Ausgabe 
11.8.1902
 
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Selbsterhaltung gestellt. Das war ewiges Gesetz. T-as war die Rechtfertigung für ihn.

Es war seine einzige Rettung. Und doch, es war und blieb ein Betrug.

Ottilie nannte sie ihre Freundin und sie schreckte nicht davor zurück. Warum brauchte er bedenklicher zu fein?

Miß Cookson seine Frau!

Und wie am Himmel droben die goldumsäumten Wolken langsam vorüber zogen, sich in einander schoben und sich fortwährend zu anderen seltsamen und undeut­lichen Gebilden formten, so kämpsten seine Gefühle mit­einander, und er wußte nicht, ob die Abneigung, die er gegen Miß Cookson empfand, bei der Vorstellung, sie zu seiner Frau zu machen, zum Haß wurde oder zum Mitleid.

(Fortsetzung folgt.)

vermischtes.

Die Memoiren der Königin Natalie von Serbien. Aus Paris wird geschrieben: Die Königin Natalie von Serbien schreibt ihre Memoiren. Das Kapitel, das die Gründe ihres Glaubenswcchsels erklären wird, dürfte zu den interessantesten und pikantesten des ganzes Buches gehören. Es ist jetzt hinlänglich festgestellt, daß dieser Glaubenswechsel eine politische That war, ein vollständiger Bruch der Ex-Königin mit ihrer ganzen Vergangenheit und mit der Familie Obrenowitsch, ein Protest auch gegen die gegenwärtigen Schirmherren ihres Sohnes, gegen die Monarchen, die Frau Draga Maschin gut aufnahmen oder aufnehmen wollen. Obgleich sie sich von der Welt zurück­gezogen hat, wollte die Königin Natalie doch in gewisser Weise bei der Verehelichung des jungen Prinzen Mirko von Montenegro mit einer serbischen Fürstentochter, einer entfernten Verwandten des Königs Alexander, eine Rolle spielen. Die Königin weiß ganz gut, daß die Ehe des Prinzen Mirko dem König Alexander ganz besonders miß­fällt; sie weiß, daß die Patrioten ihres Landes ein Groß­serbien ersehnen und die Verwirklichung ihrer Träume von der fruchtbaren und klugen Fürstenfamilie von Monte­negro erwarten, da das Paar Mcxander-Draga für immer ohne Nachkommen bleiben dürfte. Von diesen Erwäg­ungen ausgehend, hat die Königin Natalie in fast osten­tativer Weise die Ehe des Prinzen Mirko gebilligt, indem sie einen sehr herzlichen Brief an die junge Braut richtete und ihr ein bedeutungsvolles Geschenk schickte: den. Ehe­ring, den die Fürstin Lubiatz, die Gattin des Gründers der Dynastie Obrenowitsch, auf dem Finger trug. Dieser Ring ist eine Art Investitur, die die Witwe des Königs Milan und Mutter des Königs Alexander, der jungen Fürstentochter zu teil werden ließ; sie selbst trug diesen Ring an dem Tage, an welchem sie Königin wurde. Außer dem Ring schenkte Natalie der Prinzessin Mirko ein Hals­band aus Diamanten, das König Milan ihr einst, am Tage ihrer Verlobung, um den Hals gelegt hätte; auch dieses Halsband gehörte zum Familienschatze der Obre- nowitsch. So schenkt die Königin-Mutter von Serbien ihre Juwelen der Braut eines Prinzen von Montenegro; und mit dieser "That tritt die Königin Natalie in fast gewaltsamer Weise wieder in die aktive Politik ein. Es ist

ein intimes und politisches Drama, das den weitschauenden Beobachter lebhaft interessieren muß.

Uebcr die Bedeutung der Zerkleinerung und des Kochens der Speisen für die Verdauung hat Prof. Lehmann in Würzburg interessante Beobachtungen angestellt. Bis jetzt hatte man noch nie in exakter Weise die Frage zu be­antworten gesucht, wie denn der Zerkleinerungsgrad auf die Verdauung einwirkt. Allerdings wissen wir, daß häufig Menschen, welche hastig kauen und schnell hinunterschlucken, an Magenbeschwerden leiden, ja daß diese Verfehlung häufig die einzige Ursache bildet. Vielfach wird auch von Aerzten und Zahnärzten die Beobachtung gemacht, daß ein künst­liches Gebiß bei Menschen mit defekten Zähnen und infolge­dessen darniederliegender Verdauung Wunder gewirkt habe durch Verbesserung der Ernährung. Lehmann hat nun seine Versuche gewissermaßen im Reagenzglase angestellt, indem er die gekochten Speisen einmal in Würfel von einem Zentimeter Seitenlänge, zweitens von einem Millimeter Seitenlänge und schließlich zerrieben dem Verdauungssaft im Brutschrank aussetzte. Es wurden die verschiedensten Nahrungsmittel verwandt: hartgekochtes Hühnereiweiß, Fleisch, Käse, Erbsen, Graubrot, Pfannkuchen, Aepfel, gelbe Rüben, Kartoffeln und Maccaroni. Aus den Versuchen ergab sich, daß der Grad der Zerkleinerung für die Ver­dauung außerordentlich wichtig ist; nicht nur fördert die Zerkleinerung der groben Würfel zu feineren die Verdau­lichkeit sehr bedeutend, nein, die Zerreibung vergrößert die Geschwindigkeit der Verdauung abermals außerordent, lieh. Bei den Speisen, welche ihres Zuckergehaltes wegen genossen werden, ist auch das Kochen von großer Bedeu­tung, iveit durch das Quellen der Stärke zu Kleister ein­mal die Zellwände gepreßt werden und weil zweitens die verkleisterte Stärke von den Verdauungssäften viel ener­gischer angegriffen wird. Die Verzuckerung der gekochten Speisen ist etwa fünfmal rascher als die der rohen, die Verzuckerung der fein geriebenen 5, 10, ja 20 mal größer als der grob zerkleinerten Speisen. Durch Kochen und feines Zerkleinern wie bei Apfelmus und Kartoffelpüree kann die Zuckerbildung auf das 30lOOfache gesteigert wer­den. Aus alledem geht hervor, wie wichtig ein gutes Gebiß und die richtige Benutzung desselben für die Verdauung ist, und daß man ferner Kranken und Schwachen möglichst fern gewiegte und zerriebene Speisen reichen soll.

Mode.

Unter den Handfertigkeiten für Frauen müßte das Schneidern jederzeit oie erste Stelle einnehmen, weil die Herstellung und Instandhaltung der Kleidung die größten wirtschaftlichen Vorteile gewährt. Wenn es bisher teilweise nicht der Fall Ivar, so lag das in dem Mangel guter Schnitte, die für die Anfertigung geschfnackvoller und passender Kleidung nun einmal unentbehrliche sind. Gegen­wärtig werden nun vorzügliche fertige Schnitte in über-, raschender Auswahl, gut sitzeno und leicht verwendbar von der intern. Schnittmanufaktur, Dresden-N. 8, geliefert unk? dient ein saisonmäßig erscheinendesReichhaltiges Moden­album und Schnittmusterbuch", zum Preise von nur SO Pfg., zur Auswahl derselben. Alle praktischen Frauen werden gut thun, diese neuzeitliche Einrichtung sich zu Nutzen zu machen, durch die auf dem Gebiete der H-ausschneiderei überraschend günstige Erfolge erzielt werden.

Modeßencht Wer SporLkostüme.

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanusaktur Dresden-N. Reichhaltiges Modcnalbum und Schnittmusterbnch zu 60 Pfg. daselbst erhältlich.

Noch vor einem Vierteljahr-Hundert war die Ausübung des Sports seitens der Frauen, beziehungsweise der weib­lichen Jugend auf das Schlittschuhlaufen beschränkt. Aber selbst bei dem harnllosen Vergnügen des Eislaufs hatte noch manches junge Mädchen die Vorurteile der Eltern zu bekämpfen, die die Ausübung dieses beliebten Jugend­sports nicht fürladylike" hielten. Wie haben sich die Zeiten geändert! Jetzt giebt es wohl keine junge Dame, die nicht wenigstens einem Sport huldigt. Unwiderstehlich ziehen in jedem Jahr die schönen Sommertage die weib­liche Jugend hinaus zu fröhlichem Sport ins Freie, und die Eltern freuen sich an dem anmutigen Spiele ihrer Kinder, denn sie wissen, daß die Bewegung in der freien Natur Körper Md Geist gleich stärkt und erfrischt

Diese gesunde Zeitströmung ist natürlich auch Uns dis Mode nicht ohne Einfluß geblieben. Während wir früher nur Haus-, Straßen-, Gesellschafts- und Ballkleider Unter­schieden, spielen neuerdings die Sportkostüme eine außer­ordentlich große Rolle.

Bei der Vielgestaltigkeit des Frauensports muß de» Zweckmäßigkeit und der Kleidsamkeit in gleichem Maße dir nötige Beachtung gezollt werden. Die Mode verlangt hier, neben dem natürlichen Takt, der unbewußt das Richtig" trifft, auch ein besonders aufmerksames Studium aller ein schlägigen praktischen Forderungen. Wird doch durch eins unzweckmäßige Kleidung ost der ganze Erfolg sportlicher Hebungen in Frage gestellt, ganz abgesehen von der bedenk­lich uneleganten Wirkung einer nicht korrekten Tracht. Für