Ausgabe 
12.3.1902
 
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Mittwoch den 12. Mär;.

Nr. 38.

1902.

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Gnädiges Fräulein sollte sich die Gelegenheit nicht ent­gehen lassen und einen Abstecher dahin unternehmen. Sitz werden es nicht bereuen."

Ihrer genauen Ortskenntnis nach scheinen Sie schon einmal diese Gegend besucht zu haben?"

Bereits dreimal. Immer wieder zieht cs mich ttt diese entzückende Landschaft, diesen gesegneten Landstrich, der noch viel zu wenig von den Touristen gekannt und ge­würdigt wird. Aber dies hat wiederum sein Gutes, man findet keine überfüllten und deshalb überteuerten Gasthäuser und anch der Schwarm der Ausländer hat sich noch! nicht bis hierher verloren. Sie, gnädiges Fräulein, bereisen diese Gegend wohl zum ersteumal?"

Ja. Mein Arzt hat mir.Stille, Luftveränderung und eine Masserfahrt empfohlen, lind da ich bei einer Rhein­fahrt die erstere nicht haben konnte imb mein Arzt auch neue Eindrücke für mich wünschte, so hat er mir eine Weser­fahrt angeraten. Nichts Aufregendes sollte es sein, son­dern eine Gegend, die in ruhiger Schönheit auf mein Gemüt wirken soll. In Münden bin ich eingestiegen, komme nun itBer Karlshafen und will ebenwvhl in Hameln landen. Mein Ziel ist Minden und die Porta Westfalika."

Dann haben wir dasselbe Ziel, das nur durch meine Fußtour etwas verzögert >vird. Wie wäre es, gnädiges Fräulein, wenn Sie auf dem Rückwege, nachdem Sie Minden wieder hinter sich gelassen, die Partie von da zu Wagen zurücklegteu, die Paschen- und Schaumburg besuchten und vielleicht auch noch die Ahrensburg mitnähmen? Es lohnt sich wirklich der Mühe."

Sie malen das so verlockend aus, Herr von Lohberg, daß ich kaum zu widerstehen vermag."

Es soll mich freuen, von Ihnen bestätigt zu hören, was ich Ihnen Rühmliches davon sagte."

Darf .ich mir eine Bitte erlauben, eine recht große, gnädiges Fräulein?" c _

Sie sah ihn fragend an.Bestimmen Sre den Tag und die Stunde, wo Sie den Abstecher unternehmen wollen, und erlauben Sie mir, Sie dort zu erwarten."

Herr von Loßberg!"

Reisefrciheit, meine Gnädigste! Warum wollen Sie mich des kurzen Glückes berauben, nach fo langer Zeit einmal wieder mit Ihnen zusammen zu sein?"

Es sei", sagte sie nach kurzem Besinnen.

Dank, tausend Dank!"

In Hameln, wo sie gegen Abend landeten, trennten sie sich, um in verschiedenen Gasthöfen Quartier zu nehmen.

Am nächsten Morgen, zu uoch früher Stunde, lag der Dampfer zur Abfahrt bereit. Noch lag der Tau aus Gräsern und Halmen, und über dem Wasser schwebte ent leiser Dunstschleier. Es versprach ein köstlicher ^ag zu

Für einige Stunden hatten Hella und Loßberg noch gemeinsame Fahrt. Sie begrüßten sich heute mit leuchten­den Augen und einem stillen Händedruck.

lAcr cinfam leidet, mehrt das Leid durch Grübeln, Vergißt das Glück, umringt sich mir mit Ucbeln. Doch vieles, was sein Herz verdrossen hat, Vergißt, wer Last- und Lcchgenossen hat.

Shakespeare.

Nachdruck verboten.

Ein verhängnisvoller Ning.

Novelle von E. Hain berg.

(Fortsetzung.)

Er blickt eine Weile stumm in die Ferne, während Hella ihn still beobachtet. Dann sich ihr wieder zuwendend, sprichst er, und seine Stimme klingt bedeckt:Gnädiges Fräulein, können Sie sich den Fall nicht denken, daß im Leben eines Mannes sich oft ein rascher Wechsel vollzieht, eine Stunde kommt, die bezwingend alles niederwirft, was trotzige Strenge und übertriebenes Ehrgefühl als Scheidewand auf- gebaut hatte und zu töten versuchte, was zum Leben be­stimmt war?" . , . n rr

Herr von Loßberg, ich bitte, nicht diese Sprache! Lassen Sie, wie Sie selbst vorhin baten, die Vergangenheit ruhen, und leben wir der Gegenwart."

Warum wollen Sie dem Reuenden verbieten, zu sagen, wie elend er sich selbst gemacht, sich um den schönsten Teil seines Lebens betrogen hat" _

Nicht weiter nicht in diesem Ton, .Herr von Log- berg. Erzählen Sie mir lieber, wie es Ihnen sonst bisher ergangen ist. Aus dem einstigen Leutiiant ist gewiß in­zwischen eilt Rittmeister geworden."

Zu dienen, gnädiges Fräulein."

Und Sie befinden sich jetzt auf einer Urlaubsreife?" Ja, und dabei habe ich mir einmal das durch Hoff- maun von Fallersleben berühmte Schloß Eorvey ange­sehen: ich komme soeben von dort."

Entsprach der Besuch Ihren Erwartungen?"

Die Bibliothek ist jedenfalls eine auserlesene und reich­haltige, doch dies richtig zu schätzen und zu beurteilen, versteht allein der Fachmann. Es war auch mehr eine kleine Unterbrechung der Reise. Ich kam vorgestern mit dem Dampfer, stieg daselbst ab und beabsichtige nun, heute meine Reise bis Hameln fortzusetzen und morgen weiter bis nach Rinteln. Von diesem Ort ab, der sehr romantisch von üppigen Feldern, reichen Obstgeländen und bewaldeten Höhen umgeben liegt, beginnt meine Fußtour über Stein­bergen, am Fuße der Ahrensburg, hin zu den beiden auf ziemlicher Höhe übereinander thronenden, alten Burgen, Paschen- und Schaumburg, wo ein großartiger, wunderbar schöner Ausblick weit in die Lande den Bergsteiger belohnt.