen Alltagsnatur gefunden. Er war an Mem » h unb trinke ein Glas mit uns! Dies Tage vielleicht besonders freundlich gegen .sie gewesen, .st ein Mnd5tsfrennd - angehender Förster."
und er erinnerte sich sehr wohl, daß er unwillkürlich an I Natürlich radikal?" fragte der Alte mit scharfer die Pflanze Sonnentau" hatte denken mu seii, die ihre stimme, den Fremden mit einem politischen Dolchblick Blüte nur dem wärmsten Sonnenschein erschließt. Aber I bl.rrrlbotirenb
es war nur eine Freundlichkeit von sehr unschuldiger Att I Fürchterlich radikal! Genau so wie ich", erwiderte gewesen, die er ihr erzeigte, und er ^kte sie gleich I , aber deswegen können wir ja doch gute Freunde
wieder vergessen. Von Christianslund war er nach Jütland | Nimm Dein Glas, Böje, wir wollen einmal mit gereift, wo er mehrere Jahre einen größeren Guter- 1 • unverbesserlichen Nationalliberalen anstoßen, komplex verwaltet, und sich in die Tochter seines Herrn dem atten^ unveroefieriuy n
verliebt hatte. r Sef gtattrafierte Gesicht saß in starrer Ruhe
Nachdem er einen Korb bekommen, steckte er bte . . .£ Srauen burcß den Truck eines unerschütter-
Lanbwirtschaft auf und reifte nach Kopenhagen, wo er Ellens zusammengezogen. Er sagte niemals viel,
seither von seinem Erbe gelebt hatte. Wahrenb all die,er I abg). b|nter re|ner abgetragenen schwarzen Samtweste Zeit hatte er so gut wie nichts von seinen Bekannten I herrschte ein ewiger politischer Morast.
in ber Holmstruper Gegend gehört, und bis, zu diesem yerrgyie em u ^Fortsetzung folgt.) Tage hatte er nicht gewußt, ob das Verbaltnis zwischen I ®
Fräulein Helene und seinem alten Freund Thomas Rabe noch existiere. „ ,., .
Thomas war ein wenig bestimmt, als er sich wieder zeigte, und er ft, nachdem er an dem reichbesetzten Tisch Platz genommen, und die geschliffene Flasche nut dem goldigen Sherry erblickt hatte, kehrte seine gute Laune


